Kholat – Irrungen und Wirrungen im Schneesturm 0

Kholat – Irrungen und Wirrungen im Schneesturm 0

Es ist Sommer hier im Süden der Republik. Die Sonne brennt vom Himmel und das Thermometer zeigt über 30 Grad. Da kommt es gerade recht, dass ich Gelegenheit bekomme, »Kholat« zu spielen, denn dieses Spiel entführt mich in eine Welt voller Eis und Schnee und sollte für eine Weile für zumindest virtuelle Abkühlung sorgen.

»Kholat« beruht auf einer wahren Begebenheit, wie mir schon gleich in der Vorgeschichte des Spiels erklärt wird. Hierbei handelt es sich um das „Unglück am Djatlow-Pass“ im Ural (auch nachzulesen bei Wikipedia), bei dem neun Skiwanderer auf mysteriöse Weise ums Leben kamen. Die Leichen, die später gefunden wurden, wiesen keine Kampfspuren aber innere Verletzungen und schwere Knochenbrüche auf. Da die Ursache der Todesfälle nicht ermittelt werden konnte, wurde das Gebiet für mehrere Jahre gesperrt.

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Und hier beginnt dann auch das kalte Abenteuer in das ich geschickt werde. Ich soll das weitläufige Gebiet untersuchen und eventuell noch vorhandene Hinweise suchen, die die seltsamen und tödlichen Vorkommnisse aufklären sollen. Dazu steige ich in einer verschneiten Stadt aus einem Zug und stapfe dann durch den Schnee, meiner zweifelhaften Aufgabe entgegen.

Wer die Grafik von »The Vanishing of Ethan Carter« grandios fand, wird auch an »Kholat« seine Freude haben. Die Umgebung ist liebevoll und detailreich gestaltet und es bieten sich mir immer wieder grandiose und überraschende Ausblicke, während ich mir meinen Weg durch mehr oder weniger tiefen Schnee bahne. Sogar meine Fußspuren kann ich noch eine Weile hinter mir im Schnee erkennen, bevor dicke Flocken und der heulende Wind sie wieder verschwinden lassen.

Das ausgewiesene Gebiet, das ich durchsuchen soll, ist weitläufig und ich bin nur mit einer mageren Karte und einem Kompass unterwegs. Wer meine Orientierungsfähigkeiten in Videospielen kennt, der weiß, dass ich hier zunächst relativ planlos im Zielgebiet unterwegs bin, denn eigene Position wird auf der Karte nämlich nicht angezeigt. Einziger Orientierungspunkt ist ein Zelt, das auf der Karte vermerkt ist. Von hier aus laufe ich dann mit Hilfe des Kompasses mal in die eine oder mal in die andere Richtung, folge steinigen und verschneiten Wegen, turne über waghalsige Brücken oder untersuche schummerige Höhlen. Ab und zu finde ich Tagebuchseiten oder anderes Dokumentationsmaterial, das langsam Licht in das Dunkel der Geschichte bringt.

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Deshalb hier auch gleich eine (nicht ganz ernst gemeinte) Warnung: Wer nicht mit Karte und Kompass umgehen kann, wird sich bald in diesem riesigen Gebiet hoffnungslos verlaufen und die Lust an diesem Spiel verlieren. Es hilft hier ungemein, eine solide Pfadfinderausbildung vorweisen zu können.

»Kholat« wird als Horrorspiel beworben, was meiner Meinung nach aber etwas irreführend ist. Es gibt einige unheimliche Begegnungen und eine gewisse gruselige Spannung wird aufgebaut, wer aber ein wirkliches Horror-Spiel erwartet, der wird sicher enttäuscht werden. Es handelt sich bei »Kholat« eher um ein narratives Spiel mit einer mystischen und etwas unheimlichen Winteratmosphäre. Rätsel gibt es leider keine, ich schleppe auch kein Inventar mit mir herum und die einzige Herausforderung ist, hier nicht die Orientierung zu verlieren. Trotzdem bleiben auch am Ende noch viele Fragen offen und ganz aufklären kann ich die Vorgänge nicht.

Ich musste wieder einmal feststellen, dass mir narrative Spiele nicht besonders liegen und in diesem Fall ist es, jedenfalls für mich, besonders nervig noch stundenlang über verschneite Berghänge zu laufen, ohne dass etwas passiert oder Geschicklichkeitsaufgaben zu bewältigen sind. Zugegeben, die Grafik und der Soundtrack verschaffen eine einzigartige Atmosphäre und wer narrative Spiele mit etwas Mystik mag, kann hier sicher in die Umgebung abtauchen, aber für meinen Geschmack war es etwas zu langatmig.

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Die Steuerung (gespielt wird mit Maus und Tastatur oder mit Controller) ist auf die wichtigsten Funktionen beschränkt und überfordert daher den geneigten Spieler nicht. Auch bezüglich anderer Spielelemente, wie z.B. die Menüsteuerung, gibt es nichts zu meckern. Alles funktioniert einwandfrei und flüssig, auch die Ladezeiten sind in Ordnung. Selbst speichern kann ich allerdings nicht und sollte ich einmal in eine Schlucht stürzen oder doch von mystischen Erscheinungen geschnappt werden, dann werde ich an der Stelle des zuletzt gefundenen Dokuments wieder abgesetzt.

Alles in allem ist »Kholat« ein sehr atmosphärisches Spiel, auf das man sich wirklich einlassen muss, um in dieser düsteren Geschichte zu versinken und die bombastische Grafik auf sich wirken zu lassen. Mit Kopfhörern und in einem abgedunkelten Raum wirkt es wohl am besten. Besonders lang ist das Spiel allerdings nicht, auch wenn man sich viel Zeit lässt, ist es nach 7 bis 8 Stunden durchgespielt.

»Kholat« wird derzeit für den PC und Mac ab ca. 12 EUR angeboten und über Steam aktiviert. Meinen persönlichen Geschmack trifft es leider nicht ganz, ist aber für Fans von narrativen Spielen sicherlich eine Kaufempfehlung.


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Auf ZwO Expertin für Stealth und Sneaky Games (ab und zu darf aber auch mal ein reinrassiger Shooter oder ein Horror-Spielchen dazwischen sein).

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