Randal’s Monday – Und täglich grüßt die popkulturelle Referenz 12

Randal’s Monday – Und täglich grüßt die popkulturelle Referenz 12

So, besser spät als nie. Ich wurde gefragt, ob ich ein Review schreiben möchte und ich wollte. Nachdem ich den Trailer zu »Randal’s Monday« gesehen hatte, dann auch zu diesem Spiel.
Jeder mag popkulturelle Anspielungen, vor allem die, die man versteht. Außerdem Zeitreisen und makaberer Humor, was kann schon schiefgehen? (Ich weiß, so was soll man nicht sagen, aber hier sind weder Klaviere, die mir auf den Kopf fallen können noch irgendwelche Kettensägenmörder. So weit ich weiß. Egal.)
Vorab: Wenn ihr Nerdkultur wie Doctor Who, Game of Thrones, die Scheibenweltromane und herrlich absurde und bisweilen ziemlich schwarzhumorige Dialoge mögt, lohnt sich das Spiel auf jeden Fall für euch.

Randal's Monday Screenshot 1

»Randal’s Monday« entführt uns in ein Universum, das unserem zunächst gar nicht so unähnlich scheint – abgesehen davon, dass wir nicht in 2D sind. (Mir zumindest passiert das nur sehr selten.)
Jedenfalls scheint das Spiel in der Gegenwart angesiedelt zu sein und wir steuern Randal – so gut er eben gesteuert werden kann – durch diesen Montag, der kein Ende zu nehmen scheint.
Aber der Reihe nach.
Ausgangssituation ist ein vergleichsweise heftiges Trinkgelage, dessen Teilhaber Randal, sein bester Freund Matt und dessen Freundin und So-gut-wie-Verlobte Sally sind. Matt hat offenbar ein Trinkproblem, das heißt, eigentlich ist er sehr gut im Trinken, auch in die entgegengesetzte Richtung. Er ist aber weniger gut darin, auf den Verlobungsring aufzupassen, eins führt zum anderen und schon ist Zombieapokalypse. Wie im richtigen Leben.
Gut, das war jetzt nicht ganz der Reihe nach, aber ich möchte auch nicht alle Highlights vorwegnehmen, die recht zuverlässig kontinuierliche Spielfreude gewährleisten.
Randal, dem Matts Verlobungsring, äh, abhanden gekommen ist, den er vorher für ihn verwahrt hat, erinnert ein bisschen an Deponias Rufus, auch von seiner empathischen und altruistischen Art her. (Es ist ein bisschen knifflig, nette Umschreibungen für Kleptomanie zu finden, andererseits sollten Point&Click-Freunde keine größeren Probleme mit dieser Art der Beschaffungskriminalität haben.)
Der verhängnisvolle Verlust des verhängnisvollen Rings zieht eine Zeitschleife voller Verhängnisse nach sich, die eine schöne und kuriose Verneigung vor „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und den Größen des Nerdiversums sind. Ich hab nicht alle Referenzen erkannt, mich aber über viele gefreut und einige ganz besonders gefeiert. (In einem Haushalt mit Companion Cube-Kissen und Vault Boy-Wackelkopffigur und Schallschraubenzieher kein Wunder.)
Der verlorene Ring kreiert Risse im Raum-Zeit-Kontinuum und infolgedessen auch bizarre Änderungen in Randals Welt; die Koala-Invasion, Geschlechterwechsel, Gefängnisaufenthalte und der seltsame „Trek Wars“-Hybrid sind nur einige davon.

Randal's Monday Screenshot 2

Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Montage es am Ende waren, aber so viel sei verraten: Eine Menge. Die Leidtragenden der Veränderungen, die durch den Pfusch am Universum entstehen, sind meist Randals Freunde bzw. Bekannte, obwohl das mit „Trek Wars“ schon ziemlich übel ist. Am meisten macht wahrscheinlich Matt mit, allerdings nicht, ohne dabei die Vorzüge der WonderMatic 9000-Reihe auszuprobieren.

Randal's Monday Screenshot 3

Grundsätzlich lässt sich das Spiel in etwa drei Hauptakte einteilen, die eine Menge Kombinationsaufgaben und -rätsel beinhalten, die nicht immer ganz leicht zu lösen und teilweise nicht logisch herleitbar sind. Es gibt übrigens ein integriertes Hinweis-System, das aber eher ein Walkthrough ist, was ein bisschen schade ist, aber „immerhin“ muss man für jeden Hinweis ein Kätzchen töten. (Wenn man sehr viele Kätzchen tötet, gibt es übrigens ein Achievement. Ähem. Das wurde natürlich nur zu wissenschaftlichen Zwecken herausgefunden.)
Es hilft, mehrmals mit Leuten zu reden und wirklich alles mit allem zu kombinieren (wenn auch nicht ganz so extrem wie bei „Edna bricht aus“.) Das ist ein bisschen knifflig, wenn man so viel Zeug im Inventar hat, dass man dauernd umblättern muss, aber das legt sich im Laufe des Spiels wieder, wenn auch nicht ganz freiwillig.

Randal's Monday Screenshot 4

Neben dem Inventarblättern hat ein bisschen gestört, dass der Ton in den Close-Up-Gesprächen plötzlich sehr leise war und Randal einige extrem unsympathische Momente hat, die es ein bisschen schwer machen, dauerhaft Empathie zu ihm aufzubauen. Aber wie er selbst sagt; er ist „no hero, just the main character“. Die Nebencharaktere sind witzig gemacht, werden aber später teilweise plottechnisch ein bisschen vernachlässigt, was etwas schade ist.
Streitbar sind auch der Zeichenstil und das Ende, aber! Ich fand den Zeichenstil okay, simpel heißt ja nicht zwangsläufig schlecht und über den Schluss des Spiels schien es auch innerhalb der Redaktion von »Randal’s Monday« sichtlich Differenzen gegeben zu haben.

Es ergibt sich insgesamt eine Spieldauer von etwa 20 Stunden, allerdings ist nicht auszuschließen, dass begabtere Menschen die Rätsel und Aufgaben in signifikant kürzerer Zeit bewältigen können.
Alles in allem wird dieses Spiel es wohl nicht in meine Allzeit-Top10 schaffen (auf Platz 1 ist derzeit aber auch »Goat Simulator«, vielleicht ist das dann kein so idealer Richtwert), aber gute Unterhaltung bietet es allemal. Wenn man »Randal’s Monday« als eine Hommage an alte und neue Klassiker des Nerdiversums betrachtet, in der es vor allem um merkwürdige Parallelwelten, witzige Dialoge, bizarre Unfälle und Koalas geht, verzeiht man auch kleinere Spielschwächen gerne. Ich hab es jedenfalls nicht bereut, einige Abende mit diesem Spiel zu verbringen. Ich mag Koalas.

Trailer:

FranziskaGastautorin Franziska: Begann ihre nicht sehr steile Zocker-Karriere mit den Lemmings, bekam von ihrer Mutter aber vor allem Mathe-Lern-Computerspiele (hat aber nicht geholfen), zwischendurch entwickelte sie eine veritable Gameboysucht; mittlerweile schaut sie aber beinahe sogar lieber beim Zocken zu (aus Zeit- und Schreckhaftigkeitsgründen.) Twittert als @Chaosfux, manchmal sogar über Spiele (meistens aber über Brot. Niemand weiß, wie es dazu kam.)

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12 Comments

  1. Scheibenweltromane, weltweit so knappe 60 Millionen mal verkaufte Exemplare. Games of Thrones, vom Feuilleton bis zum Schulhof ein Dauerthema. Doctor Who, seit 50 Jahren ein Dauerbrenner und Erfolg.

    Nerdkultur? Das ist doch alles purer Mainstream und der Begriff Nerd nur noch ein Marketinglabel, um den KonsumentInnen zu suggerieren, ihr völlig massenkonformer Geschmack sei irgendwie etwas besonderes und abseitiges. Wahrscheinlich sind auch Star Wars und Herr der Ringe Nerdkultur?

    Sorry, ich kann das echt nicht mehr hören, Nerdkultur… ja klar!

  2. Aber wir sind doch jetzt alle Nerds. Außerdem nehm ich grundsätzlich meine Mutti als Maßstab, der musste ich Doctor Who neulich auch erklären, das passt schon so. (:

  3. 60 Millionen verkaufte Bücher. Klingt viel, dennoch weiß kein „normaler“ Mensch, was die Scheibenwelt ist. Wie kommt’s? 60 Millionen verkaufte Bücher klingt viel, sind aber bei 40 Romanen auch nur 1,5 Millionen pro Band, und zwar weltweit, die meisten davon in UK. Die Bücher werden in 37 Sprachen übersetzt, pro Land bleibt da nicht mehr viel übrig. In Deutschland ist Terry Pratchett im Mainstream vollkommen unbekannt. Bei Game of Thrones kenne heute alle die Serie. Die Bücher? Kannte bis vor 2-3 Jahren kaum jemand. Doctor Who? Wird hier bei Specials manchmal im Kino live übertragen, meinst du, ich finde jemanden, der da mitkommen möchte? Nein, „normale“ Menschen kennen das nicht oder haben bestenfalls mal davon gehört. Und Dauerbrenner und Erfolg seit 50 Jahren? Blödsinn. DW ist erst vor kurzem in die USA und zu uns rübergeschwappt. Nur weil die Leute das in deiner Online-Filterblase kennen, lässt das noch lange keine sinnvollen Rückschlüsse auf die Allgemeinheit zu.

    Und überhaupt: warum ist es dir so wichtig, den Nerd-Begriff zu schützen? Was ist dein Problem damit, wenn andere Leute sich so nennen?

  4. Mein Erklärungsansatz beinhaltete „David Tennant“, „Zeitreisen“ und „die wahrscheinlich traurigste Serie der Welt“, aber sie möchte das auch mal irgendwann gucken.

  5. Hallo David,
    wenn ein Buch in Deutschland die 100.000 Marke kratzt, dann haben wir hier bereits einen echten Hit vorliegen. Soviel zur Einordnung der Verkaufszahlen von Pratchett, zumal die frühen Bücher sich selbst im damaligen Nischenzielsegment eher mies verkauf haben und dementsprechend die neueren Werke deutlich höhere Verkäufe aufweisen. Und klar sind fast 40 Übersetzungen viel, aber du kannst dir ja selber denken was für „kleine“ Sprachen darunter fallen und wie die Verkaufspotentiale in solchen Ländern aussehen und wie wenig Anteil diese am Gesamtvolumen einnehmen. Sorry, ich finde deine versuchte Einordnung schief.
    Du kannst auch einfach mal in eine der beliebigen Großbuchhandlungen gehen und dir anschauen wieviel Pratchett Bücher dort immer vorrätig sind (und im Gegensatz zu kleinen selbstständigen Buchhhandlungen haben die nur vorrätig, was sich entsprechend verkauft und nicht weil der Besitzer das Buch für literarisch wertvoll hält), klar ist das noch nichts im Vergleich zu Serien wie Twilight oder gar Harry Potter, aber Nische? Nein, absolut nicht.

    Bei Dr. Who gebe ich dir dahingehend recht, dass es sich hier lange Zeit vor allem um ein englisches Phänomen handelte. Aber auch dies ist ein typisches Charakteristikum der Nerdblase. In anderen Ländern kommerziell erfolgreiche Werke, die popkulturell fest verankert sind, werden von Minderheiten anderswo entdeckt und als nerdig, abseitig, underground, Geheimtip oder sonstwas zelebriert. Um noch mal ein Beispiel aus dem Buchmark zu geben, viele Megaseller aus Lateinamerika erreichen in Deutschland so lächerlich geringe Verkaufszahlen, dass deren LeserInnen sich sicher als avantgardistische Nerds vorkommen können. Im Endeffekt ist es aber viel mehr eine Frage der Vermarktung und nationaler oder zumindest großräumiger (Westeuropa, Osteuropa, Iberoamerika, Nordamerika usw) Eigenheiten. Wenn das also nerdy sein soll, dann ist es nicht viel mehr als ein Distinktionsbedürfnis, etwas vor anderen zu kennen, die das in der Masse aber potentiell genauso gut leiden könnten und manchmal dann ja auch später massenhaft goutieren.

    Mir geht es also nicht um irgendeinen Schutz des Begriffes Nerd, sondern eher darum, wie inhaltsleer der ist. Wie schon geschrieben, ein rein selbstrefentieller Begriff, den man marketingtechnisch gut nutzen kann, um dem Konsumenten das Gefühl einer Exklusivität zu vermitteln und jetzt komme ich ein letztes Mal mit dem Buchmarkt an (sorry, da habe ich gute Einblicke): gerade Titel die man als nerdy vermarkten kann, erreichen häufig erstaunlich gute Verkauszahlen.

  6. Ist ja nicht schlimm, wenn sich Randal’s Monday gut verkauft. Steckt ja auch keine riesige Firma hinter, sondern ein kleines Indie-Studio, in Deutschland durch Daedalic vertreten, die ebenfalls kein Millionen-anhäufendes Ungeheuer sind, sondern eine mir sehr symphatische kleine Firme, denen ich jeden Cent gönne. Und wenn sie dafür auf den Nerd-Zug aufspringen müssen, hab ich da auch kein Problem mit.

  7. Ich verstehe leider nicht, worauf du genau hinaus möchtest. Wir sind Blogger und keine professionellen Journalisten, wir haben Spaß an Spielen und Spaß am Schreiben und verbinden hier beides miteinander. Was genau stört dich denn? Dass das Spiel den Begriff „Nerd“ zu Marketingzwecken nutzt? Was sind denn „solche Marketingsachen“? Werd doch mal konkreter. Wo haben wir deiner Meinung nach „mitgemacht“?

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