Jahresrückblick 2011 – Teil 1/6: Kristin 9

Jahresrückblick 2011 – Teil 1/6: Kristin 9

2011 war ein ganz besonderes Jahr für mich. Im Februar beendete ich mein Anglistik-Studium, um endlich eines meiner Hobbies zum Beruf zu machen. Die Hamburger PR-Agentur Indigo Pearl nahm mich mit offenen Armen in ihr kuscheliges Büro auf und bot mir so die Möglichkeit, einen Einblick in die Videospiel-Branche zu erlangen. Spannende Kampagnen, wie die zu Deus Ex: Human Revolution oder den Pokémon-Videospiel-Landesmeisterschaften, haben mir nicht nur im Berufsleben Selbstvertrauen gegeben, sondern mich auch als Privatperson geprägt.

Aber auch nach Feierabend konnte ich nicht davon ablassen, mich weiter mit Videospielen zu beschäftigen. In jeder freien Minute habe ich eines der vielen neuen Spiele getestet oder auf dem Sofa liegend Bücher und Zeitschriften zum Thema verschlungen. Was mich in besagtem Jahr begeistert und enttäuscht hat, lest ihr nun hier:

Top 5 des Jahres:

Bastion // Bastion bedeutet mir die Welt. Der Überraschungshit von Supergiant Games hat sich nicht nur auf dem ersten Platz meiner Jahrescharts breit gemacht, sondern sich auch in mein Herz geschlichen und dort all meine bisherigen Lieblingsspiele verdrängt. Denn Bastion ist nicht einfach nur ein Spiel, es ist ein Kunstwerk in jeder winzigen Facette. Das Experimentieren mit Narration ist spannend und Logan Cunningham, der dem Erzähler seine Stimme leiht, eine Wohltat für die Ohren. Der Soundtrack von Darren Korb sorgt mit jedem Ton für Gänsehaut und ist die perfekte Begleitung für The Kid, der der Welt Stück für Stück wieder Leben einhaucht. In all seinen Details und seiner Geschichte kann ich mich mit Bastion identifizieren, wie noch nie zuvor mit einem anderen Game. Deswegen wird auch in wenigen Monaten mein linker Arm mit einem Bastion-Artwork verziert.

Batman: Arkham City // Wenn mir jemand vor einigen Jahren erzählt hätte, dass es ein Superhelden-Spiel in meine Top 5 des Jahres schafft, dann hätte ich wohl ganz laut gelacht. Doch mit Batman: Arkham City hat Warner Bros. letztes Jahr die mit Abstand beste Comic-Versoftung auf den Markt gebracht. Die Welt von Arkham City ist düster, umfangreich und besiedelt von bösen Kreaturen – im Prinzip alles, was man als Spieler benötigt, um sich wirklich wie der dunkle Ritter zu fühlen. Dabei hält das Spiel über den gesamten Zeitraum die perfekte Balance zwischen Leicht und Schwierig, Offen und Linear, Rätseln und Prügeln. Und dann war da noch die Story mit dem fantastisch inszenierten Wendepunkt am Ende. (Übrigens: Wir verlosen aktuell noch die wirklich schicke Collector’s Edition zum Spiel. Mitmachen!)

Portal 2 // Ein erneuter Ausflug in die Labore, und diesmal auch in die Vergangenheit von Aperture Science, funktionierte deutlich besser als ich es zur Ankündigung von Portal 2 erwartet hatte. Lange Zeit habe ich die geplanten Neuerungen skeptisch beobachtet, doch dann schlugen Wheatley, GLaDOS, Rat Man und Chell ein wie eine Bombe. Dabei hat mich besonders beeindruckt, dass im AAA-Sektor offensichtlich nur Valve die Fähigkeit besitzt, eine Geschichte rein durch visuelle Marker und gut platzierte Objekte zu erzählen. Ein ausgezeichneter Weg, um die Wirkung des gesamten Spiels zu verstärken. Melone ab!

Super Mario 3D Land // Eigentlich hatte ich die Hoffnung auf einen guten 3DS-Titel schon längst aufgegeben. Dann warf Nintendo Super Mario 3D Land (unser Review) auf den Markt und gab mir einige Hoffnung zurück. Der Handheld-Titel war zwar durchweg zu leicht, überzeugte aber mit reichlich Innovation, die ich auf einer tragbaren Konsole irgendwie vermisst hatte.

Saints Row: The Third // Volition hat mit Saints Row: The Third das geschafft, was ich mir seit Teil 1 gewünscht hatte. Von einer Serie, die als langweiliger GTA-Klon begann, entwickelte sich Saints Row schließlich zu einem Referenztitel mit seinem ganz eigenen Charme – und hat für mich persönlich alle GTA-Titel bereits weit hinter sich gelassen. Das liegt zum einen an den völlig schrägen und überzeichneten Charakteren, vor allem aber an einem fiesen (Fäkal-)Humor, der mich immer wieder zum Lachen bringt.

// Platz 6-10: Assassin’s Creed: Revelations, Rayman Origins, L.A. Noire, Shadows of the Damned, Stacking

Flop des Jahres:

From Dust // Als Eric Chahi auf der gamescom 2010 zum ersten Mal von From Dust erzählte, war ich begeistert. Mit seinem kindlichen Enthusiasmus konnte mich der Entwickler sofort für sich und sein Projekt gewinnen. Umso trauriger, dass From Dust sich nicht wirklich als spielerische Sandbox herausstellte, sondern mir viel zu viel Strategie aufbrummte. Dass mein Volk dann noch regelmäßig schwimmen gegangen ist, weil der widerspenstige Sand nie genügte um die wasserreichen Stellen zu überbrücken, hat mich auch nicht glücklicher gestimmt. Und als das Level mit dem Zeitlimit an der Reihe war, hatte ich von der entspannten Urlaubsstimmung, die Sand, Wasser und Lava in mir auslösten, nichts mehr übrig.

Game-Charakter des Jahres:

Johnson (Shadows of the Damned) // Wheatley (Portal 2) wäre hier die offensichtliche Wahl gewesen. Aber in Sachen „loses Mundwerk“ gab es letztes Jahr sogar einen Kandidaten, der unserer geliebten, kleinen Kugel das Wasser reichen konnte. Johnson aus Shadows of the Damned ist Garcia Hotspurs dämonischer Begleiter, der sich in diverse Waffen, Tools und Fahrzeuge verwandeln kann, vor allem aber immer einen lockeren, obszönen Spruch auf den Lippen hat.

Studio/Firma des Jahres:

Halfbrick Studios // Der ganze Hype um Doodle Jump, Tiny Wings und Angry Birds hat mich immer vollkommen kalt gelassen. Zwar handelt es sich bei all diesen Titeln um nette Spiele, aber überall fehlte mir bisher das gewisse Etwas. Schön, dass irgendwann Halfbrick Studios auftauchten und mir klar machten, dass es durchaus Entwickler gibt, die iOS-Feeling mit detailverliebten Kleinigkeiten mischen können. Mit Fruit Ninja und Jetpack Joyride wurde das Studio für mich so zu einem Referenz-Studio für Apples iDevices.

Beste App des Jahres:

Zinio // Ich gebe eigentlich gern Geld für Dinge aus, die ich liebe. Deswegen habe ich mir hin und wieder das weltbeste Videospiel-Magazin EDGE im Bahnhofskiosk gekauft – für sagenhafte 13 Euro pro Ausgabe. Da ich chronisch pleite bin, ist das auf’s Jahr gerechnet eine wahnsinnige Investition, die überwiegend nur den Transportservice für seine Leistung entschädigt. Doch dann wanderte ein iPad 2 in meine Wohnung und dank der Zinio-App habe ich nun ein digitales EDGE-Abo, bei dem ich knapp 30 Euro für den Zeitraum von einem Jahr zahle, so wie UK-Abonnenten auch. Hooray!

Gaming-Webseite des Jahres:

IndieGames.com // Kurz bevor sich das Jahr dem Ende neigte, dachte ich darüber nach, welche Spiele mich in meinem Leben bisher am meisten begeistert haben. Ich realisierte, dass Indie Games einen viel größeren Teil in meinem Leben einnehmen, als ich ihnen bisher eingestanden hatte. Seit dieser Erkenntnis gehört indiegames.com zu den wichtigsten Seiten in meinem Feedreader.

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Up and Down:

+ Umzug von Düsseldorf nach Hamburg.
+ iPad 2 günstig bekommen und das Teil lieben gelernt.
+ Indie-Games und -Bundles erhalten endlich mehr Aufmerksamkeit.
– Die Erkenntnis, dass auch Traumjobs Schattenseiten haben.
– Heimweh nach einer Stadt, die noch nie meine Heimat war.
– Weniger Zeit, aber mehr veröffentlichte Spiele.

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Album des Jahres:

Tu Fawning – Hearts on Hold // Eigentlich geht der erste Platz ja an den grandiosen und bewegenden Soundtrack von Bastion. Aber um euch nicht auf die Nerven zu gehen und ein bisschen Abwechslung zu bieten, steht an dieser Stelle der zweite Platz. Tu Fawning ist das neue Kind von Joe Haege, dem Sänger meiner Lieblingsband 31Knots, und seiner Freundin Corrina Repp. Der nun folgende Song I Know You Now hat alles, was ich an Tu Fawning liebe. Die verbinden nämlich alt und modern, schräg und eingängig, obskuren Sound mit zarter Stimme. Wunderbar!

Film des Jahres:

The Adventures of Tintin // Ein bisschen, weil Technik und Optik Maßstäbe gesetzt haben. Ein bisschen aber auch, weil ich in den letzten Jahren dank anderer Hobbies kaum noch Filme schaue – und deswegen auch noch nicht Melancholia und Source Code, zwei heiße Anwärter auf den Gewinner dieser Kategorie, gesehen habe.

TV-Serie des Jahres:

Doctor Who // Mark Wahlbergs Hollywood-Parodie Entourage verliert ganz knapp gegen Englands liebenswerten Sci-Fi-Trip. Doctor Who (Trailer) ist sicherlich eine der wichtigsten Serien unserer Zeit, immerhin läuft sie schon (mit Unterbrechungen) seit fast 50 Jahren. Viel zu spät habe ich dieses Jahr mit der Neuauflage ab 2005 begonnen, mich tapfer durch einige sehr trashige Folgen gekämpft, um dann den Doctor und seine Companions Folge nach Folge lieben zu lernen. Doctor Who ist vor allem deswegen so lohnenswert, weil die Serie gekonnt zwischen futuristischen und historischen Settings, spannenden und schlauen Geschichten, Humor und Emotionalität balanciert.

Unterm Weihnachtsbaum lag:

Touchscreen-Handschuhe, damit ich auch unterwegs an meinem iPhone suchten kann
Colin Meloys Buch Wildwood, um mir mal wieder eine Auszeit zu gönnen und in eine fremde Welt auf Papier abzutauchen
London-Tasse, damit ich auch beim Tee-Trinken an die schönste Stadt der Welt denken kann
Geld für die erste eigene Spülmaschine, weil Spülen der Abschaum der Welt ist
Smartcover und Filzhülle für mein iPad, selbst geschenkt, weil mein iPad in grünem Kleidchen noch besser zur Geltung kommt

Freut sich in 2012 auf:

Jede Neuigkeit von Supergiant Games, Bioshock Infinite, Mass Effect 3, Borderlands 2, BattleBlock Theater, Fez, Gunpoint, Dishonored, Darksiders 2, The Darkness 2, Prey 2, Paper Mario 3DS

Vorsatz für 2012:

Ich will mich unbedingt noch mehr mit Indie Games beschäftigen. Außerdem würde ich auch gern wieder mehr bloggen. Eventuell lassen sich diese beiden Vorsätze gut miteinander verknüpfen. Und wenn wir grad schon dabei sind, dann nehme ich mir auch ganz fest vor, diverse Dinge in 2012 deutlich entspannter anzugehen.

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Jahresrückblicke der anderen Team-Mitglieder:

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Kristin Knillmann (Projektleitung, Gast-Redaktion) Job: High5-Mädchen, Redakteurin GameStar/GamePro

9 Comments

  1. Ein sehr schöner und persönlicher Rückblick. Bei mir ständen Assassin’s Creed und Batman wohl ganz oben, aber ich find es immer schwer eine Reihenfolge festzulegen.

    Deine Liebe zu Bastion kann ich sehr gut verstehen. Solche Spiele machen mir Mut, dass Games bald mehr und mehr als „Kunst“ angesehen werden. Es wird mittlerweile ja besser, aber so richtig als Kulturgut (wie z.B. viele Filme) werden sie ja noch nicht bezeichnet.

    Ich wünsche dem ganzen ZwO Team ein weiteres tolles Jahr. Danke für die vielen tollen Artikel und Tipps. Ich freue mich auf mehr.

  2. Oh, danke! Endlich auch mal jemand, der From Dust nicht in den Himmel lobt, sondern ebenfalls eher enttäuscht ist – wie ich auch, wenn auch wegen anderer Gründe. Hatte mir hier wirklich mehr ein Populous erhofft, als dieses kleine „Spiel’chein“ mit der immer gleichen Zwischensequenz und dem viel zu geringem Umfang.

    Und ja, genau, Bastion! Tolles Spiel. Und der Soundtrack erst …

  3. Ich fand From Dust spaßig, wenn auch nicht so herausragend, wie man uns bei der gamescom glauben lassen wollte. Am Ende war es dann auch ein Sandbox-Game, in dem man komplett freie Hand hatte, was aber leider nicht besonders spannend war.

  4. Also ich kann diese Bastion-Liebe nicht nachvollziehen, aber vielleicht war ich auch einfachm nur in der falschen Stimmung, als ich das Spiel das erste Mal an hatte. Muss das mal wieder starten.

  5. @Linda Schade ist’s schon, aber ich glaube tatsächlich, dass Games grad auf einem guten Weg sind. Lange kann es eigentlich nicht mehr dauern. Danke jedenfalls für die lieben Worte und ich freue mich, wenn Du weiterhin regelmäßig vorbeischaust.

    @Dennis Und Du hast mein Mitgefühl! Ich finde Spülen ganz furchtbar und ich bin so froh, dass wir jetzt alles direkt einräumen können und das dreckige Geschirr nicht mehr sehen müssen.

    @Seppuku Es war mein persönlicher Flop. Flop bedeutet ja auch nicht immer gleich „schlechtes Spiel“, sondern vielmehr, dass ich mir zu viele Hoffnungen gemacht habe und die Enttäuschung dann doch zu groß ausgefallen ist.

    @Kith Ja, genau meine Meinung!

    @Ralf Schade, wenn Du es nicht noch mal ausprobierst, verpasst Du eins der großartigsten Werke der letzten Jahre. Aber Geschmäcker sind ja verschieden und wenn’s nicht Deine Tasse Tee ist, dann soll’s wohl nicht sein. ;)

    @David Na, das kannst Du aber nicht behaupten, wenn Du es nie wirklich gespielt hast. Oft erlebt man das Spiel auch ganz anders, wenn man den Controller selbst in der Hand hat.

  6. Ein Aspekt ist dann aber auch für mich ein Flop an From Dust. Die Tatsache das es keinen öffentlichen Edito gibt. Das Spiel schreit geradezu danach von ganz viel Content der Netzgemeinde aufgepimpt zu werden. Sehr Schade ist das. Das hätte natürlich den Umfang auch ins unendliche gesteigert…

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