Stemmen ist nicht Joggen 0

Ein satirischer Kommentar

Maximaler Profit interessiert die Konzerne mehr als maximale sportliche Leistung. (Foto: Alexas_Fotos)

Mehrere Sportarten sind laut eines Gutachtens kein Sport – und das ist richtig so. Denn hinter den meisten Sportarten stecken milliardenschwere Konzerne – sie interessiert maximaler Profit mehr als maximale sportliche Leistung.

Die Frage drängt schon lange: Ist Sport wie Schießen, Motorbootsport oder Schach nun Sport oder nicht? Ein vom Deutschen Olympischen Gamer*innen-Bund (DOGB) in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zur Gemeinnützigkeit findet darauf nun eine klare Antwort: Nein, solcher und anderer Sport sei im Sinne des geltenden Menschenverstands kein Sport, weil er den im Sportbegriff definierten „Anforderungen an die Körperlichkeit“ nicht entspreche. Diese Sicht bietet allen Andersdenkenden natürlich genug Angriffsfläche, wie der Präsident des Deutschen Sport-Bundes, Horst Voß, in seiner ersten Stellungnahme auch direkt beweist. Viele vom DOSB anerkannte Sportarten, so argumentiert er, definierten sich durch übertriebene Athletik – er nennt Orientierungslauf, Tauziehen oder Synchronschwimmen als Beispiel.

Unterschiedliche Spiel- und Wettbewerbsformen werden in der Tat mit unterschiedlichem Körpereinsatz betrieben. Niemand würde das bezweifeln. Doch genauso wie beim E-Sport stehen hinter Fußball und Darts milliardenschweren Konzerne wie Nike, Kings Dart oder der FC Bayern, deren legitime Triebfeder darin besteht, so viel Profit wie möglich zu generieren. Das unternehmerische Ziel dieser Firmen liegt nicht im Streben nach maximaler sportlicher Leistung, sondern nach maximalem Gewinn: Der Umsatz mit Stadiontickets, Merchandising, Sky-Abos und Sportgeräten, etwa Dartscheiben, wuchs in Deutschland im letzten Halbjahr um elf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro.

Der E-Sport hält mit seinem Wertekodex dagegen, und im Idealfall soll er die geistige Gesundheit fördern. Auch Sportler wie Casper Bergmann zocken: Der dreimalige deutsche Meister in der Sportart „Fußball“ erzählt in einem Werbespot seines Sponsors bet42.de, dass er „nach mehreren Stunden Sport“ zockt oder Netflix guckt – als Ausgleich. Auch er weiß, dass es kaum gesundheitsfördernd ist, stundenlang ununterbrochen Sport zu treiben. Und vermutlich würde kein Arzt der Welt als Behandlung einer Adipositas exzessiven Sport jeden Tag, ohne Pausentage, verordnen.

Die Sport-Firmen-Community hingegen hat stets den Profitgedanken höher bewertet als alle Fragen der körperlichen Aktivität. Durch die Assoziation mit dem positiv besetzten Geld hat sie sich auch Anerkennung auf Gemeinnützigkeit im Sinne der Unternehmenssteuer erhofft.

Wie so oft sind es auch hier polemische Kommentare, die der Debatte unnötige Bärendienste erweisen: Eine Meinung muss nicht unbedingt geäußert werden, nur, weil man sie hat. Würden Feuilletonist*innen beispielsweise nicht nur die Rosinen picken, die ihrer eigenen „Argumentation“ dienen, stünden auch ihnen offene Diskussionspartner*innen entgegen. Und das, ohne genervt zu sein.


Dieser Artikel ist eine satirische Überarbeitung der Polemik „Zocken ist nicht Joggen“ auf sueddeutsche.de vom 28.08.2019

FC Bayern Fußball Foto von Alexas_Fotos

Previous ArticleNext Article
Dominik mag Storyspiele und Shooter und findet die meisten Open World- und Grinding-Mechaniken ganz furchtbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: