Angespielt: Micky Epic 0

Angespielt: Micky Epic 0

Schon vor einer ganzen Zeit habe ich Disney’s Micky Epic (Epic Mickey) in die Wii gelegt, dazu geschrieben habe ich bis jetzt nichts. Warum? Nun, Reviews schreibe ich normalerweise nur, wenn ich ein Spiel komplett durchgespielt habe und dazu konnte ich mich bei Micky Epic einfach nicht bewegen. Eigentlich habe ich es gar nicht lange genug gespielt, um ein Review zu schreiben.

Aber von vorne: Ende 2009 gingen Bilder und Gerüchte zu Epic Mickey durch die Blogs und es sah verdammt gut und neu aus, was Warren Spector (System Shock, Deus Ex) mit Entenhausens berühmtester Maus geplant hatte. Düster und gruselig sahen die Artworks aus, garniert mit einer Prise Steampunk. Aus irgendeinem Grund musste Spector aber von seinem ersten Konzept abweichen und was wir dann auf der gamescom 2010 zu sehen bekamen, war eine stark entschärfte Version dessen, was wir (i.e. die erwachsenen Spieler) erwartet oder sogar erhofft hatten. Gut sah es aber trotzdem aus, deshalb musste ich es natürlich spielen. Zwar mochte ich Micky nie besonders – ich lese lieber Geschichten mit Donald und vor allem: Phantomias – aber als Wii-Besitzer kann man nicht immer so wählerisch sein.

Zur Story: Micky schläft nichtsahnend in seinem Bett, als er bemerkt, dass sein Wandspiegel mehr als ein bloßer Einrichtungsgegenstand ist: hinter dem Spiegel verbirgt sich eine ganze Welt. Micky findet dort den Magier Yen Sid („Disney“ rückwärts. Yen Sid war Mickys Meister in „Fantasia“, der Disney-Version von Goethes „Der Zauberlehrling“), der mit seinem magischen Pinsel eine Miniaturwelt entwirft: eine düstere und trostlose Welt, die längst vergessenen Figuren ein Zuhause bietet. Als Yen Sid seinen Arbeitsraum verlässt, spielt die neugierige Maus natürlich mit den Farben rum und verschüttet sowohl Farbe als auch Verdünner auf das Modell. Panisch flieht er zurück in seine Welt, doch seine Taten holen ihn ein und er wird durch den Spiegel in die Welt gezogen, die nun den wenig vielversprechenden Namen „Wasteland“ trägt. Dort trifft Micky auf Oswald (Oswald the Lucky Rabbit), der quasi die Vorlage zu Mickey Mouse war. Oswald ist seit jeher neidisch auf Mickys Berühmtheit und da er, wie alle vergessenen Figuren im Wasteland, kein Herz hat, verlangt es ihm nach Mickys Herz, mit dem er das Wasteland hinter sich lassen und wieder in die richtige Welt zurück kehren könnte.

Zum Glück ist Micky aber nicht ganz auf sich allein gestellt. Gremlin Gus erklärt der Maus mit der roten Hose das Wasteland und mit Yen Sids Pinsel rückt Micky den Gegnern und auch der Umgebung zu leibe. Er verteilt Farbe und Verdünner in der Welt und beeinflusst damit Einwohner und Gegenstände im Wasteland.

Was sich wie eine disneyfizierte Version von Super Mario Sunshine ohne Sonne anhört, ist im Grunde genau das. Mario ist auf einer Insel, die grellem Sonnenlicht ausgesetzt ist, Micky schlägt sich in dunklen Vergnügungsparks herum (einen Vergnügungspark gab es auch bei Super Mario Sunshine). Mario entfernt Graffitis mit seinem wasserspritzenden FLUDD, Micky kleckert mit seinem Pinsel alles mit Farbe voll. Leider verliert Micky Epic im direkten Vergleich mit seinem Klempner-Gegenspieler haushoch. Die Steuerung ist grauenvoll und verdirbt jeden Spaß, der möglicherweise beim Spiel aufkommen könnte. Micky Epic wird mit Wii Remote und Nunchuck gesteuert und benutzt dabei wirklich jede Taste, die zur Verfügung steht. Wenn man dann noch versucht, mit dem Steuerkreuz die (wirklich schlechte) Kamera zu drehen, während man nebenbei mit dem B-Trigger Farbe verteilt, wünscht man sich schnell wieder das gute alte Controllerdesign zurück. Das kann aber auch an mir liegen, ich komme generell nicht gut mit der Wii-Steuerung klar. An der schlechten Kamera ändert das aber auch nichts. In den wirklich schönen 2D-Passagen, die aus Szenen alter Disney-Filme bestehen und ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten bieten, hat die Kamera natürlich keinen negativen Einfluss und man sieht, wie ein gut gelungenes Jump ’n‘ Run mit Micky in der Hauptrolle ausgesehen hätte. Der 3D-Teil ist aber dann doch eher mäßig, zumindest in den ersten Stunden. Später kommt noch ein bisschen Interaktivität hinzu, zum Beispiel beeinflussen Entscheidungen den Spielverlauf minimal oder Bosse lassen sich umgehen.

Disney Micky Epic
Entwickler: Junction Point Studios
Publisher: Disney Interactive Studios
Erscheinungsdatum: bereits erschienen (25.11.2010)
USK-Einstufung: ab 6 Jahren freigegeben

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Micky-Fans und Liebhaber der alten Filme werden einige Szenen und Charaktere ein nostalgisches Lächeln auf die Lippen zaubern, rein vom spielerischen Aspekt ist Micky Epic leider kein Titel, den man unbedingt gespielt haben muss. Sollte man allerdings neben der Wii keine andere Konsole haben, lohnt es sich möglicherweise doch, diesem mediokren Action-Adventure eine Chance zu geben, vor allem wenn man Micky-Fan ist. Auf Xbox und PS3 gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit bessere Titel – vor allem mit besserer Steuerung – bei der Wii wäre ich mir nicht so sicher.

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Mit-Gründer von Zockwork Orange, Casual Gamer, Assassin's-Creed-Fanboy, Hyrule-Retter. Beendet Spiele oft nicht, schreibt trotzdem drüber.

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