Epic und das Mega Sale Debakel 0

Epic Selbstbild und die Realität

Der aktuell laufende Epic Mega Sale im Epic Games Store und die Geschehnisse drum herum verraten viel über Epics Selbstbild – und der Diskrepanz zum tatsächlichen Bild, das sie nach außen vermitteln. Außerdem zeigen sie einmal mehr, mit wie vielen heißen Nadeln der Store gestrickt ist.

Epic hat am 16. Mai den Epic Mega Sale gestartet, der bis 13. Juni anhält und Rabatte von bis zu 75% auf die Spiele gewährt. Außerdem wird grundsätzlich jedes Spiel, das (abzüglich Rabatt) mindestens 15€ gekostet nochmal um 10€ rabattiert – diesen Rabatt bezahlt Epic aus der eigenen Kasse und er gilt zudem ebenfalls für aktuell nur vorbestellbare Spiele wie Borderlands 3.

Sale? Nicht mit uns

Wie und ob Epic diesen zusätzlichen Rabatt an die Publisher und Entwickler kommuniziert hat, ist mehr als fraglich. Noch am ersten Tag des Sales werden die Spiele Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2 sowie Oxygen Not Included komplett aus dem Store entfernt und sind überhaupt nicht mehr erreichbar. Ruft man die entsprechende Store-Seite direkt auf, erhält man die Fehlermeldung „Seite nicht gefunden“. Der Vorverkauf von Borderlands 3 wird nur einen Tag später, am 17. Mai, gestoppt und ein dazugehöriger Tweet von Randy Pitchford, der den Sale bewirbt, gelöscht. Das Spiel ist zwar über den Direktlink nach wie vor im Epic Store erreichbar, über die Suche aber weiterhin nicht auffindbar (Stand: 28. Mai).

Die Tatsache, dass bei Borderlands 3 nur der Vorverkauf gestoppt wird, Oxygen Not Included und Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2 aber komplett aus dem Store verschwinden, lässt mich aufhorchen. An der fehlenden Funktionalität, ein Spiel auf „Demnächst erwerbbar“ umzustellen, kann es nicht liegen – denn immerhin wird ja genau das bei Borderlands 3 gemacht und außerdem gibt es bereits vor dem Sale Spiele, die entsprechend eingestellt sind. Kotaku zitiert Sergey Galyonkin, Entwickler bei Epic und seinerzeit Betreiber von SteamSpy, wie folgt: „[Galyonkin] initially thought Paradox was aware of how the sale would affect its games, but “after a little investigation, it turned out that I was wrong.””. Das wirft die Frage auf, wie verärgert Paradox sowie Klei Entertainment sein mussten, dass sie ihre Spiele erstmal komplett aus dem Store entfernen lassen? Inzwischen sind zwar sowohl Vampire als auch Oxygen Not Included wieder im Store (letzteres allerdings wie Borderlands 3 nur per Direktlink erreichbar), können jedoch beide nur „Demnächst“ erworben werden.

Ihr macht unser Spiel zu billig

Mangelnde Kommunikation seitens Epic hat offenbar auch mit den Machern von Hades, Supergiant Games stattgefunden. Diese hatten ihr 19,99€ teures Spiel um 15% rabattiert – abzüglich der 10€ Epic-Rabatt sollte das Spiel also 6,99€ kosten – das war Supergiant Games allerdings zu günstig, weshalb sie den Rabatt gestrichen und den Kaufpreis auf 24,99€ erhöht haben, sodass Hades nun faktisch 14,99€ kostet. Zum Preis von 6,99€ sagen sie selber „The price point you saw earlier today was offered in error.” Die Erhöhung auf 24,99€ wird zwar noch am selben Tag wieder rückgängig gemacht, soll allerdings nach dem Sale dann trotzdem durchgeführt werden. All das passiert am 16. Mai, dem ersten Tag des Sales.

Ein weiteres Indiz dafür, wie schlecht Epic diesen Sale mit Publishern und Entwicklern kommuniziert haben muss, ist eine Änderung am Store bereits einen Tag nach Start des Sales. Dann nämlich wird die Anzeige des 10€-Rabatts auf der Startseite entfernt, „um die tatsächlichen Verkaufspreise der Publisher widerzuspielen“. All diese Fälle zeigen deutlich, wie mangelhaft die Kommunikation über den Sale im Voraus gelaufen sein muss.

Die UPlay-Farce

Mit Abwesenheit im Sale glänzen zudem die beiden Ubisoft-Titel Anno 1800 sowie The Divison 2. Am 11. Mai schreibt Epic Games auf Twitter, dass es Probleme seitens Epic mit der UPlay Anbindung gäbe und die Spiele deswegen aktuell käuflich nicht erworben werden können. Auch zwei Wochen später, am 25. Mai, sind beide Spiele nach wie vor nicht käuflich, auch wenn die Store-Seiten über Direktlinks aufgerufen werden können. Auf Nachfrage bestätigt mir Galyonkin das Problem, fast drei Wochen später mag ich aber nicht mehr so Recht daran glauben.

Das erlaubt zwei unterschiedliche Interpretationen: Entweder ist die Anbindung technisch gesehen wirklich katastrophal oder Epic ist einfach nur unehrlich – zum aktuellen Zeitpunkt würde es jedenfalls nicht wundern, wenn die Uplay-Integration am 14. Juni auf magische Art und Weise wieder funktioniert. Wohlgemerkt: „This is solely on Epic’s end and we apologize for the inconvenience.“

Der fehlende Warenkorb und die Fraud Detection

Fast schon nebensächlich in all diesem Trubel ist der fehlende Warenkorb, mit dem auch, laut der offiziellen Roadmap, nicht in den nächsten 6 Monaten zu rechnen ist. Das bedeutet, dass jedes Spiel in einer eigenen Transaktion gekauft werden muss. Was auf den ersten Blick trivial klingt, führt allerdings dazu, dass User, die auf einen Schlag mehrere Titel kaufen wollen, in die Fraud Detection des Epic Stores hineinlaufen, die aufgrund des Kaufverhaltens glaubt, dass es sich um einen gehackten Account mitsamt gestohlener Kreditkarte handelt.

Epics Selbstbild

Epic hat durch sein Vorgehen mit den Exclusives ohnehin schon einen schweren Stand bei einem Teil der Spielerschaft, konnte das jedoch bisher durch das Interesse der Spieleentwicklerinnen und Publisher einigermaßen wettmachen. Gefühlt versuchen sie sich als Robin Hood der Spielebranche zu inszenieren, dazu passt das langanhaltende Unverständnis über Steams 30% sowie die Epic MegaGrants, die 2019 auf der GDC mit den Worten „Thanks to Fortnite’s financial success, we’re launching an entirely new grant program“ vorgestellt wurden.

Dieses Selbstbild zeigt sich im Sale wieder, wo sie viele falsche Annahmen treffen. Annahmen, bei denen sie davon ausgehen, dass sie gut für die Spielentwicklerinnen und Publisher sind, bei denen sich aber bereits am ersten Tag herausstellt, dass dem nicht so ist. Epics suggerierte Transparenz, die durch die öffentliche Roadmap und viele auf Twitter und in Podcasts ausgesprochene Gedanken durch Tim Sweeney und Sergey Galyonkin geprägt werden, passt nicht zur von außen beobachtbaren Kommunikation mit Publishern und Spieleentwicklerinnen; die „fehlerhafte UPlay-Integration“ verkommt außerdem zur Farce. Epic ist auf dem besten Weg seine Glaubwürdigkeit zu verspielen.

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Dominik mag Storyspiele und Shooter und findet die meisten Open World- und Grinding-Mechaniken ganz furchtbar.

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