Review: Sid Meier’s Civilization V 9

Review: Sid Meier’s Civilization V 9

19 Jahre ist es bereits her, dass Sid Meier eines der genialsten Spiele der Gaming-Geschichte erschaffen hat. Mit Sid Meier’s Civilization legte er damals den Grundstein für eines der Markenzeichen des Gaming schlechthin. Nun steht schon der fünfte offizielle Ableger der Serie ins Haus und das Rundenstrategie-Herz darf wieder frohlocken.

Wieder einmal gilt es eine Nation von der Steinzeit in die Gegenwart zu führen und sich dabei im Kräftemessen mit den anderen Imperien zu behaupten. Erschienen ist CIVILIZATION V in Europa am 24.9.2010 für den PC.

Zu Beginn des Spieles muss sich der Spieler für eine von insgesamt 16 Zivilisationen entscheiden, welche sich, abgesehen von der Optik und den Namen der Städte, in einer Spezial-Fähigkeit, sowie zwei besonderen Gebäuden oder Einheiten unterscheiden. Wer sich für Rom entscheidet, bekommt einen Bonus auf den Bau von Gebäuden, welche schon in der Hauptstadt errichtet wurden. Leider kann man im Gegensatz zu Civilization IV nicht mehr aus unterschiedlichen Herrschern wählen, sondern kriegt einen Herrscher vorgesetzt, im Falle von Rom ist dies Augustus Cäsar. Hat man sich für eine Nation, Aussehen der Welt und einen Schwierigkeitsgrad entschieden, geht es auch prompt los mit dem Siedeln, Forschen, Kämpfen und Erkunden der Welt. Veteranen dürfte an diesem Punkt der größte Unterschied von CIVILIZATION V seinen Vorgängern gegenüber auffallen: Die Spielwelt ist nicht mehr in Vier-, sondern in Sechsecke unterteilt. Der Vorteil hiervon ist eine etwas komplexere Spielumgebung, da dies auch eine rundere Welt ermöglicht. Wer mag, darf sich das Spielfeld auch in 2D anschauen, was wohl der Übersicht dienen sollte. Durch einen Mangel an Filtern und wegen winziger Symbole dürfte diese Ansicht aber für die meisten Spieler uninteressant bleiben und mal ehrlich: Die Grafik ist wirklich schön genug, als sie durch diese Ansicht verschandeln zu müssen.

Die Verwendung von Sechsecken geht mit einer anderen Neuerung einher, denn ab sofort lassen sich militärische Einheiten nicht mehr stapeln. Wer sich also in einen Krieg begibt, muss nun genauer überlegen, wie er seine Einheiten postiert, denn ein simples „Ich schmeisse so viele Einheiten wie nur möglich auf den Gegner“-Verhalten funktioniert nicht mehr. War ich zuerst etwas skeptisch, ob dieses Konzept aufgeht, bin ich nun der Meinung, dass es einen frischen Wind im Bezug auf die Kämpfe ins Spiel bringt, von denen ich bis jetzt nie ein großer Fan war, weil sich diese häufig zu unübersichtlich gestalteten. Fernkampfeinheiten haben nun die Möglichkeit mit zwei Feldern Entfernung Gegner anzugreifen, was in Anbetracht des fehlenden Stackings nur konsequent ist, nervig ist allerdings, dass diese Einheiten nicht in der Lage sind Städte einzunehmen. Häufig genug musste ich erst mal ein paar Runden warten, bis ich endlich eine Nahkampfeinheit parat hatte, welche die Stadt einnehmen konnte, weil meine vorherigen Kämpfer getötet wurden.

Nun setzt sich CIVILIZATION V natürlich nicht nur aus den Kämpfen zusammen (neben der Weltherrschaft gibt es schließlich auch andere Wege zu siegen). Wer zum Beispiel die Forschung vernachlässigt, steht irgendwann mit Reitern den gegnerischen Panzern gegenüber. Hierbei gilt die Devise, dass man, egal was man tut, letztendlich mit den Gegnern gleichsteht, weil man immer den gleichen Forschungsbaum hat. Hier wäre eine Spezialisierung der einzelnen Nationen spannender gewesen, da sich das Spielgefühl unabhängig von der gewählten Nation immer gleich anfühlt, aber hierbei handelt es sich um ein altes Problem der Civilization-Reihe. Einzig durch den Bau von Weltwundern lässt sich eine Differenzierung von den Gegnern erreichen, da diese unterschiedliche Vorteile bringen. Wer sich für den Bau des Kolosses entscheidet, darf sich in Zukunft über zusätzliche Goldeinnahmen aus Wasserfeldern freuen. Doch muss man vorsichtig sein, denn die gleichen Wunder stehen den Gegnern natürlich auch zu Verfügung und sind nur ein einziges Mal möglich.

Der Bau von Städten ermöglicht nicht nur bessere Einnahmen und die Produktion von Einheiten und Forschungspunkten, sondern ermöglicht auch das Erlangen von Kulturpunkten. Diese sind zum einen für die Ausweitung der Stadtgrenzen wichtig, was bereits aus dem Vorgänger bekannt ist, und schalten zum anderen neue Sozialpolitiken frei. Diese ersetzen das vorher verwendete Politiksystem, bei dem man sich für Staatsformen entscheiden konnte, was einem verschiedene Vorteile gab, wie beispielsweise schnellere Produktion oder Forschung. Im Endeffekt funktioniert die überarbeitete Version ähnlich, mit dem Unterschied, dass man einmal getätigte Investitionen nicht mehr rückgängig machen kann. Man sollte sich also von Beginn an gut überlegen, auf welche Art und Weise man spielen möchte. Der Verzicht auf Religion und Spionage ist schade, steht aber beispielhaft für die Tatsache, dass man ein entschlacktes Spielgefühl haben wollte, was auch sehr gut funktioniert. Insgesamt schien man sich bei der Entwicklung darauf zu konzentrieren, dass das Mikromanagement so gering wie möglich gehalten werden sollte, was dem Fluss des Spieles wirklich gut tut.

Ein wichtiger Punkt eines jeden Civilization ist die Diplomatie: Immer wieder wurde propagiert, dass nun endlich das supertolle System gefunden wurde, mit dem man geschickt über Bündnisse, Handel oder Kriege feilschen kann. Auch CIVILIZATION V sollte neue Maßstäbe in diesem Punkt setzen, schwächelt jedoch an der KI, die sich nicht immer schlau verhält. Wenn mir Nationen, welche zuvor fast vernichtet wurden, mit Krieg drohen, weil ich eine neue Siedlung in ihre Nähe gesetzt habe, dann bleibt häufig nicht mehr übrig als ein arrogantes Schmunzeln. Und was hat es eigentlich mit den Geheimpakten auf sich? Diese sollen dazu dienen, dass man gemeinsam gegen einen Dritten vorgeht, um diesen ohne Krieg zu schwächen. Wirklich konsequent ist das leider nicht, wie man beispielsweise an einem Lob über das Einhalten des Paktes merkt, obwohl man sich eine Runde zuvor mit dem gemeinsamen Gegner verbündet hat. Spannender als die Basis-Diplomatie sind hingegen die neu eingeführten Stadtstaaten: Diese Mini-Nationen bestehen aus nur einer Stadt und können den Spieler unterstützen, oder auch bekriegen, wenn man sich mit einer ihnen befreundeten Nation anlegt. Man sollte nicht meinen, dass die Stadtstaaten allzu leichte Opfer wären, denn spätestens nach einer Kriegserklärung des Erzfeindes, weil man einen von ihm geschützten Staat angegriffen hat, sollte man sich auf einen großen Krieg einstellen. Wer sich aber mit den Staaten gut versteht, wird mit Rohstoffen und Bündnistreue belohnt. Abgesehen von Geschenken kann man sich die Gunst der Städte durch die Erfüllung von kleinen Aufgaben sichern. Das macht Spaß und bringt eine wirkliche Abwechslung ins Spielgeschehen!

Sid Meier’s Civilization V (PC)
Entwickler: Firaxis Games
Publisher: 2K Games
Erscheinungsdatum: bereits erschienen
USK-Einstufung: ab 12 freigegeben

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Es gibt viele Sachen an CIVILIZATION V, die Veteranen auf dem ersten Blick stören könnten: Verzicht auf Einheiten-Stacking, die Sozialpolitiken und die Tatsache, dass die Diplomatie wieder einmal, wegen einer eher schwachen KI, zum Nebenprodukt wird. Wer sich aber auf CIVILIZATION V einlässt, dem werden diese Kritikpunkte recht schnell egal sein, denn im Vergleich zum vierten Teil wirkt das Spiel eine ganze Ecke runder und durchdachter – und schneller als einem lieb ist, verfällt man wieder dem klassischen „Eine Runde geht noch„-Syndrom. Die Neuerungen fügen sich gut ins Spielgeschehen ein, vor allem das Konzept der Stadtstaaten und das neue Kampfsystem sind wirklich gut durchdacht. Für mich qualifiziert sich CIVILIZATION V für den Platz als König der Reihe (nur Alpha Centauri ist noch besser, aber das ist ja kein offizieller Ableger). Für den kommenden Winter ist dieses Spiel der perfekte Zeitvertreib und für die Zukunft ist bereits mit dem umfangreichen Editor vorgesorgt. Ich würde jedem raten sich zumindest einmal die Demo anzuschauen, welche über Steam verfügbar ist, und sich selbst zu überzeugen, welches Suchtpotential der neueste Teil besitzt. Steam ist übrigens auch Voraussetzung zum Spielen von CIVILIZATION V.

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Frederik Wagner (Redaktion) Job: Student im Master of Education für Geschichte und Englisch Auf ZwO Experte für: PC-Spiele aller Art, hauptsächlich aber Sachen aus den Bereichen RPG und Strategie, bevorzugt rundenstrategisch. Die herumstehende Xbox erweitert das Spektrum um reine Konsolentitel. Hier holt sich Freddi Gaming-News: PCGamer.com Mail: fw [at] zockworkorange [dot] com Twitter: Fredelsloh XBLA: - PSN: - Steam: Fredelsloh Erstes Game: Prince of Persia Liebste Games: Baldur’s Gate II, Planescape Torment, Arcanum, Civilization II, Europa Universalis 3 Liebste Persönlichkeit der Branche: Warren Spector Liebste Game-Figur: Minsk und Boo

9 Comments

  1. Ich habe noch nie einen Teil der Civilization-Reihe ausprobiert, war von der Demo von Civ V jedoch sehr angetan.
    Mir ist nur noch nicht ganz schlüssig, wie das ganze im Multiplayer-Modus funktionieren soll. Wie lange dauert ein Spiel ungefähr, kann man das zwischendurch pausieren, macht das Spaß? Kannst du mir das vielleicht erklären?

  2. @tobi: Ein Zeitkiller ist es, auf jeden Fall – Vielleicht hätte ich noch eine Warnung anfügen sollen ;)

    @oqpie: Erstmal solltest du dir viel Zeit nehmen – mindestens das Doppelte des normalen Civ-Pensums, weil jeder deiner Gegner genau wie du Zeit zum Überlegen und Handeln braucht. Bis zu 12 Spieler können teilnehmen und jeder Spieler ist abwechselnd an der Reihe. Das kann Spaß machen, aber auch extrem nerven, wenn du Leute dabei hast, die einfach zu lange brauchen. Wie gesagt: Nimm dir viel Zeit – Civilization ist und war nie ein Spiel für zwischendurch.

  3. Ist der Multiplayer echt abwechselnd? Ich kann mich noch erinnern – lang, lang ist es her – dass irgendwann mal Civ 1 für Windows 95 portiert wurde und da gab es bereits eine Netzwerkfunktion. Und ich meine, alle haben immer gleichzeitig gezogen und man musste höchstens mal bis zu einer Minute warten, bis der letzte fertig war. Die Kämpfe wurden AFAIR separat berechnet.

    Wie gesagt, ich mag mich irren, aber so primitiv Hot-Seat-mäßig war das nicht. Gab es auch, aber dann halt an einem Rechner.

  4. Feine Review die mich zumindest dazu motiviert mir die Demo mal anzuschauen. Ist die Weltkarte denn jetzt größer als sonst ? Wenn Einheiten nicht mehr gestapelt werden können müssen diese sich ja jetzt Flächenmäßig weitläufiger verteilen. Ist es denn möglich innerhalb der Städte mehrere Einheiten zur Verteidigung zu stationieren ?

  5. Also ich konnte die Städte mit Bogenschützen erobern. Man muss halt nur mal den Mut haben hinzulaufen!
    Die Stadtstaaten gehen mir nur noch auf den Keks, und die Nation-KI ist nicht gerade schlau (siehe Geheimbünde)

    Ansonsten ist es doch Recht geil, und überzeugte mich auf Anhieb! (Anders als Civ IV)

  6. @Fabian: Ich hab grad nochmal nachgeschaut und ich muss einen Fehler eingestehen – Züge werden simultan getätigt. Ich hab nur kurz mal reingeschaut und da hatte ich das Gefühl, dass es nacheinander abläuft. My Bad!

    Zum Hotseat-Modus muss ich noch sagen, dass dieser erst noch nachgeliefert werden muss. Finde ich sehr schade, weil ich immer wirklich gerne mit Freunden zusammen am gleichen Rechner gezockt habe!

    @Marc: Die Karte müsste insgesamt, durch die feinere Aufteilung der Felder, größer sein. Genaueres hab ich zu der Frage leider nicht gefunden. Auch in Städten darf nur eine Einheit stehen, die Stadt selbst verfügt jetzt aber über Miliz und kann selbst per Fernkampf Gegner angreifen. Das reicht nicht um Armeen zu stoppen, aber zumindest um diese ein bisschen hinzuhalten.

    @Alexander: Hmm, ich hatte es ein paar mal versucht und da konnte ich die Stadt nicht einnehmen. Vielleicht etwas was gepatched wurde? (Ich hatte es nur zu Beginn probiert – Am Ende dann natürlich nicht mehr)
    Die KI der Nationen ist wirklich nicht überragend aber die Stadtstaaten gefallen mir super!

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