Schrottwichteln: Wie ich den richtigen Knopf zu drücken lernte 0

Schrottwichteln: Wie ich den richtigen Knopf zu drücken lernte 0

RTL Winter Sports 2009Die Schrottwichtelei geht bei ZwO in Runde drei. Allmählich kann man schon beinahe von einer Tradition sprechen. Habe ich früher noch mit einer gewissen Vorfreude auf die nahende Adventszeit blicken können, so ergreift mich heute meist ein ungutes Gefühl voller schrecklicher Vorahnungen und dieser dezenten Panik vor einem nahenden Spieldisaster. Am Freitag war es dann leider an der Zeit, ein rotes Päckchen in den Händen halten zu müssen. Der liebe Joe hat sogar daran gedacht, meinen vollen Namen bei einem großen Warenversand zu hinterlegen und so weiß jetzt auch mein Postbote, dass ich eigentlich Marc-Angelika heiße. Danke, Joe. Danke!

Aus diesem lieblichen Päckchen habe ich dann den Titel »RTL Winter Sports 2009« gezogen. Nun gut. Der Joe weiß schon, was ich mag und war zunächst gar nicht so furchtbar schockiert. Sportspiele sind jetzt nichts, was mich groß abschreckt. Nur was ein dubioser Privatfernsehsender damit zu tun haben will, erschloss sich mir nicht ganz. Vielleicht suchen Wintersportler in dem Spiel ja auf diesem Weg einen neuen Partner und trauen sich nicht, der eigenen Mutter davon zu erzählen? Wie weit darf scripted reality gehen? Werde ich unmelodische Liebesschnulzen singen müssen, wenn ich von der virtuellen Skisprungschanze abhebe? Mittlerweile weiß ich: Wäre es doch nur so gewesen..

Natürlich kam alles viel besser als erwartet: Nachdem ich den knapp 300KB großen Patch heruntergeladen hatte (das spricht ja für Wertarbeit!) , befand ich mich auch schon im spartanisch dargebrachten Hauptmenü und lauschte den wohligen Klängen funkiger Musik, wie man sie aus künstlerisch anspruchsvollen Filmen aus der Erotikbranche der 80er Jahre her kennt. So weit. So okay.

Um in den vollen Genuss meines neuen Lieblingsspiels zu kommen, erwische ich mich selbst dabei, wie ich einen ganzen Wettbewerb mit vollen 16 Disziplinen auswähle, damit ich auch nichts von dieser vor 4-5 Jahren geschaffenen Kunst verpasse. Für das Volk der Germanen trete ich an. Mein Team nenne ich kreativerweise „Marc“. Andere Teams nennen sich beispielsweise „Norwegen“, „Japan“, „Russland“ oder auch (mein Liebling!) „Schweden“. Es gilt, sich in einem Wettkampf, der wahrscheinlich aus Lizenzgründen nicht „Olympische Spiele“ genannt werden darf, gegen andere Nationen durchzusetzen. Krass. Immerhin geht es um Medaillen. Meine unstillbare Liebe nach Edelmetallen wird also auch noch befriedigt. Harr!

Ohne jedes Training begebe ich mich in den Wettkampf. Was anfangs noch waghalsig klingt, entpuppt sich als richtige Entscheidung. Die meisten Sportarten verlangen kaum mehr als ein „drücke im richtigen Moment die richtige Taste“ oder „balanciere das Steuerungselement in der Mitte“. Ja, schön. Gähn. Zudem sind die gefürchteten 16 Disziplinen auch mehr Schwindel als alles andere. Wenn ich erst 2er- und dann 4er Bob fahren soll: Schön und gut. Warum fühlt sich Bob fahren dann aber (übrigens wie auch Skeleton und Rodeln) genau gleich an? Egal, bei all diesen Disziplinen (wie auch beim Skispringen von der kleinen UND der großen Schanze hole ich Gold. Yeah!

Marc gewinnt Gold!

Das eigentliche Highlight des Spiels sind aber die beiden Kommentatoren, die über die Disziplinen eine packende Geschichte über Freundschaft, Krisen, Argentinier und die Auswanderung nach Dänemark erzählen. Der (namenlose?) Sportkommentator hat nämlich Herrn Meier zu Gast. Herr Meier war früher mal der Trainer der DDR-Mannschaft (in welchem Sport, wird nicht verraten). Dieser soll wohl so was wie einen „lustigen“ Gegenpol darstellen, wirkt aber einfach nur betrunken und frech. Beispiel gefällig? „Ein klasse Start der Skiläuferin. Dem kann ich nichts hinzufügen!“ – „Ja, dann lassen sie es doch!“. Klingt merkwürdig? Ist es auch. Das aktuelle Geschehen auf dem Bildschirm wird aber glücklicherweise nur in den seltensten Fällen kommentiert. Meistens geht es darum, wie Herr Meier einst einem Argentinier was auf die 12 gehauen hat, da sich dieser an seine Frau herangemacht hat und ihr sogar einen Antrag machte. Daraufhin kam er wohl als Skandaltrainer in die Schlagzeilen und wohnt jetzt am äußersten Zipfel von Dänemark, um seine Ruhe zu haben. Leider werden diese Fakten immer und immer wieder wiederholt, bis ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch stehe. Herr Meier pöbelt sich durch das Spiel, während ich sichtlich unterfordert in den ersten Disziplinen Weltrekorde aufstelle. Dabei hilft, dass ich beim Riesenslalom (in dem gar keine Riesen vorkamen..) auch schon mal ein Tor verfehlen darf, ohne das es vom Spiel bemerkt wird. Hilfreich!

Such comment. Wow.

Am Ende hole ich 5 Gold- und 3 Silbermedaillen, was immerhin für einen respektablen dritten Platz hinter Norwegen und Russland langt. Am Ende weiß ich noch immer nicht, was das soll. Ich denke, vom Herrn Meier werde ich die kommenden Nächte noch träumen. Danke, Joe. Es war mir wie immer ein Vergnügen! »RTL Winter Sports 2009« war dieses eine Sportspiel, welches ich aus guten Gründen nie haben wollte. Da verlasse ich mich lieber auf die Klassiker.

P.S: Präsentiert wird das Spiel von Anni Friesinger. Merkt man im Spiel aber nicht, dafür tanzt dort stets ein Pinguin vor den Wettkämpfen. Whatever..

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