Review: God of War Collection 4

Review: God of War Collection 4

Wer wie ich noch recht frisch in der ganzen Playstation-Welt ist und erst mal vorsichtig schaut, was denn überhaupt so Sache ist, bekommt eins relativ schnell mit: Die God of War-Reihe muss man gespielt haben. Keine Diskussionen. Teil 1 und 2 sind ihrerzeit auf der PS2 veröffentlicht worden und haben die Konsole bis auf das letzte Nanohertz ausgenutzt: technische Wunderwerke mit epischer Grafik und riesigen Gegnern, spielerisch wird derbes und unglaublich brutales Hack ’n Slay rund um die griechische Mythologie geliefert. Puh, das ist doch mal eine Ansage.

Zusätzlich wird diesen März God of War III exklusiv für die PS3 erscheinen und ist neben Titeln wie Mass Effect 2 und Heavy Rain eines der meisterwarteten Videogames für 2010. Passend dazu wurden nun mit der God of War Collection die ersten beiden Teile remastered und für die PS3 neu aufgelegt: bei 720p-Unterstützung und konstanten 60 FPS sollen die Spiele auch auf modernen Fernsehern ordentlich aussehen, außerdem dürfen sich Pokaljäger über die Integration in das Trophy-System freuen.

Wer meine bisherigen Reviews der Metroid Prime Trilogy gelesen hat, weiß, dass ich allgemein ein großer Fan solcher Remakes bin. Ich finde es einfach großartig, auch Nicht-Besitzern von Konsolenvorgängern ältere Spiele zugänglich zu machen. Somit war es für mich sofort klar, dass ich diese Collection haben musste, um mir damit den Background für Teil 3 zu schaffen und gleichzeitig die Wartezeit zu versüßen.

Bislang ist die God of War Collection nur in den USA erhältlich. Das schöne an der PS3 ist aber, dass es konsequent keine Region Codes gibt, so dass man beruhigt den Importhändler seines Vertrauens aufsuchen kann. Das muss auch gar nicht teuer sein: ich selbst habe 25 EUR bezahlt, was für zwei Spiele mehr als okay ist. Nebenbei lag bei meiner Version ein Gutscheincode für eine spielbare God of War III-Demo bei, die (noch) nicht im PSN Store erhältlich ist – sehr cool!

Also rein ins Getümmel und auf den ersten Blick wird klar: HD-Grafik ist das natürlich nicht. Es wurde wohl hier und da nachgebessert, beurteilen kann ich das ohne direkten Vergleich zum Original jedoch nicht. Ist aber auch völlig egal, God of War sieht auch heute noch sehr gut aus – dies gilt insbesondere für Teil 2! Das antike Flair kommt durch bombastische Landschaften zusammen mit der tollen Musik stimmungsvoll rüber. Und das Spiel selbst? Holy shit.

Man spielt den spartanischen Krieger Kratos und metzelt sich quer durch Griechenland. Kratos ist kein Adonis, sondern hässlich und widerwärtig – und genau so verhält er sich auch: Seine Gegner werden durch die Luft auf den Boden geschmettert, in der Mitte zerrissen und an den empfindlichsten Stellen durchbohrt und zersäbelt. Besonders zelebriert wird dies bei größeren Gegnern durch Massen an Quick-Time-Events: Jeder Tod ist für sich eine Choreographie in mehreren Akten. Als Strafe der Götter für die gewissenlosen Blutbäder wird Kratos von Alpträumen heimgesucht – und sein Flehen, diese zu beenden, nehmen die Götter als willkommene Verhandlungsgrundlage, um Kratos für ihre eigenen Zwistigkeiten zu benutzen. So kommt es immer mal wieder zu Dialogen mit beispielsweise Poseidon oder Athene, die Kratos mit weiteren Skills ausstatten, sobald er ihnen einen kleinen Gefallen getan hat und irgendeinen Störenfried der Götter in seine Einzelteile zerlegt hat. Diese Fertigkeiten lassen sich durch das Sammeln von Erfahrungspunkten hochleveln, werden dadurch stärker und bieten neue Varianten. Aufgelockert wird die große Schlachteplatte durch das eine oder andere Hüpf- und Schieberätsel.

Macht das Spaß? Oh ja! Angesichts dessen, was einem ab der ersten Minute an Gegnern entgegen geschleudert wird, klappt einem regelmäßig die Kinnlade runter – wer keine Angst vor Spoilern hat, kann sich ja mal den ersten Bosskampf ansehen. Ich meine: WTF?!

Genau diese rotzige Kompromisslosigkeit von God of War gefällt mir extrem gut. Das zieht sich durch bis zum Screen, sobald man sein Leben verloren hat: Kein Game Over, kein Please try again, nein: „YOU ARE DEAD“ in blutroten Lettern. Hast du ’n Problem? Geh weiter! Und natürlich auch im Spiel: Nachdem Kratos die Hydra besiegt hat, läuft er in ihren Schlund(!), um dort den zuvor verschluckten Captain vorzufinden. Dieser ist überglücklich über die Rettung. Kratos: „Ich komme nicht, um dich zu retten“, schneidet ihm den benötigten Schlüssel vom Hals und lässt ihn in den Abgrund fallen. Wer Heldentaten vollbringen will, ist bei God of War auf dem falschen Dampfer. Fast schon unnötig zu erwähnen, dass Kratos zur Belohnung kurz darauf erstmal Sex mit zwei Frauen hat – ja, als QTE-Minispiel!

God of War Collection (PS3)
Entwickler: SCE Santa Monica Studio
Publisher: Sony Computer Entertainment
Erscheinungsdatum: bereits erschienen (US-Import)
ESRB-Einstufung: Mature 17+

God of War Collection kaufen.

Ich kann die God of War Collection uneingeschränkt jedem PS3-Besitzer empfehlen, der die Reihe noch nicht kennt und mit der Spielidee halbwegs etwas anfangen kann. Bei aller Gewalt und Übertreibung bekommt man für einen Spottpreis zwei technisch astreine Action(-Adventure)-Spiele geboten, eingebettet in eine sehr stimmungsvolle Reise durch die griechische Mythologie. Mir wird jetzt schon schwindelig, wenn ich daran denke, was erst Teil 3 auf der PS3 bieten wird. Die der Collection beiliegende Demo lässt jedenfalls schonmal Großes hoffen. Zugreifen!

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Fabian Hartmann (Redaktion) Job: Doktorand ...for science (Future Internet/Social Networks. Nebenher Vorlesungen betreuen und Studis pampern.) Auf ZwO Experte für: das Zerreißen von Kritikerlieblingen. Ansonsten bin ich kürzlich vom PC-Saulus zum Konsolen-Paulus geworden und muss neben aktuellen Releases auch noch die besten Sachen aus der Zeit davor nachholen (für Xbox 360, PS3, Wii, (3)DS und Dreamcast - ächz!). Aufgrund meiner PC-Sozialisation lasse ich Shooter da aber meist links liegen, auch Sportspiele interessieren mich nicht. Mich springen eher stimmungsvolle, bunte Action-Adventures oder Puzzlespiele wie Professor Layton oder Portal an. Hier holt sich Fabian Gaming-News: Ich bin erschreckend schlecht aus erster Hand informiert, über die wirklich wichtigen Dinge wird sich meine Twitter-Timeline dann schon das Maul zerreißen. Filterbubble olé. Mail: fh [at] zockworkorange [dot] com Twitter: yesnocancel XBLA: yesnocancel PSN: yesnocancel Steam: yesnocancelzwo Erstes Game: Super Games Liebste Games: Uncharted 2, die God of War-Teile, King's Quest VI, Blade Runner, Bubble Bobble Liebste Persönlichkeit der Branche: Traditionell der Angry Video Game Nerd, auch wenn er stark nachgelassen hat. Jingleball für die Leidenschaft und Intensität, mit der sie sich in ein einzelnes Spiel reinkniet. Balkantoni für die stetige Verbesserung meines Wortschatzes. Liebste Game-Figur: Jade und Pey'j aus Beyond Good and Evil

4 Comments

  1. Ich habe die Collection von meinem Bruder zu Weihnachten geschenkt bekommen. Super Sache gegen die besinnliche Zeit ;) Bis daher hatte ich auch keine Berührungspunkte zu God Of War, war und bin aber schwer begeistert. So einen dermaßen widerwärtigen, anmaßenenden, rachezerfressenen Antihelden kann man doch nur mögen ;)
    Und die beiden Spiele sind bisher die einzigen Titel, bei denen ich (wie in manchen Filmen) die übertriebene Gewaltdarstellung als unverzichtbaren Teil der Gesamtästhetik gutheißen kann. Sonst störe ich mich schnell an besonders brutalen Szenarien.

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