Frustiges Weltraumgeballer – Aliens: Colonial Marines 12

Frustiges Weltraumgeballer – Aliens: Colonial Marines 12

Ohne jedwedes Vorwissen an ein Spiel heranzugehen ist ja im Grunde nichts Schlechtes. Man spoilert sich nichts von der Story und ist völlig unbefangen, was eine eventuelle Wertung des Titels angeht.

Ähnlich war mein Herangehen an »Aliens: Colonial Marines«. Eine Sache war mir allerdings bekannt: Es ist ein First-Person-Shooter im Alien-Universum. Ist ja an sich schon mal nicht scheiße. Während ich die Spieledisc in die Xbox einlege schwelge ich in Erinnerungen. Ripley zerballert gekonnt schleimige Aliens in mundgerechte Happen oder schlotzt ordentlich mit dem Flammenwerfer in die Botanik. In Kombination mit der beklemmenden Atmosphäre der filmischen Vorbilder (und die alten »Alien vs. Predator«-Games im Hinterkopf) stelle ich mir so ein Spiel außerordentlich ordentlich vor. Zudem erhaschen meine Äuglein das Renderlogo von Gearbox. Ja, genau, die Mädels, die z.B. eine Kerbe für das großartige »Borderlands 2« im Bettpfosten haben. Das KANN gar nicht scheiße werden.

Klingelmäuschen bei den neuen Nachbarn
Klingelmäuschen bei den neuen Nachbarn

„Sie sind in den Wänden!“

Die ersten Spielminuten vergehen und ich werde eines Besseren belehrt. Ich wollte das Spiel wirklich liebhaben. Wirklich. Doch Augen und Ohren sind zunächst schockiert – abgesehen von der hundsmiserablen deutschen Synchro (ist ja leider mittlerweile ‚Standard‘) sieht das Spiel der Shootergeneration von vor 8 Jahren erstaunlich ähnlich. Nicht vorhandene Kantenglättung auf matschig texturierten Grobpolygonhaufen die sich hakelig durch ein mittelmäßiges Leveldesign bewegen. Dazu gesellt sich auf der getesteten Xbox-Version noch unerträgliches Tearing.

Aber ich will mal nicht so sein, kneife die Augen ein wenig zusammen (um das Elend nicht ertragen zu müssen) und setze das Spiel fort. Beziehungsweise: Ich würde das Spiel gerne fortsetzen, doch ein nicht getriggertes Event macht mir einen Strich durch die Rechnung. Jedweder Versuch, durch ein verschlossene Tür zu kommen, scheitert. Kontrollpunkt neustarten. Diesmal öffnet sich die Tür und ich darf Fortschritte in der Story aus der Hölle (mit ca 5-6 Stunden Spielzeit…) machen. Leider kein Einzelfall.

Events, die nicht triggern, stullendumme K.I., die lieber aus dem Fenster schaut, als tatsächlich am Kampf teilzunehmen und ein durchweg schlecht gescriptetes Gameplay machen das Spiel unnötig träge. Gegner, die sich fröhlich durch den Boden clippen, unsichtbare Hindernisse und Schergen, die sogar durch Wände schießen können definieren das Wort „Frust“ bereits in der ersten Spielstunde neu. Selbst auf der zweitniedrigsten Schwierigkeitsstufe scheinen die unfair verbuggten Gegner viel zu stark zu sein und schicken den Spieler mit gefühlten drei Körpertreffern auf die Matte. Der Tod kommt durch die Wand. Wäre ja alles kein Problem, wären die Kontrollpunkte nicht völlig willkürlich durch die viel zu großen Level verteilt und würde die Ladezeit zwischen den Toden nicht so schrecklich lange sein.

Phaser auf Betäubung! *hust*

Wo wir hingehen brauchen wir keine Bewegungsscanner!

Atmosphärisch geht dadurch natürlich einiges flöten. Zwar besitzt man einen Bewegunsscanner (kennt man aus dem Film), doch letztlich kann man einfach blind in jeden Raum rennen und Munition in selbigen spammen. Spannend ist das alles nicht, zumal das Prinzip immer das gleiche ich und die einzelnen Korridore und Gänge sich anfühlen, als kämen sie aus einem großen Topf Copy-Pasta. Doch sofern man tatsächlich versucht, einen Bösewicht mittels Plasmagun oder Schrotflinte über den Jordan zu schicken, offenbart sich eine weitere Schwäche des Spiels. Alte Battlefield-Teile hatten bereits das Problem, dass man nicht besonders gut um Ecken schießen konnte, sprich: Aus der Deckung heraus oder auf Gegner in Deckung zu ballern ist ein Ding der Unmöglichkeit, zumal man ALLES trifft, außer dem Bereich im Inneren des Fadenkreuzes. Kein Scheiß.

Zwischen den lieblosen Schusswechseln und Dummfick-Events mit endlos spawnenden Gegnermassen steht man auch mal gerne doof in der Gegend rum und muss dem Funkverkehr der austauschbaren Protagonisten zuhören. Das ist nicht nur langweilig sondern auch mehr als unnötig. Dabei quält die eingangs erwähnte deutsche Synchro die Gehörgänge des Spielers auf selten dagewesene Art und Weise. Man muss fast lachen ob der Vorstellung wie schlecht die Sprecher ihre Stimme verstellen um in die ihnen zugewiesene Rolle zu passen. Dabei wird wirklich viel geredet und auf gerne mal das ein oder andere Filmzitat in die von ewig gleichen Gegnern überfluteten Korridore gebrüllt. Dabei ist es wirklich ein Unding, einem Spiel eine miserable Lokalisation zu verpassen. Es geht doch auch anders, nimmt man nur mal hauseigene Titel zum Vergleich.

Um noch mal die Parallelen zu den Filmen aufzugreifen (ja, sorry, das ist quasi ein „Spiel zum Franchise“, da bleibt das leider nicht aus): Wenn man lediglich ein paar Namen (‚Er hat „Ripley“ gesagt!‘) in den Raum wirft und mit den witzigen Elementen (Aliens, Cargo Loader und synthetische Lebensformen) vermengt, dann ist das ein nett gemeinter Versuch. Leider nicht mehr.

Alternative Games

»Aliens: Colonial Marines« könnte total toll sein, kein Witz, aber die kackendoofe Geschichte, die vielen Bugs, das mittelmäßige Gameplay und die durchschnittliche Grafik kommen bei weitem nicht an das heran, was ich mir von einem Vollpreistitel von einem überaus renommierten Studio und einem der traditionsreichsten Publisher verspreche. Wer bessere Shooter mit einer besseren Atmosphäre spielen möchte, kann diesen Titel getrost überspringen und sollte statt dessen lieber zu »Halo 4« oder »Doom 3« greifen. Ich bin sicher, dass selbst ein unterdurchschnittliches »Dead Space 3« hier mithalten können wird.

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Joe 'Gefahr' Uessem (Redaktion, Grafik, PR) Job: Superheld, Grafik-Designer, Unterwäschemodel, Astronaut, Jetpilot, Hirnchirurg, Archäologe Auf ZwO Experte für: Sexuelle Zweideutigkeiten Hier holt sich Joe Gaming-News: von Jörg Langer persönlich Mail: ju [at] zockworkorange [dot] com Twitter: rinderhack XBLA: SgtSpeedrock PSN: - Steam: speedrock Erstes Game: Outlaw (1976) Liebste Games: Assassin's Creed & alles was ordentlich Bumm macht. Liebste Persönlichkeit der Branche: Ron Gilbert (The Grumpy Gamer) Liebste Game-Figur: Handsome Jack, Ezio Auditore und der Lange von Tetris

12 Comments

  1. Ach Mist, ey… Ich hatte ja ganz optimistisch gehofft, dass ein neuer Alien-Shooter großartig werden MUSS. Was soll da schon schiefgehen, bei dem Potential?

    Und jetzt lese ich eine miese Kritik nach der nächsten, und hier zum ersten Mal auch die Details, warum es so unendlich scheiße sein soll. Mir ist die Vorfreude echt vergangen.

  2. Ein Unding ist es, Spiele auf deutsch zu spielen *ähem* Es sei denn, sie sind im Original auch deutsch…

    Zum Spiel kann ich alles unterschreiben. Wir habens 1,5h im Coop gezockt und dann aufgegeben. Das Spiel hat sich bereits im Startmenü aufgehängt. Eigentlich hätten wir’s schon da ahnen können. Verbuggte Scriptsequenzen, verbuggte GUI-Elemente, Soundausfälle und bezüglich Gameplay: einfach nur ätzend langweilig und frustrierend. Und dieses Fazit nach 1.5h (also eigentlich schon vorher…)!

  3. @Daniel, Katsumi: Vielmehr gebe ich mir Mühe, den gemeinen Durchschnittspieler anzusprechen, dem die Umstellung der Spracheinstellung ein Graus sein könnte. Die Wahl der „Originalspur“ ist halt noch nicht bei jedem angekommen, auch wenn die Lokalisation grausig ist.

    1. Huch. War falsch eingeloggt ^^
      Ich habe im Artikel sogar weniger geflucht, ein Zeichen der Nettigkeit, die ich mir ab jetzt angewöhne. So bedenke ich auch den Durchschnittsspieler, und immerhin ist die deutsche Fassung ein Teil des Spiels. Wenn die gut ist beschwert sich ja auch niemand, falls jemand nicht auf die OV umstellt. „Immer nur auf englisch spielen!“ wird dem Spiel nicht immer gerecht, Ausnahmen gibt es auf beiden Seiten. Im Falle vom ACM allerdings würde ich schon dazu tendieren, dem geneigten Spieler, sofern dieser sich überhaupt an das Spiel herantraut, zu empfehlen, die Originalfassung zu aktivieren.

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