Die Spiele der Elder-Scrolls-Reihe spalten seit jeher die Gemüter. War Morrowind für viele damals zu schwer zugänglich, da man vom Spiel nach spätestens 5 Minuten komplett allein gelassen wurde, ging Oblivion plötzlich exakt ins andere Extrem und bot eine ziemlich austauschbare und glatte Fantasy-Erfahrung. SKYRIM soll nun alles anders machen und schafft es, einen gelungenen Spagat zwischen Komplexität und leichter Zugänglichkeit hinzulegen.
Als ich mir überlegt habe, wie ich einen Artikel zu diesem Spiel schreiben soll, wurde mir bewusst, dass eine klassische Review diesem Epos nicht gerecht wird. Natürlich könnte ich schreiben, dass die Grafik zwar nicht hervorragend ist, aber fantastisch die Atmosphäre des Spiels einfängt, dass die Quests schön ausgeglichen sind und auch die Hauptstory viele Fehler aus dem Vorgänger bereinigt, aber das wäre in diesem Fall einfach nicht angemessen und könnte zukünftige Spieler in die Irre führen. Nein, ich will vielmehr Beispiele dafür nennen, was seit Beginn an die größte Stärke der Elder-Scrolls-Spiele ist: die Individualität der Erlebnisse, die das Spiel zwangsläufig nach einiger Zeit entwickelt.
Jeder Spieler wird nach dem Tutorial einen unterschiedlichen Weg einschlagen, sei es in der Ausrichtung der Charakter-Klasse – welche es seit diesem Teil nicht mehr gibt – oder im Verlauf der besuchten Orte, absolvierten Quests und der entstandenen Zufallsbegegnungen. Wenn mir ein bestimmtes Ereignis widerfährt, dann kann ich mir ziemlich sicher sein, dass ein anderer Spieler trotz ähnlicher Interessen nie auf dieses Ereignis stößt. Sei es, weil er auf dem Weg nach Riften eine andere Abzweigung genommen hat, oder einfach entsprechende Personen prophylaktisch bereits umgebracht hat. Um mein Spielerlebnis darzustellen, habe ich mich entschlossen, vier verschiedene Erlebnisse des Dovahkiins – dem Protagonisten – darzustellen, die zwar nicht repräsentativ für das Spiel stehen, aber dennoch ganz gut einfangen, dass das Erlebnis der Elder-Scrolls-Spiele hauptsächlich abseits der vorgegebenen Quest-Reihen stattfindet. Ich muss natürlich an dieser Stelle eine SPOILER-WARNUNG ausstellen: Manch überraschende Ereignisse könnten durch diesen Artikel vorweggenommen werden.
Ein paar Tage danach traf der Dovahkiin auf einen Ork, welcher recht verzweifelt wirkte, denn schließlich alterte er, und die Tradition schrieb ihm vor, dass er ehrenhaft in einem Kampf sterben musste. Das Kaninchen, das er zuvor abschlachtete, schien wohl nicht genug Herausforderung zu sein. Der Dovahkiin hingegen fühlte sich stark genug, dem Ork seinen Wunsch zu erfüllen, schließlich hatte er soeben einen Frostdrachen besiegt. Die Sterbehilfe, die daraufhin geleistet wurde, sollte die Schmach, die er durch das Sabotieren der hochdekorierten Hochzeit erlitten hatte, wieder wettgemacht haben. Ruhe in Frieden, ehrenvoller Ork.
Dass der Dovahkiin ein Waldelf, auch Bosmer genannt, war, verschaffte ihm zwar ein natürliches Talent im Schleichen, führte aber auch immer wieder dazu, dass die ursprünglichen Bewohner des Landes, die Nord, ihm ständig vorwarfen ihnen das Land zu klauen. Dass er das Land von Drachen befreite, war manchen der Nords allerdings egal. Beließen es die meisten nur bei Drohungen, fiel der Dovahkiin einer Gruppe von Bewohnern in Windhelm besonders negativ auf: Als er des Nachts die Stadt verlassen wollte, wurde er prompt überfallen. Nur knapp konnte er sich der Gefahr erwehren, während die Stadtwache nur daneben stand und wegschaute. Die Integration von Immigranten ist auch in Skyrim leider nicht sehr stark vorangeschritten, ein Problem, dass im multikulturellen Cyrodiil von Oblivion nicht vorhanden war.
Es sind diese Erlebnisse, die Skyrim einzigartig machen. Wer sich nur der Hauptquest widmet, wird einen großen Teil des Spielspaßes verpassen. In den Spielen der Elder-Scrolls-Reihe ging es schon immer um die individuelle Erfahrung der einzelnen Spieler, die nur durch Abweichen der klassischen Wege des Spielens erreicht wird. Skyrim führt dieses Erlebnis in einer Exzellenz durch, die ich bis dato noch nicht gesehen habe. Von klassischen Banditen-Unterschlüpfen über Drachenkämpfe bis zur Erkundung der fantastischen Dwemer-Ruinen: Wer wagt, gewinnt. Für mich persönlich ist Skyrim das absolute Highlight dieses unglaublich vollgepackten Spielejahres. Wer sich darauf einlässt, seinen eigenen Weg zu gehen, der wird aktuell mit keiner anderen Fantasy-Welt so viel Spaß haben wie mit Skyrim. Und wer sich dieses Spiel nicht kauft, wird mit einem zornigen „FUS RO DAH!“ über die nächste Klippe geschleudert.