Skyhill: Monster, Treppen, Hungertuch 0

Nahrung und Medizin sind in Skyhill ein knappes Gut, wenn man länger überleben will.

Skyhill

Ich habe Hunger. In den letzten Räumen, die ich durchsucht habe, habe ich leider nichts Essbares gefunden. Eigentlich habe ich überhaupt nichts gefunden und ich bräuchte auch dringend etwas Bastelmaterial, um den Fahrstuhl wieder in Gang zu bringen oder mir wenigstens eine brauchbare Waffe zusammenzuschustern. Seufzend marschiere ich ein Stockwerk weiter nach unten, bekomme noch mehr Hunger und stehe plötzlich einem zähnefletschenden Zombie gegenüber. Das hat mir gerade noch gefehlt, denn um meine Gesundheit steht es auch nicht gerade zum Besten …

Luxus? Fehlanzeige!

Aber jetzt mal ganz von vorne. Die Geschichte von »Skyhill« beginnt mit einer Geschäftsreise, bei der sich mein Protagonist Perry offensichtlich im Penthouse des Skyhill Hotel einquartiert hat, um hier etwas dem Luxus zu frönen. Leider währt die Freude nicht lange, denn draußen ereignet sich eine biologische Katastrophe, die entweder die Menschen dahinrafft oder sie schrecklich mutieren lässt. Nur ich bleibe wundersamer Weise verschont. Auf der Suche nach Nahrung und eventuellen Überlebenden arbeite ich mich jetzt Etage um Etage nach durch das Hotel nach unten und versuche einfach nur zu überleben. Von einem zuvorkommenden Zimmerservice ist nämlich weit und breit keine Spur zu sehen.

Nach ca. 10 Stockwerken frage ich mich allerdings, ob da unten irgendwo die Rettung oder der sichere Tod auf mich wartet. Egal … Challenge accepted!

Die Mischung macht‘s

Daedalic Entertainment ist hier eine lustige Mixtur aus verschiedenen Genres gelungen. In »Skyhill« werden Merkmale eines Point-and-Click-Adventures gekonnt mit Survival-Horror und einer Prise RPG vermischt. Eine nette und klar gestaltete 2D-Retro-Optik, die etwas an einen Comic erinnert, begleitet mich auf meinem Weg durch das Hotel und passt meiner Meinung nach perfekt zum Setting.

Skyhill

Das Spielprinzip ist denkbar einfach: Es gibt ein Treppenhaus, von dem in jeder Etage zwei Räume abgehen, in denen ich  nützliche Gegenstände für’s Überleben finden kann … oder eben auch nicht.

Jedes Mal, wenn ich den Raum wechsle, bekomme ich einen Hungerpunkt abgezogen. Deshalb muss ich immer wieder etwas zwischen die Zähne bekommen. Gefundene Lebensmittel kann ich dazu gleich verspeisen oder mit in mein Zimmer schleppen und daraus etwas Feines zubereiten. Diese zubereiteten Speisen füllen meine Hungerleiste wesentlich besser auf, als die einzelnen Zutaten. Allerdings muss ich erst ein entsprechendes Rezept gefunden und alle erforderlichen Zutaten zusammengerafft haben, bevor ich etwas brutzeln kann … und das kann dauern. Außerdem werden mir auf dem Weg zurück zu meinem Zimmer wieder Hungerpunkte abgezogen, wenn ich mich durch die Räume bewege. Eine vertrackte Situation! Zum Glück kann ich Teile des Aufzugs manchmal wieder in Gang bringen und somit viele Stockwerke auf einmal überwinden. Das kostet dann immerhin nur zwei Hungerpunkte.

Um einen Aufzug zu reparieren benötige ich aber wieder Material. Dazu muss ich wieder Räume durchsuchen, was dann auch wieder Hungerpunkte kostet. Ich führe das sprichwörtliche Leben am Limit!

Ich kann mir übrigens auch Waffen basteln, aber hier benötige ich ebenfalls das benötigte Material und einen entsprechenden Bauplan. Damit sieht es zu Beginn des Spiels auch eher schlecht aus.

Mutanten pflastern meinen Weg

Als hätte ich nicht schon genug damit zu tun, nicht zu verhungern, stellen sich mir von Zeit zu Zeit irgendwelche Monster in den Weg. Hier bleibt mir oft nichts anderes übrig, als den Kampf aufzunehmen, denn sonst komme ich nicht weiter. Habe ich Glückspilz schon früh einen Hammer oder etwas anderes gefunden, das ich als Waffe missbrauchen kann, teile ich beherzt aus. Die Gegner halten sich aber auch nicht zurück, was meiner Gesundheit leider nicht zuträglich ist. Das Kampfsystem überfordert allerdings nicht mit unbegrenzten Möglichkeiten und ist teilweise unberechenbar. Ich kann aus drei verschiedenen Angriffsvarianten wählen, die aber auch oft genug danebengehen. Bei der Liebe zum Detail, die bei den übrigen Features des Spiels erkennbar ist, enttäuschen mich die Kämpfe regelrecht.

Skyhill

Danach heißt es dann wieder Räume durchsuchen, um Medizin für die angeschlagene Gesundheit zu finden und das bedeutet, wieder Hungerpunkte verlieren … langsam durchschaue ich das perfide System.

Sterbe ich dann doch irgendwann, fange ich bei Null wieder an. Roguelike lässt grüßen, denn auch die Aufteilung der Hotelzimmer bei jedem Durchgang ein anderer. Aber immerhin darf ich mir jetzt einen Bonus zum Spielanfang aussuchen, der mir einen kleinen aktiven oder passiven Vorteil verschafft, oder ich wähle einen anderen Schwierigkeitsgrad.

Ab und zu finde ich Notizen oder Sprachaufnahmen, die ein paar Informationen zu den ehemaligen Bewohnern des Hotels beinhalten oder ich stolpere über einen PC, bei dem ich eine Notiz aus dem Papierkorb fischen und ausdrucken kann. Wozu ich diese Info brauche, konnte ich allerdings noch nicht entdecken, aber hier zeichnet sich bereits ein Rätsel ab, das gelöst werden will.

So ganz alleine scheine ich auch nicht zu sein, denn ich treffe überraschenderweise einen Überlebenden, der mir ein Tauschgeschäft anbietet. Leider habe ich nichts dabei, das ihn interessieren könnte. Trotzdem notiere ich mir die Zimmernummer, um ihn bei Bedarf wiederzufinden. Ein Notizzettel ist überhaupt eine gute Idee, denn ich kann mir nach mehreren Durchgängen nicht mehr merken, in welchem Stockwerk z.B. ein Lebensmittelautomat steht, aus dem ich mit einer gefundenen Münze rettende Nahrung ziehen kann.

Gut geglückte Portierung

»Skyhill« merkt man stark an, dass es zunächst als mobiles Spiel entwickelt wurde, denn bereits 2015 ist das Spiel für Android und iOS erschienen. Damals konnte das Game einiges an Preisen einheimsen, wie z.B. „Best Indie Game“ und „Best Desktop Game“ auf der DevGamm Minsk 2015, sowie „Beste Game Narrative“ auf der IndiePrize Casual Connect Tel-Aviv 2015.

Skyhill

Allerdings ist die Portierung auf die PlayStation 4, auf der ich mein Reviewexemplar spiele, durchaus gut gelungen. Die Steuerung ist anfangs ungewohnt, doch schnell habe ich den Bogen raus und marschiere leichtfüßig von Raum zu Raum … und verliere wieder Hungerpunkte.

Daedalic Entertainment hat es auch geschafft, neben dem Crafting- auch ein Levelsystem zu integrieren. Hier können unter anderem Stärke oder Schnelligkeit meines Charakters gepusht werden, wodurch sich der Schaden meiner mitgeführten Waffen entsprechend erhöhen kann. In diesem Spiel steckt viel mehr, als man anfangs vermuten möchte.

Angeblich soll es auch mehrere verschiedene Enden geben, aber bis ich mich ins Erdgeschoss durchgekämpft habe, wird es wohl noch eine Weile dauern.

Mein Fazit

Sich 100 Etagen nach unten kämpfen? Das kann doch nicht so schwierig sein! An »Skyhill« bin ich etwas blauäugig herangegangen. Ich hatte mich auf ein nettes Point-and-Click eingestellt, musste aber bald feststellen, dass ich ohne strategisches Verwalten meiner knappen Ressourcen nicht weit komme. Ohne ein wenig Vorplanung segnet man bereits nach 10-20 Etagen das Zeitliche. »Skyhill« hat mich auch mit seinen vielfältigen Möglichkeiten überrascht. Craften oder Leveln hätte ich zum Beispiel jetzt nicht unbedingt erwartet.

Die drohende Gefahr zu verhungern oder Opfer eines der vielen Mutanten zu werden, sitzt einem ständig im Nacken. Das ist es wohl, was den Reiz dieses Spiel ausmacht. Ich versuche hier Stockwerk um Stockwerk dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen und muss zugeben, dass sich ein gewisser Suchtfaktor einstellt.

Allerdings ist »Skyhill« kein abendfüllendes Spiel, sondern eher etwas für zwischendurch. Nochmal vor die Wahl gestellt, würde ich es mir deshalb eher für’s Tablet als für den PC oder eine Konsole holen.

Meine Wertung: 8 von 10 überreifen Birnen

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Auf ZwO Expertin für Stealth und Sneaky Games (ab und zu darf aber auch mal ein reinrassiger Shooter oder ein Horror-Spielchen dazwischen sein).

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