Review: Super Meat Boy 1

Review: Super Meat Boy 1

Dass Spiele mittlerweile nicht mehr dicke Publisher und AAA-Budgets benötigen, um breite Aufmerksamkeit zu erlangen, sollte nach Titeln wie Limbo oder Minecraft mittlerweile jedem klar sein. SUPER MEAT BOY ist der vermutlich letzte große Indie-Hype des Jahres 2010. Ob es sich den ganzen Wirbel verdient hat, wollte ich mir dann doch mal ansehen. Und so viel vorab: Selten weiß man wohl nach einer Demo so genau, ob man dieses Spiel abgrundtief hassen oder unsterblich lieben wird. Bei mir war es letzteres.

Super Meat Boy muss seine Freundin Bandage Girl aus den Klauen des bösen Dr. Fetus befreien, weshalb das Spiel nicht nur vom Namen her an Mario erinnert. Dazu muss der sympathische Fleischklumpen viele, ziemlich kurze Level im Platformer-Stil durchqueren, die richtig gemacht nur wenige Sekunden dauern. Bosskämpfe gibt es auch und belohnt wird der Spieler durch nette Zwischensequenzen im Stil von Happy Tree Friends. Soweit die Theorie. In der Praxis sind diese Level so unglaublich sackenschwer, dass einer von ihnen buchstäblich -zig Anläufe in Anspruch nehmen kann. Super Meat Boy wird zersäbelt, zermatscht, zerquetscht, zerschlabbert, zerwurstet, zerhäckselt, zersetzt und er fällt in Abgründe. Man muss ihn schon mit sehr feinen Daumen durch die Levels navigieren, die von den Bewegungspatterns der Hindernisse her übrigens perfekt choreographiert sind. Nichts für die frustanfälligeren Menschen in der ZwO-Redaktion unter uns. Schaut es euch einfach selbst an (und der Rest des Reviews geht hinter dem Link nach dem Video weiter):


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Als Zusatzmotivation hat jeder Screen eine vorgegebene Par-Zeit (meistens so im Rahmen von 5-15 Sekunden). Schafft man das Level unterhalb dieser Zeit, hat man es mit Grade A+ abgeschlossen. Dafür darf man sich nicht nur extrem geil fühlen (schafft nicht jeder, wirklich!), sondern bekommt das Level noch mal in einer extraharten (also extraextraextraharten) Version in der parallelen Dark World freigeschaltet, zu der man nahtlos hin und zurückschalten kann (A Link to the Past anyone?). Zusätzlich gibt es noch Warp Zones, die irgendwie zu Zusatzlevels führen, die im Stil anderer Spiele sind – so ganz hab ich das aber nicht verstanden. Muss man ja auch erstmal finden, diese Warp Zones.

Der einfache wie geniale Trick, der die Motivation trotz tausender Tode oben hält, ist folgender: Sobald man einen Fehler macht, gibt es keinen „Oh noes! Umad? Plz try again, kthxbai!„-Screen und keine sekundenlange Todesanimation. Man wird einfach ohne Umschweife zurück an den Anfang gesetzt, jeder Versuch ist so gut wie der erste, du kannst auch nach dem hundersten Anlauf noch mit Grade A+ abschließen. Irgendwann zählt man auch gar nicht mehr die Neuanfänge mit, da es vom Spielflow her überhaupt keinen Unterschied macht, ob ich regulär durch das Level laufe oder eben sterbe und an den Anfang zurück gesetzt werde. Ich renne und springe einfach sofort wieder los, die Möglichkeit zum Idlen hat man erst, wenn das Level erfolgreich abgeschlossen ist und man sich das grenzgeniale Replay ansieht.

Bei dem Replay werden sämtliche Versuche gleichzeitig abgespielt, man sieht also wie n+1 Meat Boys loslaufen und auf dem Weg zum Ziel nach und nach zermatscht werden und eben nur der eine durchkommt, mit dem man das Level ja gerade erfolgreich beendet hat. Erinnerungen an Lemmings und den Nuke-Button werden dabei unweigerlich wach. Das sieht stellenweise so lustig und stylish aus, dass man die schönsten Replays sogar abspeichern kann.

Das Spiel ist bislang für PC und Xbox 360 (via XBLA) erschienen. Angekündigt für 2011 sind Portierungen auf Mac und Wii (via WiiWare-Shop). Hmm, eine recht ungewöhnliche Kombination an Spielgeräten – fehlt da nicht so eine gewisse schwarze Konsole, die blaue Strahlen abschießt? Tja, Sony hatte offenbar kein Interesse daran, den eh schon ziemlich armseligen PSN-Store mit einem tollen Titel etwas attraktiver zu gestalten. Ich könnte mich ja schon wieder aufregen, wie sehr der Store eigentlich nur dazu genutzt wird, um lieblos die notwendige Plattform für DLCs zu liefern und ansonsten hauptsächlich olle PSOne-Kamellen zu verchecken. Aber das sollte ich dann doch lieber in einen eigenen Artikel auslagern.

SUPER MEAT BOY hat es jedenfalls nicht verdient, dass sein Review mit einer miesen Stimmung abgeschlossen wird. Das Spiel kann einfach alles: Von „…nur mal eben paar Minuten zocken…“ über stundenlanges Planen und Geeken, um diesen einen Ätzlevel mit A+ abzuschließen über Pseudo-Koop mit Controller weitergeben bis hin zum Saufspiel (wer stirbt, muss einen trinken) ist alles drin. Jetzt über die Feiertage gibt es das Spiel bei Steam und XBLA auch noch günstiger – mit regulären 1200 M$-Points gehört das Spiel eher zum preislichen Download-Champagner. Aber dafür kriegt man hier auch über 300 Level geboten, die erst mal bezwungen sein wollen. Achievements gibt es auch, allerdings zu einem abartigen Aufwand-Lohn-Verhältnis (schaffe 10 Levels ohne einmal zu sterben = 5 Punkte). Wer es noch nicht hat – zugreifen.

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Fabian Hartmann (Redaktion) Job: Doktorand ...for science (Future Internet/Social Networks. Nebenher Vorlesungen betreuen und Studis pampern.) Auf ZwO Experte für: das Zerreißen von Kritikerlieblingen. Ansonsten bin ich kürzlich vom PC-Saulus zum Konsolen-Paulus geworden und muss neben aktuellen Releases auch noch die besten Sachen aus der Zeit davor nachholen (für Xbox 360, PS3, Wii, (3)DS und Dreamcast - ächz!). Aufgrund meiner PC-Sozialisation lasse ich Shooter da aber meist links liegen, auch Sportspiele interessieren mich nicht. Mich springen eher stimmungsvolle, bunte Action-Adventures oder Puzzlespiele wie Professor Layton oder Portal an. Hier holt sich Fabian Gaming-News: Ich bin erschreckend schlecht aus erster Hand informiert, über die wirklich wichtigen Dinge wird sich meine Twitter-Timeline dann schon das Maul zerreißen. Filterbubble olé. Mail: fh [at] zockworkorange [dot] com Twitter: yesnocancel XBLA: yesnocancel PSN: yesnocancel Steam: yesnocancelzwo Erstes Game: Super Games Liebste Games: Uncharted 2, die God of War-Teile, King's Quest VI, Blade Runner, Bubble Bobble Liebste Persönlichkeit der Branche: Traditionell der Angry Video Game Nerd, auch wenn er stark nachgelassen hat. Jingleball für die Leidenschaft und Intensität, mit der sie sich in ein einzelnes Spiel reinkniet. Balkantoni für die stetige Verbesserung meines Wortschatzes. Liebste Game-Figur: Jade und Pey'j aus Beyond Good and Evil

1 Comment

  1. Das Spiel ist der Hammer! Bei Steam im Weihnachtsangebot für 3,50€ bekommen!
    Man braucht aber eindeutig ein Gamepad; mit der Tastatur bin ich viel zu ungenau.

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