Gedanken zu Deus Ex-Bosskämpfen und zum ersten DLC The Missing Link 8

Gedanken zu Deus Ex-Bosskämpfen und zum ersten DLC The Missing Link 8

Ach ja, das leidige Thema mit den Bosskämpfen bei Deus Ex: Human Revolution. Erst waren sie mir zu schwer, dann zu leicht und so richtig gepasst haben sie nie.

Aber mal chronologisch: in meinem ersten Durchgang spielte ich Deus Ex in der Hobby-Schwierigkeitsstufe. Warum auch nicht? Schließlich gab es die gleichen Achievements wie bei normaler Schwierigkeit und meist unterscheiden sich die Stufen eh kaum. Weil man mir seit Jahren predigte, wie toll es sei, dass man Deus Ex spielen kann, wie man möchte – entweder als Shooter oder als Stealth-Game – entschied ich mich als Shooter-Hasser natürlich für die Stealth-Methode. Das ging auch ganz gut, bis ich – nur mit einem Betäubungsgewehr bewaffnet – beim ersten Endgegner stand, der mich mit Gatling-Gun und Frag-Granaten recht schnell erledigte. „Mach dich einfach unsichtbar“, riet man mir. Doch dieses Feature hatte ich leider noch nicht augmentiert. Auch das Taifun – eine im Körper eingebaute Waffe – hatte ich nicht augmentiert. Schließlich wollte ich ja niemanden töten und meine Praxispunkte, also die XP zum Aufleveln, wollte ich nicht auf Waffen verschwenden, die ich ja eigentlich nicht brauchte. Nach mehreren Versuchen hatte ich die Idee, einfach mal im Level zurück zu laufen, und Waffen zu suchen. Viel war da leider nicht zu finden. Nach 2 Wochen Frustpause und Youtube-Anleitungen, als das Game endlich released wurde, ging es dann doch halbwegs, glücklich war ich damit dennoch nicht. Der zweite Endgegner war dann allerdings viel leichter. Sollte es nicht anders herum sein? Sollten Endgegner im Laufe des Spiels nicht schwerer werden?

Nun, vielleicht war er gar nicht leichter, möglicherweise war ich nur besser vorbereitet. Dass es direkt vor dem Raum des Endgegners eine Kammer mit Sturmgewehr und haufenweise Munition gab, könnte aber auch dazu beigetragen haben. Beim zweiten Versuch war der Rihanna-Verschnitt platt und ich war stolz wie der sprichwörtliche Oscar.

Der nächste Endgegner hatte es dann doch wieder in sich, auch wenn hier ebenfalls direkt vor ihm ein kleines Waffenlager war. Das riesige Lasergewehr mitzuschleppen war definitiv eine gute Idee, auch wenn es immer schmerzt, das halbe Inventar mit einer Waffe zu belegen, obwohl man die nur insgesamt 4 Mal kurz im Game benötigt. Weil ich es aber ganz clever machen wollte, kehrte ich auch hier kurz um, hackte draußen eine Turret, trug sie bis zum Aufzug und stellte sie dem nackten Jaron Namir vor die Füße. Ein paar EMP-Granten und Splitterminen und der Kerl war Brei.

Obwohl ich den Platz viel eher für Energieriegel und Gasgranten gebraucht hätte, trug ich das Lasergewehr weiter durch die Weltgeschichte. Schließlich bin ich ein Schisser, wie er im Buche steht, und der letzte Endboss war ja sicherlich richtig heftig. Pustekuchen. Der letzte Endboss war quasi nicht vorhanden. Drei Turrets, die man aus der Sicherheit einer Säule mit dem Lasergewehr killen konnte, dann ein paar Mechs und eine handvoll Zombie-Soldaten. Gähn. Alle vier Enden angucken, fertig.

Nachdem das doch recht gut ging, machte ich mich an einen zweiten Durchgang, dieses Mal auf „Deus Ex“-Schwierigkeit. Da ich wusste, was mich erwartet, konnte ich viel besser augmentieren und das Taifun-System war eine der ersten Sachen, die aufgelevelt wurde. Von da an wurde es lächerlich. Lächerlich einfach.

Erster Endboss, Lawrence Barrett: Gatling-Gun im Arm und ein unerschöpfliches Arsenal an Granaten. Hinrennen, Taifun aktivieren, erledigt. Um die beste Band der Welt zu zitieren: „Ist das alles?“

Zweiter Endboss, Yelena Fedorova aka. Rihanna: Zwei Maschinengewehre, tarnt sich, greift kurz an und rennt wieder weg. Harter Brocken, braucht normalerweise 150 Schuss mit dem Sturmgewehr. Oder man lässt sie auf sich zurennen, aktiviert die Taifun-Augmentierung und schießt dann noch einmal auf sie, während sie gelähmt ist. Ich bin nicht als Freund von Herausforderungen bekannt, aber das geht selbst mir zu leicht.

Dritter Boss, Jaron Namir: der komplette Körper ist augmentiert, er tarnt sich, hat Granaten, springt über die Wände und schießt, was die zwei Plasmagewehre hergeben. Die mitgebrachte Turret machte ihn auf der leichtesten Schwierigkeitsstufe schon recht easy, auf Hart sah das doch bestimmt anders aus? Zumal ich keine Turret dabei hatte, diese zu beschaffen ist als Pazifist nämlich alles andere als leicht, wird sie doch von einem guten Dutzend Soldaten bewacht. Meine Taktik (man steht sich zu Beginn des Kampfes gegenüber und er hebt seine Waffe erst auf): Jaron eine EMP-Granate ins Gesicht werfen, zu ihm rennen und ihm meinen Taifun zeigen. Da er selbst Taifun-Muniton bei sich trägt, kennt er das Teil vermutlich, ich zeige es ihm trotzdem nochmal und er geht langsam, auf dem Boden liegend zugrunde. Ebenso langsam komme ich mir von dem Game verarscht vor. Am Anfang fand ich es echt schwer, aber weiß man erstmal, wie man es anstellen muss, sind die Bosse viel zu leicht. Ich mag keine schweren Endgegner, aber wenn sie das Leichteste am ganzen Game sind, läuft doch irgendwas falsch.

Wir springen vorwärts zum letzten Endgegner. Wir erinnern uns: Turrets, Mechs, Soldaten, alles schön nacheinander. Wenn man zu viel Zeit hat. Hat man die nicht, sondern will nur schnell das Spiel beenden, um 300GS (Legend, Pacifist, Foxiest of the Hounds) zu kassieren, läuft man mit dem Lasergewehr zu der Glaswand und schießt sie kaputt. Like a Boss!

Dann nämlich ist alles andere egal und man hat gewonnen. Der letzte Endboss war auf Leicht schon ein Spaziergang, mit dem im ersten Durchgang gesammelten Wissen ist er ein Witz und leichter als jeder normale Straßengangster im ganzen Spiel. I am disappoint, Deus Ex.


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Kommen wir jetzt zu der Sache, auf die ich eigentlich hinaus wollte: es ist ja bekannt, dass die Bosskämpfe von einer anderen Firma gemacht wurden, weshalb auch in allen Kritiken der einzige negative Punkt war, dass eben diese Kämpfe überhaupt nicht ins Spiel passen. Jetzt wurde vor kurzem der erste DLC zu Deus Ex: Human Revolution angekündigt. Missing Link heißt der, und spielt mittendrin, geht ja auch gar nicht anders. Dieser DLC wurde von Eidos selbst produziert, Produzent Marc-André Dufort dazu:

You can actually not kill the boss. You can do a non-lethal takedown on him. And you can kill him from afar. You can even kill him without him seeing you. It’s more of a bigger challenge than a standard boss fight like we have in many games.

Schön, der Bosskampf im DLC ist jetzt also so, wie die Bosskämpfe im gesamten Spiel hätten sein müssen. Sollen wir dafür jetzt dankbar sein? Im DLC ist der Bosskampf so, wie es jeder vom Hauptspiel erwartet hat, und Eidos klopft sich dafür jetzt stolz auf die Schulter? Und dann auch noch für einen DLC, der irgendwo reingequetscht wird, wo er kaum Sinn ergibt?

Spielen werde ich The Missing Link natürlich dennoch, sobald der DLC im Oktober erscheint. Schließlich muss ich meine 100% bei Deus Ex: Human Revolution ja verteidigen. Und vermutlich wird mir der DLC sogar Spaß machen, allerdings wird wird die ganze Zeit der fade Beigeschmack mitschwingen, wenn man denkt: warum war das ganze Spiel nicht so? Wenn ihr es doch könnt, warum habt ihr uns dann so enttäuscht? Ein Update sämtlicher Bosskämpfe wäre vermutlich zu viel verlangt. Vielleicht in 10 Jahren dann, wenn das Remake kommt.

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Mit-Gründer von Zockwork Orange, Casual Gamer, Assassin's-Creed-Fanboy, Hyrule-Retter. Beendet Spiele oft nicht, schreibt trotzdem drüber.

8 Comments

  1. Für dieses heuchlerische „like we have in many games“ müsste man dem Typen eigentlich gleich eine in die Fresse hauen. Und wenn er fragt warum, noch eine. Fun Fact: „In many games“ machen Bossgegner sogar Spaß.

  2. Warum eigentlich immer das obligatorische „spielen werde ich es trotzdem“? warum nicht mal Boykott anmelden? Besser wird es nicht, wenn die Entwickler trotzdem noch Geld mit etwas verdienen, dass offensichttliche Mängel hat. Das mag vielleicht auf DeusEx 3 nicht 100% zu treffen, aber den Satz habe ich auch nicht erst hier zum ersten Mal gelesen…

    P.S.: ein neues COD oder Battlefield werde ich zum Beispiel nicht mehr zocken, weil es mir zu Innovationsarm ist. Das sehen viele so und trotzdem schreiben sie im übernächsten Satz „gekauft ist es trotzdem“

  3. @Seppuku: warum sollte ich es nicht trotzdem spielen? Ich sage ja nur, dass die Sache mit den Bosskämpfen doof ist, das macht aber nur einen sehr kleinen Teil des Spiels aus. Ich verzichte ja nicht auf 50 Stunden Spielspaß, weil 10-15 Minuten davon schlecht sind.

  4. Hört hört! David „Deus Ex – Schmeus Ex“ May hatte 99,5% der Zeit Spaß mit DXHR. :D
    Mal davon ab, dass ich gerne 10-15 Minuten mit den Bossen verbracht hätte, ohne den Taifun-„Cheat“, den ich dir einfach mal glaube, sitzt man da nämlich auch gerne mal mehrere Stunden dran, aber das weißt du ja selbst.

  5. Der Taifun ist echt fast schon ein Cheat. Aber in der ersten Mission holt man sich den sagenumwobenen neuen Taifun, ich hab das im Nachhinein so aufgefasst, als sei das ein Hint der Entwickler, dass wir das Ding gefälligst auch benutzen sollen.

    Fun Fact: die Endgegner tragen teilweise Taifun-Ammo am Körper, wenn man ihre Leichen durchsucht, aber keiner von ihnen kann Taifun-Attacken.
    Die Taifun-Munition ist auch gar nicht so selten, wie die einen glauben lassen wollen. Ich lief immer mit rund 15 Taifun-Paketen rum, blöd nur, dass man für jede Attacke eine Batterie leer macht und Energieriegel scheint es in der Zukunft weniger zu geben, als herumliegende Munitionspacks von streng geheimen Waffen. Dass sich immer nur eine Batterie wieder auflädt, fand ich übrigens echt nervig, das hätte ich gerne augmentiert.

  6. @David ich sagte ja auch, dass es auf dxhr nicht ganz zu trifft, weil es ja nur die bosskämpfe sind die nerven. Meinte das auch eher allgemein und in anderen Fällen.

  7. Das Batterieladen würde ich sogar die größte Unbalanciertheit im ganzen Spiel nennen. Ich kann mich an kaum eine Situation erinnern, in der ich mit mehr als der einen Ladung rumgelaufen bin. Man konnte zwar aufpassen, dass man eine Batterie nicht vollkommen leersaugt, aber das ist de facto ja dann auch wieder nur eine Ladung.
    Dass man das Maximum augmentieren konnte – völlig witzlos. Die Praxispunkte hätte ich wohl lieber in den Taifun investieren sollen. :P

  8. Vor der Malik-Geschichte bin ich ne Stunde in Detroit rumgelaufen und habe verzweifelt nach Energieriegeln gesucht, nur um die 10 Kerle + den Mech getarnt killen zu können. Dass es keine guten Shops gibt und ich meine Batterie nicht mal zuhause oder bei Sarif kostenlos aufladen kann, fand ich echt nervig. Da standen so viele Cornflakes in meiner Wohnung, warum konnte ich die nicht essen? Oder mal im Bett schlafen? Und warum braucht ein Knockout eine gesamte Batterie, wenn ich mit der selben Energie auch ne halbe Minute getarnt durch die Gegend latschen kann? Getarnt an einen Gegner ranschleichen und mit der Stungun ausschalten braucht weniger Energie als ein simples K.O.
    Es gab echt viele Details, die störten, aber ich frage mich, ob das Spiel ohne diese Mängel nicht viel zu easy gewesen wäre.

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