Schrottwichteln: Diabolik: The Original Sin 0

Schrottwichteln: Diabolik: The Original Sin 0

Schrottwichteln, also eigentlich ganz normales Wichteln, fand ich noch nie besonders toll. Umso mehr freute es mich, als ich mein Päckchen von Fabian auspackte und die weiße Verpackung sah. Die Wii zählt nicht gerade zu meinen bevorzugten Konsolen, aber der Titel des Spiels, das ich nach dem Auspacken in den Händen hielt, klang gar nicht so schlecht. Vielleicht war ich auch einfach froh, dass ich das Spiel nicht kannte, ich hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet. Fürs Anspielen war an dem Tag allerdings keine Zeit, der weihnachtliche Verwandtschaftsbesuch hatte Vorrang. Also kurz den Trailer angeschaut und mit einem guten Gefühl den verwandschaftlichen Pflichten zugewandt – ich hatte mit meinem Schrottwichtel-Game den Jackpot geknackt, das stand für mich fest. Der Trailer zeigte mir ein an The Spirit (die Comics, nicht der Film) erinnerndes Detektiv-Spiel mit einer Prise Arsène Lupin. Unterbrochen wurde das Noir-Werk mit kurzen Comic-Sequenzen. Kurz: der Trailer sah echt gut aus. Viel zu gut für ein Spiel, das man im Rahmen eines Schrottwichtelns bekommen hat.

Einige Tage später dann – Jesu Geburt war ausreichend gefeiert worden – begann das Vergnügen, Diabolik: The Original Sin endlich spielen zu dürfen. Die durch die Wartezeit aufgebaute Spannung war kaum noch aushaltbar. Wobei: mir, dem Meister der Prokrastination, wird da doch was einfallen. Ah, genau! Wo kann man besser Prokrastinieren als bei der Recherche auf der Seite von Ober-Spendensammler Jimmy Wales? Also: To the Wikipedia! Aha, hier hab ich was: Diabolik ist nicht irgendein Begriff, sondern ein Name. Und Frankreich war nicht so ganz korrekt, Diabolik ist ein Antiheld aus Italien und macht dort seit den 60ern die Comicwelt unsicher. Der Protagonist ist ein Dieb, klaut aber nur von anderen Gangstern, blabla, alles nicht besonders interessant und tatsächlich – entschuldigt die Wortwahl – sehr generisch. (Irgendwo hat gerade mindestens ein Blog-Leser beim Bullshit-Bingo gewonnen.)

Es hilft alles nichts, ich entstaube die Wii und schiebe die Disc ins Laufwerk. Das Spiel startet und ich werde mit einem Comic-artigen Screen und folgenden Worten begrüßt:

Ein schwaches Leuchten erhellt eine stinkende Gefängniszelle.
Wer ist das und warum wird derjenige hier gefangengehalten?
Kapitel 0
72 Stunden
Drücken Sie A , um fortzufahren

Öh? Was?

Es folgt eine kurze Cutscene, zwei weibliche Augen, die Kamera dreht sich, die Frau steht nicht, sie liegt. In eben dieser Zelle. Dann geht das Spiel endlich los, das sich nun als Point-and-Click herausstellt. Point-and-Click-Adventures sind generell nicht für Konsolen geeignet, obwohl man meinen könnte, dass die Steuerung mit der Wiimote eigentlich gerade dafür funktionieren sollte. Bei Diabolik: The Original Sin bleibt das leider Theorie. Objekte wie „Bett“ oder „Ausgang“ sind so nur durch millimetergenaue Präzisionsarbeit anwählbar, die Hotspots sind selbst bei großen Objekten winzig klein und total willkürlich platziert. Der für „Bett“ ist 3 Meter neben dem Bett. Und dass sich beim Gehen die Perspektive andauernd spontan ändert, macht das Anwählen auch nicht leichter.

Ziel ist es hier jetzt natürlich, aus der Zelle zu fliehen. Ein Schlüssel oder ein Draht wäre ganz gut, doch beim Hovern über den gesamten Raum lässt sich nichts dergleichen finden. Genervt klicke ich umher, auf die Türe, auf’s Bett – oh, das Bett triggert das Auffinden eines Drahtes auf dem Boden. Ja, das ist natürlich logisch, hätte ich drauf kommen müssen.

Ich öffne die Türe, es folgt eine Cutscene (deutsche Sprachausgabe für den Gewinn!!!111einself) und die Story springt ein paar Stunden in die Vergangenheit und steckt mich in die Haut des mysteriösen Diabolik. Ich bringe einen Zug in einer Cutscene zum Stehen und muss nun heimlich in den Zug gehen. Hier folgt auch wieder wildes Herumklicken, für jedes Fenster und jede Tür des Zuges benötige ich gut ein Dutzend Anläufe, bis ich sie treffe, doch bei allen Fehlanzeige.

Zu dem Zeitpunkt bin ich bereits so genervt von der Steuerung, den nervigen Perspektivenwechseln und den immer gleichen Sprüchen, wenn man irgendetwas anklickt, dass ich frustriert in mein Inventar greife, Fernbedienung mit Fernseher benutze, Wii mit Dachboden und Diabolik: The Original Sin mit Mülltonne.

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Mit-Gründer von Zockwork Orange, Casual Gamer, Assassin's-Creed-Fanboy, Hyrule-Retter. Beendet Spiele oft nicht, schreibt trotzdem drüber.

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