Wir spielen mit Zügen und Waggons 1

Wir spielen mit Zügen und Waggons 1

Zerstörte Straßen, Bombentrichter, hinter mir rufen sich meine Feinde Befehle zu und über mir fliegen kreischende Geschöpfe, die jederzeit ihre tödlichen Krallen nach mir ausstrecken könnten. Ich ducke mich mit der Waffe im Anschlag hinter eine Mauer. Die bietet aber nur wenig Deckung. Schnell haste ich um die nächste Ecke und kann in einem zerbombten Zug Schutz suchen. In diesem Moment liebe ich den Zug. Ich habe Deckung von der Seite und von oben, alles wird gut.

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Es gibt viele Spiele, in denen Züge die Hauptrolle spielen, aber darum geht es hier nicht. Sicher habt Ihr auch schon einmal ein Videospiel gespielt, in dem ein Zug als Umgebungselement oder auch nur als schmückendes Beiwerk im Hintergrund vorgekommen ist. Ich nenne da nur »Crysis 3«, »Call of Juarez Gunslinger«, »Splinter Cell: Blacklist« oder allen voran »Metro 2033« oder »Metro Last Light«.

Züge gibt es in vielen Varianten und sie scheinen auch bei den Entwicklern ziemlich beliebt zu sein. Ein hohler Kasten, ein paar Fenster und Türen, Stuhlreihen, die mehrfach verwendet werden können, ein paar Räder drunter und schon ist ein Waggon fertig. Man braucht sich keine Gedanken um Witterungseinflüsse machen, denn Regen oder Wind gibt’s drinnen kaum. Nur die Beleuchtung und die Texturen müssen der jeweiligen Spielsituation angepasst werden.

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Muss ich meine Spielfigur einmal in einen Zug klettern lassen, dann ist der weitere Weg schon klar vorgezeichnet: Immer dem Gang nach. Da gibt’s kein Überlegen, welchen Weg ich nehmen soll oder ob ich vielleicht doch falsch abgebogen bin, auch der Dümmste läuft hier immer geradeaus. Die Leveldesigner freut’s, denn bei diesem eingeschränkten Bewegungsradius kann auf ablenkenden Schnickschnack verzichtet werden.

Ich denke, deshalb werden Züge auch gerne in Shootern eingesetzt. Ich sprinte in den engen Gängen den Gegnern nach, die sich wie ich immer wieder hinter Sitzen oder Türen vor einem gegnerischen Kugelhagel in Sicherheit bringen. Die Umgebung wird somit etwas aufgepeppt und ich habe nicht ganz so das Gefühl hier durch einen Schlauchlevel gejagt zu werden, denn das räumliche Grundkonzept des Zugs ist bekannt und wird von mir ohne Meckern akzeptiert.

Züge stellen mit ihrer variablen Länge auch eine ideale und natürliche Begrenzung meines Spielfelds dar. Die gleiche Funktion erfüllen natürlich auch Gebäude oder Zäune, das wäre ja auf die Dauer langweilig, also müssen eben ab und zu ein paar mehr oder weniger zerbeulte Waggons herhalten.

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Fahrende Züge bieten noch einmal ganz andere Möglichkeiten und haben ihren besonderen Reiz. Es gibt Spiele, bei denen ich mich über das Dach eines in halsbrecherischer Geschwindigkeit fahrenden Zuges entlang hangeln darf und das natürlich mit Feindkontakt. Dabei besteht immer die Gefahr eines Absturzes und diese doppelte Bedrohung steigert noch einmal die Spannung in den jeweiligen Szenen.

Züge bieten in Videospielen also auf vielfältige Art Abwechslung, deshalb achtet mal darauf, in wie vielen Spielszenen sie Euch begegnen.

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Auf ZwO Expertin für Stealth und Sneaky Games (ab und zu darf aber auch mal ein reinrassiger Shooter oder ein Horror-Spielchen dazwischen sein).

1 Comment

  1. Was manchmal noch dazu kommt, ist der Zeitfaktor. Man kann dem Spieler super vorgaukeln, er stünde unter Zeitdruck und müsse Mission XY schaffen, bevor der Zug irgendwo ankommt, explodiert oder sonst was. Ich hab gerade auch die Zug-Szene aus Star Wars: Shadows of the Empire im Kopf. Einfach stehen bleiben? Fehlanzeige. Man muss immer in Bewegung bleiben, nur um am Ende total erschöpft gegen den fast übermächtigen IG-88 kämpfen zu können. Ich habe es gehasst. Auch im C64-Klassiker North & South muss man auf einen fahrenden Zug aufspringen und trotz der Gegner auf dem Zugdach ganz nach vorne kommen, bevor die Zeit abläuft. Persönlich mag ich Züge in Videospielen aus genau den Gründen nicht. Zeitlimit: mag ich nicht. Beengte Räume und keine Ausweichmöglichkeiten? Mag ich nicht. Aber zumindest kann dann niemand von hinten kommen und alle Gegner sind vor einem.

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