Das erste Jahr als Konsolenzocker 5

Das erste Jahr als Konsolenzocker 5

Vor erst ziemlich genau einem Jahr (den genauen Tag weiß ich leider nicht mehr) ging sie los: meine Karriere als Konsolenspieler mit dem Kauf einer Wii. Seit diesem unschuldigen Anfang ist eine Menge bei mir passiert – Zeit, das ganze ein wenig Revue passieren zu lassen. Ich werde dabei nicht auf den alten Flamebait PC vs. Konsole eingehen. Ich kenne nun beides ziemlich gut und denke, über den Punkt, was man mit einem Controller toll und mit einer Maus unmöglich zocken kann (und umgekehrt), sind wir inzwischen echt hinaus. Aber ihr dürft das Thema natürlich gerne nochmal in den Kommentaren aufgreifen.

The Past

In den Keller / Umzugskartons verbannt: PC-Spiele

Wie vielleicht nicht alle wissen, war mein Zockerdasein von Kindheit an stets eng mit Computern verknüpft: Los ging es mit dem C64, später und eben bis vor einem Jahr kam dann der PC in mehreren Generationen. Mit Konsolen kam ich dabei nur marginal in Berührung – am intensivsten noch als Kind, als Freunde und Nachbarn Game Boy, NES und Super Nintendo bei sich stehen hatten. Vermutlich war das der Grund, dass in meinem Kopf die Gleichung Konsolen = Nintendo immer aufging. Als einige Jahre später die Playstation kam, konnte ich damit nichts anfangen. Die Leute, die ich kannte, wollten damit immer nur bekifft Autorennen oder Tekken spielen. Irgendwer hatte dann noch ein Nintendo 64, aber die matschige 3D-Grafik in allen Spielen fand ich auch sehr abschreckend. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass es mit Konsolen nach der goldenen (S)NES-Zeit massiv den Bach runterging und widmete mich somit meinem PC. Dass die Playstation im Prinzip dabei war, Konsolen aus den Kinderzimmern in die Wohnzimmer zu leveln, war mir da noch nicht bewusst.

Insgeheim hätte ich natürlich immer gerne zusätzlich eine Konsole gehabt, irgendwas gutes musste es doch auf System X geben, was es auf den anderen Systemen (zum Beispiel meinem PC) nicht gab. Gescheitert ist es letztlich eigentlich immer daran, dass ich schlicht und ergreifend keinen passenden Fernseher hatte und nicht einsah, dafür Geld auszugeben. Konsolen gerne, Glotze nein. So kaufte ich mir dann auf Flohmärkten ein NES und ein Atari 2600 zusammen, dafür war mein TV in Briefmarkenformat gerade gut genug, dachte ich. Wirklich Spaß machte das aber auch nicht, selbst wenn ich das erste Legend of Zelda, Super Mario Bros. und Defender of the Crown in dieser Konfiguration durchspielte. Weil danach längere Zeit aber nichts mehr kam, würde ich diese Phase noch nicht zu meiner eigentlichen Konsolenzockerkarriere zählen.

The Present

Die Ausbeute eines Jahres

Irgendwann kam auch ich zu einem Setup, das zumindest in meinem Freundeskreis recht beliebt ist: Weg mit dem PC (Arbeit + Spiele), stattdessen her mit einem Mac (Arbeit) plus Aussicht auf eine Konsole (Spiele). Die Saure-Gurken-Zeit auf dem Mac ist ja nun dank Steam auch zu einem großen Teil Geschichte, so dass man sich den Part mit der Konsole eventuell sogar fast sparen kann. Bei mir wurde es dann nun doch ein Fernseher und eine Wii. Naiv wie ich war, dachte ich da noch, dass mir das sicher reicht – denn siehe die Gleichung oben: Konsolen = Nintendo. Fehlt nur noch, dass ich sie spiegelverkehrt mit einem weißen Edding an die Fensterscheibe schreibe.

Heute ist dagegen klar: Abgesehen von den unsterblichen Franchises MarioZeldaMetroid gibt es für die Wii eigentlich nur Mist. Okay okay, kriegt euch wieder ein, ich hab kein Okami oder MadWorld gespielt. Dennoch glaube ich fest daran, dass der Erfolg der Wii sich allein durch „Mal bei ’nem Kumpel einen Abend Spaß gehabt und dann selbst gekauft“ begründet. Das Angebot an richtig tollen Spielen – vor allem für Nicht-Partyabende – erschöpft sich dann aber doch recht schnell. Richtig verarscht kam ich mir dann bei dem Schrottspiel Die Rache der Nacktmulle Silent Hill: Shattered Memories vor, das alle unter anderem für das „realistische Taschenlampenfeeling“ in den siebten Himmel lobten. WTF? Neidisch blickte ich zwischenzeitlich zu den großen Konsolen rüber und nach ein paar Sitzungen bei einem Freund war klar: eine PS3 sollte es zusätzlich sein.

Die PS3 ist eine Spitzenkonsole mit großartigen Exklusivtiteln: Uncharted. God of War. Heavy Rain. Flower. Undundund. Sorry mal, mir kann außer den piefigen Civilization-Spießern kein PC-Zealot erzählen, dass er nicht mindestens einen der genannten Titel in sein Herz schließen würde. Von den unzähligen Multiplattform-Spielen ganz zu schweigen. Eigentlich müsste ich mich mehr als glücklich schätzen, hätte ich nicht fatalerweise in meinem letzten PC-Jahr Mass Effect gespielt. Nun schielte ich ständig neidisch zu den ZwO-Kollegen mit der Xbox 360 herüber, die den zweiten Teil abfeierten. Und so ein Alan Wake sah ja nun auch ganz lecker aus. Fable klang auch recht spannend. Verdammt! Ich brauchte so ein Ding! Als mit Einführung der 360 Slim die Restposten der alten dicken Modelle zu Schleuderpreisen verkauft wurden, schlug ich schließlich zu. Danke nochmal an Konsolendealz an dieser Stelle für den richtigen Hinweis zur richtigen Zeit!

Ursprünglich war meine Idee, für die 360 nur die unentbehrlichen Exklusivtitel zu kaufen und die PS3 als Hauptsystem zu betrachten. Allein aus Gewohnheit, wegen meiner bereits vorhandenen PS3-Spielesammlung und nicht zuletzt der bereits gesammelten Trophies. Inzwischen muss ich aber sagen, dass ich fast lieber an der 360 spiele. Der Controller liegt einfach besser in der Hand, die GUI vom Hauptmenü finde ich apple-esker (insbesondere nach dem letzten Update) und der XBLA-Marktplatz ist um Längen(!!) besser sortiert als das PSN, das auf mich schon immer wie eine Beta-Krücke wirkte.

Und dann gibt es ja noch das Gerücht, dass Multiplattform-Titel auf der 360 generell besser performen sollen. Gerücht deswegen, weil ich bisher noch keinen Direktvergleich hatte, um mich selbst zu überzeugen. Ich kann nur sagen, dass beispielsweise Assassin’s Creed II auf der PS3 stellenweise eine mittelschwere Ruckel-Katastrophe ist. Von meinen 360-Kollegen hat sich noch niemand beschwert, also bin ich entweder zu pingelig oder es ist wirklich was dran an der Behauptung. Ich denke, auf lange Sicht wird sich eine 50:50-Nutzung einstellen. Aber so muss das auch sein, bin ja schließlich kein Fanboi.

The Future?

Alle Konsolen vereint (inkl. altem Router als kostenloser 360-WLAN-Dongle)

Wie geht es weiter? Gefühlt bin ich mit Hardware erstmal gut versorgt: was die aktuelle Generation angeht ja eh, und die nächste ist auch noch nicht abzusehen. Sowohl Microsoft als auch Sony haben ihre aktuellen Konsolen gerade erst mit Kinect beziehungsweise Move aufgewertet (was mich beides momentan nicht die Bohne juckt: Move ist nicht viel mehr als das alte Wii-Konzept und Kinect has no games) und halten ansonsten die Füße still. Nintendo hat das 3DS angekündigt, auf das ich zugegebenermaßen als Handheld-Laie doch ziemlich scharf bin. Und was die Retro-Konsolen betrifft, bin ich hoffentlich so vernünftig, dass ich mir nicht die ganzen alten Kaventsmänner ins Wohnzimmer hole. Hand auf’s Herz: schön anzusehen sind die ja auch nicht immer. Stattdessen mache ich eher Gebrauch von Downloadangeboten wie für die Virtual Console (Wii) oder PSOne Classics (PSN).

Außerdem stehe ich voll auf HD-Remakes. Die God of War Collection ist ja schon ein kleines Juwel und ich freue mich wie ein kleiner Schneekönig auf die Team ICO Collection und Beyond Good & Evil HD nächstes Jahr. Und vielleicht kommt ja irgendwann irgendwo nochmal Shenmue? Oder muss ich dann doch auf eine echte Dreamcast zurückgreifen?

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr auch eurem PC den Laufpass gegeben und lümmelt für Spiele lieber gemütlich auf dem Sofa? Oder findet ihr die Einheit von Arbeitstier und Spielgerät sogar ganz praktisch? Klar ist, dass beide Schulen noch lange nicht tot sind und letztlich der persönliche Geschmack und Geldbeutel entscheidet. So oder so: es gibt für alle viel zu tun – zocken wir es an!

Sorry für die schlechte Bildqualität. Suckende iPhone 3G-Kamera suckt, vor allem bei schummerigem Kellerlicht. Aber hey, mal keine Presse-Screenshots.

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Fabian Hartmann (Redaktion) Job: Doktorand ...for science (Future Internet/Social Networks. Nebenher Vorlesungen betreuen und Studis pampern.) Auf ZwO Experte für: das Zerreißen von Kritikerlieblingen. Ansonsten bin ich kürzlich vom PC-Saulus zum Konsolen-Paulus geworden und muss neben aktuellen Releases auch noch die besten Sachen aus der Zeit davor nachholen (für Xbox 360, PS3, Wii, (3)DS und Dreamcast - ächz!). Aufgrund meiner PC-Sozialisation lasse ich Shooter da aber meist links liegen, auch Sportspiele interessieren mich nicht. Mich springen eher stimmungsvolle, bunte Action-Adventures oder Puzzlespiele wie Professor Layton oder Portal an. Hier holt sich Fabian Gaming-News: Ich bin erschreckend schlecht aus erster Hand informiert, über die wirklich wichtigen Dinge wird sich meine Twitter-Timeline dann schon das Maul zerreißen. Filterbubble olé. Mail: fh [at] zockworkorange [dot] com Twitter: yesnocancel XBLA: yesnocancel PSN: yesnocancel Steam: yesnocancelzwo Erstes Game: Super Games Liebste Games: Uncharted 2, die God of War-Teile, King's Quest VI, Blade Runner, Bubble Bobble Liebste Persönlichkeit der Branche: Traditionell der Angry Video Game Nerd, auch wenn er stark nachgelassen hat. Jingleball für die Leidenschaft und Intensität, mit der sie sich in ein einzelnes Spiel reinkniet. Balkantoni für die stetige Verbesserung meines Wortschatzes. Liebste Game-Figur: Jade und Pey'j aus Beyond Good and Evil

5 Comments

  1. Lustig. Bei mir war das ähnlich. Angefixt mit einem C-64 dann über GameBoy und SNES in die Konsolen, dann das erstemal Monkey Island und Doom(!) auf einem PC gesehen. Erste PC 386’er. Dann irgendwann die Erkenntnis das PCs ja eigentlich gar nicht zum arbeiten sind. Macs her und gezockt auf der XBOX – Mit der PS1 habe ich gleiche Erfahrungen gemacht. Die Xbox360 war am 1. Tag samt einem 720p LCD Schirm mein. Wieder angefixt kam die Wii dazu und durch einen Zufall noch eine PS3, auf der ich aber nur die PS3 Exklusiven Titel (GoW, MGS, Heavy Rain…) zocke. Ich bin der Xbox treu. Wir sind aber nicht in der gleichen Nachbarschaft aufgewachsen, oder?

    Gruß,
    Nils

  2. @Nils: Das sind tatsächlich erschreckende Parallelen. Ich kannte als Kind nur einen Nils, der war aber kein Zocker und hatte den Berufswunsch Steuerberater. Ich möchte dir gerne unterstellen, dass du nicht er bist.

    @Philip: Wir machen alle Fehler. :) Aber Alan Wake wäre es unterm Strich nicht wert.

  3. Hallo Fabian,

    ganz lieben Dank für Dein Feedback. Ich habe mich über einige Parallelen im Zockerwerdegang beim Studium deines Artikels gefreut – lediglich mein Einstiegssystem sah mit dem Apple IIe anders aus – Einen C64 habe ich nie besessen und mit Ausnahme von Giana Sisters und einigen wenigen anderen Titeln auch nie wirklich vermisst.

    Ich habe mich übrigens schon in ganz jungen Jahren als für Importe interessiert ^^ Mein NES, welches erstaunlicherweise immer noch läuft, besitzt einen Umbau der Firma Flashpoint, der mir die Verkostung von US Modulen per Kippschalter ermöglichte ;)

    Beste Grüße,

    Jan

  4. Hallo Jan, gerne. Wie ich schon im letzten Podcast meinte, ich folge wirklich diversen Schnäppchenseiten, die einen um Längeren höheren Output haben als du / ihr, aber die richtig dicken Fische ziehe ich immer nur dank Konsolendealz an Land.
    Klasse statt Masse, macht unbedingt weiter so!

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