RAW – Gespräch mit der Community-Managerin Daria 1

Ende Juni habe ich mich bereits mit dem Community-Manager Markus über den Kickstarter zu RAW unterhalten, wobei viele Fragen offenblieben. Inzwischen wurde die Kampagne von Kickstarter aufgrund der Verletzung der Nutzungsbedingungen suspendiert (15.07), was heißt, dass die drei Initiatoren Artur, Alexey und Daria ihr Spiel nicht mehr über Kickstarter finanzieren können.

Bis zum Schluss der Kampagne und auch aktuell darüber hinaus, bestehen weiterhin Zweifel daran, ob es das Spiel wirklich gibt – so wurde etwa der versprochene zweite Gameplay-Trailer, der noch vor Ende der Kickstarter-Kampagne (16.7) veröffentlicht werden sollte, Stand heute (18.7) nicht veröffentlicht.

Ich habe Kontakt zu Daria aufgenommen, die zwar nicht offiziell zu den Entwicklern von RAW gehört, allerdings von Anfang an Teil des Teams war und auch die Kommunikation bei Kickstarter übernommen hat.

Das Gespräch, das am Ende des Artikels anhängt, hat dabei interessante neue Informationen hervorgebracht. Inzwischen bekannt ist, dass das Team auf Indiegogo demnächst eine neue Kampagne starten möchte, dann auch mit dem neuen Gameplay-Video – dessen Verzögerung lediglich aufgrund von Krankheit des Programmierers Alexey besteht. Daria erklärt außerdem, dass die geringe Entwicklungssumme von lediglich 300.000€ bis zum Start des Early Access keineswegs zu niedrig sei, da man plane, ein Büro in Russland anzumieten und dort auch die angedachten Entwickler*innen eingestellt werden sollen.

Wie bereits in einem Kickstarter-Updates erwähnt, geht sie darauf ein, dass fehlende Informationen und Transparenz im Wesentlichen an der Kickstarter-Unerfahrenheit des Teams sowie dem hastigen Start der Kampagne liegen. Sie erläutert außerdem, warum sie sich von PC Games schlecht behandelt fühlen und sie deswegen die etwas ruppige Antwort auf die Interview-Anfrage geschrieben haben.

Nachfolgend das gesamte Gespräch.


Dominik:
Hallo Daria, erklär uns doch bitte mal kurz, was deine Rolle bei Killerwhale Games und RAW im Speziellen ist. Bei Kickstarter wurdest du als Teil des Teams genannt, auf der Webseite tauchst du allerdings nicht auf.

Daria:
Ich helfe vor allem im RAW-Discord, beantworte dort Fragen und gehe auf Beschwerden und Vorschläge für den Discord ein. Ich sage „ich helfe“, weil dies nicht mein Hauptberuf ist und ich das in meiner Freizeit mache. Ich kenne alle Details der Entwicklung, bin aber keine Entwicklerin von RAW.

Dominik:
Ich nehme mal an, du hast zumindest anfangs auch die Kommunikation bei der Kickstarter-Kampagne übernommen?

Daria:
Von Anfang an, genau. Es gab viele Fragen zu RAW und die Devs hatten keine Zeit, sie alle zu beantworten.

Dominik:
Das heißt du kennst die Devs auch persönlich?

Daria:
Ja, wir kennen uns schon seit 5 Jahren.

Dominik:
Kickstarter hat euch kurz vor Ablauf der Kampagne den Stecker gezogen. Wie ist die Gefühlslage und wie geht es nun bei euch weiter?

Daria:
Kickstarter hat uns leider nicht vorgewarnt und auch nicht dazu aufgefordert, die Kampagne zu ändern. Natürlich waren wir verärgert, weil wir das überhaupt nicht erwartet haben.

Ergänzend zum Gameplay bereiten die Devs gerade zusätzliche Materialien vor, um zu zeigen, dass sich das Spiel in der Entwicklung befindet. Wir planen außerdem ein Crowdfunding auf Indiegogo zu starten.

Dominik:
Im Laufe der Kickstarter-Kampagne habt ihr ein Gameplay-Video namens „Vehicle controllers demonstration“ veröffentlicht und habt vor Ende der Kampagne ein zweites versprochen, das aber nie erschienen ist. Kannst du uns einen Einblick geben, was die Veröffentlichung verzögert? Bei einem Spiel, das bereits seit 2,5 Jahren in Entwicklung ist, erscheint es von außen unverständlich, dass das so lange dauert

Daria:
Es wäre in der Tat kein Problem, innerhalb von 5 Minuten Gameplay zu erstellen, allerdings braucht Artur (unser Game-Designer) dafür die Systeme, die Alex programmiert. Das Problem ist: Alex hatte gesundheitliche Probleme, die diese Woche noch viel schlimmer geworden sind, sodass wir die Veröffentlichung des Gameplays verschieben mussten.

Artur und Alex wollten das Gameplay wirklich am Dienstag (16.7, Anm. d. Red.) auf Kickstarter veröffentlichen, aber am Montag wurde unser Projekt suspendiert. Daraufhin haben wir entschieden, dass sich Alex erst wieder erholen soll – die Gesundheit geht da vor. Dadurch, dass es momentan sonst niemanden gibt, der die Arbeit von Alex erledigen und Artur nicht programmieren kann, müssen wir jetzt warten, bis Alex zurückkommt.

Dominik:
Es kam ja früh der Verdacht auf, bei RAW könnte es sich um Betrug handeln, weil essenzielle Dinge wie ein Impressum, Angaben über das Entwicklungsteam und ihre Erfahrung oder versprochene Dinge, wie der bereits erwähnte Gameplay-Trailer, nie geliefert wurden. Einiges habt ihr nachgeliefert, oftmals fehlte aber die Transparenz. Beispielsweise hattet ihr für ein Crowdfunding dieser Größe eher unerwartet wenige Updates, die auch weniger Einblicke geboten haben, als man es gewohnt ist. Auch eher ruppige Absagen, wie die an PC Games, hinterließen von außen immer den Zweifel, ob es sich um Betrug oder einfach nur um ein kleines Team mit sehr ambitionierter Vision handelt.

Mich würde deswegen jetzt mal eure Sichtweise interessieren: Wie hat sich das für euch angefühlt, mit dem Verdacht des Betrugs konfrontiert gewesen zu sein? Mich würde auch interessieren, welche Gründe es für euch gab, euch der deutschen Spielepresse so kategorisch zu verweigern?

Daria:
Die Kickstarter-Kampagne wurde von Artur und Alex ziemlich hastig gestartet und sie wussten nicht, dass die Community so skeptisch ist und mehr als nur einen Trailer benötigt (ich glaube wegen Identity) – deswegen gab es am Anfang an nicht so viel Material.

Das war ihre erste Crowdfunding-Kampagne überhaupt und es gab keine Leute in der Nähe, die ihnen sagen konnten, wie sie es richtigmachen. Wir arbeiten an der Transparenz und es scheint mir, dass bereits erfolgreiche Schritte unternommen wurden, zum Beispiel ihre Devblogs auf Discord, wo sie ihre Materialien über die Arbeit veröffentlichen.

Soviel ich weiß, haben die Devs nur von PC Games eine Anfrage bekommen. PC Games hat zuerst zwei Artikel (bzw. einen Artikel mitsamt Update) über uns veröffentlicht, der viele „Scam“-Vorwürfe beinhaltete. Sie haben ihr Publikum gegen uns aufgewiegelt und erst dann haben sie uns um ein Interview gebeten – meiner Meinung nach hätten sie uns erst interviewen und dann daraus ihre Schlussfolgerungen ziehen sollen. Genauer gesagt wollten sie auch gar kein Interview, sondern nur ein Statement mit Entschuldigung. Sie haben außerdem geschrieben, dass sie bei uns geklingelt hätten – das haben sie aber nicht. Ein Foto von unserer Tür zu machen und zu veröffentlichen finde ich auch eher seltsam.

Aktuell werfen sie uns Identitätsdiebstahl vor, obwohl es längst ein Statement von Kickstarter gibt, wo sie den tatsächlichen Grund für die Suspendierung der Kampagne nennen, nämlich, dass wir nach der Kickstarter-Kampagne noch Geld über andere Crowdfunding-Plattformen sammeln wollten, was die Nutzungsbedingungen von Kickstarter aber nicht erlauben.

Dominik:
Haben euch die Vorwürfe belastet und wenn ja, wie?

Daria:
Es ist nicht so einfach zu arbeiten, wenn es überall Vorwürfe gibt – aber wir haben versucht nicht darauf zu achten. Es gab aber auch konstruktive Kritik, diese haben wir gerne berücksichtigt.

Dominik:
Ihr wollt es ja demnächst nochmal auf Indiegogo probieren. Wie wollt ihr vorgehen, um nicht wieder in dieselben Scam-Vorwürfe wie bisher zu geraten?

Daria:
Wie ich schon sagte, bereiten die Devs zusätzliche Materialien vor, um Vertrauen aufzubauen. So kann die Indiegogo-Kampagne wohlbedacht und gut geordnet starten.

Dominik:
Ein Teil des Betrugsverdachts kam auch auf, weil die anvisierte Summe von 70.000€ für ein solches Projekt sehr gering ist. Ihr habt im Laufe der KS-Kampagne ja kommuniziert, dass ihr 300.000€ anstrebt, die ihr über zusätzliche Crowdfunding-Kampagnen erreichen wollt. Die Leute aus der deutschen Games-Branche, mit denen ich mich unterhalten habe, halten allerdings auch 300.000€ für so ein Spiel für zu wenig – vor allem, weil ihr davon ja Büroräume mieten sowie weitere Leute anstellen wollt.

Wie kommt ihr auf die Summe und wie ist euer Plan das Geld einzusetzen?

Daria:
Wir hatten vorher keine Marketingkampagne und die Leute wussten nichts über unser Spiel. Deswegen erschien es uns zu hoch, 300.000€ zu fordern – wir haben aber trotzdem fast 200.000€ eingesammelt.

Eine Kickstarter-Kampagne kann nicht aus allen Ländern gestartet werden. Wir haben sie aus Deutschland gestartet, da der Gründer (Artur, Anm. d. Red.) hier wohnt und hier ein Privatgewerbe hat. Beide Devs haben außerdem die doppelte Staatsbürgerschaft, genauer gesagt haben beide zusätzlich die russische Staatsbürgerschaft. Für uns heißt das, dass sich unser Hauptsitz und die weiteren Mitarbeiter höchstwahrscheinlich nicht in Deutschland befinden werden – dafür gibt es auch weitere sinnvolle Gründe, wie die Steuer oder die deutsche Bürokratie. Die 300.000€ reichen uns somit aus, um das Spiel bis zum Early Access zu finanzieren. Zusätzlich dazu planen wir außerdem Vorbestellungen über die Webseite zu ermöglichen.

Dominik:
Verstehe. Das heißt die Entwickler wollt ihr im Ausland (ich nehme mal an Russland) anstellen und dort auch das Büro mieten?

Daria:
Ja, genau. Wir haben uns bereits nach dem Standort des Büros erkundigt und wir wissen auch schon, welche Mitarbeiter wir mit welchen Anforderungen benötigen – diese Liste werden wir gegen Ende der Indiegogo-Kampagne veröffentlichen. Bei den meisten Community-Moderatoren ist es allerdings egal wo sie wohnen, ihre Anwesenheit im Büro ist nicht notwendig.

Dominik:
Zum Abschluss: Was erhofft ihr euch von der Indiegogo-Kampagne und was sind eure Wünsche für die Zukunft?

Daria:
Wir haben bereits eine relativ große Community durch Kickstarter versammelt und gehen davon aus, dass die Indiegogo-Kampagne noch erfolgreicher wird.

Wir möchten in Zukunft weniger reden und mehr tun, werden uns in den Augen derjenigen, die zweifeln auf jeden Fall rehabilitieren und allen „Ungläubigen“ beweisen, dass sie mit uns und unserem Spiel Unrecht hatten.

Dominik:
Daria, ich danke dir fürs Gespräch.

Daria:
Gerne und ebenso.

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Dominik mag Storyspiele und Shooter und findet die meisten Open World- und Grinding-Mechaniken ganz furchtbar.

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