Destiny: Die kleine Revolution 1

Destiny: Die kleine Revolution 1

Nach der überaus erfolgreichen Beta von »Destiny« wurden Anfang September endlich die Server für die finale Fassung des Spiels hochgefahren. Bergab ging es seitdem eigentlich nur mit den Spielekritiken.

Destiny

Aber wen interessiert es schon, ob das Spiel ein Kritikerliebling ist oder nicht? »Destiny« ist aktuell

The Most Successful New Video Game Franchise Launch of All Time

und – man höre und staune – zusätzlich noch

The Highest-Selling Day One Digital Console Release in History

und verdrängt damit bereits nach wenigen Monaten »Watch_Dogs« (Review) vom Thron. “Noch so eine derbe Enttäuschung!”, bemerkt nun die Journaille, die »Destiny« schon am Verkaufstag abgeschrieben hatte. Was wiederum Bungie in einer Kurzschlussreaktion dazu veranlasste, gar vor Day-One Reviews zu warnen, da das “richtige Spielerlebnis” erst nach dem Erreichen des level cap beginnt. So weit dürfte am ersten Tag wohl kaum jemand gekommen sein.

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Sollte übrigens dieser Vertrag noch Gültigkeit besitzen, dann kostet der derzeitige Metacritic-Wert von ca. 77 den Entwickler Bungie den Quality-Bonus in Höhe von 2.5 Millionen Dollar. Nicht unbedingt Kleingeld, aber so wie’s im Moment aussieht, spielte »Destiny« die unglaublichen 500 Millionen, die Activision in das Spiel investiert hat, schon vor Veröffentlichung des ersten DLC wieder ein. Und danach wird die Melkmaschine wohl erst richtig angeworfen.

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Und…? Ist »Destiny« nach »Watch_Dogs« nun die zweite Blockbuster-Enttäuschung in 2014? So weit würde ich persönlich nicht gehen. Aber der riesige Hype, den Bungie und Activision hier generiert haben, dem wird »Destiny« nie gerecht werden können. Ist es deswegen ein schlechtes Spiel? Mitnichten. Allerdings ging Bungie mit »Destiny« auf “Nummer sicher” und wagte kein Stückchen Innovation. Alles schonmal da gewesen, alles schonmal gesehen. Das ist natürlich unendlich schade und widerspricht der Shooter-Revolution, die uns auf allen Kanälen angepriesen wurde, aber hey, was Bungie wirklich, wirklich gut kann, das ist voll korrekte Shooter-Kost abliefern. Und sowas fehlt eben im Moment auf den neuen Konsolen. Daher ist es auch unbestritten der Grund dafür, dass die Verkaufszahlen der PS4 einen weiteren massiven Schub erhalten haben und das Spiel sich wie geschnitten Brot verkauft.

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Es sind aber die kleinen Momente in »Destiny«, die mich immer wieder zum Controller greifen lassen, z.B. wenn ich nach einer Dreiviertelstunde in einer bockschweren Strike-Mission mit zwei mir völlig unbekannten Menschen erleichtert einen Freudentanz aufführe, weil wir den Bossgegner doch noch zerlegt haben. Dieser Tanz erinnert mich übrigens ein bisschen an das Ende von »The Last Boyscout«, als Bruce Willis auf dem Dach des Football-Stadions seinen Siegestanz zum Besten gibt. Herrlich! Zusammen mit Freunden macht es übrigens noch mehr Spaß.

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Vor dem Kauf solltest sich der Shooter-Fan in Dir aber folgende Fragen so ehrlich wie möglich beantworten:

  1. Gefällt mir eine generische Sci-Fi-Story, mit einigen Lücken und extrem viel Luft nach oben?
  2. Benötige ich unbedingt starke Charaktere mit viel Tiefgang?
  3. Stört mich repetitives Gameplay, wenn es als Belohnung Levelaufstieg und Beute gibt?

Lauten die Antworten auf diese drei Fragen: ja, nicht unbedingt und nein? Dann ist »Destiny« eventuell genau Dein Ding. Denn abgesehen von diesen Schwächen ist dieses Spiel genau der Knaller, auf den zumindest ich gewartet habe. Es fühlt sich zwar ein wenig so an, als hätte Bungie die Firefights aus »Halo: ODST« und »Halo: Reach« zu einem vollwertigen Spiel gemacht, aber das werte ich vollkommen positiv (ich war schon immer ein großer Fan des kooperativen Multiplayers, insbesondere des Horden-Modus). Außerdem überzeugen Steuerung, Grafik und Musik. Und womit? Mit Recht! Darüber hinaus garantieren jede Menge Herausforderungen auch für Ballerspaß jenseits des level cap, den ich so nach ca. 18h Stunden erreicht habe.

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»Destiny« ist kein Halo, dafür fehlt ihm einfach die kinoreife Inszenierung des Master Chiefs und Cortana (dabei gäbe es so viele Möglichkeiten, zusammen mit dem von Peter Dinklage gesprochenen Ghost). »Destiny« ist auch kein Borderlands, denn dafür gibt es einfach zu wenig Humor, zu selten Beute und überhaupt keine Story. Aber Bungie gelingt es, mit »Destiny« ein reduziertes MMOG auf den Konsolen einem Millionen-Publikum schmackhaft zu machen. Sicherlich noch nicht perfekt, aber schon eine kleine Revolution, dieser Shared-World-Shooter. Und mit public events kann Bungie auch nach der Kampagne noch für genügend Herausforderungen sorgen, damit wir Spieler bis zum ersten (hoffentlich Story-) DLC bei der Stange bleiben. Ich jedenfalls habe entgegen anders lautender Expertenmeinungen meinen Spaß mit »Destiny«.

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Mit-Gründer von Zockwork Orange und fast schon zu alt und tatterig um Videospiele zu spielen. Dafür ist er aber schon von Anbeginn dabei und kennt und liebt (fast) jedes Spiel.

1 Comment

  1. Finde ich sehr gut geschrieben! Ich glaube, viele sind einfach mit viel zu hohen Erwartungen an das Spiel gegangen. Klar, die Medien haben für ordentlichen Hype gesorgt. Wer als Spieler aber nicht auf den Kopf gefallen ist, dem dürfte genau das ja bekannt sein. Mir gefällt Destiny trotz all der Kritik gut. Es hat Potential, welches sicherlich noch genutzt wird und spielt sich gut. Es bietet nicht mehr und nicht weniger, als viele andere Spiele auch. Viele sind nur enttäuscht, weil ihre Vorstellungen nicht erfüllt wurden.

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