Candleman – Die Geschichte von Licht und Schatten 0

Kleine Kerze mit großen Ziele

„Ui, ein Kerzensimulator … was es nicht alles gibt.“ war mein erster Gedanke, als ich gebeten wurde, mir »Candleman« einmal näher anzusehen. Nach einem Toastsimulator oder Staubsaugersimulator überrascht einen ja nichts mehr so leicht. Aber nach ein paar Spielminuten ist mir klar, dass »Candleman« kein Simulator, sondern ein liebevoll gestalteter Platformer ist, der mich mit seinem besonderen Charme überzeugt.

Ich will ein Leuchtturm sein

Ich steuere in »Candleman« eine kleine Kerze durch mehr oder weniger schummerig beleuchtete Kapitel. Davon gibt es 12 Stück und diese sind dann wieder in mehrere Level unterteilt. Es gibt also viel zu tun. Jedes Kapitel beginnt mit einem einleitenden Text, der von den geheimen Gedanken, Hoffnungen und Sehnsüchte meines stummen Protagonisten berichtet. Die deutsche Übersetzung war allerdings, vorsichtig formuliert, an manchen Stellen ausbaufähig. Trotzdem ist das Märchen, das so Stück für Stück erzählt wird, glaubwürdig und gibt dem Spiel einen nachvollziehbaren Rahmen.

Angetrieben von dem Wunsch, einmal so hell zu leuchten, wie ein Leuchtturm, den die kleine Kerze von ihrer Heimat, einem großen Holzschiff, sehen kann, hopse ich also los … und falle prompt ins Wasser. Damit ist schon mal mein erstes Leben weg. Davon bekomme ich allerdings je Level 10 Stück mit auf den Weg und sollte ich die auch unvorsichtigerweise alle brauchen, muss ich den Level eben wieder ganz von vorne anfangen. Nachdem ich ja bekanntermaßen der größte Held an der Platformer-Front bin, habe ich das alles leidvoll im Selbstversuch ausprobiert.

Brenn‘, kleine Kerze

Die einzelnen Level in »Candleman« sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Leider liegt es in der Natur eines Platformers, dass ich mich hier nicht frei bewegen und alles bestaunen kann. Hätte ich nämlich gerne gerne getan.

Ich einem Level muss ich mich im schwankenden Schiff mit jeder Menge rutschender Holzkisten beherzt voranarbeiten, in anderen Leveln hüpfe ich vorsichtig über leuchtende Blumen oder zerbrechliche Eisschollen oder ich schlängle mich durch ein mechanisches Räderwerk, möglichst ohne dabei zerquetscht zu werden. Immer wieder staune über die Phantasie der Entwickler, die mir einen phantastischen Level nach dem anderen vorsetzen.

Dabei sind viele Bereiche wenig bis gar nicht beleuchtet. Aber ich wäre eine schlechte Kerze, wenn ich hier nicht Licht ins Dunkel bringen würde. Je Level kann ich nämlich maximal 10 Sekunden lang meine Flamme aufleuchten lassen. Somit funzle ich mir selbst den Weg oder zünde damit ein paar meiner Kollegen an, die ich auf meiner Reise durch die unbekannten Gefilde immer wieder finde. Größere Kerzen, die ich entzünde, dienen als Zwischenspeicherpunkte, sollte ich doch einmal vom rechten Weg abkommen.

Dieses Spielprinzip ist etwas ganz Besonderes und das Spiel mit Licht und Schatten ist wunderbar gelungen. Der Weg, der vor mir liegt, ist somit immer wieder auf’s Neue eine Überraschung.

Kleine Puzzles am Wegesrand

Immer wieder treffe ich auf größere oder kleinere Puzzles, die es zu lösen gilt. Ich bin nicht der große Puzzler, aber in »Candleman« hatte ich keine Probleme, alle schnell zu durchblicken. Jedes war logisch gut nachvollziehbar und ich denke, hier stand eher der optische Eindruck als die Kniffeligkeit im Vordergrund. Wirklich herausfordernd ist »Candleman« nicht und will es wahrscheinlich auch nicht sein. Vielmehr will es mich verzaubern und ein märchenhaftes Spielerlebnis bieten.

Das Spiel besticht deshalb eher durch seine schön gestalteten Level als durch seinen Schwierigkeitsgrad. Zugegeben, ich bin oft irgendwo Opfer von Flammen geworden, bin ins Wasser gefallen oder habe meine Brenndauer überschritten. Das war aber eher der eigenen Ungeschicklichkeit geschuldet, als der Komplexität des Spiels. »Candleman« lässt mich jedenfalls selten im Unklaren, was von mir erwartet wird.

Das einzige Manko: Die Kameraführung ist an manchen Stellen etwas unglücklich und unübersichtlich, weswegen ich mehr als einmal meine kleine Kerze unabsichtlich in den Tod stürze. Ein kleiner Schönheitsfehler, den ich dem Spiel aber gerne verzeihe.

Mein Fazit

Wer einen actionreichen Platformer sucht, ist bei »Candleman« definitiv nicht richtig aufgehoben. Hier gilt es, sich in Ruhe seinen Weg zu ertasten oder durch kurzes Aufleuchten zu erspähen, wohin der nächste Schritt zu setzen ist. Das Spiel wird dadurch entspannt, ja fast schon meditativ. Die grafisch schön gestaltete und abwechslungsreiche Umgebung tut ebenfalls ihr Übriges, um ein bezauberndes Spielerlebnis zu bieten. Ich habe das Spiel wirklich sehr genossen.

Allerdings ist »Candleman« ein kurzes Spiel. Ich habe knapp sieben Stunden (shame on me) gebraucht und ein versierter Platformer-Spieler ist da wahrscheinlich viel, viel schneller durch. Deshalb muss jeder selbst wissen, ob ihm »Candleman« die knapp 15 Euro wert sind, die das Spiel regulär kostet (wir haben ein kostenloses Reviewexemplar erhalten).

Mein Tipp wäre hier, eventuell auf ein Sonderangebot zu warten, denn eine Empfehlung für einen entspannten und schönen Spieleabend ist »Candleman« allemal.

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Auf ZwO Expertin für Stealth und Sneaky Games (ab und zu darf aber auch mal ein reinrassiger Shooter oder ein Horror-Spielchen dazwischen sein).

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