Jahresrückblick 2011 – Teil 5/6: Fabian 9

Jahresrückblick 2011 – Teil 5/6: Fabian 9

2011 war ein gutes Jahr. Normalerweise nagge ich mich am Jahresende immer selbst, dass ich eigentlich viel mehr hätte erreichen wollen als ich es letztlich tat – dieses Mal war es nicht so: Ich habe mich beruflich etwas mehr selbst verwirklicht, indem ich meinen alten Job für eine schlechter bezahlte Doktorandenstelle geschmissen habe, in der ich aber inhaltlich nur für mich selbst arbeite, dafür um die Welt reisen darf und nebenbei noch Studis mehr oder weniger spannende Dinge beibringe. Parallel dazu gab es mehr Sport und gefühlt etwas weniger socially awkward penguin-ness. Für die lang geplante Asienreise hat es leider nicht gereicht, dafür gab es dank gamescom und Tattoo-Tourismus jede Menge Besuche in Köln. Vielen lieben Dank hier an Moritz und Philip für Kost und Logis – die Burgerbuden fürchten nun unsere fairen wie erbarmungslosen Kritiken.

Top 5 des Jahres:

Grundsätzlich gab es 2011 viel zu viele Spiele. Nein, das ist nicht gut – ich will dann nämlich alles auf einmal spielen und renne durch viele Titel einfach nur durch. Was ich jetzt zum Jahresende in Ruhe das zweite Mal gespielt hatte, gefiel mir plötzlich viel/noch besser. So etwas gebe ich mir 2012 nicht noch einmal. Und ironischerweise waren es auch zwei ältere Spiele, die mein Herz am meisten erobert haben, und dank HD-ReRelease-Loophole kann ich sie jetzt auch auf meine 2011-Liste setzen. Ich kannte beide aber vorher noch nicht.

Beyond Good and Evil HD (Review) // Was soll ich noch sagen, was ich nicht bereits gesagt habe? Eine wunderschöne Geschichte, in der Freundschaft über alles gestellt wird, auch wenn alles um einen herum komplett fucked ist. Ich liebe die Werte, die hier vermittelt werden. Ich liebe, wie bewährte und teils gegensätzliche Spielmechaniken wie Seiten-, Such- und Sammelquests, Schleich- und Autorennen-Missionen, Puzzlen und Kloppen zu einer perfekten Symbiose vermischt werden. Ich liebe den Soundtrack. Ich liebe das beste Spiel, was ich seit Jahren gespielt habe. Liebe für immer.

Ico HD // Ico hat bei mir einen ähnlichen Nerv getroffen wie BG&E. Atmosphärische, brachiale Architektur versus eine große Freundschaft, die aber leiser und subtiler als bei Jade und Pey’j. Schüchternes Händchenhalten statt Furzsprünge. Sprachbarriere statt lauter Zoten. Die etwas ungelenke Steuerung passt gut in diese Verlegenheit, ich verzieh Ico die nervigen Kämpfe und knobelte mich mit Freude durch die zum Glück recht eingängigen und nicht zu wirren Rätsel.

Bastion // Es war keine Liebe auf den ersten Blick, da ich lange Zeit nicht wusste, was ich von dem Erzähler Rucks halten sollte. Erst in dem zweiten Durchlauf spielte ich beim New Game Plus befreit auf und Bastion offenbarte mir seine Schönheit und seinen Galgenhumor, der trotz komplett zerrütteter Welt nie den positiven Ausblick verliert. Knallbunte Bonbongrafik und die beste Videospielmusik des Jahres platzen vor düsterer Hoffnung, ein ganz großes Juwel. Vielleicht das beste Indiespiel aller Zeiten.

L.A. Noire // Ein Rockstar-Game, bei man keine Autos kaputt fahren will, sondern den Kollegen hinters Steuer lässt? Mit simpelsten Schießereien, mehr Mittel zum Zweck denn zentrales Spielelement? Ja – weil dieser ganze Quatsch eh nur stört, wenn das Spiel in Ruhe seine dunklen Geschichten erzählen will. Für einen AAA-Titel verdammt mutig und anders. Mit dem etwas metzgerartigen Verhörsystem bin ich aber nie ganz warm geworden.

Portal 2 // Portal 2 fühlt sich an wie der Moment, in dem unsere Lieblingsband bei einem Major Label untergekommen ist. Ab jetzt wird nichts mehr dem Zufall überlassen und rohe, sympathische Unfeinheiten werden ausgebügelt. Doch ist da nicht doch noch die feine Subtilität unter dem Holzhammerhumor? Und bleibt einem nicht immer noch das Lachen im Hals stecken, weil Portal verdammt noch mal creepier ist als dieser Silent-Hill-Quatsch mit den Nacktmullen? Und die Rätsel sind zumindest im Multiplayer um Ecken geiler als ganz Portal 1.

// Platz 6-10: Batman: Arkham City, Uncharted 3, Deus Ex: Human Revolution, Outland, Sonic Generations

Flop des Jahres:

Super Monkey Ball 3D // Stellvertretend in seiner Irrelevanz für die Frustration, die man als Nintendo-3DS-Early-Adopter erleben durfte. Muss man sich mal vorstellen: Für so einen viertklassigen Schund musste ich einen Monat auf die Lieferung von Amazon warten, weil es diesen Titel im Rahmen einer Aktion gratis dazu gab und die Alternativoptionen alle noch schlimmer waren. Nach nicht mal 5 Minuten Spielzeit flog es dann in die Ecke. Sei’s drum – gegen Ende des Jahres hat sich ja der 3DS-Katalog so ein wenig gerappelt, aber das war das erste und das letzte Mal, dass ich eine Spielkonsole vorbestellt habe. Wozu auch?

Game-Charakter des Jahres:

Defective Turret (Portal 2) // Selbstbild als…

Studio/Firma des Jahres:

Sony // Lass sie ruhig alle abhaten, Fakt ist: Sonys durch die Bank weg exzellenten Exklusivtitel sind der Grund, warum es ohne PS3 auch im Jahre 2011 einfach nicht ging. Ausgezeichnet für das Gesamtwerk.

Beste App des Jahres:

DB Navigator // So spießig das jetzt klingen mag: der Navigator ist einfach Bombe und vermutlich das Beste, was die uncoole Deutsche Bahn jemals auf die Beine gestellt hat. Tolle Usability von Fahrplanauskunft bis hin zum Ticketkauf mit drei bis vier Taps. Etwa gleichwertig in der täglichen Nutzung ist für mich WhatsApp. Aber das hat und kennt auch jeder. Ich bin wohl ein bisschen langweilig, was Apps betrifft.

Gaming-Webseite des Jahres:

Online Games-Datenbank // Unerlässlicher Mitstreiter gegen die Unsitte, bei deutschen Releases die englische Tonspur wegzulassen (zugunsten von Französisch und Italienisch – WTF?). Auch Zensur ist bekanntlich manchmal ein Problem. Sich diesbezüglich vor dem Kauf informieren zu müssen und notfalls im Ausland zu bestellen, ist mittlerweile traurige, aber dank OGDB schnelle, Routine geworden. Danke, liebes Team, für diesen tollen Service!

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Up and Down:

+ 5 Jahre Julia
+ Neurosis live gesehen
+ Freddy Schilling und Die fette Kuh
+ iTunes Match
– Der ätzende Sprachmischmasch im neuen Xbox-Dashboard
– Digitale Distribution wird eh die Lokalisierungshölle auf den Konsolen. Genießt die noch verbleibende Zeit, bevor es endgültig finster wird.

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Album des Jahres:

Rob Crow – He Thinks He’s People // Wer mich ein bisschen besser kennt, weiß, dass musikalisch gesehen für mich nichts über Pinback geht. Wenn man bei wirklich jedem Lied das Gefühl hat, dass man – hätte man doch bloß dieses Talent und Können – das genau so gemacht hätte, dann stellt sich irgendwann das Gefühl der Seelenverwandtschaft ein. PinbackPinbackPinback! Unter dem Gesichtspunkt war 2011 ein gutes Jahr: es gab zwar kein neues Album von ihnen, aber immerhin 2 EPs, sowie das Soloalbum He Thinks He’s People von ihrem Mastermind und Obernerd Rob Crow.

Weitere honorable mentions:
Mogwai – Hardcore Will Never Die, But You Will
…And You Will Know Us by the Trail of Dead – Tao of the Dead
Kate Bush – 50 Words for Snow

Film des Jahres:

Rabies // Der erste israelische Horrorfilm, gesehen auf dem Fantasy Filmfest. Hat in seiner Heimat einen riesigen Buzz verursacht und featured wohl die dort bekanntesten Schauspieler. Die beiden herzallerliebsten Regisseure reisten damals gerade um die Welt, waren auf dem FFF vor Ort und erzählten schüchtern von ihrem Erfolg und der für uns ungewöhlichen Rezeption. Ansehen! (Trailer)

TV-Serie des Jahres:

Breaking Bad und Fringe // Die letzte South Park-Staffel war auch besser als diejenigen davor. Zusätzlich freundete ich mich endlich mit The Big Bang Theory an, was schwierig war, wenn man Sheldon sonst immer doof fand. Ach ja – und von American Horror Story hab ich den Piloten gesehen, sieht auch ganz cool aus.

Unterm Weihnachtsbaum lag:

Noise-Cancelling-Kopfhörer (ein Traum!), sowie diverse Bücher, CDs und Serienboxen.

Freut sich in 2012 auf:

South Park: The Game (Fuckin‘ Obsidian macht ein RPG aus einer meiner Lieblingsserien – das kann nur gut werden!), Darksiders 2, Final Fantasy XIII-2, Catherine, Mass Effect 3

Vorsatz für 2012:

Eher weniger Spiele, diese dafür aber bewusster spielen
Mehr Sport (habe jetzt das Klettern für mich entdeckt)
Mehr Konferenzen, mehr Menschen treffen, mehr reisen
Größere Wohnung

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Jahresrückblicke der anderen Team-Mitglieder:

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Fabian Hartmann (Redaktion) Job: Doktorand ...for science (Future Internet/Social Networks. Nebenher Vorlesungen betreuen und Studis pampern.) Auf ZwO Experte für: das Zerreißen von Kritikerlieblingen. Ansonsten bin ich kürzlich vom PC-Saulus zum Konsolen-Paulus geworden und muss neben aktuellen Releases auch noch die besten Sachen aus der Zeit davor nachholen (für Xbox 360, PS3, Wii, (3)DS und Dreamcast - ächz!). Aufgrund meiner PC-Sozialisation lasse ich Shooter da aber meist links liegen, auch Sportspiele interessieren mich nicht. Mich springen eher stimmungsvolle, bunte Action-Adventures oder Puzzlespiele wie Professor Layton oder Portal an. Hier holt sich Fabian Gaming-News: Ich bin erschreckend schlecht aus erster Hand informiert, über die wirklich wichtigen Dinge wird sich meine Twitter-Timeline dann schon das Maul zerreißen. Filterbubble olé. Mail: fh [at] zockworkorange [dot] com Twitter: yesnocancel XBLA: yesnocancel PSN: yesnocancel Steam: yesnocancelzwo Erstes Game: Super Games Liebste Games: Uncharted 2, die God of War-Teile, King's Quest VI, Blade Runner, Bubble Bobble Liebste Persönlichkeit der Branche: Traditionell der Angry Video Game Nerd, auch wenn er stark nachgelassen hat. Jingleball für die Leidenschaft und Intensität, mit der sie sich in ein einzelnes Spiel reinkniet. Balkantoni für die stetige Verbesserung meines Wortschatzes. Liebste Game-Figur: Jade und Pey'j aus Beyond Good and Evil

9 Comments

  1. Die App der Bahn ist aber wirklich gut geworden. Anfangs noch sehr buggy und unzuverlässig, bin ich inzwischen mehr als froh, dass es sie gibt.

    Aber South Park als eine deiner Lieblingsserien? Viel Spaß in der niedrigsten Humorschicht! ;)

  2. Da sich South Park über die Staffeln sehr verändert hat und ich nicht weiß, in welche du mal reingezappt hast (du vermutlich auch nicht), ist es müßig, darüber zu diskutieren.
    Fakt ist aber: Obsidian-Game für mich vs. dich: 1:0 \o/

  3. Hach ja, Ico! :) Ich habe ja schon seit längerem im Kopf, einen Text über meine liebsten Videospielfreundschaften zu schreiben. Wird wohl noch eine Weile dauern, aber den schreibe ich ganz sicher noch. Ico ist in der Hinsicht auf jeden Fall etwas besonderes und nicht nur da.

    Hmm tja und Bastion immernoch nicht gespielt. Kommt aber noch, wenn alle es schon wieder vergessen haben. :)

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