Review: Risen 3

Review: Risen 3

Ein namenloser Held, der gegen die raue Umgebung, zahlreiche Monster und das Ende der Welt kämpft? Klingt wie Gothic und das ist es auch: Das am 2.10.09 für PC und Xbox 360 erschienene RISEN ist das neueste Werk aus der Essener Spieleschmiede Piranha Bytes. Hierbei handelt es sich um den inoffiziellen Nachfolger von Gothic 3. Inoffiziell deswegen, weil die Rechte für die Gothic-Reihe, nach dem Wechsel von Piranha Bytes, beim ehemaligen Publisher Jowood liegen. Doch schaffen es die Essener Jungs das Desaster Gothic 3 ad acta zu legen, oder müssen wir die Hoffnung auf gute deutsche Rollenspiele endgültig begraben? risen packshot

Als namenloser Held landet man nach einem Sturm auf der mediterranen Insel Faranga. Schnell erfährt man, dass diese von der Inquisition übernommen wurde, welche das Eiland unterdrückt und die bisherigen Herrscher, die Banditen, in den Widerstand getrieben hat. In dieser Situation muss sich der Spieler für eine der Seiten entscheiden, um die mysteriösen Ereignisse auf der Insel in 4 Kapiteln zu untersuchen, wegen derer der König die Inquisition eigentlich nach Faranga geschickt hat. Zusätzlich zu den beiden genannten Fraktionen hat der Spieler auch noch die Möglichkeit sich den Magiern anzuschließen, welche zwar mit der Inquisition zusammenarbeiten, aber dennoch versuchen ihre eigenen Ziele zu verfolgen.


Mach doch was du willst!

Obwohl es sich bei RISEN um ein Rollenspiel handelt, lässt es klassische Elemente dieses Genres vermissen. Wer eine Charakter-Erstellung erwartet wird beispielsweise enttäuscht: Der Spieler startet immer mit dem gleichen Charakter, den er im Laufe des Abenteuers nach seinen Wünschen anpassen kann. Hierzu werden pro Level 10 Lernpunkte generiert, die vom Spieler bei den verschiedenen Trainern zur Steigerung von den drei Attributen (Stärke, Geschicklichkeit und Weisheit) und den verschiedenen Fähigkeiten eingesetzt werden können. CharakterblattEine Steigerung der Attribute erlaubt es bessere Waffen zu benutzen und hat direkten Einfluss auf die Anzahl der Lebenspunkte und den Vorrat an Mana, wer also Krieger werden möchte, wird hauptsächlich die Stärke und die Geschicklichkeit steigern. Spannend wird es bei den Fähigkeiten: Diese bestimmen beispielsweise bei den Kampffähigkeiten, welche Aktionen mit dem Schwert durchführbar sind oder wie lange das Nachladen einer Armbrust dauert und legen damit fest, auf welche Weise der Spieler im Spiel vorgeht. Ich bin persönlich kein Fan dieses Systems und bevorzuge eine Steigerung der tatsächlich verwendeten Fähigkeiten, wie es bei Oblivion der Fall war, was ich für sehr viel realistischer halte. Die Übersicht über den Charakter ist auf jeden Fall sehr übersichtlich auf einer einzelnen Seite gestaltet und bietet alle nötigen Informationen auf einen Blick.

Das zu Beginn eher einfache Kampfsystem wird mit der Steigerung der Fähigkeiten immer komplexer. Anfangs hat man bloß die Möglichkeit mit der linken Maustaste einen Schlag auszuführen und mit der rechten Maustaste zu parieren. Mit den entsprechenden Steigerungen kommen dann Modifikationen wie der Konter oder der aufgeladene Schlag hinzu. Um erfolgreich zu kämpfen, sollte sich der Spieler mit den verschiedenen Möglichkeiten auseinandersetzen, was die Kämpfe angenehm taktisch macht – Eine eindeutige Verbesserung zum System von Gothic 3.Kampf gegen Echsenkrieger Lediglich die Zauber sind nicht sehr vorteilhaft umgesetzt: Ist man von Gegnern eingekesselt, kommt der Spieler kaum zum Einsetzen der Zauber, da diese sehr lange brauchen, um gewirkt zu werden. Apropos Gegner: Bei diesen handelt es sich nicht wirklich um Intelligenzbestien. Häufig genug reicht es sich auf eine Plattform zu stellen und den Gegner mit Pfeilen zu beschießen, da diese selten reagieren und einfach stehen bleiben, sollten sie nicht zum Spieler kommen können. Im Kampf versuchen sie zwar häufig den Spieler einzukesseln, bleiben dabei aber sehr inkonsequent und belassen es bei einem Versuch. Hochleistungen sollte man von der KI also nicht erwarten.

Obwohl RISEN eine an sich offene Welt bietet, ist das Gameplay sehr linear. Im Vergleich zu Oblivion fallen vor allem sehr viel weniger Nebenquests auf. Das ist jedoch kein Manko: Die vorhandenen Quests sind (fast) alle liebevoll gestaltet und die Quests die sich über mehrere Etappen erstrecken halten den Spieler ständig auf Trab. So gilt es beispielsweise den Schatz eines legendären Piraten zu finden, dessen Tochter in der Hafenstadt die Taverne besitzt. Zuerst muss man es schaffen die Tochter aus der Stadt herauszuschmuggeln, um dann in verschiedenen Gräbern Hinweise auf den Schatz zu finden, welcher dann zum Schluss auch noch durch das Lösen eines, der leider eher seltenen, Rätsels geborgen werden muss. Dabei bleibt RISEN angenehm überschaubar. Das hängt sicherlich auch mit der Größe der Welt zusammen, welche nicht mehr so riesige Ausmaße wie noch bei Gothic 3 annimmt, was dem Spiel echt gut tut.

Die Engine ist nicht alles

HafenstadtGrafisch bietet RISEN eine sehr abwechslungsreiche Kost: In der freien Natur bewegt sich der Spieler durch eine fantastisch gestaltete Landschaft, die an manchen Stellen zum Entspannen einlädt. Ein Highlight ist definitiv die Hafenstadt mit ihrem mediterran angehauchten Gebäudestil. Zahlreiche Details und ein liebevolles Design zeigen den Spaß, den die Entwickler hatten und laden immer wieder zum Erkunden der Umgebung ein. Sobald der Spieler einen der vielen Dungeons betritt ändert sich dieser positive Eindruck: Neben tristen Farben und dunkler Ecken gibt es zwar ab und an auch abwechslungsreiche Details zu sehen, die aber nicht so recht überzeugen mögen. So rennt der Spieler immer wieder durch gleich aussehende Räume in der Hoffnung die Orientierung nicht zu verlieren. Da man sich in der zweiten Hälfte des Spieles fast nur noch unterirdisch bewegt, kann der Versuch der Orientierung sehr nervtötend sein. Dadurch drängt sich natürlich der Verdacht auf, dass Piranha Bytes bewusst die unterirdischen Passagen auf die zweite Hälfte verlegt hat, um die Spieler zu Beginn nicht gleich zu verschrecken. Man muss den Essenern aber zugute halten, dass sie das Beste aus einer an sich eher schwachen Engine herausholen und dass Innenräume der Schwachpunkt von sehr vielen Spielen sind.

Nostalgische Gefühle

Wer sich bei der Vorstellung der Story dachte „Das kenne ich doch schon“, lag nicht ganz falsch: Das Prinzip der drei Fraktionen, denen man sich nach einiger Zeit anschließen kann, ist auch schon aus Gothic bekannt und auch diesmal hat die Wahl der Fraktionen wieder keinen Einfluss auf die Story an sich. Das ist wirklich sehr schade, denn hier wurde viel Potential verschenkt, mit welchem man sehr einfach die Wiederspielbarkeit hätte erhöhen können. Auch wird das Geschehen um die mysteriösen Ereignisse sehr schnell vorhersehbar. Dennoch schafft es Piranha Bytes wieder sehr schön die bekannte, sehr raue Atmosphäre herzustellen. Man hat immer das Gefühl ein etwas ungebetener Gast zu sein, den man nur widerwillig duldet.Dungeon
Dieses Wiedersehen altbekannter Eigenschaften führt auch dazu, dass sich der Spieler immer wieder ins Jahr 2002 zurückgesetzt fühlt. Die ganze Atmosphäre, der Aufbau der Story und das Gameplay fühlen sich einfach zu sehr wie Gothic 2 an. An jeder Ecke hofft man auf Diego, oder einen der anderen Kollegen zu treffen. Gothic-Veteranen mag das zwar freuen, die Spieler aber, die auf eine konsequente Weiterentwicklung des Genres gehofft haben, werden enttäuscht sein. Glücklicherweise wird der Spieler von einem Desaster wie bei Gothic 3 verschont. Abgesehen von einzelnen Clipping-Fehlern sind während des Tests keine nennenswerten Bugs aufgetreten.

RISEN (PC/Xbox 360)
Entwickler: Piranha Bytes
Publisher: Deep Silver
Erscheinungsdatum: Bereits erschienen
USK-Einstufung: freigegeben ab 12 Jahren
Titel kaufen (PC)
Titel kaufen (Xbox 360)

RISEN macht nichts falsch, aber leider auch nichts so wirklich richtig. Man merkt sehr deutlich, dass die Essener versucht haben, an alte Zeiten anzuknüpfen und das Desaster von Gothic 3 komplett zu vergessen. Leider haben sie dabei auch vergessen, dass inzwischen viele Jahre ins Land gegangen sind. Vieles, vor allem die sehr vorhersehbare Story, wirkt unmotiviert und zeigt deutlich die Angst vor einem erneuten Desaster. Das Ganze ist besonders schade, da der Wechsel vom ehemaligen Publisher Jowood zu Deep Silver dem Entwickler einen sehr viel höheren Entscheidungsfreiraum ermöglicht hat. Betrachtet man den Mut, mit dem das innovative Gothic damals veröffentlicht wurde, kann man sich inzwischen nur noch wundern, dass sich für Piranha Bytes die Welt scheinbar nicht weitergedreht hat, denn die Jungs können definitiv mehr. RISEN ist in der Lage eine Gnadenfrist zu liefern, aber für das nächste Spiel sollte schon sehr viel mehr geboten werden. Gothic-Veteranen können bedenkenlos zuschlagen, Neulinge der Serie sollten sich aber vorher die Demo anschauen.

Getestet wurde die Verkaufsversion von RISEN für den PC.

Previous ArticleNext Article
Frederik Wagner (Redaktion) Job: Student im Master of Education für Geschichte und Englisch Auf ZwO Experte für: PC-Spiele aller Art, hauptsächlich aber Sachen aus den Bereichen RPG und Strategie, bevorzugt rundenstrategisch. Die herumstehende Xbox erweitert das Spektrum um reine Konsolentitel. Hier holt sich Freddi Gaming-News: PCGamer.com Mail: fw [at] zockworkorange [dot] com Twitter: Fredelsloh XBLA: - PSN: - Steam: Fredelsloh Erstes Game: Prince of Persia Liebste Games: Baldur’s Gate II, Planescape Torment, Arcanum, Civilization II, Europa Universalis 3 Liebste Persönlichkeit der Branche: Warren Spector Liebste Game-Figur: Minsk und Boo

3 Comments

  1. Hmm, grade habe ich es nochmal 20 Minuten gespielt, aber so richtig warm werde ich damit nicht. Diese schäbige Gothic-Style-Welt ist wohl einfach nichts, wo ich mich wohlfühle. Ich würde fast schon Geld drauf wetten, dass ich es nicht mehr wirklich lange spielen werde – stattdessen wünsche ich mir seit ewigen Zeiten Ultima X…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: