Konkurrenz ja, aber nicht so 2

Wir müssen reden, Epic.

Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft und so haben wir seit der Einführung des Epic Game Store im Dezember 2018 eine spannende Phase, die aber, wie es scheint, auf dem Rücken der Kunden ausgeführt wird.

Anfang der Woche, genauer gesagt am 28. Januar, hat Deep Silver angekündigt, Metro: Exodus für ein Jahr nach Release auf dem PC zeitexklusiv nur über den Epic Games Store zu vertreiben. Nachdem bereits The Division 2 schon nicht mehr bei Steam erscheinen soll, haben wir nun das zweite große Spiel, das eine „Exklusivität“ auf den PC bringt, die ich bei Konsolen schon scheiße finde. Epic hat durch Fortnite viel Geld verdient und scheint nun Kunden über Exklusivdeals statt über Qualität von ihrem Store „überzeugen“ zu wollen. Der Indie-Entwickler David Galindo kritisierte genau das in seinem Rant „The Epic Store, in its current state, is not good for anyone“ wie folgt:

„Instead of working to provide a unique experience, building a feature-set that is strong out of the gate and can be improved upon in the months ahead, they have chosen to just pack the store full of exclusives and force you to use their extremely basic launcher.”

Mindestens fragwürdig ist außerdem die Tatsache, dass Nutzer der Unreal Engine 4 die übliche 5% Abgabe für Verkäufe im Epic Games Store nicht zahlen müssen. Hier wird noch zu klären sein, ob das nicht ein Fall von Wettbewerbsverzerrung ist.

Selbst Dmitry Glukhovsky, Autor der Metro Bücher und Spiele, ist von dem Epic Store Deal alles andere als begeistert

Monopol, Oligopol, Polypol

Das Schöne an Konkurrenz ist, dass sie mir als Kunden, zumindest der Theorie nach, die Wahlfreiheit gibt. Ob ich das neue Smash Bros im Saturn, Media Markt, GameStop, Kaufhof oder im Nintendo E-Shop kaufe, bleibt mir überlassen – ich kann den Laden wählen, der mir am ehesten zuspricht, der in meiner Nähe ist, oder der andere Gründe bietet, weshalb ich dort einkaufe. In der BWL spricht man hier von einem Polypol – viele Anbieter treffen auf viele Kunden. Wenn nun aber Epic anfängt sein Fortnite-Geld auf Exklusivdeals zu werfen, dann kriegen wir mitnichten ein Polypol, sondern ein Oligopol – wenige Anbieter teilen sich einen Markt auf. Und das ist auf Dauer genauso schlecht für Kunden wie ein Monopol.

Abseits jeglicher Markttheorien werden wir Kunden schon jetzt mit Füßen getreten. Der Metro: Exodus Deal wurde gerade mal 2 ½ Wochen vor Release bekannt geben und zu allem Überfluss werden physikalische Versionen des Spiels einen Key für den Epic Store enthalten – obwohl das anders angepriesen wurde. Das kundenunfreundliche Verhalten ist hier klar Deep Silver und nicht Epic vorzuwerfen, wie aber hinlänglich bekannt ist (und wie wir auch in unserem Podcast zum Epic Games Store herausarbeiten), fließt bei den Exklusivdeals viel Geld – offenbar so viel Geld, dass ein Deep Silver sogar bereit ist 2 ½ Wochen vor Release jede Menge seiner Kunden in die Fresse zu hauen.

Sogar Valve ist ungewohnt offen und kritisiert die spontane Entscheidung Deep Silvers

Die Lüge der Community-Nähe

In anderen Fällen scheinen Kunden geradezu angelogen zu werden, was die Exklusivität bei Epic angeht. Zum aktuellen Zeitpunkt bietet der Epic Games Store keinerlei Community-Features an und wann die kommen ist zum aktuellen Zeitpunkt auch noch nicht bekannt. Trotzdem schreibt Supergiant Games über die (Zeit-)Exklusivität ihres Spiels Hades folgendes:

„With Hades, we knew we really wanted to create a game we could develop in partnership with the community, and from talking to the folks at Epic, we realized their store would be the perfect place to conduct our latest experiment.”

Diese Nähe zur Community ist offenbar so gut, dass Spieler von Ashen, einem weiteren Spiel, das kurzfristig zu Epic gewandert ist, das Steam Forum nutzen, um sich über Fehler und Probleme auszutauschen.

Wunsch für die Zukunft

Ich sehe der Zukunft der Spiele am PC gleichermaßen gespannt wie auch besorgt entgegen. Ich finde Konkurrenz gut und wichtig, finde aber die aktuelle Form unerträglich. Und so bleibt mir nur übrig zum Schluss erneut David Galindo zu zitieren: „It’s ultimately going to be up to Epic to make the Epic Launcher the best place to play a game, instead of the only place you’re allowed.

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Dominik mag Storyspiele und Shooter und findet die meisten Open World- und Grinding-Mechaniken ganz furchtbar.

2 Comments

  1. Die Exklusiv- und Gratisdeals sind aggressive Marketingstunts, um anfängliche Aufmerksamkeit für den Store zu bekommen, der (hoffentlich!) höhere Ambitionen hat als als yet-another-installed-launcher zu verstauben. Bei mir wirkt es: Fortnite interessiert mich nicht die Bohne, bei einem Ashen schau ich zweimal hin. Es bleibt abzuwarten, ob diese newsträchtigen Deals anhalten oder nicht irgendwann nur noch Epic-Spiele exklusiv werden. Und überhaupt: wieviele Exklusivspiele gibt es denn auf Steam? Wie oft kann ich ein PC-Spiel im Laden kaufen und dann liegt darin kein Datenträger, sondern nur ein Coupon mit Steam-Code? Finde schon, dass hier arg mit zweierlei Maß gemessen wird.
    Zu den fehlenden Funktionen: der Epic Store ist in seiner jetzigen Form ganz klar ein MVP – ein minimal viable product: man entwickelt die absolut notwendigsten Basisfunktionen, geht damit live vor Kunde und liefert alles andere allmählich nach. In der agilen Softwareentwicklung ein absolut gängiges Vorgehen. Ich freue mich jedenfalls, dass da gerade ordentlich Dampf (no pun intended) hintersteckt und bin extrem gespannt. Selbst ein Oligopol ist besser als das Quasi-Monopol heute.

  2. Ein teilweise verständlicher Rant vom Autor Dominik. Ich stimme zu, dass so kurzfristig zu verschieben dürfte KäuferInnen nerven, wobei wer es vorbestellt hat, es einfach normal auf Steam spielen kann. Man kann es da nur nicht mehr kaufen. Dazu gab es bei 4Players ein ganz gutes Video ;)
    Zersplitterung find ich auch nicht so gut, wir haben ja inzwischen Steam, Uplay, Origin und GOG (letzterer immerhin optional). Das nervt mich auch und ich gucke, dass ich so wenig Stores wie möglich habe. Und aktuell ist Steam einfach der beste, da hat man i.d.R. die meisten Spiele, es läuft ziemlich gut auf Linux und die ganzen Features sind alles in allem dort am besten. Da schreibt ihr zurecht, dass Epic da nichts hat, quasi ein Laden ohne Kundenservice.
    Zur Aussage: „Sogar Valve ist ungewohnt offen“ natürlich sind die das, dass ist ein Marketing-Elfmeter ohne Torwart. So kann Valve sich schön ins Fäustchen lassen, bekommen weiter 30% (!) von jedem Steamverkauf und die Leute mögen sie auch noch. Die 30% sind zu viel, vielleicht senken die das ja durch den Konkurrenz auf 25% oder sogar 20%, dass würde letztlich auch allen (außer Valve) helfen.

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