Geburtstags-Spezial: Mein erstes Videogame – Kristin 7

Geburtstags-Spezial: Mein erstes Videogame – Kristin 7

’nuff said.

Welch vertraute Musik für all unsere Ohren. Denn seien wir ehrlich: Jeder Mensch hat irgendwann in seinem Leben eine Begegnung mit dem blonden Jüngling in grün gemacht. Mein erstes Date mit einem Zelda-Spiel ist recht farblos ausgefallen und schon fast 15 Jahre her. Aber ich erinnere mich noch, als sei es gestern gewesen:

Weihnachten 1995 bei meinen Großeltern. Tiefstes Sauerland, überall Schnee. Der riesige Tannenbaum mit dem stilvollen beigen Baumschmuck, den ich immer so mochte. Ich war 8 Jahre alt und so unschuldig, dass ich mir niemals hätte erträumen können, was mich an diesem Abend erwarten sollte. Bis ich mein erstes Päckchen auspackte und einen Bauklotz meiner Zukunft in den Händen hielt – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das Beste: Mein Game Boy war grün, irgendwie passend zum Fest. Und am liebsten hätte ich direkt damit gespielt, wie das für Kinder an Weihnachten so üblich ist. Pustekuchen: Mein Vater hat sich mein neues Spielzeug samt Mickey’s Dangerous Chase, Tetris, Super Mario Land und The Legend of Zelda: Link’s Awakening direkt unter den Nagel gerissen und stundenlang (na gut, es war wohl etwa eine Stunde) damit gespielt. Sehr wahrscheinlich hätte meine Mutter meinem Vater auf die Finger gehauen, wenn er sich eine Konsole für seinen eigenen Spaß gekauft hätte. Aber hey, immerhin durfte ich über die Schulter gucken und meine ersten eigenen Spiele bestaunen.

Als ich endlich an der Reihe war, musste ich natürlich alle vier Titel in der Kurzversion anspielen um schnell zu bemerken, dass mich Tetris im Kindesalter noch kalt ließ, mir die Bulldoggen in Mickey’s Dangerous Chase mächtig auf den Zeiger gingen und man in Super Mario Land nie gewinnen konnte. Die kleine Cartridge mit dem Windfisch hingegen konnte mich von der ersten Sekunde an bezaubern. Besonders das Opening (siehe oben) hat sich direkt in mein Ohr, Auge und Herz gebrannt. Und auch die isometrische Ansicht und die einfache Steuerung des Spiels konnten mir sofort gefallen. Das einzige Problem: In meinen jungen Jahren fehlte es mir deutlich an Erfahrung mit Videospielen – und so hielt ich mich lange Wochen nur im Startdorf Cocolint auf, redete mit den Bewohnern und wechselte Bildschirme, um das abgehackte Gras neu wachsen zu sehen. Ich bin ehrlich zu euch: Ich war schlichtweg zu doof, das Schwert und den ersten Dungeon zu finden.

Bis ich eines Tages mit meiner Familie in den Urlaub nach Dänemark gefahren bin, natürlich mit meinem grünen Game Boy in der Tasche. Eigentlich wollte ich eine brave Tochter sein und regelmäßig vom Ferienhaus mit an den Strand gehen. Als sich aber meine Geschwister dazu entschieden, sich kontinuierlich mit meinen Eltern zu zanken, verhalf mir Eskapismus am virtuellen Strand (in diesem Falle Zimmertür zu, Tür abschließen, Decke über den Kopf, Game Boy an) zu meinem ersten Schwert. Den Rest des Urlaubs konnte ich übrigens voller Freunde und ohne Schmollen verbringen, denn ich war natürlich stolz wie Oskar. Dabei hatte ich noch so viel vor mir.

Ob mich The Legend of Zelda: Link’s Awakening geprägt hat? Hell Yes! Es hat mich zu der Art von Videospielerin gemacht, die ich heute bin: Aufgrund meiner so wundervollen Game Boy-Vergangenheit, greife ich immer wieder gern zur mobilen Konsole und kann nicht verstehen, warum Handhelds so unterschätzt werden. Links Abenteuer hat mir außerdem gezeigt, dass Grafik für mich immer zweitrangig war und zweitrangig bleiben wird. Welches Game beweist uns eindrucksvoller, dass Spielmechanik, Story und Charakterstärke die wirklich tiefgreifenden Elemente in Videospielen sind? Richtig. Link’s Awakening ist eine einzigartig zeitlose Schönheit, die ich immer und immer wieder spielen kann und die signifikant zu meinem Herzschlag beiträgt.

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Kristin Knillmann (Projektleitung, Gast-Redaktion) Job: High5-Mädchen, Redakteurin GameStar/GamePro

7 Comments

  1. Immer diese Bonzenkinder hier im Team :-P Ein Game Boy + 4 Spiele, das wären bei mir mindestens 5 Weihnachtsfeste gewesen. 1 Spiel zu Geburtstag oder Weihnachten, das war aber auch schon das Äußerste. Ich weiß, ich weiß, eine Runde Mitleid für mich. ;-)

  2. ich hab’s auch gezockt bis zum abwinken :D ich hatte damals Zelda und Mystic Quest gleichzeitig geschenkt bekommen. Das war so ein abgefahren geiler Action-Adventure-Rollenspiel Kick – mich hat’s umgehauen und definitiv ebenso geprägt ;)

  3. Oh ja, da kann ich mitfühlen! Awakening habe ich mit meinem Bruder JAHRELANG gespielt. Allerdings hatten wir von Anfang an den Anspruch, die Geschichte irgendwann auch mal aufzulösen. Da mussten wir ab und zu mal einen lieben Brief an Super Mario vom Nintendo Club schreiben, um ihn um Hilfe zu bitten. Der hat uns dann einen lieben Brief zurückgeschrieben und einen Stapel Kopien des offiziellen Lösungsbuches dazugelegt ;D
    …das waren Zeiten!

  4. Schöner Artikel, Kristin.

    Ich kann’s nur zu gut nachempfinden, was Link’s Awakening (damals mit quasi nicht vorhandenen Kenntnissen englischer Ausprache noch schön „Awwa-Kenning“ ausgesprochen) betrifft, auch wenn’s bei mir schon zum Release im Dezember ’93 soweit war.

    Bei weitem nicht mein erstes Handheld-Game, allerdings (immer noch) eines der besten wie atmosphärischsten; auch wenn wohl viel kindliche Nostalgie mitspielt, gehöre ich ja immer noch zu den wenigen Leuten, die OoT NICHT als den besten ZELDA-Teil ansehen – dieser Titel geht für mich an das Duo ALttP sowie eben Link’s Awakening.

    Alle Muscheln zu finden und einzutauschen, alles mit dem Flammenstab niederzubrennen oder einfach nur die Ballade des Windfisches (vielleicht eines der ganz großen, unvergessenen und melancholischen Themes) zu spielen, hatte schon etwas für sich.

    Auch wenn mich die Rätsel im Eagle’s Tower damals NUR genervt haben…

  5. Oh ja Links Awakening. Das waren noch Zeiten. Ich hatte zuerst auch nur einen Gameboy, in weiß, damals gab es ja noch nix anderes und erst viel viel später das SNES. Ich spiele auch heute noch sehr viel auf dem Handheld, tendenziell – aus zeitlich-organisatorischen Gründen – auch mehr als mit normalen Konsolen oder am PC.

    Links vierter Teil war zwar nicht mein erstes Gameboyspiel, aber eins meiner liebsten. Die Story, die Charaktere, die Musik und überhaupt das ganze Spiel waren für mich als Kind geradezu episch und haben mich von Anfang an verzaubert. Und es ist auch bei mir eins der wenigen Gameboyspiele die ich heute auch noch gerne mal spiele (allerdings auf dem GBA) da dass Spiel ja – wie schon bemerkt – zeitlos schön ist, dass man es immer mal wieder einlegen mag.

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