In den letzten Wochen haben David und ich uns ausgesprochen oft um den 3DS mit der kleinen Cartridge zu Super Mario 3D Land streiten müssen. Denn so sehr unser November auch von anderen Titeln beherrscht wurde, wir konnten einfach nicht vom neuen Abenteuer des italienischen Klempners ablassen. Und weil wir uns dann auch noch darum zoffen mussten, wer das Review für Zockwork Orange schreiben darf, haben wir uns kurzerhand vom Polytalk inspirieren lassen und uns im Gespräch über das Spiel unterhalten, das den 3DS aus seiner Nutzlosigkeit befreit.
* Kristin hat das Chat-Thema geändert in “Super Mario 3D Land”
David: It’s a-me, Mario!
Kristin: Und, wie hat Dir Super Mario 3D Land gefallen?
David: Sehr gut eigentlich.
Kristin: Und uneigentlich?
David: Es war vielleicht ein kleines bisschen zu kurz und viel zu einfach. Und auch wenn das 3D es eigentlich lösen sollte, hatte ich öfter Probleme mit der Perspektive, 95% meiner Tode fanden irgendwo im Abgrund statt, gerne auch direkt vor der Zielfahne. Da hilft dann auch diese Gold-Feder nix, die man nach 5x Sterben bekommt.
Kristin: Ich empfand das Spiel gar nicht so kurz, wie immer überall behauptet wird. Das mag vielleicht daran liegen, dass ich es gar nicht komplett am Stück gespielt, sondern mir immer mal wieder ein bis zwei Level vorgenommen habe. Aber eigentlich geht Super Mario 3D Land ja auch noch weiter, wenn man die 8 Welten des Hauptspiels durchgespielt hat. Dann darf man nämlich die Spezial-Welten betreten, die optisch an die Hauptwelten angelehnt sind, aber entweder etwas anders aufgebaut sind oder Dir sonstige Herausforderungen bieten, wie von einem Schattenmario gejagt zu werden. Das bietet noch mal zusätzlichen Spielspaß über die eigentliche Zeit hinaus. Gefühlt habe ich also schon 6-7 Stunden in dem Spiel verbracht.
David: Ja, es kommt einem vermutlich so kurz vor, weil man wirklich einfach so am Stück durchrennen kann. Wirkliche Hindernisse gibt es kaum, man spielt ein Level nach dem anderen und (so gut wie) jedes klappt beim ersten Versuch. Ich erinnere mich an ein Level, da hatte ich am Ziel noch 300 Sekunden übrig – wo ist da die Herausforderung? Andererseits muss man dem Spiel zugute halten, dass es für die Kürze mehr Innovationen bringt, als jedes andere Mario-Spiel zuvor. Viele Mario-Games ähneln sich doch sehr, Super Mario 3D Land schafft es, viele Anmerkungen an die alten Games einzubauen, oft auch mit einem kleinen Augenzwinkern, und trotzdem in fast jedem Level eine coole neue Idee zu liefern. So gab es zum Beispiel den 2D-Zieleinlauf mit Hintergrund aus Super Mario Land oder einen Fässer-schmeißenden Bowser als Hommage an Donkey Kong. Und dann die Items: der Tanooki-Anzug aus den alten Games, der goldene Tanooki, der Stein-Tanooki aus der Spezial-Welt, die Propeller-Box, die Fragezeichen-Box, aus der ständig Münzen rausfallen, und so weiter und so fort.
Kristin: Ja, definitiv. So gern ich Mario-Games leiden kann, aber nicht jeder Titel ist ein Meisterwerk. Super Mario Land 2: 6 Golden Coins, Super Mario 64 und Super Mario Galaxy konnte für mich bislang kein anderes Mario-Game das Wasser reichen. So war New Super Mario Bros. eine nette DS-Einlage, aber beiweitem kein Spiel, das mir stark im Kopf hängengeblieben ist. Mit Super Mario 3D Land sieht es da ganz anders aus: Der Titel reiht sich für mich definitiv in die Spitzen-Titel der Reihe ein. Gerade wegen der vielen Innovationen, lustigen Momente und Anekdoten. Aber auch, und man glaubt es kaum, wegen des wirklich gut integrierten 3D-Effekts. Mit 3D ist es ja schließlich immer so eine Sache und in 99% der Fälle stört es enorm und ist ziemlich entbehrlich. Aber Super Mario 3D Land ist die 1%.
David: Ich hab tatsächlich später im Spiel das 3D auch mal ein bisschen mehr aufgedreht. An Sachen vorbeigesprungen bin ich damit aber trotzdem, so ein richtiges 3D-Gefühl ensteht meiner Meinung nach nicht. Man empfindet das eher als 2 Ebenen, Vorder- und Hintergrund. Ist optisch ein nettes Gimmick, bis man den Kopf einen Millimeter zur Seite bewegt. Spielerisch bringt es nichts, komplett mit abgeschaltetem 3D spielt sich das Spiel exakt gleich.
Kristin: Das mag sicherlich sein. Man braucht das 3D nicht wirklich um das Spiel durchzuspielen. Und trotzdem trägt es zur Spielerfahrung und vor allem dem Spielgefühl bei. Denn das 3D lässt die eh schon zuckersüße und bunte Welt von Mario noch lebendiger und knuddeliger wirken als sie in 2D aussieht. Und die Optik ist etwas, das die Mario-Games schon seit Lebzeiten äußert großartig machen und in dem aktuellen Titel für den 3DS im wahrsten Sinne des Wortes noch vertiefen konnten. Das 3D bzw. der Tiefeneffekt hat für mich übrigens auch dazu beigetragen, dass sich das Spiel wie ein abgespecktes, mobiles Super Mario Galaxy angefühlt hat. Das ist ein ziemliches Kompliment für einen Handheld-Titel, denn Super Mario Galaxy gehört schon zu den innovativsten und frischesten Mario-Spielen, die existieren. Viele andere Titel wärmen ja nur alte Ideen mehr oder minder gut auf. Man kann Nintendo jedenfalls nur gratulieren, dass sie geschafft haben, was sie ganz offensichtlich wollten.
David: Aber bestimmt meckern wieder alle “Nee, viel zu kurz, lohnt sich ja gar nicht”. Leute, nach den 8 Welten kommen nochmal 8 Spezialwelten. Und man kann mit Luigi spielen! Mit Luigi! Luigi! Und nein, das sind nicht einfach die gleichen Welten in gespiegelter Variante. Es handelt sich um eigenständige Level, teilweise mit Extra-Herausforderungen (man hat nur 30 Sekunden Zeit und muss ständig Uhren einsammeln, um Zeit aufzufüllen, etc.) und neuen Items. Man denkt am Anfang, das Spiel sei viel zu kurz und zu schnell vorbei. In den letzten Welten und den Spezialwelten zieht der Schwierigkeitsgrad dann aber nochmal an. Man kann sich also eigentlich nicht beschweren, für ein Handheld-Game ist das Pacing perfekt.
Kristin: Sehe ich ganz genauso. Wenn man ehrgeizig ist und jede der Sternmünzen sein Eigen nennen möchte, darf man so einige Welten sowieso mehrfach betreten. Wer die meisten Sternmünzen sammelt, kommt auch problemlos durch alle Welten und Spezial-Welten. Wer im Münzen sammeln kein Talent hat oder sich dazu entscheidet, doch einfach viel zu schnell durch das Spiel zu rasen, der wird irgendwann in Schwierigkeiten kommen, denn manche Level und die Bowser-Schlösser, in denen die Prinzessin (nicht) gefangen ist, setzen eine Mindestanzahl Münzen voraus. Ich hatte das Glück, nie wirklich zurückgehen und ein frustrierendes Level erneut spielen zu müssen, aber ich erinnere mich auch daran, dass Du vor einem Schloss standest und nicht weiterspielen durftest. Aber wo wir grad beim Thema “frustrierende Level” sind: Generell waren sehr wenige bis gar keine Level dabei, die wirklich Frust bei mir hervorgerufen haben. Jetzt mag man sagen, dass das schlecht ist, da Mario-Games immer auch ein bisschen dafür stehen, frustrierende Level zu haben an denen man sich wochenlang die Zähne ausbeißt. Aber ich bin wirklich sehr zufrieden mit Nintendos Entscheidung, das Game nicht so wahnsinnig schwierig zu machen. Denn in erster Linie möchte ich einfach Spaß haben. Das fehlt heutzutage zu vielen Spielen. Super Mario 3D Land ist ein Paradebeispiel an grenzenlosem Spaß. Du sagtest schon richtig: In den Spezial-Welten nimmt das Gameplay noch mal an Fahrt auf und hier und da muss man Stellen dann doch mehrfach probieren. Aber wenn ich jetzt zurückblicke, kann ich guten Gewissens sagen, dass ich niemals das Gefühl bekam, meinen 3DS gegen die Wand schmettern zu wollen.
David: Ja, die Münzen… ich hatte am Ende zu wenige und musste zurückkehren, um in alten Leveln noch mehr zu suchen. Teilweise sind die ja doch ein bisschen fies versteckt. Bezüglich der Frustmomente: es gibt ja wieder eine Art Super Guide, schon nach 5 Toden kommt die goldene Feder und man wird unbesiegbar. Vor Abstürzen und Lava schützt die leider nicht. Angeblich kommt auch nach 10 Toden ein Super Super Guide, der einen direkt ans Ende des Levels teleportiert. Der kam bei mir allerdings nie. Im Vergleich zu einem Donkey Kong Country Returns oder einem Super Mario Galaxy ist Super Mario 3D Land also wirklich sehr frei von Frustmomenten, ganz anders als in den alten Games. Aber wie schon gesagt, am Ende wird es etwas härter und die Steigerung ist wirklich perfekt umgesetzt. Ganz ein bisschen so wie in Super Mario 64. Für mich ist Super Mario 3D Land das Super Mario 64 des 3DS und der erste richtige Grund, diese Konsole zu kaufen.
Kristin: Definitiv. Ich hab den 3DS seit Verkaufsstart und außer zwei drei Titeln, die ich für eine halbe Stunde angespielt habe und die alle absolut langweiliger Mist waren, gab es bisher einfach keinen würdigen Titel für die Konsole. Ich hatte die Hoffnung zwischenzeitlich wirklich aufgegeben, vor allem, als ich bemerkte, wie einige meiner Freunde ihren 3DS bereits weiterverkauften. The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D konnte es für mich auch nicht rausreißen, denn das Spiel hatte ich in meiner Kindheit bereits zu oft gespielt und auf eine exakte Replika wollte ich verzichten. Super Mario 3D Land war da die nötige Rettung des 3DS: Endlich ein eigenes Spiel, das etwas auf dem Kasten hat. Ich finde das Game so gut, dass es für mich auch nicht im Schatten der anderen Herbsttitel untergeht, sondern farbenfroh auf die Tube haut und den ein oder anderen heißen Favorit der besten Games des Jahres locker hinter sich zurücklässt. Wer seinen 3DS noch nicht verkauft hat, muss sich Super Mario 3D Land zulegen. Man kommt wirklich nicht dran vorbei.
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