Features Fabian, 11. Januar 2012 um 12:52 Uhr
2011 war ein gutes Jahr. Normalerweise nagge ich mich am Jahresende immer selbst, dass ich eigentlich viel mehr hätte erreichen wollen als ich es letztlich tat – dieses Mal war es nicht so: Ich habe mich beruflich etwas mehr selbst verwirklicht, indem ich meinen alten Job für eine schlechter bezahlte Doktorandenstelle geschmissen habe, in der ich aber inhaltlich nur für mich selbst arbeite, dafür um die Welt reisen darf und nebenbei noch Studis mehr oder weniger spannende Dinge beibringe. Parallel dazu gab es mehr Sport und gefühlt etwas weniger socially awkward penguin-ness. Für die lang geplante Asienreise hat es leider nicht gereicht, dafür gab es dank gamescom und Tattoo-Tourismus jede Menge Besuche in Köln. Vielen lieben Dank hier an Moritz und Philip für Kost und Logis – die Burgerbuden fürchten nun unsere fairen wie erbarmungslosen Kritiken.

Top 5 des Jahres:
Grundsätzlich gab es 2011 viel zu viele Spiele. Nein, das ist nicht gut – ich will dann nämlich alles auf einmal spielen und renne durch viele Titel einfach nur durch. Was ich jetzt zum Jahresende in Ruhe das zweite Mal gespielt hatte, gefiel mir plötzlich viel/noch besser. So etwas gebe ich mir 2012 nicht noch einmal. Und ironischerweise waren es auch zwei ältere Spiele, die mein Herz am meisten erobert haben, und dank HD-ReRelease-Loophole kann ich sie jetzt auch auf meine 2011-Liste setzen. Ich kannte beide aber vorher noch nicht.
Beyond Good and Evil HD (Review) // Was soll ich noch sagen, was ich nicht bereits gesagt habe? Eine wunderschöne Geschichte, in der Freundschaft über alles gestellt wird, auch wenn alles um einen herum komplett fucked ist. Ich liebe die Werte, die hier vermittelt werden. Ich liebe, wie bewährte und teils gegensätzliche Spielmechaniken wie Seiten-, Such- und Sammelquests, Schleich- und Autorennen-Missionen, Puzzlen und Kloppen zu einer perfekten Symbiose vermischt werden. Ich liebe den Soundtrack. Ich liebe das beste Spiel, was ich seit Jahren gespielt habe. Liebe für immer.
Ico HD // Ico hat bei mir einen ähnlichen Nerv getroffen wie BG&E. Atmosphärische, brachiale Architektur versus eine große Freundschaft, die aber leiser und subtiler als bei Jade und Pey’j. Schüchternes Händchenhalten statt Furzsprünge. Sprachbarriere statt lauter Zoten. Die etwas ungelenke Steuerung passt gut in diese Verlegenheit, ich verzieh Ico die nervigen Kämpfe und knobelte mich mit Freude durch die zum Glück recht eingängigen und nicht zu wirren Rätsel.
Bastion // Es war keine Liebe auf den ersten Blick, da ich lange Zeit nicht wusste, was ich von dem Erzähler Rucks halten sollte. Erst in dem zweiten Durchlauf spielte ich beim New Game Plus befreit auf und Bastion offenbarte mir seine Schönheit und seinen Galgenhumor, der trotz komplett zerrütteter Welt nie den positiven Ausblick verliert. Knallbunte Bonbongrafik und die beste Videospielmusik des Jahres platzen vor düsterer Hoffnung, ein ganz großes Juwel. Vielleicht das beste Indiespiel aller Zeiten.
L.A. Noire // Ein Rockstar-Game, bei man keine Autos kaputt fahren will, sondern den Kollegen hinters Steuer lässt? Mit simpelsten Schießereien, mehr Mittel zum Zweck denn zentrales Spielelement? Ja – weil dieser ganze Quatsch eh nur stört, wenn das Spiel in Ruhe seine dunklen Geschichten erzählen will. Für einen AAA-Titel verdammt mutig und anders. Mit dem etwas metzgerartigen Verhörsystem bin ich aber nie ganz warm geworden.
Portal 2 // Portal 2 fühlt sich an wie der Moment, in dem unsere Lieblingsband bei einem Major Label untergekommen ist. Ab jetzt wird nichts mehr dem Zufall überlassen und rohe, sympathische Unfeinheiten werden ausgebügelt. Doch ist da nicht doch noch die feine Subtilität unter dem Holzhammerhumor? Und bleibt einem nicht immer noch das Lachen im Hals stecken, weil Portal verdammt noch mal creepier ist als dieser Silent-Hill-Quatsch mit den Nacktmullen? Und die Rätsel sind zumindest im Multiplayer um Ecken geiler als ganz Portal 1.
// Platz 6-10: Batman: Arkham City, Uncharted 3, Deus Ex: Human Revolution, Outland, Sonic Generations
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