Review: Metroid Prime Trilogy (Teil 1) 4

Review: Metroid Prime Trilogy (Teil 1) 4

Ziemlich parallel zu meiner Entscheidung, eine Wii zu kaufen, erfuhr ich von der Metroid Prime Trilogy. Oh. Mein. Gott. Ein Traum wurde wahr. Ich war bis dahin ein sehr großer Fan der 2D-Vorgänger, besaß aber nie einen Gamecube. Mein ursprünglicher Plan war, mit Metroid Prime 3: Corruption auf der Wii einzusteigen und vielleicht irgendwann mal die ersten Teile plus Gamecube-Controller nachzukaufen – die Wii ist ja Cube-abwärtskompatibel. Die Compilation machte die Sache einfacher, ich würde von der Pike auf alle drei Teile durchspielen. Wie aufregend – Metroid als 3D-Shooter! Kann das denn überhaupt funktionieren? Was andere schon seit Jahren wussten, sollte ich nun frisch und unvoreingenommen erfahren. Und davon möchte ich euch hier berichten. In der großen Metroid Prime Trilogy-Beitragsserie werde ich die einzelnen Teile ausführlich besprechen und in einem eigenen Teil noch auf das Bonusmaterial eingehen.

Metroid Prime 1: Samus vs. Thardus (Quelle: http://www.gamespress.com)

Lasst uns die Reise beginnen!


Aber fangen wir ganz von vorne an: Metroid ist neben Mario und Zelda wohl das erfolgreichste Nintendo-Franchise. Bereits auf NES, Gameboy, SNES und Gameboy Advance erforschte man in bester Sidescroller-Manier als Weltraum-Kopfgeldjägerin Samus Aran geheimnisvolle Welten. Die Spiele wurden dabei nicht levelweise abgearbeitet, sondern man konnte sich völlig frei in der gesamten Umgebung bewegen. Nach und nach sammelte man Power-Ups ein, die den Zugang zu anfangs unerreichbaren Stellen ermöglichten. Das Zurücklaufen in bereits bekannte Regionen, um diese mit neuen Augen zu sehen zu können, machte für mich bei der ganzen Serie immer den größten Reiz aus.

2002 gab es einen Bruch mit dem sehr erfolgreichen Spielkonzept. Es erschien ein 3D-Shooter von Retro Studios für den Gamecube und er nannte sich Metroid Prime. Ein Metroid, nicht in-house entwickelt und dann auch noch in 3D? Unerhört! 2004 folgte Metroid Prime 2: Echoes als zweiter Gamecube-Teil und 2007 für die Wii der dritte und bislang letzte Teil der Prime-Saga: Metroid Prime 3: Corruption. Und nun wiederum zwei Jahre später also alle drei Teile in einer Compilation für die Wii – Teil 1 und 2 wurden dafür von Retro Studios behutsam aufgebohrt: Das 4:3-Bildformat vom Gamecube wurde auf 16:9 erweitert und die Steuerung des dritten Teils per Wiimote wurde adaptiert. Wohlig schnurrend schluckte meine Wii die vollgepackte Disc und sollte sie die nächsten Monate auch nicht wieder hergeben.

Metroid Prime 1: Fokussieren der Gegner (Quelle: http://www.gamespress.com)Der Beginn von Metroid Prime 1 kam mir erstaunlich bekannt vor, hat man es hier doch mit einem lupenreinen Remake von dem SNES-Spiel Super Metroid zu tun: Samus wandelt zunächst durch eine geisterhaft verlassene Raumstation, steht schließlich vor dem ersten Levelboss, muss dann die Raumstation vor dem Explodieren verlassen und landet schließlich auf einem fremden Planeten: Satte grüne Landschaft, Regen, das Raumschiff kommt zum Stehen und die altbekannte „Jetzt geht’s los“-Fanfare ertönt (Trivia: die ich lange Zeit als SMS-Klingelton hatte). Ich fühlte mich gleich wie zuhause – es ist fast schon rührend, wie einfühlsam man in die Welt von Metroid Prime 1 geführt wird. „Nicht erschrecken, es ist zwar 3D, aber ich bin wirklich ein Metroid„, flüstert einem das Spiel scheinbar beruhigend zu. Die Wii-Steuerung hatte ich bis dahin schon längst intus: Verglichen mit PC-Shootern übernimmt die Wiimote die Aufgabe der Maus und das Nunchuk die Tastatur. Damit es auch bei kleinen Zielen nie fummelig wird, gibt es einen Autofokus: In ungefährer Nähe des Zielobjekts die Z-Taste gedrückt halten und Samus nimmt es aufs Korn, kann sich aber immer noch frei bewegen.

Nach dem vertrauten Einstieg ist man aber auf sich gestellt: Der Planet heißt nicht mehr wie auf dem SNES Zebes, sondern Tallon IV – Heimatplanet der Chozo. Das macht das ganze sozusagen zu einem Heimspiel: Die ausgestorbenen Chozo waren eine hochentwickelte, geheimnisvolle Rasse mit fortschrittlichen Technologien und dieses Erbe konnte sich Samus in älteren Teilen schon oft zunutze machen. Hier findet sich nun der Grund: Metroid Prime 1 ist als Prequel zu verstehen und Samus‘ Rettung von Tallon IV ist der Beginn einer langen Freundschaft. Rettung? Ja, denn Tallon IV ist von einer radioaktiven Substanz namens Phazon schwer verseucht. Böse Weltraumpiraten versuchen das tückische Phazon unter ihre Kontrolle zu bringen, nutzen es als Energiequelle und nehmen nicht zuletzt Gen-Experimente vor, um den Superpiraten mit Phazon-Kräften zu erschaffen. Das klingt doch nach einer richtigen Story und sie wird auch in-game erzählt: Samus ist mit einem Scanner ausgestattet, den sie auf alles und jeden anwendet: Die Geschichte erzählt sich demnach über Scans von alten Chozo-Inschriften und Piraten-Computern. Metroid Prime 1: Samus scannt einen Gegner (Quelle: http://www.gamespress.com) Auch für das Aufdecken von Gegnerschwachstellen ist der Scanner sehr nützlich. Hardcore-Spieler aufgepasst: Es gilt jetzt also nicht mehr 100% der Items zu sammeln, sondern auch alles im Spiel einmal abgescannt zu haben. Wer das auf der Raumstation am Anfang oder bei einem Endgegner versäumt, hat später keine Möglichkeit mehr dazu.

Tallon IV bietet (ganz Metroid) mehrere schöne wie gegensätzliche Welten: Neben der begrünten Oberwelt gibt es unter anderem lavaspeiende Höhlen, eine stille Eisregion und in den Chozo-Stadtruinen kann man den Geheimnissen ihrer früheren Bewohner auf den Grund gehen. Natürlich wird dies kein gemütlicher Spaziergang: Neben Flora und Fauna machen einem die Weltraumpiraten und ihre missratenen Phazon-Experimente – nicht zuletzt die Metroids – das Leben schwer. Auch sonst wird das altbewährte Konzept wunderbar beibehalten: Viele Stellen auf Tallon IV sind zunächst völlig unerreichbar und neue Items zur Fortbewegung und bessere Waffen machen es möglich, diese Ecken schließlich zu erforschen. Und natürlich gibt es dabei massig Geheimnisse zu entdecken, insbesondere wollen jede Menge Morph Ball-Rätsel gelöst werden. Selbst wenn dieser 3D-Shooter völlig anders hieße, würde ich denken „Ah, wie bei Metroid„. Und auch alte Bekannte wie Ridley trifft man wieder. Klassenziel erreicht.

Metroid Prime 1: Ridley, altes Haus! (Quelle: http://www.gamespress.com)Metroid Prime 1 schloss ich mit 86% gefundenen Items ab. Für’s erste Durchzocken ohne Walkthrough finde ich das ganz ordentlich, schließlich wurde ich nicht müde, auch zum 20. Mal durch dieselben Räume zu laufen, dieselben Gegner zu bekämpfen und alles nochmal abzuscannen. Das alles ist einem Leveldesign wie aus dem Bilderbuch zu verdanken: Die gegensätzlichen Welten greifen wunderschön ineinander, sind in sich konsistent und atmosphärisch. Ich fühlte mich wohl auf Tallon IV. Metroid Prime 1 zu spielen, bedeutete insbesondere gegen Ende „Mal nach Feierabend eine Stunde die Landschaft anschauen und gucken, was so geht“. Denn wenn es etwas geheimes zu entdecken gibt, wird man immer gerade so dezent darauf hingewiesen, dass sich im Kleinhirn die Info „Hier muss irgendwas sein“ breit macht, ohne zuviel zu verraten. Sei es ein Spalt über einer verdächtig hohen Wand oder eine Magnetbahn, die an irgendeiner scheinbar unmöglichen Stelle verläuft.

Hier spielt Metroid Prime 1 ganz genüsslich den 3D-Trumpf aus und hängt seine Vorgänger ab: Man kann sich ja ganz frei umsehen und das gibt dem Spiel so viele Möglichkeiten an die Hand, herausfordernd und gleichzeitig fair zu sein. So sehr ich z.B. Super Metroid schätze, viele Secret Areas dort wurden einfach unverschämt schwer versteckt, was sicher auch durch die begrenzten Darstellungsmöglichkeiten forciert wurde. Ebenfalls eine Erwähnung wert: Das Balancing der Endgegner. Omega-Pirat, Meta-Ridley und Metroid Prime höchstpersönlich machten mir extrem zu schaffen und gleichzeitig stellte sich nie der übliche Frust ein. Nach einer Niederlage möchte man den Jungs am liebsten „Nicht schlecht, Sportsfreund. Revanche!“ sagen. Metroid Prime 1 ist eine tolle Herausforderung, bei der Fair Play ganz groß geschrieben wird.

Metroid Prime 1: Fieser Omega Pirat macht einem ziemlich zu schaffen (Quelle: http://www.gamespress.com)

Die Frage ist nun: Ist Metroid Prime 1 genau so ein Metroid, wie ich es kenne und liebe? Oh ja – und was für eins! Sämtliche Trademarks der Reihe fallen direkt ins Auge. Das Franchise ging einen langen Weg, um an dieser Stelle anzukommen und für mich ist Metroid Prime 1 vielleicht das beste Metroid überhaupt. Wenn ihr es noch nie gespielt habt, worauf wartet ihr noch?

Metroid Prime Trilogy (Wii)
Entwickler: Retro Studios
Publisher: Nintendo
Erscheinungsdatum: bereits erschienen
USK-Einstufung: ab 16

Im nächsten Teil dieser Serie werde ich dann Metroid Prime 2: Echoes besprechen und lasst euch schonmal gesagt sein: die Euphorie bekommt hier einen großen Dämpfer.

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Fabian Hartmann (Redaktion) Job: Doktorand ...for science (Future Internet/Social Networks. Nebenher Vorlesungen betreuen und Studis pampern.) Auf ZwO Experte für: das Zerreißen von Kritikerlieblingen. Ansonsten bin ich kürzlich vom PC-Saulus zum Konsolen-Paulus geworden und muss neben aktuellen Releases auch noch die besten Sachen aus der Zeit davor nachholen (für Xbox 360, PS3, Wii, (3)DS und Dreamcast - ächz!). Aufgrund meiner PC-Sozialisation lasse ich Shooter da aber meist links liegen, auch Sportspiele interessieren mich nicht. Mich springen eher stimmungsvolle, bunte Action-Adventures oder Puzzlespiele wie Professor Layton oder Portal an. Hier holt sich Fabian Gaming-News: Ich bin erschreckend schlecht aus erster Hand informiert, über die wirklich wichtigen Dinge wird sich meine Twitter-Timeline dann schon das Maul zerreißen. Filterbubble olé. Mail: fh [at] zockworkorange [dot] com Twitter: yesnocancel XBLA: yesnocancel PSN: yesnocancel Steam: yesnocancelzwo Erstes Game: Super Games Liebste Games: Uncharted 2, die God of War-Teile, King's Quest VI, Blade Runner, Bubble Bobble Liebste Persönlichkeit der Branche: Traditionell der Angry Video Game Nerd, auch wenn er stark nachgelassen hat. Jingleball für die Leidenschaft und Intensität, mit der sie sich in ein einzelnes Spiel reinkniet. Balkantoni für die stetige Verbesserung meines Wortschatzes. Liebste Game-Figur: Jade und Pey'j aus Beyond Good and Evil

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