Review: Saboteur 4

Review: Saboteur 4

Nachdem ich vor einem Monat das Gameplay-Video zu SABOTEUR gesehen habe und begeistert war, gehörte dieser Titel zu den Spielen, die ich dieses Jahr noch unbedingt spielen wollte. Am 4.12. war es dann soweit und SABOTEUR erschien für PC, Xbox360 und PS3.

Saboteur

Bei diesem Spiel handelt es sich gewissermassen um ein Stück Videospiel-Geschichte, da es sich hier um das letzte Werk der Entwickler handelt, nachdem Pandemic am 17.11.2009 offiziell von EA geschlossen wurde. Ob SABOTEUR meine Erwartungen erfüllt hat und Pandemic einen würdigen Abschluss verschafft hat, oder dieser Titel am besten in der Versenkung verschwinden sollte, seht ihr nach einem Klick auf „weiterlesen“. Getestet wurde die ungepatchte, deutsche PC-Version.

Im Paris des Jahres 1940 befindet sich der irische Mechaniker Sean Devlin auf einem persönlichen Rachefeldzug gegen den deutschen Offizier und Rennfahrer Kurt Krieger, welcher Monate zuvor Seans besten Freund Jules gefoltert und ermordet hat, während Sean selbst entkommen konnte. Als die Nazis kurz darauf in Frankreich einmarschieren, flieht Sean nach Paris, wo er kurze Zeit später von der örtlichen Resistance angesprochen wird und seinen persönlichen Rachefeldzug beginnen kann.

Die ganze Geschichte von SABOTEUR bleibt leider weitestgehend frei von größeren Überraschungen und bedient sich klarer Stereotypen: Die Deutschen sind brutal und menschenverachtend, die Franzosen freiheitsliebend und vernarrt in die kultivierten Dinge und die Briten einfach nur versnobt. Zwar umgeht man damit die Gefahren der sehr sensiblen Thematik des Zweiten Weltkrieges, für die Spannung des Spieles ist eine solch einfache Geschichte aber nicht besonders förderlich. Erst im letzten Drittel nimmt die Geschichte Fahrt auf und weiß den Spieler zu fesseln, was aber den Eindruck des Restes leider nicht übertünchen kann.

Schwarz-Weiß-OptikDass man sich in SABOTEUR aber durchaus verlieren kann, liegt an der sehr ungewöhnlichen Optik des Spieles: Um zu verdeutlichen, dass durch die Besetzung von Paris durch die Nazis die Lebensfreude aus der Stadt gewichen ist, werden weite Teile der Stadt in einer atmosphärischen schwarz-weiß Optik dargestellt, welche nur durch das Auftauchen einzelner Farbkleckse kontrastiert wird. Erst wenn Sean bestimmte Ziele beseitigt, darunter Gebäude oder ranghohe Offiziere, breitet sich die Farbe und damit die Lebensfreude wieder aus. Bunte Viertel bedeuten jedoch nicht, dass sich hier keine Nazis mehr aufhalten, aber Kämpfe für Sean, dank der Unterstützung durch die Resistance, sehr viel leichter sind. Insgesamt bietet die Wahl von Paris als Schauplatz des Spieles eine besondere Atmosphäre. Viele Sehenswürdigkeiten und eine detailgetreue Wiedergabe der Stadt sorgen für ein authentisches Spielgefühl. Als großer Fan von Paris habe ich mich hier wieder sofort wohlgefühlt – Klasse!

Sacre Coeur

Wirklich toll ist das Missionsdesign: Die Missionen sind sehr kurzweilig und abwechslungsreich gestaltet und auch für Spieler welche nur kurz Zeit haben geeignet. Es ist wirklich angenehm, dass ich die Missionen auf sehr unterschiedliche Wege angehen kann, ob ich nun mit brachialer Gewalt ein Haus einnehme, mit dem Scharfschützengewehr die Situation erst mal vom Dach aus bereinige oder mir eine deutsche Uniform anziehe und den Kämpfen damit aus dem Weg gehe, jede Möglichkeit steht dem Spieler offen. Der friedliche Weg ist aber leider ein wenig schwierig gestaltet, sodass es ungeduldigeren Naturen schwer fallen wird eine Mission ohne Aufsehen zu erledigen. Wer sich jedoch auf diese Spielweise einlässt, wird viel Spaß und zahlreiche Adrenalinschübe haben, vor allem wenn man immer wieder kurz vor der Enttarnung steht.

Bei der Spielmechanik wirkt SABOTEUR wie eine Mischung aus GTA und Assassin’s Creed. Der Spieler findet sich in einer relativ offenen Spielwelt wieder und erfüllt dabei verschiedene Aufträge, bei denen, abgesehen von der Hauptstory, die Reihenfolge egal ist. Dabei kann er die Welt von Beginn an frei erkunden und sich auch über die Dächer fortbewegen, wobei Sean nicht mal halb so galant wie Altaïr oder Ezio wirkt. Dennoch macht es wirklich Spaß die Stadt zu erkunden und zahlreiche kleinere Ziele, wie beispielsweise Scharfschützen-Türme, in die Luft zu sprengen.

ZivilistenGanz bestimmt keine Meisterleistung ist das Verhalten der KI: Wenn die Deutschen während des Zweiten Weltkrieges wirklich so dumm gewesen wären wie in SABOTEUR, hätte der Weltkrieg keine 2 Monate gedauert. Dadurch, dass die Gegner nur selten in Deckung gehen, geschweige denn taktisch agieren, ist es viel zu leicht die Nazis mit brachialer Gewalt zu besiegen. Viel zu häufig war es mir möglich eine Übermacht an Gegnern einfach mit MP und Granaten niederzumetzeln mir dann ein Auto zu schnappen und aus der Alarmzone wieder herauszufahren, sodass ich wieder sicher war. Doch warum wundert es niemanden, dass ich in Zivil und einem zerschossenen deutschen Laster durch Paris fahre? Hier wäre einfach so viel mehr möglich gewesen und das ist wirklich, wirklich schade! Auch unverständlich ist die Tatsache, dass ich ohne Konsequenz Zivilisten verprügeln, erschießen und überfahren kann, solange sich in der Nähe nicht zufällig ein deutscher Soldat aufhält. Zivilcourage scheint laut Pandemic zu dieser Zeit ein Fremdwort gewesen zu sein, denn niemand greift ein und der Resistance scheint es auch egal zu sein, was ich mit ihren Schützlingen anstelle. Das schadet der sonst so unglaublich dichten und überzeugenden Atmosphäre im großen Maße.

Kämpfe Grafisch macht SABOTEUR, abgesehen von der tollen Atmosphäre durch die Schwarz-Weiß Optik, keinerlei großen Sprünge, bleibt aber solide. So sind Texturen recht gut dargestellt und auch die Effekte wissen zu gefallen. Ein bisschen weniger Glühen bei Lichtern hätte aber auch gut getan, so wirkt der Eiffelturm aus der Ferne häufig wie ein Weihnachtsbaum, der übertrieben dekoriert wurde. Ganz und gar nicht schön sind einzeln auftauchende Grafikfehler und Pop-ups, die dazu führen, dass Texturen kurze Zeit noch sehr verwaschen aussehen und Bäume aus dem Nichts auftauchen, wenn man sich schnell in ein neues Gebiet bewegt.

Saboteur (Xbox 360, PS3, PC)
Entwickler: Pandemic
Publisher: EA
Erscheinungsdatum: bereits erschienen
USK-Einstufung: keine Jugendfreigabe

Saboteur für PC, PS3 oder Xbox360 kaufen.

Ich war schon lang nicht mehr bei einem Videospiel so hin- und hergerissen zwischen Verteufeln und Hochjubeln wie bei SABOTEUR. Es gibt Momente an denen ich Pandemic wirklich die Pest an den Hals gewünscht hätte, aber der allgemeine Spielspaß und die tief greifende Atmosphäre haben letztendlich doch überwogen. Es macht einfach Spaß über die Dächer der Stadt zu springen und dabei aus dem Hinterhalt Sabotageakte zu betreiben. Das Spiel verhält sich dabei wie eine tolle Frau, die mich durch ihre Macken teilweise fast in den Wahnsinn treibt, mit der ich aber insgesamt eine tolle Zeit habe. Deswegen ist SABOTEUR trotzdem eine wirklich positive Überraschung und es ist wirklich schade, dass dies das letzte Spiel von Pandemic bleiben wird.

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Frederik Wagner (Redaktion) Job: Student im Master of Education für Geschichte und Englisch Auf ZwO Experte für: PC-Spiele aller Art, hauptsächlich aber Sachen aus den Bereichen RPG und Strategie, bevorzugt rundenstrategisch. Die herumstehende Xbox erweitert das Spektrum um reine Konsolentitel. Hier holt sich Freddi Gaming-News: PCGamer.com Mail: fw [at] zockworkorange [dot] com Twitter: Fredelsloh XBLA: - PSN: - Steam: Fredelsloh Erstes Game: Prince of Persia Liebste Games: Baldur’s Gate II, Planescape Torment, Arcanum, Civilization II, Europa Universalis 3 Liebste Persönlichkeit der Branche: Warren Spector Liebste Game-Figur: Minsk und Boo

4 Comments

  1. @Rascal: Das Echo zu Saboteur ist durchaus unterschiedlich. Es gibt zahlreiche Magazine und Blogs die das Spiel verdammen, aber ebenso viele die es hochloben. Vergleicht man meine Review mit der von Destructoid, dann bin ich doch schon sehr kritisch, aber es gibt halt für mich persönlich einfach sehr viel, was mir echt gut gefallen hat

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