Youropa: Die Welt steht Kopf 0

Youropa

Puzzler teile ich normalerweise in zwei Kategorien ein. In der einen Kategorie trage ich einen Apfel von A nach B, bekomme dafür ein Stück Stoff, das ich dann später dazu benutze, um eine Fahne zu basteln. Die muss ich dann an einer bestimmten Stelle platzieren und noch gefühlt 17 Mal mit irgendwelchen Leuten quatschen, bevor ich im Spiel einen Schritt weiter komme. Gut, das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber ihr merkt sicher, auf was ich hinaus will.

Die andere Kategorie kommt ohne diese abstrusen Handlungen aus und bietet eher was für die kleinen grauen Zellen. Hier ist oft logisches Denken gefragt und es wollen kniffelige Aufgaben gelöst werden. Teils wird die Umgebung mit einbezogen und häufig gilt es, geheimnisvolle Apparaturen in Gang zu setzen.

Youropa

Ganz klar favorisiere ich die zweite Kategorie. Die erste mag manchen vielleicht leichter fallen, mir aber nicht. Ich kann die Gedanken oft nicht nachvollziehen und wenn ich mir einmal ein Let’s Play zu einem solchen Puzzler ansehe, wundere ich mich immer, wie die Spieler jetzt gerade darauf kommen, dass hier Rinde von einem Baum abgeschabt oder dort mit einem Stein gesprochen werden muss. Vielleicht ist das auch nur Übungssache, aber diese Art von Puzzlern ist nicht so meins.

Logikrätsel dagegen, bei denen es auf Beobachtungs- und Kombinationsgabe ankommt, sind da schon eher mein Ding. Wenn dann noch eine außergewöhnliche Spielumgebung dazukommt, dann kann mich auch ein solcher Puzzler über mehrere Stunden fesseln.

Saugnäpfe auf dem Vormarsch

Als ich gefragt wurde, ob ich mir vielleicht Youropa einmal ansehen wollte, konnte ich mir unter dem Spiel erst einmal gar nichts vorstellen. Man kann ja nicht alles kennen. Die Beschreibung klang allerdings wirklich interessant, weshalb ich mich dann in diese verrückte Spielumgebung gestürzt habe … und das im wahrsten Sinn des Wortes.

Hoch in den Wolken werde ich nämlich auf einem Fragment einer ehemaligen Stadt (?) abgesetzt. Mein Ziel ist es zunächst, eine verschlossene Türe zu öffnen, um das nächste Gebiet betreten zu können. Meine Spielfigur hat praktischerweise Saugnäpfe an den Füßen, was es mir erlaubt, auch an Wänden nach oben und unten zu laufen oder auch mal kopfüber an der Decke.  Dieses Spielprinzip ist mal etwas ganz anderes und fordert meine dreidimensionale Vorstellungskraft ziemlich heraus. Denn trotz allem ist die Schwerkraft immer noch da und ein unachtsamer Schritt bedeutet da den Sturz in die Tiefe.

Witziges Detail: Ich kann meine Spielfigur nach Belieben bemalen und mit Stickern für Augen, Nase, Mund, Schnurrbart und vielem mehr verzieren. Spielkinder können sich hier also durchaus austoben. Meine cartoonartige Figur steht dabei aber immer im gewissen Kontrast zu der doch realistisch wirkenden Spielumgebung. Das gibt dem Spiel noch einmal einen kleinen Niedlichkeitsfaktor.

Komplexe physikbasierte Rätsel

Die Rätsel in Youropa haben es ebenfalls in sich, aber wirklich unlösbar sind sie nicht. Meist sind sie nämlich schnell zu durchschauen, der Lösungsweg will aber trotzdem gut überlegt und ausgetüftelt sein. Auf meinem Weg durch die einzelnen Level lernt meine Spielfigur immer wieder neue praktische Fähigkeiten, die ich dann auch gleich nutzbringend einsetzen kann. Da schleppe ich dann schon mal Kartons von der einen in die andere Ecke, um einen Schalter zu beschweren, oder ich kicke elegant einen Ball gegen einen Mechanismus, um damit den Strom für ein wichtiges Gerät einzuschalten. Jede neue Fähigkeit, eröffnet mir so neue Möglichkeiten.

Youropa

Meine surreal wirkende Spielwelt kann ich dabei auch immer von außen betrachten und mit der Kamera umfliegen, um so den geschicktesten Weg auszukundschaften.

Obwohl die Logikrätsel hier eindeutig im Vordergrund stehen, gibt es zusätzlich kleine Herausforderungen in Form von Sammelgegenständen. Die sind natürlich optional, was mich aber nicht davon abgehalten hat, möglichst viele davon zu ergattern. Je Level sind davon meist drei Stück versteckt und sie einzusammeln bedeutet noch einmal zusätzlichen Spiel- und Rätselspaß.

Wer nach dem Durchspielen von Youropa immer noch nicht genug hat, der kann sich sogar seine eigenen Level basteln. Ein Leveleditor mit über hundert verschiedenen Bauelementen bietet dazu ausreichend Gelegenheit.

Mein Fazit

Wer Logikrätsel mag und eine erfrischend neue Spielidee ausprobieren möchte, der sollte sich Youropa auf jeden Fall einmal ansehen. Die Rätsel sind nicht allzu schwierig, genaues Nachdenken kann aber auf jeden Fall nicht schaden. Nicht immer ist die Lösung auf den ersten Blick ersichtlich.

Youropa

Die schön gestaltete Spielumgebung mit den immer wieder neuen Herausforderungen der einzelnen Level, bieten einen entspannten Spielspaß über mehrere Stunden. Die dezente Hintergrundmusik passt ebenfalls perfekt zur chilligen Atmosphäre dieses Spiels.

Mich hat Youropa auf jeden Fall überzeugt und ich war selbst überrascht, wie mich diese kleine Spielwelt in seinen Bann gezogen hat. Frei nach dem Motto „Ein kleines Rätsel geht noch.“, steuerte ich plötzlich meine Spielfigur doch viel länger Wände rauf und runter, als ich mir vorher gedacht hatte.

Youropa ist eindeutig eine Empfehlung!

Previous ArticleNext Article
Auf ZwO Expertin für Stealth und Sneaky Games (ab und zu darf aber auch mal ein reinrassiger Shooter oder ein Horror-Spielchen dazwischen sein).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: