Donkey Kong Country 3: David entdeckt seine verlorene Geduld wieder 3

Donkey Kong Country 3: David entdeckt seine verlorene Geduld wieder 3

Ich bin ein sehr geduldiger Mensch, ich rege mich so gut wie nie auf und bleibe (fast) immer ruhig.
Ich bin aber ein sehr ungeduldiger Spieler und bin extrem schnell frustriert in Videogames.
Das war aber nicht immer so. Oft blicke ich auf meine Videospielerinnerungen zurück und bin selbst erstaunt, wie geduldig ich damals war. Klar, als Kind spielt man immer anders, ganz unabhängig vom Medium. Man kann Dinge tausendfach wiederholen, ohne das Interesse oder die Nerven zu verlieren. In den letzten Jahren hat sich das bei mir stark geändert. Ich weiß nicht, ob es damit zusammenhängt, dass ich immer weniger Zeit habe; vielleicht habe ich auch dank den Ablenkungen des Internets ein gewisses Aufmerksamkeitsdefizit entwickelt. Heutzutage kann ich mich schwer lange auf eine Sache konzentrieren und wenn es um Videospiele geht, verliere ich auch fix die Lust. Ganz besonders, wenn es ein schwieriges Spiel ist. Klappt eine Stelle nach 2-3 Versuchen nicht, landet das Spiel oft komplett in den hintersten Reihen meines Regals und wird nie wieder hervorgeholt. Vielleicht gibt es auch einfach zu viele Spiele oder generell zu viele Ablenkungen, als dass ich unnötig viel Zeit auf ein einzelnes Spiel verschwenden möchte. Denn früher war ich dazu gezwungen, geduldiger zu sein. Das neuste Spiel war ein Fehlkauf? Pech gehabt, es gibt frühestens in einem halben Jahr ein neues, spiel das oder spiel gar nichts. Da kämpft man sich dann auch gerne 50 Mal durch ein Loren-Level in Donkey Kong Country, musste man ja, wenn man weiterspielen wollte und was anderes gabs nicht. Wie so oft, wenn es ein Überangebot gibt, sinkt das Interesse an den einzelnen Dingen, zumindest war das bei mir immer so. Irgendwann fiel diese Einschränkung bei Spielen weg, ich hatte mehr Geld, Spiele wurden getauscht oder sogar – hab ich mal gehört – kopiert. Damit ging mir die Fähigkeit, mich richtig in einem Spiel fest zu beißen und schwierige Stellen als angenehme Herausforderung anzusehen, komplett verloren. War eine Stelle schwierig, gab es 20 andere Spiele, die ich ausprobieren konnte.

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Jetzt erschien vor ein paar Tagen der SNES-Klassiker »Donkey Kong Country 3: Dixie’s Double Trouble« für Nintendos Virtual Console auf dem DS/3DS und da ich die ersten beiden Teile geliebt, den dritten aber nie gespielt hatte, landete der Affen-Platformer umgehend auf meinem 3DS. Meine Vorfreude verwandelte sich schnell in Frust. Ich fand das Spiel nicht gut umgesetzt, die schlechte Auflösung, die man bei einem am TV angeschlossenen SNES gerne verzeiht – man sitzt ja relativ weit weg – fiel mir extrem negativ auf und ich fand viele Stellen nicht nur zu schwer, sondern regelrecht unfair. Da wäre beispielsweise das Level „Flotte Fluss-Flitzerei“, wo die Kongs von einem bösen Buzz-Schwarm verfolgt werden. Oft müssen sie ins Wasser springen und auf der anderen Seite wieder raus, bevor der Schwarm sie eingeholt hat. donkey_kong_country_3_levelDoof nur, wenn das Ufer zu hoch ist und ich fast immer mehrere Versuche brauche, um aus dem Wasser zu kommen. Das ist frustrierend und wirkt unfair, scheint es doch wie eine willkürliche Schwierigkeit, die das Spiel nicht interessanter oder besser macht, sondern nur den Spieler ärgern will. Da hatte ich schon keine Lust mehr, doch im Internet sah ich, dass DKC3 damals durchweg positive Kritiken bekommen hatte und stets als „schwer, aber nie unfair“ bezeichnet wurde. Das weckte meinen Ehrgeiz, also blieb ich dran. Nun gut, ich hab ein Level häufig 4-5 Mal versucht, den DS wütend ausgeschaltet, es ein paar Stunden später erneut versucht, wütend ausgeschaltet, am nächsten Tag dasselbe, Level geschafft, gefreut, nächstes Level und derselbe Frust wieder von vorne. Mit einem Cheat kann man sich 50 Leben ergaunern, die waren bei mir nach 3 Leveln wieder komplett futsch.

Nach Beendigung eines Levels stellte sich eine Befriedigung ein, die ich seit Jahren nicht mehr bei Videospielen erlebt habe. Sie hält immer nur kurz an, da jedes Level mit einer neuen Gemeinheit aufwartet, dennoch, ich bin lange nicht mehr so an einem Spiel dran geblieben. Der Titel dieses Artikels ist vielleicht irreführend, geduldiger bin ich nicht, aber ich gebe momentan nicht so schnell auf, ich bleibe dran. Hab ich bei »Donkey Kong Country Returns« (Wii) nicht gemacht, bzw. da kam der goldene Kong und half mir durch die Level, ich hatte einfach keine Lust auf 20 Versuche pro Level. Mittlerweile bin ich zur Hälfte durch und bin guter Dinge, dass ich durchhalten werde. Auch wenn ich mir gerade zwei alte Zelda-Games auf die Virtual Console geladen habe, die gespielt werden wollen. Aber dieses Mal nicht, ein neues Spiel wird erst gestartet, wenn das alte durch ist!

(Das sollte ich mir jetzt auch noch für Bücher und Serien angewöhnen, dann ist alles super.)

Spielt ihr auch immer fünf Spiele gleichzeitig und gebt eins auf, sobald es schwierig wird, oder beendet ihr alles und zockt am liebsten Super Meat Boy mit verbundenen Augen, während ihr mit den Füßen zwei Rubik’s Cubes löst?

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Mit-Gründer von Zockwork Orange, Casual Gamer, Assassin's-Creed-Fanboy, Hyrule-Retter. Beendet Spiele oft nicht, schreibt trotzdem drüber.

3 Comments

  1. Mittlerweile versuche ich schon noch, angefangene Spiele auch immer zu beenden. Ein knackiger Schwierigkeitsgrad frustet mich da eigentlich nur, wenn ich bei jedem neuen Versuch wieder viel wiederholen muss bis ich wieder an der Stelle bin. Alte Games wie Donkey Kong oder Mario haben erst eine Sterbeanimation, einen Tod-Screen in der die verbleibenden Leben angezeigt werden und dann wieder den Anfang des Levels der nochmal gespielt werden will.
    Deswegen ist Meat Boy auch so super, da startet man ja sofort(!) wieder neu und ist binnen weniger Sekunden wieder an der schweren Stelle.

    Mehrere Spiele gleichzeitig eigentlich nur „pro Bildschirm“, also unterwegs am 3DS spiele ich auch etwas, wenn ich zuhause am PC oder der Konsole einen anderen Titel verfolge. Aber mehrere Spiele auf der gleichen Konsole eigentlich nie. Da siegt dann doch die Faulheit weil ich nicht staendig die Discs wechseln will :D

  2. Erinnert ihr euch an das erste Driver? Da gab es, bevor das eigentliche Spiel begann, eine Mission in einer Garage, in der man zeigen konnte, ob man überhaupt fahren konnte. (https://www.youtube.com/watch?v=TTUzYJJFmgw) Wochenlang habe ich mir an dieser einen Mission die Zähne ausgebissen. Wie du beschreibst, David, Frustration, Ehrgeiz, Trotz, Scheitern, alles dabei. Irgendwann habe ich es geschafft. Ich habe das Spiel durchgespielt, aber ich erinnere mich an nichts so genau, wie an dieses erste Level. Ich habe für mich eine gute Mitte gefunden. Viele Spiele spiele ich durch, manche Zusatzmissionen lasse ich aber weg. Aber es gibt auch Dinge wie Supermeatboy, da verliere ich irgendwann die Geduld. Obwohl ich das mal wieder probieren sollte. Oder N-The way of the ninja. Oder Retry. Oder oder oder…

  3. @moep0r: gute Einstellung. Aber besonders in der „Branche“ will man ja mitreden können und dann fängt man irgendwann alle Spiele an, spielt in jede Demo rein und findet erst recht nicht die Zeit, Spiele zu beenden :D Ich spiele gerade seit 2 Monaten LEGO Dimensions, ein Glück wars kein Testmuster, sonst würde ich mich jetzt noch mehr schämen.

    @jahfaby: ist ja auch nicht immer schlimm, die Geduld zu verlieren. Es gibt auch Leute, die spielen ein Spiel (lesen ein Buch/gucken eine Serie/einenFilm) verbissen zu Ende, weil sie nicht aufhören wollen, weil sie immer alles beenden müssen. Aber wenn es tatsächlich keinen Spaß machen sollte, darf man auch abbrechen. Für manche fühlt sich das wie aufgeben an und dann quälen sie sich lieber. Ich hab sehr lange gebraucht, um bei Büchern zu dem Punkt zu kommen, wo ich sagen kann: „Nein, das gefällt mir nicht, dann muss ich mich da auch nicht weiter durchquälen, ich fang was besseres an.“ Aber wenn ein Spiel gut ist und dabei etwas schwer, darf man natürlich gerne etwas Geduld zeigen und dran bleiben.

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