Sonne, Strand und tolle Typen – Urlaub auf Rook Island 1

Sonne, Strand und tolle Typen – Urlaub auf Rook Island 1

Ubisoft. Die mag ich. Die machen tolle Spiele. Und ab und zu kaufen sie auch mal Marken, wie im Falle von »Far Cry«. Obschon sie den zweiten Teil der Serie mal schön gegen die Wand gefahren haben, hoffte ich zappelnd vor Vorfreude auf den jüngsten Ableger der Reihe, »Far Cry 3«.

Donner im Paradies

RATATATATA-POWWW! RÖMMS!

Es fängt alles an, wie man sich einen Urlaub auf einer Tropeninsel so vorstellt: Ein Zusammenschnitt der Erlebnisse einer Gruppe von Jugendlichen inklusive Kollektivbesäufnis und Fallschirmspringen, unterlegt mit hipper Musik (»M.I.A. – Paper Planes«, ich musste auch googlen…). Dass der Ferienspaß in Gefangenschaft einer Lösegeld erpressenden Bande durchgeknallter Psychopathen endet – damit konnte niemand rechnen. Gefesstelt und in einen Käfig gesperrt findet sich der Spieler nach dem Intro in einer prekären Situation wieder.

Aber zum Glück hat Jason, der Protagonist, in dessen Rolle wir als Spieler schlüpfen, einen Bruder, der zufälligerweise Army Ranger, Navy Seal oder so was in der Art ist, und sich und dem Spieler den Weg aus dem Bambuskäfig roundhousekicken kann. BÄM. Kurzes Tutorial zum Thema „Schleichen“, Verfolgungsjagd durch den Dschungel, fertig ist die Laube.

Die Tücken von „Open World“

Drogen, Drogen, Droohooogen!

Von nun an kann man sich quasi frei durch die Inselwelt bewegen und hat dabei drei große Ziele vor Augen: Drogen nehmen, sich tätowieren lassen und seine Freunde, die immer noch in der Gewalt der Bösewichte vor sich hin vegetieren, zu befreien. Dass das einfacher klingt als es tatsächlich ist, sollte jedem klar sein. Alleine die Größe der bereisbaren Welt und die unvermeindlichen Collectibles, die Achievementhuren wie ich natürlich stundenlang suchen und sich dann einen auf das 10-GP-Cheevo runterholen, lassen das Spiel in einem Maße ausufern, das nicht mehr feierlich ist. Warum tun mir Videospieleentwickler so etwas an? Ständig irgendwelchen Scheiß suchen. Zeitfresser, ho! Egal.

Solange man nicht die Konsolenfassung von Far Cry 3 spielt, wird man auch mich ausreichend Eyecandy versorgt. Die Umgebung wirkt unglaublich plastisch und nur an wenigen Stellen künstlich. Xbox 360-Besitzer werden sich allerdings die Augen reiben und sich fragen, ob die grafische Leistung der Microsoft-Konsole tatsächlich derart underwhelming ist. Hier musste der Portierungsrotstift anscheinend gleich mehrfach angesetzt werden: Kaum Bump-Mapping, fehlende Reflektionen, matschige Texturen, klobige Models; Dazu Ruckler, Framerateeinbrüche und Daumenkino. Meine Fresse. Selbiges gilt wahrscheinlich auch für die PS3-Version.

Mir fiel hier keine Überschrift ein

Auch ein Rücken kann entzück… PEWPEWPEW!

Das Spiel ist natürlich nicht nur Piff-Paff und Krawumm. So unglaubwürdig und hanebüchen die Entwicklung des Protagonisten vom verschreckten Collegeboy zur panzerfaustschwingenden Tötungsmaschine innerhalb einer Zwischensequenz auch ist – Die Message, die Ubisoft hier transportieren möchte, lässt mich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Nicht nur, dass die Mission „Rette Deine Freunde“ zu „Befreie die gesamte Insel von der Tyrannei der bösen Buben“ wird; Der Buddhistische Unterton, der stets mitschwingt, wirkt derart aufgesetzt, dass man nicht anders kann, als von Zeit zu Zeit eine Fazialpalmierung auszuführen.

Aber ich vermute einfach mal, dass Ubi hier die Story nur als Mittel zum Zweck einbauen musste, denn spielerisch glänzt »Far Cry 3« in vielen, vielen schillernden Farben. Alleine das Erkunden der erwähnt gigantischen Welt macht schon Spaß; Ob zu Fuß oder mit dem Jeep; Solange man Menschen umfahren/erschießen/erstechen/sprengen kann ist alles im Lot. Zwischendurch muss man Assassin’s Creed-typisch Aussichtspunkte einnehmen und die Karte des jeweiligen Gebietes synchronisieren. Sowieso erinnert »Far Cry 3« sehr stark an den ubi-eigenen Killertitel, und das nicht nur, weil das Hauptaugenmerk auf dem Gameplay und weniger auf der Story liegt. So kann der Spieler selbst entscheiden, wie die jeweiligen Missionen gelöst werden; Schleicht man sich durch die Büsche und schaltet einen Piraten nach dem anderen so leise wie möglich aus? Oder rennt man mit gezückter Waffe ins Schergenlager und pumpt alles voll Blei, was nicht bei drei in Deckung gegangen ist? Daumen hoch!

Pull my finger!

Besondere Erwähnung muss noch »Vaas Montenegro« finden. Was klingt wie ein millionenschwerer Playboy ist der Hauptantipath des gesamten Spiels. Von Minute eins wissen wir: Der Typ hat einen Schaden. Vass ist quasi die fleischgewordene Definition des Wortes „Psychopath“, alleine sein Vorstellungsmonolog lässt mich als bekennenden Cineasten laut „Juchu!“ schreien. Einer der wenigen gut geschriebenen Charaktere in diesem Spiel, und gleichzeitig Anwärter auf den Videospielbösewicht des Jahres.

Das unvermeidliche Fazit

Far Cry 3 ist ein tolles Spiel mit einem beeindruckenden Gameplay, leider aber nicht mehr. Die sehr runtergeschraubte Optik der Konsolenfassungen – obschon der Entwickler da wohl am wenigsten für kann – trübt aber den Spaß am Spiel kaum. Wer sich nicht an einer eckigen Story, plötzlichen Sprüngen in der Charakterentwicklung oder Psychologie aus dem Yps-Heft stört, der wird problemlos einige Stunden Spielzeit auf Rook Island verbringen können.

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Joe 'Gefahr' Uessem (Redaktion, Grafik, PR) Job: Superheld, Grafik-Designer, Unterwäschemodel, Astronaut, Jetpilot, Hirnchirurg, Archäologe Auf ZwO Experte für: Sexuelle Zweideutigkeiten Hier holt sich Joe Gaming-News: von Jörg Langer persönlich Mail: ju [at] zockworkorange [dot] com Twitter: rinderhack XBLA: SgtSpeedrock PSN: - Steam: speedrock Erstes Game: Outlaw (1976) Liebste Games: Assassin's Creed & alles was ordentlich Bumm macht. Liebste Persönlichkeit der Branche: Ron Gilbert (The Grumpy Gamer) Liebste Game-Figur: Handsome Jack, Ezio Auditore und der Lange von Tetris

1 Comment

  1. :) das hört sich ja nicht so überzeugt an, ich finde zu einem guten Spiel gehört auch eine gute Story, was man von Far Cry 3 aber nicht behaupten könnte… Wenn ich einfach bock auf ein Ballerspiel hab gibt es genug spiele ohne story die auch spaß machen

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