RAW – Gespräch mit dem Community-Manager 0

Die Kickstarter-Kampagne des Spiels »RAW« wird momentan kontrovers diskutiert. Die verlangte Summe von nur 70.000€ erscheint für das Vorhaben niedrig und das Entwicklerteam verrät für eine Kickstarter-Kampagne ungewöhnlich wenig von sich selbst. Ein Gespräch mit PC Games wurde sehr direkt abgelehnt, Anfragen von Gameswirtschaft blieben bisher unbeantwortet – auch wir warten noch.

In den Kickstarter-Kommentaren taucht immer wieder ein gewisser Markus auf, der als Sprachrohr für die Entwickler auftritt und auch im aktuellsten Update der Kampagne erwähnt wird, aber aktuell nicht offiziell bei Killerwhale Games angestellt ist. Ich habe Kontakt zu Markus S. aus Hameln aufgenommen und mit ihm ein Gespräch aus seiner Sicht als Community-Manager über das das Entwickler-Team und die Kickstarter-Kampagne geführt.

Das Gespräch, das am Ende dieses Artikels anhängt, hat dabei wenige neue Erkenntnisse gebracht. Die meisten Fragen zum Thema, warum sich das Entwickler-Team so versteckt, konnte oder wollte er nicht beantworten und verwies vor allem auf bereits bestehende Aussagen oder auf das, was in Zukunft dazu noch kommen soll. Die interessanteste Erkenntnis ist, dass er die Entwickler*innen selber persönlich nicht kennt, sondern die Zusammenarbeit vor allem aufgrund seiner Initiative kurz nach Start der Kickstarter-Kampagne entstanden ist, und man sich zufällig früher schon einmal bei Arma Altis Life RPG über den Weg gelaufen war.

Damit bleiben nach wie vor viele Fragen offen. Wer genau ist das Team hinter »RAW«? Was sind ihre vorherigen Erfahrung mit Entwicklung und Spieleentwicklung im Allgemeinen? Warum sind sie überzeugt davon, ein Projekt dieser Größe stemmen zu können? Das sind alles Fragen, die für ein Spiele-Kickstarter nicht unerheblich sind – hoffen wir, dass sie noch beantwortet werden.

Nachfolgend das gesamte Gespräch.


Dominik:
Hallo Markus, ich versuche gerade die Geschehnisse rund um den RAW-Kickstarter aufzuarbeiten. Wärst du bereit, mir ein paar Fragen dazu zu beantworten?

Markus:
Für derartige Fragen muss ich dich leider an die Entwickler E-Mail-Adresse verweisen, da das noch nicht in meinen Aufgabenbereich fällt und ich somit dazu nicht sagen kann/darf – zumal ich ja auch in dem Sinne kein Mitarbeiter von KWG [Killerwhale Games, Anm. d. Red.] bin. Ich bin nur jemand, der die ganzen Stimmen aus der Community auffängt und für die Devs geordnet zusammenfasst, sodass sie mich dann mit genauen Infos versorgen, die ich dann wiederum weitergeben kann.

Dominik:
Gibt es denn noch andere Möglichkeiten, das Entwickler-Team zu kontaktieren? Auf meine Anfragen per E-Mail oder Twitter wurde bisher jedenfalls nicht reagiert.

Markus:
Da gibt es leider nur die Support Mail. Aber die ist derzeit sowas von überschwemmt, dass sie nicht wirklich hinterherkommen.

Dominik:
Vielleicht könntest du aber die Frage beantworten, wie du denn zu KWG stehst, dass du so als „offizielle“ Stimme bei Kickstarter auftrittst?

Markus:
Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich noch kein Teil von KWG. In der Zukunft, mit kommendem Forum und Discord, werde ich aber schon einen Platz im Community Bereich besetzen.

Wie ich zu KWG stehe? Klar ist man bei so einem Projekt erstmal skeptisch, weil es zu schön klingt um wahr zu sein – siehe Identity und etliche andere Early Access Titel auf Steam. Ich habe dann direkt am ersten Tag den Kontakt zu den Devs gesucht und sie waren sehr offen und haben eigentlich alles, was ich so wissen wollte, beantwortet. Jedoch habe ich dann schnell gemerkt, dass das Ganze im Bezug aufs Antworten und Moderieren nicht so schnell klappt wie es sich die Community wünscht, was aber daran liegt, dass sie wirklich nur zu dritt sind.

Deswegen habe ich mich gleich angeboten es, neben meiner richtigen Arbeit, in meiner Freizeit zu machen. Erfahrungen in dem Bereich konnte ich schon viele Jahre in den Foren von TrionWorlds bei Neverwinter als Moderator gewinnen.

Zusammenfassend stehe ich sehr positiv zu KWG, weil die Drei echt viel leisten bisher. Ja, sie nutzen gerade viele Assets, aber das ist bei so einem Game bei einem kleinen Team okay und wird ja nicht immer so bleiben.

Dominik:
Du kennst die Drei also nicht persönlich, sondern bist nur relativ früh auf sie zugegangen.

Markus:
Persönlich nicht, aber von früher von Arma Altis Life RPG schon. Von Hannover nach Führt ist schon ne Strecke, die man nicht mal eben fährt.

Dominik:
Du kanntest die Drei also schon vorher, wenn ich dich richtig verstehe?

Markus:
Ja, ich habe neben Arma Atlis Life RPG allerdings keinen Kontakt mit ihnen gehabt – Das war auch eher Zufall, dass ich das herausgefunden habe im Gespräch. Aber so kennen und direkter Kontakt erst seit dem Kickstarter Launch.

Dominik:
Ist dir bekannt, warum die Drei gefühlt so ein Hehl um ihre Identität machen? Bei Kickstarter-Projekten, speziell bei Spielen, ist es üblich, dass sich das Team vorstellt, etwa mit Namen, Bildern und ihrer Vorerfahrung. Bei RAW hat es eine Woche gedauert bis Namen genannt wurden, von einer Vorerfahrung und warum genau dieses Team diese Leistung vollbringen sollte, gibt es bisher leider nach wie vor nichts.

Auch die Tatsache, dass die Domain über DomainsByProxy.com registriert wurde, einem Dienst der mit „Your identity is nobody’s business but ours.“ wirbt, wirkt auf den ersten Blick eher so, also wolle man seine Identität verbergen. Das „Hin und her“ (salopp gesagt) mit dem Impressum lässt einen ähnlichen Eindruck erwecken.

Markus:
Das Wieso und Warum wurde schon in den Updates erwähnt –  aber dazu werden sie die Tage auch nochmal Stellung nehmen.

Dominik:
Ich nehme mal an, du meinst den Teil hier: We had a very tight deadline to prepare our Kickstarter campaign. You might think: „You have been developing the game for 2.5 years and could not prepare properly for such an important event?“ Yes, unfortunately we didn’t have a chance to prepare as we could. This is due to delays, timing forecasts mistakes and several serious life circumstances. We had to prepare our campaign in a hurry.

Markus:
Genau. Davon abgesehen setzt Ihnen das ganze „Schlechtgerede“ richtig zu. Klar, man kann verstehen, dass sich alle über kleine Dinge, die man erwartet, das Maul zerreißen, aber das geschieht ja nur ein einer Tour derzeit. Deswegen stand ich die letzten zwei Tage auch abends nach meiner regulären Arbeit den Leuten für je knapp vier Stunden Rede und Antwort.

Dominik:
Das mit dem „Schlechtgerede“ kann ich mir schon gut vorstellen, ich kann dir aber versichern, dass das zumindest von Seiten der deutschen Gamesbranche keine Absicht ist und da vermutlich vor allem eine Misskommunikation stattfindet. Die wundert sich vor allem, wie das Team das Vorhaben mit dem Budget umsetzen möchte (weil sie selber über die Jahre andere Erfahrungen gemacht haben) und weil die sonst bei Kickstarter übliche Transparenz über das Entwicklerteam komplett fehlt.

Markus:
Ja klar ist das sehr wenig Geld für so ein Projekt, aber in Zukunft soll noch eine zweite Kampagne gestartet werden

Dominik:
Markus, ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast.

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Dominik mag Storyspiele und Shooter und findet die meisten Open World- und Grinding-Mechaniken ganz furchtbar.

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