„Killerspiele“ wegwerfen und Trikot gewinnen 13

„Killerspiele“ wegwerfen und Trikot gewinnen 13

Wer sich heute die Nachrichten auf Chip.de angeschaut hat, dürfte nicht schlecht gestaunt haben: Unter dem Motto „Es wird sich nichts ändern, wenn wir nichts tun!“ ruft das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ Eltern dazu auf, sogenannte Killerspiele ihrer Kinder in einen Container vor der Stuttgarter Staatsoper zu entsorgen. Dieses Aktionsbündnis hat sich nach dem Amoklauf in Winnenden am 11. März 2009 zusammengefunden, um zukünftige Amokläufe an Schulen zu verhindern. Wer am kommenden Samstag diesem Aufruf folgt, darf sich ein Los ziehen und bekommt damit die Chance ein, von der Nationalmannschaft signiertes, Trikot zu gewinnen.Familien gegen Killerspiele

Neben der Tatsache, dass sich wieder einmal Computerspiele für die scheinbar sehr weit verbreitete Gewaltbereitschaft der Jugendlichen verantwortlich zeichnen müssen, regt mich aber vor allem die Aktion selbst tierisch auf: Ich kann gut verstehen, dass sich viele Forenuser bei 4Players an eine gewisse Bücherverbrennung erinnert gefühlt haben. Der Vergleich hinkt zwar, aber fraglich bleibt dennoch, ob die weltweite Jugendgewalt sinkt, wenn sich einzelne besorgte Eltern der Spiele ihrer Kinder entledigen, um damit ein Trikot der Nationalmannschaft zu gewinnen, ohne dabei die Frage zu stellen, ob Computerspiele überhaupt die Gewaltbereitschaft fördern, denn dies widerlegen inzwischen auch mehrere Studien. Vielmehr bleibt der bittere Nachgeschmack, dass hier ein prominentes Thema für eine medienwirksame Aktion missbraucht wird, welche ihren Erfolg schon dann feiern wird, wenn auch nur zehn Spiele eingeworfen werden. Ich hoffe jedenfalls, dass die Medien auf diese Aktion einen objektiven Blick haben und die sehr emotionale Thematik nicht nur einfach mit hohlen Phrasen begleiten werden.

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Frederik Wagner (Redaktion) Job: Student im Master of Education für Geschichte und Englisch Auf ZwO Experte für: PC-Spiele aller Art, hauptsächlich aber Sachen aus den Bereichen RPG und Strategie, bevorzugt rundenstrategisch. Die herumstehende Xbox erweitert das Spektrum um reine Konsolentitel. Hier holt sich Freddi Gaming-News: PCGamer.com Mail: fw [at] zockworkorange [dot] com Twitter: Fredelsloh XBLA: - PSN: - Steam: Fredelsloh Erstes Game: Prince of Persia Liebste Games: Baldur’s Gate II, Planescape Torment, Arcanum, Civilization II, Europa Universalis 3 Liebste Persönlichkeit der Branche: Warren Spector Liebste Game-Figur: Minsk und Boo

13 Comments

  1. Moment… Fußballtrikot? Etwa von dem Fußball, wo immer(!!) alle(!!!) ganz viel Alkohol konsumieren, aggressiv werden und sich zur Massenkloppe aka 3. Halbzeit organisieren? Das würde ich verfassungsrechtlich aber nochmal stark durchdenken. Mein Aufruf: Schmeißt eure Dauerkarten weg! Zur Belohnung gibt’s ein Modern-Warfare-2-Shirt.

  2. @Ralf: Wenn man den Begriff „Killerspiele“ benutzt, unterstützt man diese Spinner doch fast noch in ihren wüsten Behauptungen.
    Wer behauptet, Videospiele unterstützen Aggressivität bei Menschen weiß es entweder nicht besser oder macht es sich absichtlich leicht. Einen Sündenbock zu finden ist immer leichter, als das wahre Problem anzusprechen, besonders für Politiker.
    Noch schlimmer finde ich, dass das hier so eine Elterninitiative zu sein scheint. Wenn Kinder Waffen sammeln und einen Amoklauf planen und das niemand mitbekommt, waren sicher nicht die Spiele Schuld,.
    Vielmehr behaupte ich, Spiele helfen eher beim Abreagieren und Abbauen von Aggressionen.
    Und wenn Shooter aus Menschen Killer machen, dann müsste das für Schützenvereine und das Militär erst recht gelten.

    Meiner etwas radikalen Meinung nach sollte man ganz einfach alle Waffen verbieten. Ohne die Waffen ihrer Eltern hätte es doch keine der Amokläufe gegeben. Wofür brauchen Menschen Waffen? Im Verein: gerne. Zu Hause: auf keinen Fall!

    Und nein: ich spiele keine Egoshooter, habe ich nie gemacht. Halte das Verbot trotzdem für eine vorgeschobene „Lösung“, weil den entsprechenden Personen nichts besseres einfällt.
    Verbietet Waffen, das würde wenigstens tatsächlich Leben retten!

    Nachtrag: übrigens: ich, ehemaliger Zivi, habe die realistischste Simulation vom Töten von Menschen bei einem Schulausflug zu einer Bundeswehr-Kaserne in deren Simulator erlebt. Die Regierung entwickelt (vermutlich Millionen teure) Computer-Programme, die das Töten von Menschen simulieren. Auf der andere Seite wollen sie es verbieten?

  3. Mir fehlen die Worte! Ohne Frage ist es schrecklich, was in Winnenden passiert ist! Aber man macht es sich (mal wieder) viel zu einfach! Anstatt im Umfeld des Täters (Eltern, Freunde, Schule) genauer nachzusehen, hat man den Schuldigen ganz schnell gefunden. Und wenn es nicht die „Killerspiele“ sind, dann eben die Heavy Metal Musik. In meinen Augen ist das nichts weiteres als eine moderne Hexenjagd

  4. Was wir hier erleben ist leider ein allzu gängiges Prozedere mit Medien, die für eine ältere Generation nicht greifbar sind: So erging es den Romanen (Ich sag nur: Die Leiden des jungen Werther), der Jazzmusik und vielen anderen neuartigen Erscheinungen, welche als Teufelswerk gebrandmarkt und für alle Probleme verantwortlich gemacht werden. Unsere Aufgabe als Spieler ist es klarzustellen, dass Computerspiele eine Kunstform darstellen, wie es Literatur und Filme bereits tun.

    Jegliches Bashing, bei dem wir versuchen die Gegner als dumm darzustellen hilft uns dabei leider nicht weiter, denn die ältere Generation weiß es einfach nicht besser. Es werden noch einige Jahre ins Land gehen, bis auch Videospiele als Kulturgut akzeptiert werden und bis dahin müssen wir wohl weiter erleben, dass wir Freaks und potentielle Amokläufer sind. Spätestens wenn eine neue Unterhaltungsform auf den Markt kommt, sind die Computerspiele wieder vergessen…

  5. Ganz ehrlich … diese Eltern gehören in die Tonne! Wer kommt denn bitte auf die Idee, dass Killerspiele an sowas auch nur Teilschuld sein können? Es können nur Medien und leute ohne Sachverstand von der Materie sein! … Ich meine, die betroffenen Eltern, können wahrscheinlich nicht wirklich was dafür und sind wohlmöglich vorbildlich … aber wenn ich mich in meinem Freundeskreis so umschaue … da muss ich feststellen, so gut wie jeder wird von seinen Eltern vernachlässigt! Die werten Herren und Damen Eltern, sollten sich also mal an die eigene Nase fassen und ihre Erziehungsaufgabe wahrnehmen! Kinder sind halt mit Verantwortung verbunden! Eltern, die damit nicht fertig werden und ihre Kinder psychisch verkommen lassen …. die gehören auf eine art Index, der es ihnen verbietet Nachwuchs zu bekommen.

    klingt vielleicht etwas hart und radikal, aber da liegt doch das Problem … und nich da wo es die Medien versuchen uns einzureden, damit alles so weiterläuft wie bisher im sozialen Sektor des Landes! Das sollte sinnvoller sein als ein verbot von „Killerspielen“ die es bekanntlich vor den ersten Amokläufen noch nichteinmal gab …

    In jedem anderen Land läuft es doch auch … und da laufen auch nicht alle auf der Straße rum und bringen Leute um… ausser vielleicht in den USA, aber da dürfte es wohl eher an den Waffengesetzen liegen… verstehe nicht, warum „normale“, gefestigte Menschen aufeinmal auf sowas verzichten sollen in unserem glorreichen Land, nur weil einige vernachlässigte und gepeinigte Seelen nicht mit ihrem Leben fertig werden.

    Tut mir Leid, schade um die Opfer … aber wie gesagt, den wirklichen „Tätern“ sollte man das Handwerk legen und die von miraus in die geschlossene sperren …aber das ist ja das selbe wie bei Zumwinkel & co. … die zahlen ne lächerliche Gelstrafe und tauchen unter! Nur ohne Geldstrafe, da sie ja absolut nichts dafür können laut unserem Gesetz … aber Killerspiele sind schuld ^^ echt lachhaft, ich sehe zu, dass ich so schnell wie möglich aus diesem Drecksland rauskomme!

  6. Wow, da wird nach ca. einem Jahr noch ein Artikel kommentiert :)

    Ich glaube wir sind uns alle in diesem Punkt einig: Das Bild von Computerspielen als Hauptursache für das Durchdrehen einiger weniger Jugendlicher ist total lächerlich und überzogen. Schwierig wird es aber, wenn jegliche Schuld von unserer Seite verneint wird. Das Zauberwort muss „Medienkompetenz“ heißen, denn das ist es, was ich im Gespräch mit zahlreichen Jugendlichen vermisse. Das Umfeld der Jugendlichen entwickelt sich, im Vergleich zu der Technik, viel zu langsam und starr. Wenn Eltern, Lehrer und sonstige Kontaktpersonen nicht darauf eingehen und den Umgang vermitteln können, wie sollen sich die Jugendlichen das denn selbst beibringen?

    In diesem Punkt gebe ich dir Recht, Bloody2k: Wir müssen an den Ursachen und nicht an den Symptomen arbeiten. Das Problem ist halt nur, dass das Verbot von brutalen Computerspielen ein sehr viel werbewirksameres Mittel darstellt, als die Ausbildung der Kompetenz. Hier ist es, wie schon zuvor von mir gesagt, unsere Aufgabe, der Politik, den Medien und den Nicht-Spielern zu zeigen, dass wir ganz normale Menschen sind. Ein Konter-Mob (Schöne Wortkreation) geht da einfach in eine ganz falsche Richtung!

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