Review: Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn 5

Review: Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn 5

Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn ist das Spiel zur gleichnamigen Spielberg/Jackson-Produktion, die aktuell in den Kinos läuft. Spiele zu Filmen sind ja eh immer schlecht, oder? Falsch!

Angefangen hat alles in Belgien: Obwohl Tintin aus Belgien kommt, habe ich den jungen Reporter im Land der Waffeln und Pommes unter seinem niederländischen Namen Kuifje kennen gelernt. Als Kind verbrachte ich zahlreiche Urlaube an der belgischen Küste und die Zeit vertrieb ich mir gerne mit Comics; entweder Asterix & Obelix oder eben Tim und Struppi. Belgien ist zwar ein zweisprachiges Land, für mich war es aber stets hauptsächlich Niederländisch bzw. Flämisch, das ich im Gegensatz zum Französischen auch von Klein auf recht gut verstand. Und deswegen musste man mir bei jedem Besuch im Supermarkt einen Comic kaufen, wenn man denn wollte, dass ich mitkam. So verbrachte ich meist meine Oster- und Herbstferien. Die Sommerferien hingegen verbrachte ich als blasses Nerdkind, das ich damals schon war, in der örtlichen Stadtbücherei, wo ich neben sämtlichen Bänden der Drei Fragezeichen auch alle Tim-und-Struppi-Comics aufholte. Passend zu Tims Styling, lief der kleine David zu dieser Zeit auch gerne mit hochgekrempelten Schlafanzughosen durch die Wohnung, auch wenn er den Namen für diesen modischen Ausrutscher (plus fours) erst viel später lernen sollte.

Viele Jahre später: Durch einen Zufall erfahre ich, dass sich Größen wie Peter Jackson, Steven Spielberg und Steven Moffat (Doctor Who, Sherlock) zusammengetan haben, um einen Performance-Capture-3D-Film zu machen. Darüber freue ich mich natürlich riesig, habe zeitgleich aber auch ein bisschen Angst – wie immer, wenn eine Vorlage verfilmt wird, die ich mag. Da ich mich nicht dran erinnern kann, was gerade an „Das Geheimnis der Einhorn“ so toll gewesen sein soll, wo doch jeder weiß, dass die drei Bücher um die Mondlandung die besten der Reihe sind, lese ich sämtliche Comics erneut, bevor ich den Film schaue und mir anschließend das Videogame vornehme. Die aufwändige Leserei hätte ich mir allerdings sparen können, nahm der Film es doch mit der Vorlage nicht wirklich genau. Das Game ist an den Film angelegt und somit noch weiter vom Original entfernt. Das ist in dem Fall aber weniger schlimm; es geht ja auch gar nicht anders, wenn man aus einem 3D-Animationsfilm einen 2.5D-Platformer machen will.

Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn ist also ein 2.5D-Platformer mit gelegentlichen 3D-Einlagen, bei dem man in die Rolle des jungen Reporters Tim (und manchmal in die seines treuen Gefährtens Struppi) schlüpft und versucht, das Geheimnis der titelgebenden Einhorn zu lüften. Die Einhorn war das Schiff von Käpt’n Haddocks Vorfahr Sir Francis Haddock, das beim Kampf mit dem Piraten Red Rackham zerstört wurde. Tim findet ein Modell des Schiffes, in dem sich eine von drei Schriftrollen befindet, die den Weg zum Schatz des Piraten weist. Natürlich ist er nicht der einzige, der auf der Suche nach dem Schatz ist, und schon bald findet Tim sich mit seinem Freund Haddock in einem turbulenten Abenteuer wieder. Ihr Ziel: den legendären Schatz zu bergen, bevor die Bösewichte die Gelegenheit dazu haben.

Die Jump ‘n’ Run-Parts des Games werden immer wieder von 3D-Abschnitten unterbrochen, die qualitativ nicht recht ins Spiel passen, besonders, wenn man mit Tim oder Struppi durch 3D-Landschaften laufen oder als sich Sir Francis Haddock im Schwertkampf beweisen muss. Besser gelungen sind die Motorrad-Verfolgungsjagden oder die Flugzeug-Level, auch wenn letzterer Modus Orientierungsschwierigkeiten hervorruft, weil man gegen unsichtbare Wände stößt und nicht mehr weiß, wo oben und wo unten ist. Trotz der Abwechslung, die diese Passagen bieten, sollte man das Spiel in erster Linie als Platformer betrachten. Als solcher ist es tatsächlich ein sehr schönes Spiel mit einigen guten Einfällen, auch wenn diese überwiegend bei anderen Spielen geborgt wurden. So fliegt man beispielsweise an einem Papagei hängend durch enge, mit Stacheln versehene Gänge. Das ist nicht nur an Donkey Kong Country angelehnt, sondern fast schon eine 1-zu-1-Kopie.

Challenge- und Multiplayer-Modus

Der Hauptkritikpunkt, der im Zusammenhang mit Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn immer wieder genannt wird: das Spiel sei viel zu kurz. Die Hauptstory hat man zwar in 4,5 Stunden durch, aber viel länger sollte man ein Spiel zu einem 90-minütigen Film auch nicht ziehen. Wer sich über die Spieldauer beschwert, hat aber ganz offensichtlich nur den Story-Modus gespielt. Und damit das Beste am Spiel verpasst. Im Tim-und-Haddock-Modus befindet man sich in der Traumwelt Haddocks, der eins über die Rübe bekommen hat. In mehr als 20 Leveln gilt es, mit wechselnden Charakteren abwechslungsreiche Jump ‘n’ Run-Abschnitte zu meistern. Und wie in einem klassischen Jump ‘n’ Run muss man nebenbei noch Geld und Sammelobjekte finden, mit denen man wiederum weiteren, weniger wichtigen Krempel freischalten kann. Spielt man ein Level alleine, gibt es keinen KI-Charakter, der einem hilfreich zur Seite steht, stattdessen wurden die nur zu zweit lösbaren Rätsel abgeändert. Nachdem ein Level gemeistert wurde, ist es erneut spielbar, dieses Mal mit freier Charakter-Wahl. Allerdings müssen Thom(p)son, Castafiore oder Sir Francis Haddock erst freigespielt werden. Spielt man den Tim-und-Haddock-Modus erneut durch, kann man im Level einfach zwischen den Charakteren wechseln, was nötig ist, um sämtliche Geheimnisse entdecken zu können. Bestimmte Schalter können zum Beispiel nur von den Thom(p)sons mit ihrem Gehstock betätigt werden, Madame Castafiore kann Glas zerspringen lassen und Tim hat einen praktischen Enterhaken.

Im Challenge-Modus muss man während eines Schwertkampfs, mit dem Flugzeug oder auf dem Motorrad Aufgaben möglichst schnell oder möglichst effektiv erledigen, um so verschiedene Medaillen zu gewinnen. Einige Beispiele: mit dem Flugzeug schnellstmöglich durch eine vorgegebene Anzahl Ringe fliegen, gegnerische Flugzeuge auf Zeit vom Himmel holen, vom Motorrad aus so viele Gegner wie möglich erledigen oder aber als Sir Francis Haddock im Schwertkampf glänzen. Der Challenge-Modus ist eigentlich nur ein kleiner Bonus und die Tatsache, dass hier auch mit Kinect gesteuert werden kann, ein nettes Gimmick.

Fazit

Für ein einfaches Durchspielen aller Level (Story-, Tim-und-Haddock- und Challenge-Modus) braucht es locker 7 bis 8 Stunden – will man alles entdecken, braucht es deutlich länger. Vollkommen ausreichend, finde ich, zumal Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn ja auch kein 70-Euro-Game ist.

Ansonsten ist Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn ein kurzweiliges, gelungenes, unterhaltsames und faires Game, das vor allem in den 2D-Parts eine Menge Spaß macht. Die vielen automatischen Speicherpunkte lassen nie Frust aufkommen, sterben kann man nicht, und einzig die Verfolgungsjagden im Motorrad strapazierten manchmal etwas meine Nerven.

Kurz: Tintin ist ein perfekter Platformer, der vor allem für Kinder und jung gebliebene Comic-Fans geeignet ist. Wer den Film mochte oder Tim-und-Struppi-Fan ist, wird voll auf seine Kosten kommen. Von der kurzen Spielzeit der Hauptstory sollte man sich auf keinen Fall abschrecken lassen, denn wer geduldig ist, kann in Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn noch so viel mehr entdecken.

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Mit-Gründer von Zockwork Orange, Casual Gamer, Assassin's-Creed-Fanboy, Hyrule-Retter. Beendet Spiele oft nicht, schreibt trotzdem drüber.

5 Comments

  1. Für mich war der Titel die große Überraschung in diesem Herbst. Die Plattform Elemente ware richtig spaßig und dank dem Tim-und-Haddock-Modus, gab es auch genug Umfang. Besonders schön fand ich hier die Tatsache, dass die Geschichte weitererzählt wird. Denn dort gibt es ja nicht nur am Anfang Storyelemente.

    Ich habe schon lange keine Filmumsetzung mehr gespielt, die so gelungen war.

  2. Ahh was für eine Familienfreundliche Einleitung, doch gab es damals in Belgien nicht eher suske en wiske zu lesen ?

    Erinnere mich an Tim und Struppi eher aus der Bücherei, die hatten eine Prima Kiste dort mit allen großen und wichtigen Comicserien die man gelesen haben sollte.

    Und an alle die man nicht gelesen haben braucht.

  3. Danke für den tollen Test, denn das Spiel interessiert mich als „Tintinologe“ doch ungemein. Den Film fand ich klasse (verstehe dir Kritiker nicht wirklich), das Spiel hat mich zunächst einmal weniger interessiert, da Filmumsetzungen ja immer so eine Sache sind.

    Was mich auf jeden Fall überzeugt hat, ist der Coop-Modus. Werde ich mir auf jeden Fall mal zulegn, wenn die Preise sinken.

  4. Kurz vor dem Film war ich in London, wo der überall als „Secret of the Unicorn“ vermarktet wird, in der restlichen Welt wurde das ja weggelassen. Deshalb waren meine Erwartungen an die Werktreue vielleicht ein bisschen zu hoch, mit besagtem Buch hatte es dann leider doch recht wenig zu tun, was mich während des Films leicht enttäuscht hat. Generell finde ich, dass die Geschichte nicht so viel hergibt. Aus irgendeinem Grund ist es das meistverkaufte Buch, persönlich fand ich da ganz andere immer viel spannender.

    Zum Kaufen ist das Spiel tatsächlich noch etwas teuer auch wenn die Kritik an der Spielzeit nicht ganz funktioniert, ich bin bei rund 15 Stunden angelangt und mir fehlt noch einiges. Hätte ich das nicht netterweise geliehen bekommen (Danke @Maxx) hätte ich es vermutlich erst viel später gespielt, wenn es für 20-30 Euro erhältlich ist.

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