Layers of Fear: Höllenfahrt durch eine kranke Psyche 1

Layers of Fear: Höllenfahrt durch eine kranke Psyche 1

Vorsichtig öffne ich eine Tür und betrete einen schummrig beleuchteten Raum. Die Einrichtung kommt mir irgendwie bekannt vor, ich kann aber trotzdem nicht mit Sicherheit sagen, ob ich hier schon einmal gewesen bin. Zu oft habe ich schon Türen geöffnet, zu oft bin durch lange Gänge gelaufen und habe mich in immer neuen Räumen umgesehen, bis ich den Überblick über meinen aktuellen Aufenthaltsort vollständig verloren hatte. Fratzen starren mich aus düsteren Bildern an, die überall an den Wänden hängen. Ein knisterndes Kaminfeuer kann die beklemmende Atmosphäre auch nicht wirklich verbessern. Ich öffne hier und da einen Schrank oder eine Schublade, finde ein verblichenes Foto, wohl aus glücklicheren Tagen, und lese einen Brief, dem ich wieder ein paar Details zur Tragödie entnehmen kann, die in diesem weitläufigen Herrenhaus stattgefunden haben muss.

Layers of Fear

»Layers of Fear« entführt mich in die labile Psyche eines begnadeten Malers, der auf Grund verschiedener Schicksalsschläge und erhöhtem Alkoholkonsums dabei ist, seinen Verstand zu verlieren, bzw. schon verloren hat. Grauenhafte und albtraumhafte Visionen begleiten mich auf meinem Weg durch die Räume des riesigen Anwesens, angetrieben vom Ehrgeiz, ein letztes Meisterwerk zu schaffen. Bin ich nur ein Beobachter, der versucht, das Geschehene zu begreifen? Oder befinde ich mich im kranken Hirn des Malers und verfolge den Verfall meines eigenen Verstands? Die Grenzen verschwimmen hier und sowohl die Umgebung, als auch die Visionen werden im Laufe des Spiels immer surrealer und erschreckender.

Layers of Fear 01Ich hatte mich im Vorfeld gar nicht so intensiv mit dem Inhalt beschäftigt und hatte daher eigentlich ein schönes Survival-Horrorspiel erwartet. Deshalb war ich etwas anfangs etwas enttäuscht, dass der Schwerpunkt hier auf der Erkundung liegt. Die Enttäuschung hat sich aber bereits nach wenigen Spielminuten gelegt. Obwohl narrative bzw. Erkundungsspiele nicht so mein Fall sind, hat »Layers of Fear« es geschafft, mich von Anfang bis Ende zu fesseln und mich zahllose Schränke und Kommoden auf der Suche nach Anhaltspunkten zur Hintergrundstory durchsuchen lassen. Es wurde nie langweilig, denn die einzelnen Visionen sind gut gemacht und platziert und der Horror kriecht einem sofort den Rücken hoch und lässt die Haarwurzeln ganz gut prickeln. Ein paar bereitgelegte frische Unterhosen können auf keinen Fall schaden.

Das Spiel schubst mich mit dem Motto „Erwarte das Unerwartete!“ durch die Story. Türen, die eben noch fest verschlossen waren, stehen plötzlich einen Spalt offen, Umgebungen ändern sich, sobald man nur kurz den Blick abwendet. Laufe ich zurück, lande ich wieder in anderen Räumen als in dem, durch den ich mich gerade eben noch schlotternd durchgearbeitet habe. Ich kann mich auf nichts mehr verlassen was ich sehe. Alles kann sich im nächsten Augenblick ändern und wenn jemand zu einem sagt „Sieh dich nicht um!“, dann hält man sich da verdammt nochmal dran!!!!Layers of Fear 03

Auch ein paar wenige, wenn auch nicht herausfordernde, Puzzles lockern das Spiel zusätzlich auf und lenken etwas vom Grusel ab, der einen aber gleich darauf wieder umso heftiger packt.

Die Grafik ist bis auf wenige Ausnahmen einmalig realistisch und fasziniert von Anfang an. Auch der Soundtrack wird geschickt eingesetzt, um bestimmte Situationen stimmungsvoll zu untermalen und die Horror-Atmosphäre noch zu verstärken. Leider wurde auf den Einsatz der Controllervibration verzichtet (oder ich habe das aus Versehen ausgeschaltet?), was manche Schreckmomente doch noch etwas hätte verstärken könnte. Natürlich fehlen auch ein paar Jumpscares nicht, die sind aber klug eingesetzt. Leider bin ich aber zum Ende hin dann doch etwas dagegen abgestumpft, ein Zeichen für mich, dass hier weniger sicher mehr gewesen wäre. Trotzdem lässt »Layers of Fear« kaum noch Wünsche offen, wenn jemand nach einem Psycho-Horrorspiel sucht.

»Layers of Fear« ist kein langes Spiel. Ohne mich zu sehr zu beeilen war ich doch in etwas über 3 Stunden durch, was mir aber durch die teilweise ziemlich beklemmenden Situationen viel länger vorkam. Ich denke aber, die Länge wurde optimal gewählt, denn auch die fesselndsten Spiele werden mit der Zeit langweilig, wenn sich Aufgaben, Umgebungen oder Situationen zu sehr ähneln. Jeder muss allerdings selber wissen, ob er bereit ist, für diese doch relativ kurze Spielzeit 15-20 Euro auszugeben. Ich hätte wahrscheinlich auch erst einmal gezögert und abgewartet, wenn ich das vorher gewusst hätte. Trotzdem ist es ein sehr gelungenes Horrorspiel, das wirklich alle Register zieht und eine einmalige Albtraumatmosphäre erzeugt. Definitiv eine Empfehlung für alle Freunde dieses Genres.

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Auf ZwO Expertin für Stealth und Sneaky Games (ab und zu darf aber auch mal ein reinrassiger Shooter oder ein Horror-Spielchen dazwischen sein).

1 Comment

  1. Erstmal bin ich erleichtert um meine Nerven, dass du die gleiche Ansicht zum Spiel wie ich hast. Gerade habe ich ziemlich reißerische Reviews gelesen, die Layers of Fear meiner Meinung nach absolut nicht gerecht werden. Hinzu kommt bei dir aber auch der wirklich angenehme und unterhaltende Schreibstil.

    Ich hab Layers of Fear erst vor kurzem durchgespielt (nach einer Stunde Spielzeit brauchte ich erstmal 1-2 Wochen Erholung). Habe insgesamt auch etwas länger für das Spiel gebraucht… Pro Story-Collectible etwa eine Stunde, also gegen Ende hin sechs Stunden. Aber innerhalb dieser kurzen Zeit bekommt man einfach eine unglaubliche Story geboten, wenn man sich darauf einlässt. Neben The Evil Within ist Layers of Fear storymäßig wohl das Beste, was mir in letzter Zeit untergekommen ist. Noch jetzt bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an die Geschichte des Künstlers, seiner Familie und das Spiel an sich zurückdenke. Es ist einfach grandios geschrieben.

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