Vertrackte Fantasie: 8 Gründe gegen Final Fantasy XIII-2 11

Vertrackte Fantasie: 8 Gründe gegen Final Fantasy XIII-2 11

Bevor der Shitstorm des Tages in den Kommentaren ausbricht, muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dass ich nie wirklich viel von der Final-Fantasy-Reihe gehalten habe. In meiner Kindheit hatte ich nie die Möglichkeit für große Berührung, Teil VII und VIII waren mir für den PC zu langweilig und Crisis Core fand ich nett, die PSP nur leider zu ungeil. Wenigstens habe ich mir nachträglich die Zwischensequenzen der letzte Hälfte auf YouTube zu Gemüte geführt. Final Fantasy XIII ist dann zwar insgesamt drei mal von mir gekauft worden, hat es aber nie länger als ein paar Stunden in der Konsole ausgehalten.

Jetzt hatte ich ein paar Tage die Gelegenheit, mir den neusten Sprössling aus Japan anzuschauen und tue mich nach wie vor sehr schwer, meinen Frieden mit Final Fantasy zu finden. Anfangs war ich noch Feuer und Flamme, musste aber relativ schnell feststellen, dass auch dieser Ableger vorzeitig bei den Akten landet. Um andere vor einem Fehlkauf zu schützen, werde ich versuchen in acht Schritten die Outness von XIII-2 zu erklären und hoffe, dass mir die fanatischen Square-Enix-Fans in der Leserschaft verzeihen mögen.

1. Vertrackte Geschichte

Es ist ja inzwischen nichts Besonderes, dass man zu Beginn aktueller AAA-Produktionen mit einem meist übertrieben langen Intro bombardiert wird, woran ich mich in der Regel auch erfreuen kann. Wenn aber selbst meine Freundin nach 40 Minuten fragt, ob das wirklich ein Spiel und kein Film sei, läuft irgendetwas gehörig schief. Es ist ja kein neuer Vorwurf, dass Square Enix die Spielelemente auch direkt aus Final Fantasy entfernen könnte um Filme zu machen, aber XIII-2 versucht nicht einmal, an diesem Ruf zu arbeiten. Stattdessen werden noch ein paar Quicktime-Events reingedrückt, die das Geschehen interaktiver machen sollen. Die ultimative Lösung auf alle Immersions-Fragen hat also endlich die finale Fantasie erreicht.

2. Vertrackte Zeit

Auch die Story fällt typisch durchwachsen für die Final-Fantasy-Serie aus. Damit möchte ich jetzt nicht behaupten, dass Final Fantasy XIII-2 genau wie andere Japano-RPGs zu verworren wäre, aber die Nummer mit den verschiedenen Zeitsträngen und Parallel-Welten ist inzwischen ausgelutscht. Obwohl ich den Vorgänger nicht bis zum Ende durchhalten konnte, war mir die Grundlage so schnell klar, dass die schier ewige Aufarbeitung des Plots zur Qual wurde. Neulinge im Fabula-Nova-Crystallis-Universum hingegen werden sich eine ganze Weile mächtig vor den Kopf gestoßen fühlen wenn sie von Etro, NORA und l’Cie erzählt bekommen.

3. Vertrackte Synchro

Über die Story darf man meinetwegen denken was man will, aber niemand kann mir erzählen, dass die Art und Weise, wie die Charaktere sie erzählen, sexy ist. Da wird eine abgedroschene Phrase an die nächste gepackt, sodass man gar nicht weiß wohin mit all den heroischen Kampfansagen. Die kommen dann auch noch mit zuckersüßen Hentai-Stimmen, was das Fass irgendwie zum Überlaufen bringt.

4. Vertrackte Mucke

Doch die piepsigen Synchronstimmen sind bei Weitem nicht das Schlimmste an dem Klangteppich von Final Fantasy XIII-2. Auf die Gefahr hin, dass ich jetzt auch in die Missgunst von einigen Soundtrack-Liebhabern gerate, finde ich die Musik von FFXIII-2 ziemlich furchtbar. Überkandidelte Themes und Pseudo-J-Rock im ADS-Mix sind einfach nichts, was 2012 noch in ein Videospiel gehört.

5. Vertrackte Spielmechanik

Manch einem Game darf man die oben genannten Punkte vielleicht verzeihen, dafür müsste man aber zumindest bei ausgeschaltetem Ton und Toiletten-Pause während der Cutscenes noch ein gutes Spiel vorfinden. Nicht so bei Final Fantasy XIII-2! Ähnlich wie im Vorgänger gibt es zwar ein aktives Kampfsystem, aber „aktiv“ ist wirklich nicht das richtige Wort. Zwar läuft alles in Echtzeit ab und man darf nach wie vor zwischen Paradigmen wechseln, doch eigentlich funktioniert alles völlig automatisch und man läuft, noch schneller als in den ausgedehnten Cutscenes, Gefahr einzuschlafen.

6. Vertrackte Wegfindung

Es mag sein, dass ich von dem brillanten Kartensystemen aus Skyrim verwöhnt bin, aber das Zurechtfinden in XIII-2 kann ohne diesen hohen Standard relativ schnell zur Qual werden. Bei jedem umständlichen Öffnen über das Start-Menü hab ich einen guten Moment gebraucht, überhaupt zu checken wo oben und unten ist, geschweige denn wo ich als nächstes hin möchte. Dazu kommen Portale, die, darf man sie erstmal benutzen, durch ein Wabennetz von Landkarte führen und den Spieler in andere Regionen bzw. Zeitebenen katapultiert. Das macht das Spiel nicht gerade einfacher. Man könnte sich verlorener fühlen als Benjamin Linus.

7. Vertrackte Gegner

Ein großes Problem, dass ich zunehmend in aktuellen Spielen aus Fernost beobachte, sind die Gegner und Antagonisten. Meistens scheitert es nicht an ausgefallenen Designs, welche bei den talentierten Designern aus dem Land der Animes keine Seltenheit sind, sondern an der abgedroschenen Art ihrer Inszenierung. Schon nach den wenigen Stunden, die ich mit XIII-2 verbracht habe, hingen mir die immer gleichen Gegner zum Hals heraus. Darüber könnte man vielleicht hinwegsehen, dafür müsste aber wenigstens der Ober-Bösewicht etwas charismatisch sein. Dem J-Timelord Caius fehlt jedoch gänzlicher Schneid. Selten habe ich einen so weichgespülten Langweiler gesehen. Sephiroth würde sich schämen!

8. Vertrackte Pokémon

Wäre das alles nicht schon genug, wurde das Spielprinzip aus XIII durch eine nervige Komponente erweitert. Ähnlich wie bei Pokémon gibt es 150 verschiedene Monster, die gefunden werden und durch Bezwingen Teil eures Kaders werden können. Klingt auf dem Papier in Ordnung, lahmt aber in der Umsetzung. Wenn ich Pokémon spielen möchte, dann spiele ich Pokémon und nichts anderes. Während die meisten kämpfenden Helferlinge nur im Gefecht zum Einsatz kommen, ist die wahre Zumutung das Haustier der Protagonistin Serah Farron. Der übersüße Mini-Mogry Pikachu Kupo hat den Sexappeal einer Diddl-Maus und begleitet eure Partie zu jeder Zeit. Alle paar Minuten leuchtet seine Antenne wie wild in Pink, um euch auf irgendeine Weise abzulenken. Ein heißer Kandidat für den Spitzenplatz in jeder kommenden Hitparade der nervigsten Gefährten.

Mein heißer Tipp für den kalten Februar: Final Fantasy XIII-2 in den Regalen stehen lassen und dafür zu spannenderen Titeln wie Catherine, Asura’s Wrath oder The Darkness 2 greifen.

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11 Comments

  1. Konnte bis jetzt nur 2 Stunden Spielzeit investieren, bin aber aus ausgemachter Fanboy der Serie bis jetzt sehr angetan.

    FF13 fand ich bis auf Grafik und Kampfsystem eher meh… aber der Anfang von 13-2 gefällt mir sehr gut. Nur Serah als Protagonist erscheint mir keine gute Wahl. FF13 hatte ein ganzes Kader aus langweiligen Schießbudenfiguren und sie suchen sich ausgerechnet die langweiligste als Hauptfigur fürs nächste Spiel aus? Why?

  2. Das mit den Monstern ist nicht Pokemon, sondern eigentlich DragonQuest entliehen, aber da ists anscheinend wenigstens gut umgesetzt. („anscheinend“ nur weil ich XIII-2 nicht gespielt habe)

    Ansonsten, gute Review, das entspricht auch so meinen eindrücken. Ich werds mir trotzdem als 20 € spiel dann mal irgendwann besorgen um mir ein gesamtbild zu machen. Ausser VI hat mir noch kein FF sehr gut gefallen, irgendwie warens eher sachen wie DragonQuest, Grandia oder Tales Spiele die mir zugesagt haben.

  3. Ich bin da 100% einer Meinung mit dir, Maxx. Viel länger habe ich das Spiel auch nicht ausgehalten. Am nervigsten fand ich ja noch, dass jeder Scheiß bis ins kleinste erklärt wird, dann aber plötzlich ohne Vorwarnung ein QTE um die Ecke schießt. Und dann dieser eklige Japano-Pathos die ganze Zeit; schrecklich. Beim Kampfsystem hatte ich gehofft, sie hätten was geändert, sah für mich exakt so aus wie im letzten Spiel. Oder dieser Multiple Choice-Kram, wo kurz was passiert und man dann eine Antwort aussuchen soll. War das gerade: a: ein Traum? b: die Zukunft? c: Bla?
    Was soll das überhaupt?

    Wahrscheinlich muss man Fan der Reihe sein, um die heutigen Final Fantasy-Teile mögen zu können, ich kann dem ganzen wirklich überhaupt nichts abgewinnen.

  4. Ernste Antwort:
    Erstes Mal für die PlayStation als es erschienen ist.
    Zweites Mal gebraucht für die Xbox bei GameStop, weil Achievements.
    Drittes Mal aus Sammlerleidenschaft als Collectors Edition.

  5. jemand der „Obwohl ich den Vorgänger nicht bis zum Ende durchhalten konnte, war mir die Grundlage so schnell klar, dass die schier ewige Aufarbeitung des Plots zur Qual wurde“ schreibt, sollte wohl eher kein review zum zweiten teil schreiben…..

  6. Das nenne ich ja mal eine gelungene Einleitung zu ein Review: „Ich habe zwar keine Ahnung von der Serie und eigentlich mag ich sie auch gar nicht, aber ich schreib jetzt trotzdem mal was über den neuesten Teil…“

    *facepalm*

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