Review: Gray Matter 8

Review: Gray Matter 8

Gray Matter ist das neuste Werk von Jane Jensen. Wer dabei an eine Pornodarstellerin denkt, ist scheinbar genau wie ich PC-los aufgewachsen und kennt die berühmte Gabriel Knight-Serie nicht. Diese Reihe von Adventure-Games stammen nämlich ebenfalls aus der Feder der Designerin Jesse Ja… Jane Jensen.

Als kleine Vorwarnung, auch wenn das eigentlich an das Ende gehört. Gray Matter ist im Grunde ein Point-and-Click Adventure und ich habe es auf der Xbox gespielt. Dass das dumm von mir war, ist mir klar, aber das Spiel fiel mir nunmal gerade in dieser Variante in den Schoß. Ich werde mich erwartungsgemäß am Ende noch über Steuerung und Umsetzung auf der Konsole aufregen, für den Moment lasse ich das mal außen vor.

Gray Matter springt recht schnell in die Handlung, ohne viel zu erklären. Wir begleiten Samantha Everett, genannt Sam, auf dem Motorrad durch das regnerische England. Sie ist auf dem Weg nach London, um das Geheimnis des mysteriösen Daedalus-Clubs zu lösen. Der Daedalus-Club ist eine exklusive Vereinigung für Zauberer und Sam hegt den Traum, dort mit ihren Tricks von sich überzeugen zu können. Doch an einer Kreuzung dreht der Wind das Straßenschild und Sam findet sich plötzlich in Oxford statt in London wieder. Aufgrund des Regens und des Mangels an Geld gibt sie sich in der Villa des Neurobiologen Dr. David Styles als die von ihm angeforderte Assistentin aus, um Unterschlupf zu finden. Da es Geld und gutes Essen von der Haushälterin gibt, beschließt sie zu bleiben, zumal sie in Oxford auch direkt mit dem Besitzer eines Magie-Shops Mephistopheles einen Mentor und eine gute Quelle für Informationen zu der nach Ikarus‘ Vater benannten Zauberer-Vereinigung findet.

Der brillante Dr. Styles plant nach Jahren der Zurückgezogenheit – seit einem Unfall ist sein Gesicht entstellt – sein erstes Experiment und Sam soll Studenten dafür finden. Gar nicht so leicht, werden doch in ganz Oxford böse Gerüchte über den Mann erzählt, der seine Brandwunden mit einer Maske verdeckt und optisch dem Phantom der Oper ähnelt. Doch Sam nutzt ihren Charme und ihre Magie-Tricks, freundet sich mit 4 Studenten an und überredet sie, an den Experimenten teilzunehmen. Die sind an sich harmlos, doch während die jungen Leute es sich auf Liegen bequem machen, Dinge visualisieren und dabei ihr Hirn scannen lassen, geschehen in Oxford merkwürdige Dinge, die zufällig immer genau mit den Sessions korrelieren. Ein böser Streich, der gegen den Doktor gerichtet ist, der zu seinen aktiven Zeiten sehr umstritten war? Oder doch eher das „Big Game“ eines Magiers, der durch einen großen Trick Aufmerksamkeit erregen, um so in den Daedalus-Club aufgenommen zu werden? Sam macht es sich zum Ziel, die übernatürlichen Ereignisse aufzuklären, während sie gleichzeitig ihrerseits probiert, Eintritt in den Londoner Geheimclub für Magier zu erlangen.

Legt man Gray Matter in seine Xbox ein, fällt sofort auf, dass es sich um ein PC-Game handelt. Man kann Sam zwar steuern, das ist aber total nutzlos, interagieren kann sie nämlich nicht mit ihrer Umgebung, Gray Matter ist ein reines Point-And-Click Adventure. Da das Spielkonzept mit einem Controller (Cursor auf Objekte oder Personen bewegen) überhaupt nicht funktioniert, ist das in dem Fall durch ein Ringmenü gelöst, in dem sämtliche Objekte und Personen aufgelistet sind, mit denen man interagieren kann. Das ist super, weil man so nichts verpassen kann, ist aber andererseits auch total umständlich und man sucht immer ewig in dem unbeschrifteten Ringmenü, bis das gewünschte Objekt im Raum gehighlightet wird.
Ein weiterer Grund, warum man besser darauf hätte verzichten sollen, dass Sam steuerbar ist: es sieht einfach nicht gut aus. Die Personen bewegen sich total unnatürlich, schweben über dem Boden und fuchteln wild mit den Armen, z.B. bei der Nahrungsaufnahme. Die Zwischensequenzen bestehen hingegen aus Standbildern in Wasserfarben-Optik, vielleicht hätte man das ganze Spiel in dem Stil halten sollen. Ansonsten ist die Optik der Hintergründe – hauptsächlich Oxford – sehr schön gemacht, jede Szene besteht aus einem gerenderten Standbild, das meist genau den Screen ausfüllt. Was mich dabei wundert, sie sind Ladezeiten zwischen den Screens, schließlich wird wirklich nur eine feste Grafik geladen, muss das mehrere Sekunden dauern, die man mit einem Ladescreen überbrücken muss? Störend ist das nicht, verwunderlich aber schon. Neben der Optik der Hintergründe überzeugt Gray Matter auch durch eine sehr gelungene (englische) Sprachausgabe; keine Selbstverständlichkeit bei einem französischen Game.

Diese technischen Mängel fallen einem natürlich als erstes ins Auge, trotzdem hat mich die Atmosphäre und die mysteriöse Story letztendlich doch so fesseln können, dass ich Gray Matter erst zur Seite legte, nachdem ich das Rätsel um den Daedalus-Club gelöst hatte. Und das Alice im Wunderland-Rätsel zum Schluss muss man einfach gesehen haben!
Es gibt ein Achievement für das Beenden des Spiels in unter 5 Stunden, davon darf man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen; geht man alle Dialoge durch und schaut sich die Cutscenes an, ist Gray Matter kaum in unter 10 Stunden zu schaffen. Ich würde trotzdem jedem der die Möglichkeit hat raten, Gray Matter auf dem PC zu spielen. Eine Wii-Version ist geplant, was auch gut funktionieren könnte, eine Version für’s iPad oder den Nintendo DS kann ich mir ebenso vorstellen, einzig die Steuerung mit einem Controller über ein Ringmenü ist eine echte Qual. Wer nicht warten will oder keinen PC hat, sollte Gray Matter aber nicht nur wegen der schlechten Steuerung ignorieren, das hat Gray Matter nicht verdient, Adventure-Fans kommen bei der Mystery-Story und den Magie-Minispielen voll auf ihre Kosten.

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Mit-Gründer von Zockwork Orange, Casual Gamer, Assassin's-Creed-Fanboy, Hyrule-Retter. Beendet Spiele oft nicht, schreibt trotzdem drüber.

8 Comments

  1. wenn ich nicht grad zugedröhnt wäre mit allerhand neuen spielen, würde ich mir ein neues point and klick sicher mal geben, aber vielleicht später…kommt auf meine merkliste. Aber außer zur Story hast du leider nicht viel zum spiel gesagt…schade

  2. naja gut. an sich gibt es ja im point and klick genre nicht viel zu erklären, aber vielleicht die art der rätsel. länge, schwierigkeitsgrad, häufigkeit, vielfalt…
    sind denn die charaktere schön heraus gearbeitet? machen sie vielleicht sogar eine interessante Entwicklung durch? aber ansonsten hab ich nichts zu meckern, gerne gelesen hab ich die review trotzdem :)

  3. Hehe, okay :) Ich merk’s mir für’s nächste Mal. Wenn das Review zu lang ist, liest es auch keiner mehr, ist nicht so ganz einfach, da die goldene Mitte zu finden.

    Die Hauptcaharktere bekommen eine ausführliche Hintergrundgeschichte durch Flashbacks und ähnliches; der Unfall bei Dr. Styles, das klischee-behaftete von einem Waisenhaus zum anderen bei Sam usw. Die Nebencharaktere bleiben sehr simpel.
    Sams Entwicklung habe ich angedeutet: sie verfolgt erst nur ihre eigenen Ziele und gibt sich sogar als eine andere Person aus, fühlt sich letztendlich aber doch verpflichtet, die Vorkommnisse aufzuklären. Viel Entwicklung ist aber auch nicht möglich, die gesamte Handlung erstreckt sich über wenige Tage.

    Die Rätsel sind für ein Point-and-Click eigentlich sehr typisch. Man muss z.B. bei der Aufklärung der mysteriösen Ereignisse in Räume von Studenten eindringen und dazu Alarme abschalten oder anwesende Personen ablenken. Was die Magie angeht: dafür hat man ein Buch mit einer Hand voll Tricks und Mephistopheles‘ Zauberladen, in dem es die nötigen Zubehöre gibt. Die größte Herausforderung besteht darin, den richtigen Trick zu finden, wobei Trial-and-Error recht schnell und einfach funktioniert. Dann muss man den Standardtrick auf die aktuelle Situation anwenden und die einzelnen Schritte angeben: nimm Objekt A in Hand, nimm Objekt B in Hand, lenke ab, lasse Objekt in Ärmel verschwinden usw.
    Es gibt ein gutes Dutzend Zaubertricks und jeder kommt genau ein Mal vor. Ansonsten sind Rätsel eher selten, Gray Matter ist äußerst dialoglastig (gibt auch gegen Ende ein Achievement für „1000 Dialoge geführt“)
    Die Aufgaben sind vom Schwierigkeitsgrad recht simpel, die einzige Schwierigkeit ist, dass einem manchmal etwas fehlt, was das nächste Ereignis triggert und man kommt einfach nicht drauf. Bei mir war es ein Telefonanruf… bin alle Orte abgelaufen, habe mit allen Leuten gesprochen und es ist einfach nichts passiert. Bis ich dann alle Kontakte im Handy nochmal durchgegangen bin. Sowas kann man übersehen, was recht ärgerlich ist.
    Ansonsten gibt es noch kleine Rätsel in Form von Minispielen, Spielautomaten usw. Ich hab nicht viele Point-and-Clicks gespielt, würde aber sagen, dass es vom Schwierigkeitsgrad leichter als ein Monkey Island ist.Gray Matter ist sehr story/dialoglastig, der Rest ist nebensächlich.

  4. Gern geschehen :)
    Wirst du es spielen? Wenn ja, hoffentlich auf dem PC? Kannst dann ja mal erzählen, da wird es in allen Bereichen besser sein, selbst die Screenshots vom PC sahen besser aus (die im Artikel sind vom PC), als das was ich auf der Xbox gesehen habe und die Steuerung wird natürlich auch viel angenehmer sein.

  5. Ich habe es auf dem PC gespielt und war trotz der typischen Point&Click Steuerung nicht sonderlich begeistert. Das Spiel kam mir zu langsam in fahrt und das System mit den Zaubertricks hats dann leider auch nicht mehr gerissen. Vielleicht hab ich dem Spiel nicht genug Zeit gegeben mich mit der Story zu überzeugen, aber mir war dann das eigentliche Gameplay zu ‚langsam‘ und etwas altbacken.

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