Zocken im Wandel der Zeit 5

Zocken im Wandel der Zeit 5

Es ist schon erstaunlich, wie sich der Konsum von Videospielen mit der Zeit verändert hat. Erst kürzlich wurde ich von jemandem, den ich im Playstation Network beim FIFA online spielen kennengelernt hatte, gefragt, wie ich es denn schaffen würde nebenbei auch noch Spiele wie Fallout: New Vegas und Gran Turismo 5 zu spielen. Das wären ja ganz andere Genres.

Diese Frage brachte mich zum Nachdenken. Hat man jetzt schon als Nicht-Pro-Gamer die moralische Verpflichtung einem einzigen Genre treu zu bleiben? Oder habe ich einfach zu viel Zeit? Letzteres kann ich mit (neidischem) Blick auf die Fortschritte meiner Bekannten und Kollegen in benannten Spielen deutlich verneinen. Aktuell bin ich schon froh, wenn ich abends mal mehr als eine Stunde in einem Spiel verbringen kann.

Spiele früher und heute

Wie war das denn noch gleich früher? Früher waren Videospiele doch irgendwie weitaus weniger stressig, oder? An die Zeit als ich in meinem Zimmer nichts anderes als meinen Amiga und meinen winzigen Fernseher brauchte, kann ich mich noch ziemlich gut erinnern. Da wurde jedes Spiel verschlungen, wenn man es nur irgendwie in die Hände bekam. Irgendwelche Genres für sich kategorisch auszuschließen grenzte schon förmlich an Blasphemie.

Wenn man sich mit mindestens einem weiteren Freund zum Spielen verabredet hatte, wurde in Rekordgeschwindigkeit alles Mögliche durchrotiert: Erst prügeln, dann fahren, gefolgt von ein paar Schwertkampf Beleidigungen, dem Kauf neuer verbesserter Körperteile, etwas Sport und Strategie und zum Herunterkommen eine aktuelle Wirtschaftssimulation. Das ganze Wohlfühlpaket quer durch die Spielindustrie in [INSERT PARENTAL VIDEO GAME TIME HERE] Stunden. Natürlich hatte man weder damals noch heute jemals das Gefühl, wirklich ausreichend genug gespielt zu haben.

Der heutige Markt an konsumwilligen Spielern ist für die Hersteller sicherlich nicht einfacher geworden – dafür aber ungleich lukrativer. Die erste zahlenmäßig große Generation der Videospielkonsumenten ist erwachsen geworden und investiert verdientes Geld in die Branche, und kommende Generationen werden das gleiche tun. Der für mich größte Unterschied zu früher: Während man früher sogar Werbespiele eines großen Salami-Snack-Herstellers mit Freude in sich aufgesogen hat, ist man heute nahezu resistent gegen Werbeaktionen und weiß unter einer wahren Flut von Hochglanztiteln gar nicht mehr, was man eigentlich zuerst spielen mag. Die sogenannten Alles-Spieler sterben nach und nach aus. Es müssen Marktforschungen betrieben werden, welches Genre den größten Bedarf nach einem neuen Referenztitel hat und überhaupt muss alles irgendwie Casual sein um Neulinge neben Veteranen an einem Spiel sitzen zu haben.

Competition Pro vs. PS3 Controller

Damals war ein Titel erst mal ein zu bewältigender Titel. Musste man etwas mehr Aufwand betreiben, um diesen durchzuspielen, hat man das halt auf sich genommen. Und wenn ein halber Regenwald in Papierform mit Spielskizzen herhalten musste, um noch so verzwickte Rätsel zu lösen, war das halt so. Man hat sich arrangiert. Genauso wie mit Fehlern im Spiel: Ich erinnere mich an einen Platformer, bei dem ich an einer Stelle nicht weiter kam, weil die Berührung eines bestimmten Punktes im Spiel einen Absturz zur Folge hatte. Habe ich mich aufgeregt? Klar! Habe ich das Spiel trotzdem gespielt? Mehrfach! Heute führt der erste Weg bei einem ungenauen Pixel in einer Wandtextur zu unglaublich viel Traffic im zugehörigen Supportforum.

Das größte Achievement in einem früheren 256-Farben-Spiel war es, seinen Freunden stolz als Erster zu berichten, wie man den eigentlich unbezwingbaren Endboss doch noch ins Jenseits befördert hat. 5 Minuten Ruhm auf dem Schulhof und einmal der Held vom Erdbeerfeld sein: Mehr wollte doch niemand. Heutzutage vergleicht man sich sofort mit 50.000 anderen Spielern weltweit und verzweifelt nahezu am unbestreitbaren Können anderer.

Amiga 1200 vs. PS3

Das mag jetzt zum Abschluss alles nach Wut oder Jammerei klingen, doch so ist es mitnichten gemeint. Alle Zeiten hatten ihre Stärken und Schwächen und missen möchte ich nicht eine einzige Erfahrung. Die Kultur der Videospiele ist eine noch junge, welche sich wie jede andere Kultur auch weiterentwickeln wird. Irgendwann wird die Zeit der Spiele-Rentner anbrechen und Sätze wie Als ich noch ein junger Mann war, habe ich im großen Battlefield noch richtige Kriege erlebt. werden fallen.

Ich bin dabei!

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5 Comments

  1. Da hast du die beiden Originaldisketten ja geschickt vor die dezentralen Sicherheitskopien gestellt. ;)
    Syndicate! <3

    Ansonsten kann ich dir nur recht geben. Als Kind war ich auch eher der Fast Food-Zocker (alles einmal schnell ansehen und schon war der Nachmittag rum) und es hat sehr lange gedauert, bis ich Spiele wirklich mal bewusst und ohne Komplettlösung durchgespielt habe. Heute ist das absolut die Regel. Der Haken dabei ist dann, dass ich das nächste Spiel immer sehr sorgfältig wähle, statt alles einmal anzugucken.
    Dann aber tauche ich genau mit meinem Spieltempo und meinen Vorlieben in dieses Spiel ab. Ich habe gar keine Lust, mich mit besagten 50000 Zockern im Multiplayer zu messen, die das eh alles besser können als ich.
    Aus Fast Food wurde quasi Gourmet. ;)

  2. Oh, das spricht mir so aus der Seele.

    Ich bin 30. Hab früher elendig viel Kram am PC gespielt (diese Bifi-Werbespiele waren sogar zum Teil wirklich cool), dann bin ich über Gamecube auf Xbox und von dort auf Xbox 360 und PS3 umgeschwenkt (wobei die PS eher als Blu-Ray Player dient).

    Mittlerweile bin ich ein reiner Story-Gamer. Ich hab keine Lust und Zeit mehr, mich dutzende Male an einer schwierigen Stelle zu versuchen, ich möchte unterhalten werden und mich nicht durchbeißen. Und obwohl alles mittlerweile online ist habe ich sowas von gar keine Lust, mich mit fremden Kiddies aus dem Internet in irgendwelchen Spielen abzugeben.

    Voller Besorgnis betrachte ich, dass so gut wie jeder ambitionierte Single Player Titel mittlerweile einen Multiplayer-Modus mitbringt. Teilweise zum Leidwesen des Hauptspiels.

  3. Freut mich, wenn meine Gedanken einen gewissen Anklang finden.
    @Fabian: Sicherheitskopien? Klar. In dieser Box stehen links die Sicherheitskopien von Syndicate (<3) und rechts die von Transarctica – nur um sicher zu gehen. ;)
    Vom Spielstil her bin ich heute irgendwie ein Mix aus alledem geworden. Ein Spiel will ich richtig genießen können. Aber es gibt auch so viele verdammt gute Titel, dass ich schnell etwas "überfordert" bin. Zumal Zeit ja auch ein Luxusgut ist. Und Multiplayer finde ich auch höchst interessant. Aber allein in so eine richtig gute Story absinken ist einfach ein Spielgeflühl, welches ich auch nie missen mag. Irgendwie bin ich der Tausendsassa unter den Spielern der auch jedem Genre irgendwie etwas abgewinnen kann. Außer Echtzeitstrategie vielleicht.

    @Andy
    Diese Bifi Werbespiele waren sogar der absolute Hammer. Leider habe ich vergessen was da so ungefähr passiert ist. Vielleicht kram ich das mal wieder raus. :)
    Wie schon gesagt, dieses Spielgefühl mag ich ebenso gern und unlösbare Stellen mag wohl niemand so richtig. Aber ich kann auch dem Gefühl etwas abgewinnen, den ganzen Kiddies im Multiplayer zu zeigen wie man eine Schlacht schlägt. ;)
    Ob ein Multiplayer jetzt wirklich das Hauptspiel beeinträchtigt kann ich jetzt nicht mal wirklich sagen. Als Storyspiel fällt mir z.B. immer gleich Uncharted ein. Da gab es ja auch einen Multiplayer, welcher aber mal komplett uninteressant für mich war. Bei einem Battlefield Bad Company 2 hingegen habe ich den Singleplayer noch nicht ausprobiert.

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