Review: LIMBO 5

Review: LIMBO 5

Anm. d. Red. aka David: Letztens hatte ich ja ein paar Worte zu LIMBO verloren, obwohl ich nur die Demo gespielt hatte. Unser Gastautor Maxx hat sich nicht lumpen lassen, die Vollversion gekauft und diese natürlich auch gespielt und ein bisschen ausführlicher was dazu geschrieben.

Wer bei dem Wort Limbo zuerst an ein Web Content Management System oder seinen letzten Tansaniaurlaub denkt, ist bei dem ersten Spiel aus Microsofts diesjähriger Summer of Arcade-Reihe herzlich fehl am Platz. Auch wer über den Namen schon ein buntes Tanzspiel im Kopf sieht, muss sich seit letzter Woche auf dem Live Marketplace von etwas anderem überzeugen. Wirken Name und Konzept sehr putzig, haben wir eins der cleversten und schaurigsten 2D Spiele der letzten Jahre vor uns. Das Erstlingswerk der Entwickler von Playdead ist nämlich ein Wolf im Schafpelz.

Der Titel des Spiels lässt sich also eher vom theologischen begriff Limbus, der die Vorhölle in diversen alten Schriften benennt, ableiten. Zumindest würde dieses Sinnbild dem Spiel sehr viel gerecht werden. Als kleiner Junge begibt man sich auf der Suche nach seiner Schwester an dem dunklen und skurrilen Ort der LIMBO genannt wird. Da das ganze völlig ohne Sprache, Text oder sonstige Form von Cutscene auskommt, tappt man anfänglich sprichwörtlich im Dunkeln. Diese Redewendung beschreibt die ersten Minuten LIMBO eigentlich mehr als gut. Direkt von Beginn an befindet man sich in einer so tiefschwarzen Welt, dass es sich tatsächlich um einen Kreis aus Dantes Inferno handeln könnte. Verwirrung und Ahnungslosigkeit sind Teil des Spielprinzips.

Das ist aber alles nicht so schlimm, denn durch die minimalistische Steuerung erklärt sich die Knopfbelegung von alleine. Der Analogstick bewegt unseren Protagonisten von links nach rechts und mit A oder B springen oder greifen wir. Die nicht schwer zu begreifende Handhabung wird durch die kniffligen Rätsel ausgeglichen. Diese entpuppen sich nämlich meistens erst auf den zweiten Blick als tödliche Fallen.

So klettert, puzzelt und sterbt ihr durch die 2D Welt. Denn obwohl ein kleiner Junge in einem 2D Abenteuer fungiert, ist das Setting keineswegs für Kinder gemacht. Schon kurz nach Beginn befindet man sich in ständiger Flucht vor überdimensionalen Spinnen oder trifft immer wieder auf Vertreter einer anderen humanen Art, die aber alles daran setzt, unserem Spiel ein Ende zu bereiten. Es ist dabei erstaunlich, wie gut das schwarzweiß-Setting in diesem Fall funktioniert. Zwar ist alles extrem künstlerisch angehaucht, doch durch die sehr morbide Darstellung dem USK 18-Button mehr als würdig.

Auch bei der musikalischen Untermalung ist Sparkurs angesagt. Außer einem atmosphärischen Grundton und den Geräuschen, die bei Interaktion mit der Spielwelt erklingen, ist es im wahrsten Sinne ruhig im LIMBO-Wunderwald. Dies dient aber in erster Linie nicht dem Zweck, Produktionskosten einzusparen, sondern geht auf das Stimmungskonto. Ein wabernder Klangteppich, der die Film-Noir-Welt durch seine sehr explizite Tongebung zum Ort unserer tiefsten Ängste macht. Nicht nur der krabbelnde Schatten einer Monsterfliege bewegt sich vor uns – sobald sie empor in die Luft steigt hören wir ein verstärktes Summen, welches jedem Insektenhasser durch Mark und Bein geht. Ähnlich wie das Bild liegen auch hier, unscheinbar, verschiedene Effektschichten auf dem Ton. Die lassen das ganze wie aus einer anderen unruhigen und grobkörnigen Welt wirken.

Hier macht ein epischer Score Platz für den verstörenden Style… und das ist auch gut so! No Country for Old Men lässt grüßen!

LIMBO ist insgesamt kein leichtes Spiel, aber dennoch trifft man auf keine Stelle die nicht mit Logik oder viel Probieren gemeistert werden kann. Selbst nach etlichen Versuchen nimmt der Frust nie überhand und die Freude über eine gemeisterte Stelle immer größer. Es ist sogar eher ein großer Triumph, findet man schließlich den richtigen Weg. Stirbt man am laufenden Band, motiviert das eher, direkt noch einmal loszulegen. Dieses Gefühl geht über das Spiel nicht verloren, was vielleicht auch an der sehr geringen Spielzeit von drei bis vier Stunden liegen mag.

Allein der Grundtonus, der mit seiner Oh-Mein-Gott-Ich-Mach-Mir-Ins-Hemd-Stimmung die erste Stunde zu spüren ist, kann danach nicht gehalten werden und lässt LIMBO gegen Ende etwas fad ausklingen. Nichtsdestoweniger haben wir hier es mit einem äußerst intelligenten Jumper für ertragbares Geld zu tun. Als Einstieg in den Xbox Arcade Sommer ist LIMBO ein würdigerer Vertreter seiner Art. Wer auf 2D Gameplay à la Heart of Darkness oder auf ein wenig Hirnverrenkungen nach Marke Oddworld steht, sollte auf jeden Fall zugreifen.

Mehr Meinungen zu LIMBO gibt es dann bestimmt im nächsten Podcast. Weiter in Microsofts Sommer Reihe geht es schon diese Woche mit dem HD Speedboad Racer Hydro Thunder Hurricane, der endlich das beliebte Playstation/Dreamcast/N64-Rennspiel auf die Next Level Konsolen holt.

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