Der Weltraum, unendliche Weiten: MirrorMoon EP 0

Der Weltraum, unendliche Weiten: MirrorMoon EP 0

Die blinkenden Lichter des Cockpits wirken seltsam beruhigend auf mich. Ich lasse meine Augen nach und nach über die Sternenkarte wandern. So viele Planeten, so viele Geheimnisse. Ich fühle mich allein. Verloren irgendwo im All. Zeit spielt hier keine Rolle. Eine unnötige Variable. Nicht greifbar. Nicht fühlbar. Atmen fällt mir schwer. Ruhig bleiben. Blinkende Lichter. Auch außerhalb des Schiffs.

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Ich habe mich so langsam an das Reisen im All gewöhnt, doch die vielen Knöpfe und Hebel vor mir erzeugen immer noch pochende Kopfschmerzen. Die durchsichtigen Wände meines Raumschiffs tun ihr übriges. Ich stelle mir vor wie sich ein Mensch mit Uranophobie fühlen würde. Arme Sau. Nach und nach habe ich mir beigebracht dieses Schiff zu steuern. Niemand hielt es für nötig mir das zu erklären. Zugegeben: Der Nervenkitzel beim Betätigen der unbekannten Knöpfe erinnerte mich stets daran am Leben zu sein. Ob es jemals Routine wird? Steuerung der Navigation. Schubkontrolle. Sternenkarte. Lichtanlage. Teleporter.

Mein Reiseziel habe ich längst erreicht und doch sitze ich hier und starre auf die Lichter. Die Ruhe vor dem Sturm. Letztlich aktiviere ich den Teleporter. Weiße Leere, dann kurz blendendes Licht. Hier stehe ich. Auf dem nächsten fremden Planeten. Eine Sonnenfinsternis. Das exakte Ebenbild des Planeten verdunkelt die Sonne. „Spiegelmond“ nennt man dieses Phänomen. Mein Vorteil: Der Computer in meinem Helm kann den Spiegelmond scannen und als Umgebungskarte verwenden.

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Ich erkenne ein Objekt auf der Karte und mache mich auf den Weg. In meiner Hand ein Werkzeug. Erinnert mehr an eine Waffe, als an ein wissenschaftliches Utensil. Ich lernte schnell, dass es auf manchen Planeten Sphären gibt, mit deren Hilfe ich die Umgebung manipulieren kann. Auch hier gibt es eine: Das erste Objekt stellt sich als kleine Pyramide heraus, auf der die erste Sphäre schwebt. Ich sammele sie mit meinem Werkzeug ein und fühle mich prompt wie ein Gott. Mit einer simplen Armbewegung kann ich den Spiegelmond drehen und habe mehr Übersicht über den Planeten auf dem ich mich befinde. Es muss eine Möglichkeit geben die Sonnenfinsternis zu beenden. Gott!

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Zeit? Was ist das? Stunden scheinen vergangen. Könnten aber auch Tage sein. Bin ich im Kreis gelaufen? Seit ich die Sonnenfinsternis beendet habe, erkennt mein Radar die Position nicht mehr. Die seltsamen Gebäude – oder sind es Sendemasten? – kommen mir bekannt. Hier war ich doch schon! Ich laufe weiter und finde einen Turm. Der war doch vorher nicht hier? Ich trete hinein. Mein Magen dreht sich plötzlich. Flimmern. Schwindel. Eine Brücke? Mit langsamen unsicheren Schritten überquere ich sie. Dann weißes Licht. Ich stehe in meinem Cockpit. Eine Fehlberechnung? Seufzend falle ich in den Sitz. Blinkende Lichter. Knöpfe! Hebel! Kopfschmerzen! Tock. Tock. Tock.

»MirrorMoon EP« ist das neueste Werk des italienischen Indie-Studios Santa Ragione. Ein Erkundungsspiel mit zufallsgenerierten Puzzle-Elementen, die mal schwerer, mal leichter sind. Es spielt mit der menschlichen Neugier und ist für mich eine Metapher auf das Streben nach Wissen über das All. Am ehesten ist es mit »Proteus« vergleichbar, samt leichten Elementen eines »Antichamber«. Es hat indirekten Multiplayer, da man mit allen anderen Spielern zusammen eine Galaxie erkundet. Dies erzeugt das Gefühl Teil eines größeren Puzzles zu sein, wie bei 22 Cans »Curiosity«. »MirrorMoon EP« gibt’s derzeit für rund 8€ bei Steam für Mac, Windows und Linux. Ist aber sicherlich kein Spiel für jeden, denn der Fokus liegt klar auf Erkundung, weniger auf den Rätseln. Meine eigene Neugier und die minimalistische Schönheit der Planeten haben mich aber locker vier bis fünf Stunden ans Spiel gefesselt.

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Daniel (Redaktion) Job: Referendar Auf ZwO Experte für: Indie Games, Aufbau-Strategie, DotA 2 Hier holt sich Daniel Gaming-News: GameInformer Erstes Game: Super Mario Land 2 Liebste Games: Cities Skylines, Prison Architect, DotA 2, PUBG, Civilization Liebste Persönlichkeit der Branche: Braucht man die? Liebste Game-Figur: Meepo

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