Review: Tropico 5 0

Review: Tropico 5 0

Ich liebe die Tropico-Reihe. Mit angenehmer Aufbaustrategie, Wirtschaftssimulation und zynisch humoristischen Elementen bedienen die Spiele um den Aufbau einer karibischen Bananenrepublik ziemlich einzigartig mein Bedürfnis nach einer sich selbst nicht zu ernstnehmenden Politiksimulation. Doch seitdem vor ungefähr 5 Jahren das bulgarische Studio »Haemimont Games« die Reihe wiederbelebt hat, trat immer wieder ein Problem in den Vordergrund: mangelnde Innovation. Tropico 3 war fast eine 1:1-Auflage des Originals und der vierte Teil passte das Ganze eigentlich nur in der Benutzerführung an moderne Zeiten an. Als ich auf der letzten gamescom einen Blick auf »Tropico 5« werfen durfte, war ich positiv erstaunt: So viel mutige Innovation und frische Elemente hatte ich nicht erwartet. Also war ich voller Vorfreude, als ich den neuesten Ableger installieren durfte.

T5_DE_2DDas Spiel selbst bleibt das Gewohnte: Als Presidente einer karibischen Insel gilt es das Überstehen der eigenen Herrschaft zu sichern. Hierzu muss man als Spieler nicht nur dafür sorgen, dass das Volk glücklich ist, was über verschiedene Faktoren wie beispielsweise Gesundheitsversorgung, Unterhaltung oder Sicherheit definiert wird, sondern auch der Geldstrom nicht abreißt und genug Militär bereit steht, um Rebellen und/oder Invasoren in Schach zu halten. Diese Komponenten beeinflussen sich gegenseitig, sodass man permanent auf ein Gleichgewicht achten muss. Dieses im Kern sehr simple Konzept ist aber durchaus komplex: Mit Monokulturen an Zucker kann ich zwar Geld scheißen, aber das bringt mir nicht viel, wenn meine Bürger dahinvegetieren und nicht mehr arbeiten können. Der wirtschaftliche Zusammenbruch ist also vorprogrammiert, wenn ich nicht darauf achte, dass meine Bürger auch teure Kliniken und eine umfangreiche Nahrungsversorgung zur Verfügung haben.

Nun war es bis dato aber so, dass sich alles in der gleichen Epoche abspielte. Die größte Änderung von »Tropico 5« ist die Einführung von vier unterschiedlichen Epochen. Angefangen beim Kolonialismus, gefolgt von der Zeit der großen Kriege, über den Kalten Krieg bis zur Moderne stellt das Spiel also einen Blick auf die letzten 200 Jahre der Menschheitsgeschichte dar. Dies äußert sich vor allem in der Anforderung an den Spieler, denn im Kolonialzeitalter geht es vor allem um die Sicherung der eigenen Macht, in dem man die herrschende Krone zufriedenstellt, aber auch gleichzeitig um die Vorbereitung der nahenden Unabhängigkeit, nach der man ein gutes finanzielles Polster und eine ausreichend ausgebaute Infrastruktur vorweisen sollte. Diese in der Theorie wirklich spannende Neuerung ändert in der Praxis aber leider zu wenig: Das Spiel an sich bleibt das Gleiche. Die Unabhängigkeit kann man sich erkaufen, sodass der Aufbau eines Militärs eher Kosmetik bleibt und ein spannender Unabhängigkeitskrieg meistens ausbleibt. Die erste Epoche stellt in der Praxis hauptsächlich eine sanfte Heranführung an die Spielelemente dar, da die meisten Gebäude noch nicht freigeschaltet sind und die Aufgaben der Krone ganz gut geeignet sind, um für eine gute Wirtschaft zu sorgen. Auch in den folgenden Epochen ändert sich daran nicht sehr viel: Eine Allianz mit den Achsenmächten während des Zweiten Weltkriegs bedeutet nicht, dass ein totalitärer Polizeistaat, oder im Kalten Krieg für die Sowjetunion eine kommunistische Utopie, auf die Beine gestellt werden muss. Ich halte die Einführung der Epochen für eine gute Idee und sie schafft es auch, das Spiel peu à peu mit Elementen zu erweitern, aber leider ist sie nicht konsequent umgesetzt worden. Am Ende bleibt sie Kosmetik.

Kolonial
Eine handvoll Plantagen, ein paar Bürger und was man zum Überleben braucht: Städte der Kolonialzeit bleiben sehr übersichtlich.

Apropos Kosmetik: Die versprochene Umsetzung einer natürlich wachsenden Stadt funktioniert sehr ansehnlich. Da zu Beginn nur ein Teil der Gebäude zur Verfügung steht und der Raum knapp ist, – es kann nur auf erkundeten Teilen gebaut werden und die Aussendung eines Entdeckertrupps ist teuer – muss auf engsten Raum geplant werden. Mit der Erweiterung des Gebiets kann nun die Landwirtschaft weiter weg gebaut und der vorherige Stadtkern mit neuen Gebäuden erweitert werden. Im Laufe der Jahrzehnte kommt so eine ästhetisch sehr anspruchsvolle Stadt zusammen, in der Plattenbausiedlungen neben dem historischem Stadtkern residieren. Dies mag zwar erst mal unwichtig erscheinen, aber besonders die neuen Tropicos lebten auch sehr stark von der Ästhetik. Durch die neuen Epochen und deren Umsetzung in Sachen Fortschritt ist es nun aber leicht, eine natürlich gewachsene Stadt zu erstellen.

Stadtwachstum
Im Hintergrund die Plattenbauten des Kalten Kriegs, im Vordergrund Verwaltungsviertel und rechts der historische Stadtkern: »Tropico 5« macht es leicht ästethisch anspruchsvolle Städte zu generieren.

Um den Fortschritt sicherzustellen, gibt es nun einen Forschungsbaum. Gebäude der Wissenschaft, wie Bibliotheken oder Universitäten, generieren Forschungspunkte, mit denen man unterschiedliche Projekte erforschen kann. Vieles wird zwar automatisch mit einem Übergang in die neue Epoche freigeschaltet, aber wichtige, wenn auch optionale Gebäude und Projekte, gibt es nur, wenn man die Forschung vorantreibt. Wer ein Kernkraftwerk errichten will, um günstig und ohne Dreck Strom zu erzeugen, der sollte dafür sorgen, dass die Bildung nicht vernachlässigt wird. Umfangreiches darf man hier nicht erwarten, aber das Ganze passt sich sehr angenehm der zugrunde liegenden Fortschrittsthematik an. Ebenso wenig umfangreich ist das neue System der Dynastien: Durch Zufallsereignisse produziert der Presidente Nachkommen, die für bestimmte Vorteile sorgen können. Ein Sohn mit dem Skill »Umweltschützer« sorgt für weniger Verschmutzung in der Industrie, bleibt aber sonst eine eher blasse Person. Hier hatte ich nach der Präsentation auf der gamescom mehr erwartet, da ich dachte, dass es ein wirkliches Dynastiesystem gibt, bei dem man zeitig für gute und produktive Nachkommen sorgen muss. Da der ursprüngliche Charakter allerdings nie stirbt, ist es schon fast egal, wie man mit seinem Nachwuchs umgeht. Ein bisschen schade, denn das hätte für eine zusätzliche Herausforderung gesorgt.

Einen Multiplayer-Modus bietet die fünfte Iteration inzwischen auch, aber den konnte ich aus Zeitmangel nicht anspielen. Ein kleines Update hierzu wird im Laufe der Tage nachgereicht.


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»Tropico 5« ist ein wirklich sehr gutes Spiel. Man merkt, dass sich die Entwickler hingesetzt und sich ein Herz für sinnvolle Neuerungen gefasst haben. Aaaaaber…: Viele der Neuerungen bleiben leider im Kern stecken und können nicht ihr volles Potenzial entfalten. Ich hätte mir ein bisschen mehr Mut zur Veränderung gewünscht und hier kommt »Tropico 5« ein bisschen zu kurz. Immerhin ist es nicht der ewig gleiche Aufguss des exakt gleichen Spiels und ich denke es wurde ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber ein bisschen mehr Mut hätte gut getan. Ich vermisse eine konsequente Umsetzung der Epochen und der Dynastie. Warum fühlt sich das Spiel exakt gleich an, egal ob ich im Jahre 1800 oder 2000 stecke? Warum ist mein Charakter unsterblich, obwohl ich genug Nachkommen bekomme, die seinen Platz einnehmen könnten? Solche Fragen stellt man sich nach einiger Spielzeit und ich wünsche mir für die Zukunft noch viel mehr Mut zur Innovation. Sehr gute Ideen hat das Spiel aber bereits. Abgesehen von den Problemen ist »Tropico 5« mit diesen neuen Ideen und einer natürlich wirkenden Aufbausimulation der beste Teil der Serie!

»Tropico 5« ist heute für den PC erschienen und kommt im Laufe des Jahres auch für Mac, Linux, Xbox360 und PS4 auf den Markt.

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Frederik Wagner (Redaktion) Job: Student im Master of Education für Geschichte und Englisch Auf ZwO Experte für: PC-Spiele aller Art, hauptsächlich aber Sachen aus den Bereichen RPG und Strategie, bevorzugt rundenstrategisch. Die herumstehende Xbox erweitert das Spektrum um reine Konsolentitel. Hier holt sich Freddi Gaming-News: PCGamer.com Mail: fw [at] zockworkorange [dot] com Twitter: Fredelsloh XBLA: - PSN: - Steam: Fredelsloh Erstes Game: Prince of Persia Liebste Games: Baldur’s Gate II, Planescape Torment, Arcanum, Civilization II, Europa Universalis 3 Liebste Persönlichkeit der Branche: Warren Spector Liebste Game-Figur: Minsk und Boo

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