Amiga-Luftgefechte angehübscht und aufgepeppt 0

Amiga-Luftgefechte angehübscht und aufgepeppt 0

Kleine, harmlose Sommerwölkchen tummeln sich vor mir am Himmel. Unter mir erstrecken sich grüne Wiesen, hier und da steht ein einsamer Baum und in weiter Ferne kann ich ein Gebirge erahnen. Mein Schal flattert lustig im Wind während ich meinen Doppeldecker in einer scharfen Rechtskurve weiter in die Höhe schraube um einen besseren Überblick zu bekommen. Etwas entfernt sehe ich dann auch schon eine kleine feindliche Maschine auf mich zufliegen. Schnell richte ich mein Fadenkreuz aus und mein Maschinengewehr bellt einen Kugelvorhang in Richtung Feind. Das kleine Flugzeug wird getroffen, bricht auseinander und die Trümmer trudeln brennend und qualmend Richtung Boden. Wieder habe ich eine Mission erfolgreich abgeschlossen und mich damit in der Rangordnung meines Geschwaders etwas nach oben gekämpft.

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Weil ich gerne mal ein Experiment wage und immer hoffe, dass mich ein Spiel positiv überrascht, das jetzt nicht zu meinen Standard-Genres zählt, probiere ich gerade »Wings! Remastered Edition« aus. Das Spiel wurde 1990 für Amiga konzipiert und ist somit nahezu 25 Jahre alt. Die Entwicklungsmannschaft von Cinemaware hat sich dieses alte Spiel vorgenommen und – über Kickstarter finanziert – für Windows, iOS und Android überarbeitet. Eine solche Überarbeitung trifft oft nicht auf Gegenliebe der eingefleischten Fans, aber ich denke das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Das Originalspiel kenne ich nicht, also werde ich hier keine Vergleiche anführen können, aber ähnliche Spiele gab es ja auch für den C64 und das kribbelnde Feeling von damals ist mir durchaus noch geläufig. Trotzdem habe ich mich ein wenig umgesehen und ein Video zum Originalspiel gefunden. Wer sich das einmal ansehen möchte, kann das hier tun.

Ich schlüpfe in »Wings! Remastered Edition« in die Haut eines alliierten Piloten im ersten Weltkrieg. Meine erste Befürchtung ist, dass es sich bei »Wings! Remastered Edition« um eine Art erweiterten Flugsimulator handeln könnte. Dann müsste ich nämlich wieder mal meine überragende Unfähigkeit bei der Bedienung von Simulatoren unter Beweis stellen. Aber ich werde positiv überrascht. Schon das Tutorial zeigt mir die Gutmütigkeit meines fliegenden Untersatzes und ich kann mich nahezu ganz dem turbulenten Kampfgeschehen und der Suche nach feindlichen Flugzeugen widmen.

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Lustige, ernste oder auch traurige Tagebucheinträge, die hier und da mit einem angegilbten Foto verziert sind, führen mich dabei durch die Wirren und Geschehnisse des ersten Weltkriegs. Bald tauchen in den Einträgen auch berühmte Namen wie z.B. Manfred von Richthofen auf, die, obwohl auf der feindlichen Seite kämpfend, doch irgendwie ehrfürchtig bewundert werden. Da wird dann auch schon einmal ein Kranz zu Ehren eines gefallenen Gegners über seinem Grab abgeworfen.

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Die Grafik wirkt vorsichtig überarbeitet, damit der Eindruck eines nostalgischen Spiels erhalten bleibt und das ist meiner Meinung nach gut gelungen. Aufwändigere Texturen würden das Spielerlebnis irgendwie verfälschen und auch unpassend wirken. Es wurde auch darauf verzichtet, zusätzliche Spielelemente einzubauen: Kein allwissendes Radar, keine zusätzlichen Gadgets, es gibt nur mich und meine Maschine. Lediglich das Kopfdrehen meines Protagonisten zeigt mir an, in welcher Richtung mein Ziel liegt. Und damit habe ich am Anfang auch die meisten Schwierigkeiten. Habe ich ein feindliches Flugzeug einmal aus den Augen verloren, kreuze ich eine ganze Zeit orientierungslos hin- und her, bis es wieder in meinem begrenzten Sichtfeld auftaucht. Viel anders wird es den damaligen Piloten aber auch nicht gegangen sein, aber mit der Zeit bekomme ich doch langsam ein gutes Gefühl für die feindlichen Manöver. Über die Optionen könnte ich auch rote Zielkreuze einstellen, die mir den Weg zu meinen wendigen Gegnern zeigen, dann werden die zahlreichen Kämpfe meiner Meinung nach aber zu einfach.

Steuern kann ich mit Tastatur, Maus oder Controller. Entgegen meiner sonstigen Vorliebe für den Controller, habe ich eine Kombination aus Maus und Tastatur gewählt. Ich denke, hier muss jeder selbst herausfinden, wie er am besten zurechtkommt. Die Steuerung fühlt sich authentisch an, nur bei den Tiefflugmissionen ist sie für meinen Geschmack etwas zu träge.

Bei den einzelnen Missionen wechseln sich Tiefflugmissionen mit Luftkämpfen ab, wobei eine Mission etwa zwei Minuten dauert. Hört sich jetzt kurz an, aber dafür gibt es 230 davon. Nach jeder Mission erhalte ich einen ausführlichen Bericht, in dem festgehalten wird, wie erfolgreich ich den Auftrag absolviert habe und wer dabei ums Leben gekommen ist. Obwohl die Kameraden nicht persönlich in Erscheinung treten, ist es traurig zu sehen, wie die Anzahl der tapferen Mitstreiter schrumpft. Meine eigenen spektakulären Abstürze werden derzeit eher durch einen Zusammenstoß mit herumfliegenden Trümmerteilen verursacht, als dass ich jemandem vor die Flinte fliege. Daran muss ich wohl noch arbeiten. Schön gemalte Zwischensequenzen zeigen mir dann mein rauchendes Flugzeugwrack und, weniger schön, meine eigene Beerdigung. Danach kann ich mit einem neuen Rekruten an der gleichen Stelle wieder einsteigen.

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Für meinen Geschmack ähneln sich die Missionen aber zu stark. Zwar ist mit der Zeit ein leichter Anstieg der Schwierigkeit festzustellen, aber wirklich anspruchsvoll sind sie nicht. Trotzdem setzt ein leichter Suchtfaktor ein und macht es mir Spaß hinter den Feinden herzukreisen und ich freue mich wie ein Schnitzel, wenn ich dann nach langer Hetzjagd wieder einen kleinen Flieger vom Himmel gepustet habe. Kleinere Nervenkitzel gibt es nur, wenn das eigene Bordgeschütz plötzlich Ladehemmung hat und ich von drei Feinden gleichzeitig attackiert werde. »Wings! Remastered Edition« ist ein Spiel, das ich nach einer kleinen Pause immer wieder gerne weiterspiele, was an der Einfachheit oder an nostalgischen Gefühlen liegen mag.

»Wings! Remastered Edition« ist nicht nur für Amiga- oder C64-Fans ein schönes, einfaches Gelegenheitsspiel trotz der etwas eintönigen Missionen und mit den über 200 Missionen wird wirklich reichlich Spaß geboten.


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Auf ZwO Expertin für Stealth und Sneaky Games (ab und zu darf aber auch mal ein reinrassiger Shooter oder ein Horror-Spielchen dazwischen sein).

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