Resonance: Benutze Kanonenhalteseil mit Gedächtnis 7

Resonance: Benutze Kanonenhalteseil mit Gedächtnis 7

Eigentlich bin ich ein verdammt ungeduldiger Zeitgenosse. So ungeduldig, dass ich lieber ganz knapp zum Bus gehe und so in Gefahr laufe ihn zu verpassen, als auch nur zehn Minuten mit Warten zu vertrödeln. Könnte aber auch einfach nur meine Verplantheit sein. So ist es dann doch verwunderlich, dass ich trotzdem total auf Point & Click-Adventures stehe, in denen man gerne mal länger irgendwo festhängt.

Am liebsten sind mir die Klassiker. Aktuellere Titel habe ich wenige gespielt. Keins konnte mich so in seinen Bann ziehen wie ein »Monkey Island«, »Day Of The Tentacle« oder etwa das von Adventure Soft entwickelte »Simon The Sorcerer«.

Mit »Resonance« erschien kürzlich aber ein Titel, der es schaffte, mich sofort zurück in die Neunziger zu katapultieren.

»Resonance«, vom New Yorker Indie-Entwickler Wadjet Eye, ist ein moderner Detektiv- bzw. Verschwörungsthriller, erzählt im Gewand eines (fast) klassischen Adventures. Diese Kombination funktioniert tatsächlich ziemlich gut. Mit gleich vier steuerbaren Hauptcharakteren liegt es an mir, den mysteriösen Tod eines Physikers aufzuklären, der an einer neuen, bahnbrechenden Technologie gearbeitet hat, die der Menschheit Nutzen, aber auch Schaden bringen könnte.

Während ­der Prolog noch alle Charaktere einzeln vorstellt, laufen zu Beginn des ersten Akts die Handlungsstränge zusammen und ich darf jederzeit zwischen den vier Charakteren wechseln. Die Idee der multiplen Helden ist sicherlich nicht neu, kommt aber in einigen Rätseln sehr gut zum Einsatz. Muss ich beispielsweise in einen Polizeicomputer eindringen, mache ich das mit Ray, dem investigativen Blogger, da dieser in Besitz eines Passwort-Crackers ist, während ich mit Detective Bennet die Kollegen auf der Wache ablenke. Für einige Rätsel gibt es zudem verschiedene Lösungswege.

Langzeit- und Kurzzeit-Gedächtnis

Dies ergib sich u.a. durch ein erweitertes Inventar- bzw. Dialogsystem, welches mir so bisher in keinem Adventure untergekommen ist. Neben dem klassischen Inventar hat jeder der Protagonisten ein long-term memory (LTM) und ein short-term memory (STM). In Letzterem kann ich als Spieler per Drag & Drop alles ablegen, was einen Hotspot hat, sprich untersuchbar ist. In Dialogen kann ich andere Personen nach den dort abgelegten Sachen befragen oder mit gefundenen Beweisen konfrontieren. An dieses System musste ich mich zunächst gewöhnen. Nachdem ich aber einige Male an Orte zurücklaufen musste, begann ich, die Spielmechanik pflichtbewusst wie ein guter Detektiv zu nutzen. Das Langzeitgedächtnis hingegen wird automatisch mit Erinnerungen gefüllt, die oft Indizien und Tipps für Rätsel beinhalten und ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind.

Die einzige Schwäche von »Resonance« ist die etwas zu große Freiheit im Mittelteil. Hier stieß ich eher zufällig auf den richtigen Lösungsweg. Ein wenig mehr Führung wäre an dieser Stelle nicht schlimm gewesen.

Pixel-Noir

Grafisch ist »Resonance« eine klare Hommage an die von mir erwähnten Klassiker. Die charmante Pixeloptik sorgt für das nötige Retrofeeling und auch die Intonierung ist mehr als fantastisch gelungen. Die Dialoge wurden komplett vertont, und mit Logan Cunningham, der den Erzähler im letztjährigen Überraschungshit »Bastion« sprach, hat man für die Rolle des Detective Bennet sogar eine kleine Größe akquirieren können. Auch die musikalische Untermalung trägt zum Spielgefühl bei. Die passt nämlich immer zu Szenen und Stimmung: Während ich im Krankenhaus mit ruhigem Fahrstuhljazz beschallt werde, erzeugt die Musik in einem Hinterhof eine düstere Film-Noir-Atmosphäre.

»Resonance« konnte mich sofort in seinen Bann ziehen, da es clevere Rätsel und eine verdammt spannende Story bietet – und im Gesamtpaket ein sehr rundes Adventure ist. Für den schmalen Preis von 10$ macht niemand, der gern mal ein Point & Click anfasst, etwas falsch.


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7 Comments

  1. Klingt äußerst interessant, einzig missfallen mir die Hintergrundgrafiken, die sich immens von den Pixel-Chars zu unterscheiden scheinen – oder hab ich da nen Knick in der Optik?

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