Jahresrückblick 2012 – Teil 3/9: Fabian 8

Jahresrückblick 2012 – Teil 3/9: Fabian 8

Hach ja, 2012. Was für ein turbulentes Jahr bei Zockwork Orange. Kristin ist jetzt Gamesjournalismus-Promi, dreht dort Videos, für die ich mich zu alt fühle (nicht das, was ihr schon wieder denkt, ihr kleinen Schweine… außerdem fühlt man sich dafür nie zu alt) und bleibt hier bloß als graue Eminenz zurück. Dafür haben wir mit Daniel, Jan und Joe gleich drei Neuzugänge, die die ZwO-Konsole mal wieder so richtig entstaubt haben, um mal eine ausgenudelte Gamer-Metapher zu bemühen. Danke an euch und natürlich den alteingessesenen Teil des Teams!

topflop_fabian

Top 5 des Jahres:

Viel viel viel gutes gab es, ich konnte natürlich unmöglich alles spielen. Vor allem gefällt mir, wie sich der Trend der letzten Jahre fortsetzt, bei dem Indie-Spiele immer mehr in den Mainstream fließen, bei großen Publishern ihre Unterstützung finden und sich dann so ein Mischmasch ergibt aus coolen Ideen, hohen Production Values und ausreichend Marketing, dass auch Dullis wie ich das mitkriegen. Ich habe erst jetzt im Nachhinein gemerkt, dass mein komplette Top 10 aus acht Download-Titeln besteht, die Top 5 davon komplett:

Dust: An Elysian Tail // Ich kann mich hier nur selbst aus meinem Review zitieren: Jedes Element des Spiels ist aus etwas gezimmert, was ich lieb habe. Von dem [Metroidvania-RPG-]Spielprinzip, das Traditionen behutsam mit einander vermischt, über die visuelle Ästhetik, die sich zwischen alten Cartoons und Amiga-Parallax-Scrollern bewegt, über tolles Voice-Acting, bis hin zu der bedingungslosen Hingabe an Details, der Wertschätzung des Spielers, seiner Zeit und seiner Bedürfnisse. Einem Indiespiel sagt man ja gerne nach, dass es eine labour of love ist, durch die sich primär der Autor verwirklichen will und wenn es zufällig jemand anderem gefällt, auch okay. Dodrill geht aber noch diese eine Extrameile und will, dass sich das Publikum auf allen Ebenen so gut wie möglich fühlt. Meine Augen leuchten, während ich das hier schreibe und »Dust: An Elysian Tail« ist mein Lieblingsspiel 2012.

Legend of Grimrock // So wie »VVVVVV« im Jahr 2010 hat es auch dieses Mal noch ein Spiel auf den letzten Jahresmetern in die Top 5 geschafft, indem es mich die Weihnachtszeit über komplett blockierte. Auf »Grimrock« war ich schon seit seinem Release scharf, wartete aber noch die angekündigte Mac-Version ab, nur um diese dann am Stück durchzusuchten. Ein Spiel, das mich so toll an früher erinnert: Nicht nur, dass ich mit dessen Großeltern »Eye of the Beholder« und »Lands of Lore« meinen 386er quälte, nein – die Grimrock’schen Rätsel sind stets an der optimalen Grenze zwischen kryptisch und machbar, so dass man am meisten Spaß hat, wenn man Google einfach mal weit weg schiebt und sich wie früher durchknobelt. Ihr seid garantiert nicht dümmer als ich, also ist es echt zu schaffen, das Spiel mit mindestens der Hälfte der Secrets zu beenden. Die letzten Rätsel und den Endgegner knackten wir übrigens zu zweit vor einem Monitor – wild diskutierend und abwechselnd spielend. Genau wie früher also – ganz ganz tolles Ding!

Journey // So, jetzt mal genug mit der Vergangenheitsverklärung! Journey ist einzigartig, verträumt, zauberhaft, kunstvoll und traumhaft schön. Ausgerechnet ich, der ja häufig ein Problem mit Artsyfartsy-Indie-Spielen hat (die Hater-Kommentare zu meinem Sword & Sworcery-Review vor über 1,5 Jahren kommen bis heute rein… keep ‚em coming!), ist völlig hingerissen. Wie auch schon bei »Flower« schafft es thatgamecompany, den Fokus auf eine Wahnsinnsatmosphäre mit einer magisch-flüssigen Steuerung zu kombinieren, das eigentliche Spielziel in den Hintergrund zu rücken und den Spieler einfach machen zu lassen. Das ganze dann noch kombiniert mit bis zu den Credits anonymen und stummen Mitspielern, die genau solche Spielkinder sind wie man selbst – ein Traum. Ich habe es bisher nur einmal durchgespielt, um den Zauber zu erhalten, aber irgendwie juckt es mich gerade wieder in den Fingern…

Mark of the Ninja // Ein Stealth-Spiel in 2D, das klingt trotz hübscher Perlen wie »Trilby: The Art of Theft« oder »Beat Sneak Bandit« immer noch ungewohnt, angesichts der AAA-Übermacht von Sam bis Snake in 3D. In dem coolen Art-Design von »Shank«, mit flutschiger Steuerung, vielen Secrets und optionalen Herausforderungen macht uns »Mark of the Ninja« das Konzept auf’s Neue schmackhaft. Doof war nur, dass ich durch einen Bug, der meinen Spielstand löschte, nach der Hälfte des Spiels noch mal von vorne anfangen musste. Support von Klei gab es auf meine Anfrage auch genau Null. Dass ich aber dafür immer noch motiviert genug war, spricht für einen soliden vierten Platz.

The Walking Dead // Das Spiel des Jahres, da sind sind sich in meiner spielaffinen Filterbubble alle viele einig. Nur Klein-Fabse muss wieder den Party-Pupser geben: Ja, ich fand die Geschichte bis auf ein paar ärgerliche Plotholes stark und viele der Entscheidungen haben mich sehr mitgenommen, auch wenn sich die fünf Episoden nicht immer Mühe darin gaben, mir vorzugaukeln, dass es tatsächlich diese für den weiteren Ausgang wirklich relevant sei. Aber hey, geschenkt – »The Walking Dead« ist in dieser Form einzigartig und das mag ich auch honorieren. Was mir allerdings Bauchschmerzen bereitet und wohin ich auf keinen Fall zurück will, ist dieses Gameplay aus der tiefsten 90er-Adventure-Hölle. Pixelhunting-ABM und Benutze Schaufel mit Grab-Herpderp-Genius-»Rätsel«, da hab ich keinen Bock drauf, echt nicht. Dann macht es halt wie bei »Heavy Rain«, gebt mir viel Film, ein paar Quick-Time-Events und gut. Das coole Dialogsystem a la »Alpha Protocol« könnt ihr auch behalten. Aber verschwendet nicht mutwillig meine Zeit mit Doofi-Tasks.

// Platz 6-10: FEZ, XCOM: Enemy Unknown, Beat Sneak Bandit, Sine Mora, Catherine

Flop des Jahres:

Mass Effect 3 // Es ist wie bei »Uncharted« letztes Jahr: Nachdem »Mass Effect 2« eines der besten Spiele dieser Konsolengeneration ist, konnte der dritte Teil eigentlich nur enttäuschen. Allein die Story hat mich immer weiter getrieben, es durchzuspielen, ansonsten hätte ich es spätestens nach der Hälfte weggelegt, »dank« fehlender Liebe zum Detail, eintönigen Missionen nach Schema F, einem noch stärkeren Fokus auf der trägen Shooter-Mechanik und ohne Maß bei den Gegnerwellen, einem komplett unbrauchbaren Questlog (ein Pet Peeve von mir und mein wohl größtes Problem mit dem Spiel), einem hässlichem Free-to-Play-Multiplayer-Modus, den man nicht einfach ignorieren kann, weil er direkte Auswirkungen auf den Singleplayer hat …zumindest wird das suggeriert. Ich hatte einfach keinen Spaß dabei, durch diesen mittelmäßigen Shootersumpf zu waten. Das Ende mit Joker als Dschungelkönig fand ich aber gar nicht übel.

Game-Charakter des Jahres:

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Legion (Mass Effect 3) // Bereits als Legion im zweiten Teil relativ spät im Spiel auftauchte, verdrängte er im Handstreich Garrus als meinen Liebling des Mass Effect-Casts. Und auch im dritten Teil macht der sympathische Geth einem die Moralentscheidungen leicht: Lieber ihn und seine Homies killen oder die überheblichen, hinterhältigen, dauer-nörgelnden Aquariumköppe von Quarians? DA FÄLLT DIE WAHL NICHT SCHWER, HAHAHA!

Studio/Firma des Jahres:

Humble Hearts // Wenn ein Ein-Mann-„Studio“ sich das Programmieren beibringt, um ein Spiel rauszubringen, das nicht nur besser ist und geiler aussieht als alles andere dieses Jahr, dann ist das unheimlich und inspirierend zugleich. Danke dir, Dean Dodrill für »Dust: An Elysian Tail« – du bist ein Role Model für all die Spielentwickler voller Ideen und ohne Mut da draußen.

Beste App des Jahres:

Spotify // Endlich auch in Deutschland, yaaay. Jetzt muss ich mich nicht mehr bemühen, als UK-Mensch aufzutreten, aber mein Zweitaccount bei Paypal wird wohl ewig als Kreditkartenbetrug gebrandmarkt sein. Sei’s drum! Die App selbst könnte insgesamt etwas schöner sein, aber da natürlich die form der function followed, ist das Leben auch so 34% besser.

Gaming-Webseite des Jahres:

Es gibt jetzt den PSN-Store als Webseite. Zählt das?

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Up and Down:

+ Fallout 3 mit allen Add-Ons durchgespielt (und damit ein Projekt von 2008 beendet)
+ Dead Can Dance live gesehen
+ Viel Hamburg, inklusive 29C3
– Kein Borderlands 2-Review geschrieben, was ich dank Testmuster eigentlich hätte tun müssen und hiermit nachhole: Es ist ganz okay (80%).
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Album des Jahres:

Pinback – Information Retrieved // Wenn die Lieblingsband ein neues Album rausbringt, fällt die Wahl natürlich nicht schwer. Allgemein habe ich dieses Jahr aber wenig neue Musik entdeckt und wenn, dann war sie nicht aus 2012. Mal sehen, was das neue Jahr da so bringt.


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Film des Jahres:

Fraktus // Ich liebe die 80er und ich liebe Studio Braun. Beides findet sich in der Mockumentary »Fraktus« über eine fiktive Elektro-Band im Kraftwerk-Stil. Die Idee ist zwar nicht neu, aber der fatalistische Braun’sche Humor ließ mich Tränen lachen – GROSS-AR-TIGST. (Im Trailer nicht von den doofen Slapstick-Elementen beirren lassen, die spielen kaum eine Rolle. Lieber über die Gastauftritte von H.P. Baxxter, Blixa Bargeld oder Marusha freuen.)


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TV-Serie des Jahres:

Breaking Bad // Same entry as last year, da BrBa nicht bloß unverändert gut bleibt, sondern immer stärker wird. Sehr spannend auch: »Homeland«, das suchte ich gerade am Stück durch. Außerdem habe ich endlich mal »Friends« in seiner Gesamtheit gesehen und sehr viel Freude damit gehabt, aber das zählt wohl nicht für 2012.

Unterm Weihnachtsbaum lag:

»ZombiU« und Socken.

Freut sich in 2013 auf:

»South Park: The Stick of Truth« (immer noch!),» God of War: Ascension«, »Tomb Raider«, »The Last of Us«. Und »Hotline Miami« soll endlich mal für den Mac kommen. Und natürlich freut sich der Popcornfresser in mir auf den verkaterten Morgen nach der rauschenden Kickstarter-Ballnacht. Bin gespannt, was (nicht) kommt.

Vorsatz für 2013:

Nicht zum Jahresanfang mit großen Plänen rumposen und dann die vergeigen, sondern lieber schrittweise an Ideen feilen und die kleinen Erfolge festhalten. Passend dazu schau ich mir gerade Day One an, aber das durchzuziehen ist vermutlich schon wieder ein Vorsatz für sich.

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Jahresrückblicke der anderen Team-Mitglieder:

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Fabian Hartmann (Redaktion) Job: Doktorand ...for science (Future Internet/Social Networks. Nebenher Vorlesungen betreuen und Studis pampern.) Auf ZwO Experte für: das Zerreißen von Kritikerlieblingen. Ansonsten bin ich kürzlich vom PC-Saulus zum Konsolen-Paulus geworden und muss neben aktuellen Releases auch noch die besten Sachen aus der Zeit davor nachholen (für Xbox 360, PS3, Wii, (3)DS und Dreamcast - ächz!). Aufgrund meiner PC-Sozialisation lasse ich Shooter da aber meist links liegen, auch Sportspiele interessieren mich nicht. Mich springen eher stimmungsvolle, bunte Action-Adventures oder Puzzlespiele wie Professor Layton oder Portal an. Hier holt sich Fabian Gaming-News: Ich bin erschreckend schlecht aus erster Hand informiert, über die wirklich wichtigen Dinge wird sich meine Twitter-Timeline dann schon das Maul zerreißen. Filterbubble olé. Mail: fh [at] zockworkorange [dot] com Twitter: yesnocancel XBLA: yesnocancel PSN: yesnocancel Steam: yesnocancelzwo Erstes Game: Super Games Liebste Games: Uncharted 2, die God of War-Teile, King's Quest VI, Blade Runner, Bubble Bobble Liebste Persönlichkeit der Branche: Traditionell der Angry Video Game Nerd, auch wenn er stark nachgelassen hat. Jingleball für die Leidenschaft und Intensität, mit der sie sich in ein einzelnes Spiel reinkniet. Balkantoni für die stetige Verbesserung meines Wortschatzes. Liebste Game-Figur: Jade und Pey'j aus Beyond Good and Evil

8 Comments

  1. Habe außer Walking Dead keines deiner Tops und Flops gespielt… Hm, ups? Habe nach deinen Äußerungen (von denen ich einfach viel halte) ja noch einiges nachzuholen.

    Warum ich aber hier bin: Sehr geil, dass du Pinback als Album des Jahres aufzählst. Das steht bei mir auf einem Level mit was anderem. Dann kann ich nämlich was anderes auswählen ohne Pinback unrecht zu tun. :D
    Ich dachte, Proceed to Memory wär nicht so deins (also, in Relation zu den anderen Titeln)? Wundert mich, der Titel ist noch immer mein Liebling irgendwie.

  2. Also zumindest Grimrock solltest du dir auf jeden Fall mal ansehen, das war garantiert in irgendeinem Bundle dabei, das du dir über das Jahr gekauft hast.

    Und „Proceed to Memory“ hat bei mir spätestens gezündet, als ich es live gehört hatte – wie sich das am Ende mit dem mehrstimmigen Gesang hochschaukelt, ist einfach Bombe. Danke für den Tipp. :D

  3. Fraktus muss ich mir unbedingt noch ansehen, ich liebe Studio Braun auch sehr. „Schreiben ’se mal auf…. Hund. Schreiben ’se mal auf… Schuh. Schreiben ’se mal auf… Flasch… Flaaaaasche.“ :’D

    Alles Gute für 2012 wünsche ich euch! :)

  4. „Es geht um meinen Bruder. Ich sach mal, schwarz ist sein Lieblingsfarbe: Schwarzfahren, schwarz sehen und seit neuestem auch schwarz lesen. Der klaut immer die Zeitung von unserem Nachbarn, Herrn Poppendigger.“

    Für dich ist Fraktus 100% was… hab ich dir den noch gar nicht im persönlichen Gespräch empfohlen? Schande über mich!
    Als Einstimmung kannst du dir schon mal das grandiose Interview mit den Jungs ansehen, wie sie sich nur am anscheißen sind – herrlich: http://www.youtube.com/watch?v=FxmnCkMiHaM

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