Control – Ein genialer paranormaler Thriller 0

Control

Remedy, die uns bereits mit »Quantum Break« und »Alan Wake« actionreiche Spielstunden bescherten, sind jetzt mit ihrem neuesten Werk »Control« am Start. Dieses Spiel schickt uns in die Welt der Parapsychologie, Telekinese und abstruser übernatürlicher Geheimnisse. Klingt sehr interessant und ist es auch. Ich schlüpfe in »Control« in die Rolle von Jesse Faden, die auf der Suche nach ihrem Bruder in das Federal Bureau of Control, auch FBC genannt, marschiert. Warum sie gerade hier nach ihm sucht, bleibt zunächst im Dunklen.

Das FBC untersucht hauptamtlich übernatürliche Phänomene und ist dabei offensichtlich kürzlich etwas zu forsch vorgegangen. Es wurde bei paranormalen Experimenten ein Übergang zu einer anderen Dimension geöffnet, weswegen nun Mitarbeiter und Gegenstände vom sogenannten Zischen befallen sind. Deshalb stehen aktuell weite Bereiche das FBC unter Quarantäne. Zu allem Übel wurde der Direktor dieser Einrichtung aus noch unbekannten Gründen ermordet.

Da Jesse anscheinend besondere Fähigkeiten besitzt, wird sie ratzfatz und wider Willen zur neuen Direktorin ernannt. Zur Dienstausstattung gehört auch gleich eine übernatürliche Waffe an sich, die wohl dem dahingeschiedenen Direktor gehörte. Hoffnungsfroh warten die verbleibenden Forscher nun darauf, dass ich als Jesse nun das FBC vom Zischen reinige und alles wieder ins Lot bringe. Na toll.

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Obwohl Jesse ihrer neuen Rolle zunächst skeptisch gegenübersteht, freundet sie sich doch langsam damit an. Hier wird ein starker Charakter mit eigenem Willen gezeichnet, der sich im Laufe des Spiels immer weiter entwickelt. Jesse lässt mich an ihren Gedanken und Zweifeln teilhaben und wirkt dadurch überzeugend und glaubhaft. Das Spiel macht es mir damit leicht, mich mit Jesse zu identifizieren.

Umfassende und fesselnde Story

Ich mache mich also auf und durchstreife die riesigen Areale des FBC. Einerseits will ich natürlich meiner Pflicht als Direktorin nachkommen, andererseits weiß ich immer noch nichts über den Verbleib meines Bruders. Ich spreche mit verschiedenen Forschern und sammle fleißig Akten und Dokumente. Diese geben mir Einblick in die Forschungsarbeiten, an denen gearbeitet wird, oder geben weitere Informationen zu seltsamen Objekten. Außerdem gibt es Filmmaterial, das ich mir etwas verwirrt ansehe, und Tonbandaufnahmen, denen ich weitere Informationen über die Arbeit dieser Institution entnehme. Allerdings nehmen die gesammelten Informationen bald ein riesiges Ausmaß an. Unüberschaubare Aktenstapel scheinen auch in dieser außergewöhnlichen Behörde keine Ausnahme zu sein. Anfangs habe ich noch motiviert jeden Schnipsel intensiv studiert habe, bin ich da zum Ende des Spiels hin doch etwas nachlässig geworden. Trotzdem habe ich mir immer mal wieder die Zeit genommen und habe in der einen oder anderen Akte geblättert. Obwohl hier Vieles zur umfassenden Hintergrundstory erklärt wird, kommt man auch gut durch’s Spiel, wenn man nicht alles intensiv begutachtet.

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So viel es zu Beginn zu lesen gibt, so knauserig ist »Control« ist anfangs mit Ressourcen. Sei es Material, um meine Waffen aufzuwerten oder Erfahrungspunkte, die ich in coole paranormale Fähigkeiten investieren kann, das alles will erst hart verdient werden. Die Gegner sind leider zu Anfang nämlich ebenfalls überraschend stark. Da mir das Spiel keine Heilmittel bietet, die ich mit mir herumschleppen kann, bin ich auf leuchtende Hinterlassenschaften von verwundeten oder gefallenen Widersachern angewiesen. Diese kann ich aufsammeln und die meine Lebensleiste damit wieder auffüllen. Das bedeutet allerdings auch manchmal, dass ich aggressiver als gewollt vorgehen muss, um an dieses wertvolle Gut zu kommen. Anfangs muss ich mich deshalb erst einmal zäh durchbeißen, denn leicht macht es »Control« mir definitiv nicht. Gerade wenn ich einen noch relativ niedrig gelevelten Charakter habe, können die ersten Kämpfe doch ziemlich frustrierend werden.

Surreale Spielwelt mit kleinen Makeln

Obwohl sich »Control« nur in den Bereichen des FBC abspielt, so ist die Spielwelt doch groß und abwechslungsreich genug, um nicht langweilig zu werden. Die teilweise surreal anmutenden Gebäudeteile sind sehr verschachtelt aufgebaut, aber trotzdem gut durchdacht. Allerdings habe ich mich mehr als einmal verlaufen, denn auch wenn ich immer eine Karte zu Rate ziehen kann, ist nicht immer klar erkennbar, auf welcher Ebene ich mich im Gebäude befinde. Da helfen die Wegweiser innerhalb der verschiedenen Areale oft mehr weiter als die Karte.

Viele Bereiche lassen sich auch erst im Laufe der Zeit öffnen, wenn ich beispielsweise eine entsprechende Schlüsselkarte bekomme. Hier empfiehlt es sich deshalb auch, die eine oder andere Nebenquest mitzunehmen, denn diese entführen oft in zusätzliche Gebiete und es locken außerdem wertvolle Belohnungen.

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Zudem habe ich mir gleich zu Anfang angewöhnt, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen, um nur ja keinen Sammelgegenstand zu verpassen. Da fallen mir dann auch viele kleine Dinge auf, wie z.B. persönliche Gegenstände auf Schreibtischen, die davon zeugen, dass hier Menschen intensiv gearbeitet haben, oder auch nur phantasievoll gestaltete Dekorationen oder Blumenarrangements. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet und es macht Spaß, sich die Räumlichkeiten näher anzusehen. Schon bald habe ich durch meine Sammelwut auch Modifikationen im Inventar, mit denen ich meine eigenen Fähigkeiten oder meine Waffe verbessern kann.

Auf meinem Weg schalte ich auch immer wieder Schnellreisepunkte frei, an denen ich nach meinem Ableben wieder abgesetzt werde. Hier hätte ich mit ein paar mehr gewünscht, denn wichtige Ausgangspunkte für Missionen, liegen oft weit von einem Schnellreisepunkt entfernt und die auf dem Weg dorthin immer wieder spawnenden Gegner nerven dann mit der Zeit nur. Trotz der oft im ersten Augenblick verwirrend erscheinenden Gestaltung, wirkt die Umgebung doch letztendlich in sich schlüssig.

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Neben den bereits erwähnten Kämpfen, stelle ich mich auch allerlei Umgebungsrätseln, die aber zum Glück die grauen Zellen nicht allzu sehr beanspruchen. Da experimentiere ich dann zum Beispiel auf einem Computer mit bestimmten Codes, um Türen zu öffnen, oder ich bugsiere mittels Telekinese Energiezellen in eine Halterung um irgendwelche Maschinen in Gang zu setzen. Teilweise muss ich hier etwas um die Ecke denken, denn die Lösungen sind oft nicht ganz offensichtlich.

Viel Spaß mit Psi-Kräften

Nun aber zu den übernatürlichen Fähigkeiten, denn davon gibt es eine ganze Reihe, die meine Spielfigur im Laufe der Zeit lernt. Dazu gehört beispielsweise ein sogenannter Psy-Schlag, mit dem ich Gegner schnell außer Gefecht setzen kann, oder ich lasse Feinde für mich kämpfen. Später kann ich dann sogar für kurze Zeit schweben. Klingt alles ziemlich cool und ist es auch.

Das Hauptaugenmerk liegt aber eindeutig auf der Telekinese. Hier schleudere ich anfangs kleinere, später dann größere Gegenstände auf meine Widersacher. Und ist mal kein Gegenstand in der Nähe, wird einfach ein Stück Beton aus der Wand gerissen. So unglaublich sich das anhört, so genial und realistisch ist es grafisch umgesetzt. Da fliegen Papierblätter durch den Luftzug in die Höhe, dort splittert das Holz eines getroffenen Schreibtischs und getroffene Gegner wirbeln hilflos umher. Remedy betonte bereits auf der gamescom 2019, dass eigens dafür eine neue Physics-Engine entwickelt wurde und hier wurde sichtlich nicht gespart. Überraschenderweise ist die Steuerung, trotz der vielen Funktionen, einfach und überschaubar geblieben, so dass ich mich zu keiner Zeit überfordert gefühlt habe.

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Allerdings kann ich meine Kräfte nicht beliebig lange einsetzten, denn hier schlägt die begrenzte Ausdauer zu. Aber dann greife ich auf meine Amtswaffe zurück, die verschiedene Formen annehmen kann. Diese wähle ich dann je nach Situation gezielt aus. Um Munition muss ich mir keine Sorgen machen, denn die füllt sich wie von Geisterhand nach einer Weile wieder selbst auf.

Durch diese Fülle von Möglichkeiten machen die Kämpfe riesigen Spaß, auch wenn ich mir manchmal ein paar mehr Rätsel und weniger Ballereien gewünscht hätte. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber auch hier, denn das Arsenal der Gegner ist relativ begrenzt. Ich treffe bis auf wenige Ausnahmen immer auf die gleichen drei bis vier Arten von Feinden. Hier hätte etwas mehr Abwechslung gut getan.

Mein Fazit

Ich habe großen Spielspaß und ein außergewöhnliches Setting erwartet und wurde von »Control« definitiv nicht enttäuscht. Die abstruse Story der Haupt- und Nebenmissionen überzeugt und wurde zu keiner Zeit langweilig oder eintönig. Das Spiel weiß einen durch die verrückte Umgebung meisterhaft in den Bann zu ziehen. Für mich ist es jedenfalls eines der besten Spiele in diesem Jahr und ich sehe da gerne über kleinere Unzulänglichkeiten hinweg. Ich warte jedenfalls schon gespannt auf einen DLC.

Und hatte ich eigentlich den genialen Soundtrack schon erwähnt? Nein? Dann hole ich das jetzt noch schnell nach, denn »Control« bietet ebenfalls etwas für die Ohren. Zu „Take Control“ von Old Gods of Asgard meine Kontrahenten und allerlei Möbelstücke durch die Luft zu wirbeln, war für mich ein Highlight des Spiels.

Ein Reviewmuster zu Control wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt.

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Auf ZwO Expertin für Stealth und Sneaky Games (ab und zu darf aber auch mal ein reinrassiger Shooter oder ein Horror-Spielchen dazwischen sein).

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