His Name Was Death, And Hell Followed With Him: Darksiders 2 1

His Name Was Death, And Hell Followed With Him: Darksiders 2 1

Krieg… Krieg bleibt immer gleich! Obwohl… Das erste »Darksiders« ist eines meiner Lieblingsspiele gerade WEIL es so vielseitig ist! Als es im Jahr 2010 erschienen ist, hat es unter Spielern und Journalisten ein wenig die Geister geschieden: Obwohl die Story um den apokalyptischen Reiter »Krieg«, der beschuldigt wurde, gegen die Regeln von Himmel und Hölle verstoßen und den Untergang der Menschheit heraufbeschworen zu haben, ebenso cool und kreativ wie die Optik war, haben Kritiker immer wieder den Vorwurf aufgebracht, dass ansonsten recht viel von anderen Spielen kopiert wurde. Das Kampfsystem aus »God of War«, die Reit-Passagen aus »Red Dead Redemption«, ein Rätselsystem, das manchmal Anleihen bei »Portal« gemacht hat.

Ich, und andere Fans des Spiels, haben damals hingegen immer wieder betont, dass die Stärke von »Darksiders« nicht etwa darin liegt, dass es etwas neu macht, sondern darin, dass viele bekannte Gameplay-Elemente sinnvoll zusammengesetzt werden und sich so gegenseitig bereichern, um ein verdammt cooles Ganzes zu ergeben.  Am 16. August, also vor einem guten Monat, ist Darksiders 2 für PC, Xbox360 und PS3 erschienen und beleuchtet einen neuen Handlungsstrang aus der Sicht eines neuen Reiters: Tod.

Am Anfang von »Darksiders 2« ist Krieg gerade für 100 Jahre eingesperrt worden. Die ganze Handlung des ersten Teils kommt also erst noch. Und Tod, dem Hintergrund nach der Anführer der apokalyptischen Reiter, möchte seinem Bro aus der Patsche helfen, indem er versucht einen Weg zu finden, die Apokalypse mal eben rückgängig zu machen, die Menschheit wiederzubeleben und das kosmische Gleichgewicht wieder herzustellen. Dazu galoppiert er auf seinem grünlich brennenden Streitross Despair durch die ausgedehnte Spielwelt. Angefangen von den grünen Ebenen der „Erbauer“, hinein ins Land der Toten und legt sich dabei mit allerlei Kreaturen, riesigen Bossmonstern und Dungeons voller Rätsel an.

Vigil Games haben das Spielprinzip dabei rund um ihren neuen Protagonisten vernünftig angepasst, erweitert und an anderen Stellen aber auch gekürzt. Während Krieg sich nämlich wie ein Monstertruck auf zwei Beinen gespielt hat, wo man zwar etwas behäbig unterwegs war, aber dafür Autos und Gegner durch die Gegend werfen konnte, ist Tod wesentlich leichtfüßiger unterwegs. Es ist ein bisschen wie der Vergleich zwischen einem mittelalterlichen Ritter und einem Ninja. Der Mann mit der Knochenmaske wirbelt seine landwirtschaftliche Lieblingsgerätschaft dabei mit außerordentlicher Schnelligkeit herum, setzt hier und da mal eine der vielen Sekundärwaffen wie Metallkrallen, Hämmer oder Äxte ein, und rückt den Gegnern so mit kunstvollen Comboattacken zu Leibe. Statt Passagen, wo man auf Greifen reitet und riesige Kanonen abfeuert, oder Dämonen mit einem Volkswagen verprügelt, gibt es jetzt ein Skillsystem, Comboattacken und ein Inventar.
Obwohl das neue System durchaus Hand und Fuß hat, (Die aufrüstbaren Waffen sind eine nette Idee!) hätte ich mir ein paar von den Flug- oder Ballereinlagen des ersten Teils gewünscht. Die haben das Spielerlebnis, das auch im zweiten Teil wieder super und wie aus einem Guss ist, in »Darksiders 1« nämlich immer mal wieder auf spaßige Art und Weise aufgelockert.

Müsste ich eine wirklich nennenswerte Schwäche in »Darksiders 2« nennen, wäre das nicht die Handlung an sich, sondern die Art, wie diese Geschichte erzählt wird.

Und das auf gleich zweierlei Art: Im Gegensatz zu Krieg, der Unterhaltungen hauptsächlich geführt hat, indem er sein Gegenüber angeknurrt bzw. -gebrüllt hat, ist Tod wesentlich ausgeglichener und lässt immer mal wieder einen sehr zynischen, trockenen Humor durchblitzen (Hat jemand Galgenhumor gesagt? *badumm tssch*). Das ist an sich eine gute Entwicklung in Bezug auf den Charakter des Protagonisten, aber das Gesamtwerk hat mich auf emotionaler Ebene trotzdem nicht so richtig gepackt. Emotionale Wirkung haben Geschichten auf den Betrachter nämlich nur dann, wenn man das gesamte Spektrum miterlebt. Tods Zynismus würde so viel zynischer, wenn ich als Spieler einen Bezug zu seinem Innenleben aufbauen könnte (z.B. besser wüsste, warum manche der anderen Charaktere ihn „Kinslayer“ nennen, zu deutsch Brudermörder) und seine Mission wäre so viel nobler, wenn das brüderliche Verhältnis zwischen Tod und Krieg besser beleuchtet würde. »Darksiders 2« hat epische Momente, wo mir zwischendurch ein leises „Woah…“ entfleucht ist, aber Schuld daran sind nicht die Charaktere, die anscheinend fast alle ständig mies gelaunt sind, sondern die riesigen Bossmonster und beeindruckenden Szenerien.

Der andere Aspekt der Schwäche namens „Geschichte“ ist der Hintergrund des Spiels, bzw. wie er einem vermittelt wird. Das Universum, das der Comiczeichner Joe Madueira für sein Spiel geschaffen hat, hat offensichtlich eine reichhaltige Hintergrundgeschichte mit vielen Nuancen, Mythen und dergleichen mehr. Das Problem ist aber, dass man von der Lore selber im Spiel nicht wirklich viel mitkriegt! Hier sind meine Denkvorgänge in den ersten zwei Spielstunden: „Wer sind denn jetzt die Erbauer? Also die traditionellen Bilder von Himmel und Hölle mit Gott und dem Teufel gibt es nicht? Ach so, es gibt unheimlich viele Sphären der Existenz und Himmel und Hölle sind nur zwei davon. Ist Tod jetzt wirklich der Sensenmann? Und wenn ja, müsste er dann nicht über das Land der Toten herrschen? Ach so, den Sensenmann gibt es im traditionellen Sinne auch nicht und Tod ist nur ein Kämpfer, der ein abstraktes Konzept verkörpert. Deep…“ 
Etwas weniger wäre vielleicht mehr gewesen. So erschlägt mich das Spiel aber mit seiner Lore, auch wenn diese an sich verdammt tiefgründig und cool ist. Wäre allerdings schön gewesen, nicht so sehr ins kalte Wasser geworfen worden zu sein.

Trotzdem: Darksiders 2 ist einer meiner Lieblinge des Spielejahres 2012. Es macht Spaß mit komplexen Combos skurrile Gegner auf die Bretter zu schicken. Rätsel und Kämpfe halten sich sehr schön die Waage und haben genau den richtigen Schwierigkeitsgrad und eine Lernkurve, die nicht zu steil und nicht zu flach ist. Abgesehen von kleinen Storyschwächen: Eine klare Empfehlung für Fans von Action-Adventures, die sich das Teil noch nicht zugelegt haben!


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