Was ist denn schon „normal“? 3

Was ist denn schon „normal“? 3

Ganz selten kommt es mal vor, dass so ein Videospielfan ein Buch in die Hand nimmt. Wenn er dann hört, es gäbe Bücher über Videospiele, sind diese eine willkommene Einstiegsdroge und so hörte ich von vielen, Wo sind die normalen Menschen? von Patrick Becher sei für jeden Gamer die pure Witzigkeit in gedruckter Form, müsse man gelesen haben. Auf der Next Level Conference gab es zufällig auch einen Stand mit Zeitschriften und Büchern, unter anderem Band 1 und 2 von „Wo sind die normalen Menschen?“. „Schockt eure Eltern, lest ein Buch“ heißt es doch so schön, also direkt mal Band 2 gekauft und in einer ruhigen Minute durchgeblättert. „Wo sind die normalen Menschen?“ besteht aus kleinen Anekdoten aus dem Leben der Inhaber eines PC- und Videogamestores. Meine Meinung bezieht sich dabei nur auf Band 2 (der nach Aussage von Lesern des ersten Teils in vielen Teilen identisch mit Band 1 ist).


Das Buch ist unterteilt in verschiedene Kategorien wie „Telefonanrufe von Kunden“, „Kundenlogik“ oder „Stilblüten in Briefen“. Sie selbst halten sich für die Videospielauskenner und PC-Checker schlechthin. Sie kaufen und verkaufen schließlich nicht nur Games, sondern reparieren auch PCs und „machen“ (mir fällt da kein besseres Verb ein) Webseiten mit Frontpage. Die Referenzseite ist wie die Homepage der Firma selbst (die seit 2003 das gleiche Design hat) nicht gerade eine Wohltat für die Augen. Diese PC- und Web-Experten sind also die „normalen Menschen“, die mit so verrückten Kunden gestraft werden?

„… und dann war da noch der Kunde, der sich per Versand einen Drucker leihen wollte.“ Auf dem Niveau dieses Zitats bewegen sich die ganzen lustigen Sprüche des Buchs, die witzigsten Ereignisse aus 15 Jahren, so so.
„… und dann war da noch der Tag, als ich mein Handy in der Toilette versenkte“ Ihr seht schon, ein Schenkelklopfer jagt hier den anderen, man hat kaum Möglichkeit, nach Luft zu schnappen. Geschichten von Kunden, die ein Spiel zurückgelegt haben wollen und einen falschen Namen nennen oder Kunden, die sich nach Preisen erkundigen und dann doch nach Saturn gehen… Sachen gibt es, das kann man sich ja als Mensch, der nicht in einem PC/Videogamestore arbeitet so gar nicht vorstellen. Als dann ein Kunde „Windows 85“ statt „Windows 95“ sagte, konnte ich nicht mehr weiterlesen, ich lag mit Tränen in den Augen herumrollend auf dem Boden. Ganz ohne Spaß jetzt.
Die Kategorie mit den lustigsten eBay-Bewertungen finde ich besonders toll. Wer „??? Wieso geben Sie mir neutral, WEIL DAS SPIEL SO KURZ WAR?“ antwortet, darf sich doch nicht wirklich über „Stilblüten“ in den Bewertungen der Kunden aufregen, oder?
„Mensch, irgendwo muss ich doch den 30 Euro Schein haben“, fragt sich ein total lustiger und unnormaler Kunde. Ich frage mich nur, wie ich 10 Euro für diese Papierverschwendung ausgeben konnte, bei der höchstens Fans von Mario Barth mal ab und zu kurz schmunzeln werden.
Und dann war da noch… ich auf der Suche nach dem Verkaufsformular vom Amazon Marketplace, um Band 2 der „normalen Menschen“ wieder los zu werden. Ganz schnell, bevor das noch jemand bei mir sieht.

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Mit-Gründer von Zockwork Orange, Casual Gamer, Assassin's-Creed-Fanboy, Hyrule-Retter. Beendet Spiele oft nicht, schreibt trotzdem drüber.

3 Comments

  1. Hab eben nochmal die Rezensionen auf Amazon gelesen. Das scheint echt ganz schlimm zu sein: „In den Worten dieser Kunden wird die NVIDIA-Grafikkarte zur Invader-Karte und das Game Strip Poker zu Poker Strip.“ – wurde als zitatwürdiges Highlight in einer 5 Sterne-Rezi angeführt. Knaller, da geht’s voll ab.

    Anyhow, bei „Und sie werden handgreiflich, wenn ihr minderjähriger Sohn nicht ‚Doom‘ ausgehändigt bekommt – mit der Begründung ‚Wir spielen zuhause nur solche Sachen'“ musste ich doch kichern.

    Aber der Autor ist mal ein geiler Typ: http://www.com-illusion.de/DSC00086.jpg

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