Schrottwichteln: Greed – Black Boring 0

Schrottwichteln: Greed – Black Boring 0

Letztes Jahr bekam ich mit Driver Renegade für den 3DS zwar kein gutes Spiel, aber zumindest eins, dass mir zwei Stunden, die ich immer so für die Schrottwichtel-Sache einplane, keinen Totalausfall lieferte. Als ich das „Geschenk“ für dieses Jahr in meinem Steam-Postfach fand und einen ersten Blick auf die Store-Seite riskierte, schien es als wäre ich der sprichwörtlichen Kugel auch dieses Jahr knapp ausgewichen. Der gute Ralf ließ mir »Greed: Black Border« zukommen. Ein Indie-Action RPG in bester Diablo-Tradition vom österreichischen Entwickler ClockStone Software, das optisch nicht mal schlecht aussieht und konträr zur Steam-Gemeinde von einigen aus der englischsprachigen Fachpresse für gut befunden wurde.

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Im Universum von Greed kämpfen die fünf großen Erdkolonien, die ihre Allianz nach vielen Jahren der Zusammenarbeit aufgelöst haben, um Ikarium. Ein Metall, das als Treibstoff für alle modernen Raumschiffe genutzt wird und die ergiebigste Energieressource der fiktiven Zukunft darstellt. Als eins der Ikarium-Abbauschiffe ein Notsignal sendet, wird ein Elite-Soldat geschickt um die Sache zu untersuchen, in dessen Rolle ich als Spieler nun schlüpfe. Vorher darf ich mir noch eine von drei Klassen aussuchen, wobei ich zwischen einem Marine, einer Pyrotechnikerin und einem Sniper, der hier Plasma heißt, wählen kann. Ich entscheide mich für den Marine und docke mit meinem Shuttle an das defekte Raumschiff an.

Ein kurzes Bewegungstutorial später ballere ich mich durch Räume von Wachrobotern, die mich dank fehlender Sicherheitsautorisierung für einen Eindringling halten. Etwas später stößt die mittlerweile zombiefizierte Crew des Schiffs zum Reigen der Gegner hinzu. Ach, wie einfallsreich. Ein Linksklick auf den Boden bewegt meinen Helden – warum zum Teufel wurde der eigentlich alleine auf diese Mission geschickt? – durch die Räume, klicke ich einen Gegner an wird dieser angeschossen. Mit der rechten Maustaste kann ich eine sekundäre Fähigkeit auslösen, die ich genretypische aus einem Skillbaum wählen und verbessern kann. Aus welchen Gründen auch immer, schießt der Charakter selbst bei einem normalen Angriff aber nur eine einzige Salve, sodass die Kämpfe in eine reine Klickorgie ausarten, es sei denn ich halte Shift gedrückt, was mir freies Zielen und Dauerfeuer ermöglicht, mich aber unbeweglich macht. Das klingt erst mal nicht komplett falsch, ist aber in der Umsetzung leider absolut untauglich. Da keine der Klasse ein Nahkämpfer ist, halte ich die Gegner immer auf Entfernung. Dies erfordert natürlich, dass ich mich durch den Raum manövriere, um die Feinde hinter mir herzuziehen. Also linksklicke ich irgendwo hin, wobei ich dabei viel zu oft einen Gegner erwische und warten muss, bis die Schussanimation durchgelaufen ist. Klicke ich nicht aus Versehen einen Gegner an, erwische ich einen der unzähligen explosiven Ikariumtanks, die überall rumstehen und nicht nur Feinden, sondern auch mir Schaden zufügen. ARGH!

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Das Pathfinding setzt der unerträglichen Steuerung noch einen drauf. Ständig, wirklich ständig, bleibt mein Marine an irgendwelchen Ecken hängen, sodass ich mich wirklich kleinschrittig durch die Räume klicken muss, um von A nach B zu gelangen. Klick, Klick, Klick, Klick, Ahhhhh… schon wieder einen verf***ten Tank erwischt!

Wie das in einem Action-RPG so üblich ist, sammele ich von gefallenen Monstern Items und Kohle ein. Schließlich will man seinen Charakter ja verbessern und mit möglichst wertvollen, seltenen Gegenständen ausrüsten. Leider ist das Loot-System hier absoluter Murks. In meinen zwei Stunden des Anspielens fand ich größtenteils die gleichen Gegenstände immer und immer wieder. Einen Shop um das gesammelte Geld auszugeben fand ich nicht und – wenn ich das den Kommentaren bei Steam richtig entnehme – ist dieser, wenn man ihn denn mal findet, auch nicht sonderlich lohnenswert. Zu allem Überfluss ist das Mining-Ship – eine von drei Zonen/Dungeons – unglaublich lang und bietet kaum Abwechslung. Ständig stehe ich vor verschlossenen Schleusen, sammele eine Keycard nach der anderen und schieße mich dabei durch die immer gleichen Gegner. Die haben zwar ab und an Fähigkeiten oder bessere Waffen, stellen aber nie eine Herausforderung dar. Zwischendurch gibt es simple Bewegungs-/Geschicklichkeits-Puzzle, die völlig deplatziert wirken und mich eigentlich nur dank der miesen Steuerung hier und da das Leben gekostet haben.


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Eigentlich ist die Hack’n’Slay-Formel doch einfach, zumindest wenn man das Rad eh nicht neu erfinden will: Viel coolen Loot, bei dem ich bewerten und abschätzen muss, ob er mich verbessert, ein Skillsystem das mir auch WIRKLICH das Gefühl gibt stärker und fähiger zu werden und möglichst abwechslungsreiche, nicht zu lange Gebiete oder Dungeons und einige spaßige Gegner, bei denen ich mehr machen muss, als sie stupide durch den Raum zu kiten. »Greed: Black Border« fängt in der Hinsicht eigentlich vielversprechend an und die ersten zwanzig Minuten waren tatsächlich unterhaltsam. Leider passierte danach nichts Neues mehr und nach insgesamt zwei Stunden gab ich genervt von Steuerung und fehlender motivierender Inhalte auf. Das Ende des Schiffes erreichte ich in dieser Zeit nicht.

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Daniel (Redaktion) Job: Referendar Auf ZwO Experte für: Indie Games, Aufbau-Strategie, DotA 2 Hier holt sich Daniel Gaming-News: GameInformer Erstes Game: Super Mario Land 2 Liebste Games: Cities Skylines, Prison Architect, DotA 2, PUBG, Civilization Liebste Persönlichkeit der Branche: Braucht man die? Liebste Game-Figur: Meepo

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