Davids Lieblingsspiel: Secret of Mana 15

Zu unserem ersten Geburtstag präsentierten wir euch unser jeweils erstes Game, zum Anlass des zweijährigen Bestehens wollen wir euch unsere Lieblingsgames vorstellen. Ich tue mich mit so etwas immer schwer, Bewertungen allgemein sind so ungenau und zeitabhängig. Nehmen wir Filme als Beispiel: in der Filmcommunity moviepilot habe ich über 1000 Filme bewertet. Wenn ich heute ins Kino gehe und dem Film danach 8 Punkte gebe, ist das ein kleiner Schnappschuss. Ob ich den Film wirklich besser finde als die 20 Filme, die ich vor 3 Jahren mit 7 Punkten bewertet habe, kann ich nun wahrlich nicht garantieren. Das ist nur einer der vielen Gründe, weshalb ich keine (Punkte-)Bewertungen mag. Das absolute Lieblingsspiel zu nennen, sollte da etwas leichter fallen, aber eine wirklich eindeutige Aussage kann ich auch da nicht treffen. Es gibt Games, die machen mir viel Spaß, während ich sie spiele und dann kommt ein Jahr später ein anderes Videospiel, das mir gleich viel Spaß macht. Und man kann bei aktuellen Spielen nie sagen, wie man sie in 10 oder 20 Jahren empfinden wird. Die Unterschiede sind minimal und weder rational noch emotional messbar und meiner Meinung nach gibt es den besten Film, das beste Game oder das beste Album aller Zeit nicht. Wer etwas anderes behauptet, hat einfach zu wenig Spiele gespielt, zu wenig Filme geguckt oder in seinem Leben nur 5 Alben gehört, von denen 4 von Modern Talking waren.

Wenn es um Lieblingsgames geht, unterstellt man mir oft, »Assassin’s Creed II« sei mein All-Time-Favorite. Das war vielleicht ein Jahr lang der Fall, aber selbst da muss man noch differenzieren. Ich kann zum Beispiel ein Layton parallel als bestes DS-/Handheld-Game empfinden. Wie dem auch sei, fragt man mich nach meinem Lieblingsgame, antworte ich normalerweise mit »Secret of Mana«, weil ich viele gute Erinnerungen an dieses Game habe. Und jetzt folgt ein Erklärungsversuch, was mir nicht leicht fällt, weil ich das Spiel seit bestimmt 10 Jahren nicht mehr gespielt habe:

Es war ein warmer Herbst im Jahre 1994, das SNES gab es in Europa seit rund 2,5 Jahren und mehr und mehr gute Titel erschienen, als ich… Moment, das ist nicht richtig. Es war ein lauer Frühling im Jahre 1995, ich habe Geburtstag und das einzige Geschenk, das mich wirklich interessiert, ist die große Secret of Mana-Box inklusive Spieleberater (ich liebte Spieleberater) und der Mehrspieler-Adapter für mein SNES. Seit Monaten wartete ich auf diesen Tag. Mein spärliches Taschengeld hatte leider nie für Videospiele gereicht und so mussten Geburtstage und Weihnachten immer herhalten. Das hatte allerdings den Vorteil, dass ich mich meist monatelang mit einem Spiel beschäftigt habe; heutzutage kaum mehr denkbar. Und so kann ich mich auch gar nicht mehr daran erinnern, Secret of Mana im Frühling gespielt zu haben. Woran ich mich erinnere, sind die besten Sommerferien meines Lebens, zu dritt vor der Konsole, während die normalen Kids draußen Fußball spielen mussten.

Für alle, die »Secret of Mana« nicht kennen, habe ich hier eine kleine Zusammenfassung: Secret of Mana (Seiken Densetsu 2, ein Nachfolger des Final Fantasy-Spinoffs Final Fantasy Adventure aka. Mystic Quest) ist ein klassisches 16-Bit-RPG von Square, in dem bis zu drei Spieler eine Party, bestehend aus dem Helden, einem Mädchen und einer Koboldin, steuern. Es gibt zahlreiche Waffen, Zauber in verschiedenen Elementklassen, die aufgelevelt werden müssen, Rüstungen, die gekauft oder gefunden werden und Monsterkämpfe in Echtzeit. Spielt man alleine, übernimmt die KI die anderen Teammitglieder, wobei die Aggressivität dieser Figuren vom Spieler bestimmt werden kann. Ziel ist es, die Vollendung der Mana-Festung durch das böse Imperium zu verhindern. Der Weg dahin ist natürlich lang und beschwerlich und führt das Trio durch abwechslungsreiche Settings wie Wüsten, Städte, Wälder etc. Die Anzahl der unterschiedlichen Gegner und Waffen haben mich damals wirklich umgehauen, konnte ich S»ecret of Mana« doch nur mit »A Link to the Past« vergleichen, was in diesen Aspekten eher schlecht abschnitt.

Neben dem 3-Spieler-Spaß waren die Zauber-Animationen, die mit jeder Stufe beeindruckender wurden, das Tollste am ganzen Spiel. Das, und die Reisen mit dem Mana-Drachen über die Pseudo-3D-Karte (Stichwort: Mode 7). Beim Soundtrack von Hiroki Kikuta wird mir auch heute noch ganz warm ums Herz. Die witzigen Dialoge von Übersetzergott (und nebenbei Chefredakteur des Club Nintendo Magazins und mein persönlicher Kindheitsheld) Claude M. Moyse trugen ihr Übriges zu der Atmosphäre bei.

»Secret of Mana« ist kein perfektes Spiel, aber seit wann muss etwas perfekt sein, damit es einen festen Platz in unseren Herzen einnehmen darf? Secret of Mana bescherte mir monatelang die tollsten Spieleerfahrungen meines jungen Lebens, ein ähnliches Gefühl hatte ich seit dem nie wieder. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass wir Videospiele nicht mehr so schätzen können, wie wir es früher taten, als es viel weniger Titel gab und alles noch neu und aufregend war.

Ein großes Manko hat »Secret of Mana« aber doch, wie mir beim erneuten Spielen wieder auffiel: Das beste 3-Player-Game aller Zeiten lässt die beiden anderen Spieler sehr lange gelangweilt in der Ecke sitzen, denn bis der Held mal seine Party zusammen hat, gehen schon ein paar Stunden ins Land – insbesondere, wenn man das Spiel zum ersten Mal spielt. Den ganzen Anfang kann man nur alleine spielen, und trotzdem finde ich gut, dass dies zum Wohle der Story durchgezogen wurde. Zudem sind viele Kämpfe oft recht unfair und viel zu schwer. Ich erinnere mich noch gut daran, Stunden um Stunden durch die selben Wälder gelaufen zu sein, um meine Charaktere und deren Waffen und Zauber aufzuleveln, weil man ansonsten öfter stirbt als Captain Jack Harkness.

»Secret of Mana« wurde von Square Enix sowohl für die Virtual Console auf der Wii als auch als iOS-App erneut veröffentlicht, beide Versionen müssen leider ohne die deutsche Übersetzung auskommen.

Hier ein kleines Gameplay-Video, das ca. die zweite Stunde des Games zeigt. Wenn man alles richtig gemacht hat, hat man schon das Mädchen im Team und bekommt dann das dritte Mitglied, nämlich die Koboldin. Ich hab es nicht richtig gemacht und muss deshalb das Mädchen im Wald von den zwei bösen Gestalten befreien. Das Video endet dort, weil ich jämmerlich versagt habe und gestorben bin. Früher bin ich an der Stelle dann umgekehrt und habe erst eine Woche lang im Wald davor aufgelevelt, bis ich mich wieder in das düstere Hexenwäldchen wagte. Man sieht also leider kein 3-Spieler-Gameplay, aber wenigstens einen Part mit zwei Charakteren. Wenn man alleine spielt, kann man immer eine Person aktiv steuern, kann aber zwischen den Charakteren wechseln und auch die Menüs der anderen aufrufen.

Ich hab noch ein bisschen weitergespielt, da ich es sinnvoller fand, einen Teil zu zeigen, in dem man zu dritt spielt und auch schon die ersten Zauber hat. Ich hatte wirklich ganz vergessen, wie unfair das Spiel stellenweise ist. Mein „Action Replay“ habe ich damals nur sparsam eingesetzt, aber hier habe ich zum Abkürzen zwei Cheats aktiviert. Nicht wundern, aber so geht das Leveln deutlich schneller – wer hat denn heutzutage noch Zeit für sowas?


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Mit-Gründer von Zockwork Orange, Casual Gamer, Assassin's-Creed-Fanboy, Hyrule-Retter. Beendet Spiele oft nicht, schreibt trotzdem drüber.

15 Comments

  1. Schoen zu hoeren, dass es irgendwo auf der Welt noch andere Jungs gab die lieber mit 2 Freunden vor dem TV zum 28. Mal Tantalus und den Mana-Drachen zu zernichten als sich die Knie beim Fussball spielen kaputtzumachen.
    Ich halte uebrigens den Schmusekater immer noch fuer einen der schwersten Gegner ever! :D

  2. Oh ja, welch wunderbares Spiel, an dem ich auch zahlreiche Stunden meiner Kindheit gesessen habe. Für Kinder eigentlich viel zu schwer, wenn man es alleine spielt, hab ich es mit meinem Bruder zusammen durchgezockt. So konnte man sich beim Leveln auch mal abwechseln.

    @moep0r: Volle Zustimmung! Das Vieh war so unendlich schwer zu knacken, allein der Weg dahin war schon immer hart, aber man brauchte zwingend alle Bonbons und andere Items, um da zu bestehen.

    Btw.: Wie cool ist es eigentlich, durch das Essen von Bonbons Lebensenergie zu gewinnen? :D

  3. Steht bei mir auch ganz weit oben in der Top-Liste. Unfair fand ich Secret of Mana nie, ich war allerdings damals schon so der Level-Typ und habe mich in die härteren Bereiche eher gewagt, nachdem ich stundenlang Zauber- und Waffenlevel gepusht hatte.

    Schwächen hat das Spiel wenige: Am ehesten die miserable KI der MItspieler, wenn sie vom Computer gesteuert werden, sowie die Übersetzungsprobleme, die es mitunter gar nicht so leicht machen, herauszufinden, wie denn nun die nächste Aufgabe aussieht. Ansonsten ein großartiges Spiel aus einer großartigen Ära.

  4. Keiner bewundert mein Gif :( Hat mich bestimmt 3 Stunden meines Lebens gekostet.

    @Plor: klar, wenn man Aufleveln mag oder die Geduld eines Kindes hat, die ich damals hatte, ist das nicht unfair. Am Stück durchspielen kann man das Spiel nicht, geht man einfach durch und tötet jeden Gegner 1 Mal, kann man das nächste Areal niemals schaffen. Man sieht ja in meinem Video oben schön, wie viel selbst billige Gegner mit einem Schlag abziehen können.

  5. Tolle Wahl und ein wahres Meisterwerk. Ich hab es damals auch mit einem Freund komplett im Coop durchgespielt. Interessanterweise erinnere ich mich auch überhaupt nicht mehr daran, dass es schwer war. Allerdings war ich als Kind, im Gegensatz zu heute, extrem frustresistent.
    Woran ich mich aber umso besser erinnere ist das fantastische Intro und ganz besonders das Lied:
    http://www.youtube.com/watch?v=MMDZezWkYr8

    Bis heute mein meistgeliebter Videospielsong. Gänsehaut. Jedesmal.

  6. @pixelpinata: Ich weiß noch, dass ich damals rund 1-2 Wochen im vier Jahreszeitenwald verbracht habe und nur die Charaktere, deren Waffen und Zauber aufgelevelt habe. Macht man das so, ist es nicht schwer, aber aus heutiger Sicht macht das keinen Spaß mehr ;)

  7. Danke für die schönen Kindheitserinnerungen. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, dass ich das Spiel meinem Bruder aus den Händen gerissen hatte, wenn er mal nicht spielte. Und habe damit die Nächte um die Ohren gehauen…*hach*

    btw: Ein wunderschönes und liebevoll gemachtes GIF. d(^_^)b

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