Hyrule Warriors: Wimps and posers leave the hall 3

Hyrule Warriors: Wimps and posers leave the hall 3

Vermutlich erwähne ich es nicht zum ersten Mal, aber ich bin ein Nintendo-Fanboy letzter Stunde (also quasi der sechsten und Hitzefrei gibt es Mitte Oktober auch nicht mehr… verdammichnocheins!). Stellt euch das so vor, alle hatten früher einen Game Boy oder ein NES, später SNES und konnten diesen geilen Scheiß wie Super Mario, Zelda und Castlevania spielen, wann immer sie wollten. Ich nicht. „Checkt mal eure Privilegien“, würde man ihnen heute zurufen. Gut, ich hatte einen C64, aber das 8-bit-Pixelgras ist ja immer etwas knuspriger auf der anderen Seite des Zauns. Und die betrat ich eben nur zeitweise per Nachbarsbesuch von Fertigstellung der Hausaufgaben bis zum Abendessen.

Jedenfalls ist das ein in so schöne Erinnerungen gepolstertes Trauma, dass ich es a) als Erzählung immer wieder auspacke und b) es mich bis heute begleitet. Denn heute, heute bin ich reich und kann mir alles leisten! Naja. Aus meinen Augen von vor 25 Jahren eben. Und von daher gibt es eine Menge nachzuholen – während die verwöhnte Gamer-Mischpoke sich über so lächerliche Nichtigkeiten wie die Sinnhaftigkeit des Namens der Wii U echauffieren kann (Xbox One geht dagegen natürlich völlig in Ordnung), bin ich derjenige, der sich auch noch den drölfzigsten Mario-Titel holt und sich alle Amiibos vorbestellt. Because I can and because I couldn’t.

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Wer auf so billige Trigger wie die unmotivierte Darstellung von Nintendo-Ikonen abfährt, für den ist »Hyrule Warriors« genau das richtige. Die Gang um Zelda, Link und Ganondorf in einem Massenprügelspiel? Mit der ganzen epischen Musik und allem? Klaro, warum nicht! Von der anderen Hälfte des Mashups – »Dynasty Warriors« – hatte ich davor noch nie gehört, aber um so unbefangener konnte ich an die Sache herangehen. Irgendwo las ich dann noch einen Vergleich der Marke „Ist wie Diablo… nur ohne Loot“ und das fand ich eher spannend als abschreckend. »Diablo« ist ja so stulle, das lebt ja nur vom looten, wie soll das denn ohne gehen, das müssen ja echte Teufelskerle sein, die sowas durchziehen.

Und in der Tat könnte man als Kenner freundlicher Zelda-Gefilde etwas verstört sein, wenn man »Hyrule Warriors« startet: Die weiblichen Charaktere tragen die dicksten Gadonkadonks vor sich her (ach, darum das Team Ninja-Logo bei Spielstart) und verzerrte E-Gitarren bilden – statt gefälligem Ocarina-Geflöte – die musikalische Untermalung. Schnell macht dieser Manowar-Anstrich klar: Hier fliegt die Kuh von der Lon Lon Ranch. Weicheier werden gleich mit den zugehörigen Hühnern durch die Gegend geschmissen. »Dark Souls« ist dagegen das sanfte Segeln von der Isla Bomba zum westlichen Feen-Cordial.

Naja, nicht ganz. Denn das Clusterfuck-Gekloppe lässt sich mit purem Button-Mashing eigentlich ganz gut bewältigen, was ja selten ein Zeichen spielerischer Qualität ist. Aber noch bevor ich mich langweilen kann, kommt eine interessante Komponente hinzu: Zeitmanagement. Anders als beim oben verglichenen »Diablo« (so viel können wir jetzt schon mal festhalten: Der Vergleich ist so oder so Quatsch) spielt man sich nicht linear von Ebene zu Ebene, sondern ist eher auf einem riesigen Fußballfeld unterwegs: In jedem Level geht man nämlich nicht allein auf Monsterhatz, sondern hat als beispielsweise Link sein Team, bestehend aus Zelda, Impa und ein paar neuen Gesichtern um sich (man kann übrigens auch je nach Storyverlauf auch die anderen Charaktere spielen). Und jeder von denen hat seinen eigenen Kopf bzw. sucht sich seine eigene Baustelle zum Kämpfen aus. Je nach dem wie sich vor allem der Spielercharakter schlägt, wächst oder fällt die Moral der Mitstreiter und mit etwas Pech brennt es schnell an allen Ecken und Enden und man ist wild damit beschäftigt, den schlimmsten Krisenherd zu lindern – schon allein weil die Schlacht verloren geht, sobald das eigene Hauptquartier oder ein bestimmter Mitstreiter fällt. Und das macht einfach eine Mordslaune!

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Ärgerlich ist, dass (zumindest mir) nicht immer ganz klar ist, was nun höchste Priorität hat. Da hilft häufig ein Blick ins Pausenmenü und auf die Übersichtskarte, wo alle relevanten Kartenpunkte mit Lebensbalken versehen sind und dann heißt es sinnvoll planen und nicht blind drauf los zu stürmen. Hat man dann nun das eigene Hauptquartier gerade noch rechtzeitig erreicht, weiß ich auch nicht, wie lange ich da Gegner aufräumen soll. Das Gros der Gegner ist schnell erledigt, aber es tröpfeln ständig immer noch welche nach. Wann ist genug und wann kann ich mich wieder anderen Dingen widmen?

Ansonsten ist das Spiel der pure Fanservice. Man besucht Locations aus verschiedensten Zelda-Spielen wieder und trifft dort auf entsprechende alte Bekannte. Link ist zunächst mit Abstand der lulligste Lulli-Charakter und haut natürlich erst richtig zu, sobald er das Master-Schwert gefunden hat. Und was total toll ist (Spoilerwarnung!): Später im Spiel spielt man den zurückgekehrten Ganondorf während die Helden derweil denken, dass alles peachy ist. Und wo Ganondorf hinlangt, wächst mal kein Gras mehr. Bockt alles! Und wer nach dem Storymodus noch nicht genug hat, darf sich nach Belieben an Herausforderungen a la „NES Remix“ im Abenteuermodus austoben.

Auch wenn der Wii U-Spielenachschub so langsam in Fluss kommt, ist ein neuer Titel für die Liebhaberkonsole dieser Generation immer noch ein kleines Happening – nicht zuletzt, weil fast alle Releases durch die Bank weg mit hoher Qualität punkten. »Hyrule Warriors« bildet da keine Ausnahme.

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Fabian Hartmann (Redaktion) Job: Doktorand ...for science (Future Internet/Social Networks. Nebenher Vorlesungen betreuen und Studis pampern.) Auf ZwO Experte für: das Zerreißen von Kritikerlieblingen. Ansonsten bin ich kürzlich vom PC-Saulus zum Konsolen-Paulus geworden und muss neben aktuellen Releases auch noch die besten Sachen aus der Zeit davor nachholen (für Xbox 360, PS3, Wii, (3)DS und Dreamcast - ächz!). Aufgrund meiner PC-Sozialisation lasse ich Shooter da aber meist links liegen, auch Sportspiele interessieren mich nicht. Mich springen eher stimmungsvolle, bunte Action-Adventures oder Puzzlespiele wie Professor Layton oder Portal an. Hier holt sich Fabian Gaming-News: Ich bin erschreckend schlecht aus erster Hand informiert, über die wirklich wichtigen Dinge wird sich meine Twitter-Timeline dann schon das Maul zerreißen. Filterbubble olé. Mail: fh [at] zockworkorange [dot] com Twitter: yesnocancel XBLA: yesnocancel PSN: yesnocancel Steam: yesnocancelzwo Erstes Game: Super Games Liebste Games: Uncharted 2, die God of War-Teile, King's Quest VI, Blade Runner, Bubble Bobble Liebste Persönlichkeit der Branche: Traditionell der Angry Video Game Nerd, auch wenn er stark nachgelassen hat. Jingleball für die Leidenschaft und Intensität, mit der sie sich in ein einzelnes Spiel reinkniet. Balkantoni für die stetige Verbesserung meines Wortschatzes. Liebste Game-Figur: Jade und Pey'j aus Beyond Good and Evil

3 Comments

  1. Hyrule Warriors herauszubringen war ein gewagtes Experiment von Nintendo. Sehr mutig. Aber ich finde es gelungen, denn so kam endlich mal wieder ein „erwachseneres“ Spiel auf die angeschlagene Wii U.

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